Der streitbare Prophet von Arthur W. Upfield

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1956 unter dem Titel The battling prophet, deutsche Ausgabe erstmals 1958 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Australien, 1950 - 1969.
Folge 20 der Napoleon-Bony-Bonaparte-Serie.

  • London: William Heinemann, 1956 unter dem Titel The battling prophet. 226 Seiten.
  • München: Goldmann, 1958. Übersetzt von Arno Dohm. 185 Seiten.
  • München; Wollerau: Goldmann, 1974. Übersetzt von Arno Dohm. ISBN: 3-442-00232-X. 192 Seiten.
  • München: Goldmann, 2002. Übersetzt von Arno Dohm. ISBN: 3-442-83971-8. 192 Seiten.

'Der streitbare Prophet' ist erschienen als Taschenbuch

Das meint Krimi-Couch.de: »Sprachlich locker und ansprechend in Szene gesetzten Bilder« 66°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Stellen wir uns vor, es gelänge jemandem das Wetter so exakt vorher zu sagen, dass die Wahrscheinlichkeit bei 95% läge? Was würde passieren? Die Landwirte würden bei prophezeiten Dürren oder Überschwemmungen nicht mehr ihre Produkte anbauen, die Gebrauchsfahrzeugindustrie würde keine landwirtschaftlichen Maschinen verkaufen, die Saatgutindustrie würde lahm liegen, die Beschäftigten in der Landwirtschaft und der agrarverarbeitenden Industrie würden arbeitslos usw. usw.

Der Meteorologe Ben Wickham hat genau die Formel gefunden, und alle sind hinter ihr her. Wickham, der in Mount Marlo im Süden Australiens lebt und ein jährliches Saufgelage mit seinem Freund John Luton abhält, bei dem es gilt, die verschiedenen Stadien des Delirium tremens zu erreichen, stirbt. Angeblich infolge übermäßigen Konsums von Alkoholika mit anschließendem Herzinfarkt. Doch John Luton weiß, dass irgendjemand Einfluss auf das Ableben seines Kumpans genommen hat, denn die Saufsymptome waren anders als sonst.

Napoleon Bonaparte tritt auf. Freunde nennen ihn Bony. Den schicksalsträchtigen Namen hat der australische Vorzeigepolizist als Waise von den Nonnen erhalten. Und er hat sich mit Hartnäckigkeit nach oben gearbeitet. Als er von Luton erfährt, was sich abgespielt hat, nimmt er Urlaub und zieht auf dessen Landgut, um die Sache zu untersuchen.

Zum Einen hat Ben Wickham ein hübsches Sümmchen zu vererben, das sowohl der Familie, als auch den Freunden ein nettes Auskommen ermöglichen würde. Zum Anderen tummeln sich plötzlich reichlich finstere Gestalten rund um John Lutons Anwesen, die gar keine angenehmen Absichten im Schilde führen. Auch die ortsansässigen Honoratioren scheinen durch die Bank Dreck am Stecken zu haben und auf Bony und seine Freunde warten harte Ermittlerzeiten.

Der 1890 in England geborene und 1964 verstorbene Arthur W. Upfield wanderte mit zwanzig Jahren nach Australien aus und trieb sich als Pelztierjäger, Schafzüchter, Goldsucher und Opalschürfer durchs Land. Der Goldmann Verlag hat bislang neun von achtundzwanzig Romanen um den Buschpolizisten Napoleon Bonaparte veröffentlich, wovon »Der streitbare Prophet« der momentan letzte Krimi aus dem australischen Busch ist.

Upfields Protagonist ist ein antipoder Hercules Poirot-Verschnitt. Seine Waffen sind der scharfe Verstand und das Wissen um die Eigentümlichkeit dieser faszinierenden Landschaft, ihre Menschen und deren Macken. Wenn man davon ausgeht, was über Australien zum Zeitpunkt des Entstehens dieser Geschichten bei uns bekannt war, entstand hier ein Krimi im literarischen Niemandsland, der auch heute noch nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Das wilde Land hat sich eben nicht geändert, aber durch die modernen Medien gelingt es uns heute bei Upfields Lektüre ein wesentlich klareres Bild von dem Drumherum zu erlangen, in dem sich die Story abspielt.

Wobei die Geschichte von ihrer Ausgangsidee prima gewählt ist und der Leser auch schnell einen Überblick über die Situation erhält, in die sich der sympathische Bonaparte begibt. Der findige Kriminalist hört sich um, schnüffelt an allen Ecken und Enden und stellt den verdächtigen Personen hinterlistige Fallen, um zu seinen Ermittlungsergebnissen zu gelangen. Dabei geht es zwar nicht immer ganz ungefährlich und legal zu, aber der kleine Napoleon kennt alle Tricks und ist ein richtiger Zampano. Sein Blick kennt nur zwei Richtungen, schwarz und weiß und genau so benehmen sich auch die Menschen rund um ihn. Es gibt nur Gute und Böse, und das ohne jeden psychologischen Schnickschnack.

Upfield hat allerdings in diesem Buch nicht unbedingt durchgehend für Aufklärung gesorgt. Man versteht zwar, was ringsum passiert, aber warum und wieso ist nicht immer ganz schlüssig. Besonders das Ende der Geschichte wusste mich nicht unbedingt anzusprechen, hier erlangte ich den (unbestätigten) Eindruck, als wäre die Story gekürzt worden, denn die ansonsten wirklich ansprechende Handlung erfährt plötzlich einen Ruck und ist reichlich überraschend und »unaufgeklärt« zu Ende.

Auf jeden Fall macht dieses Buch Lust darauf, auch noch einen anderen Band aus der Serie zu lesen. Die originelle Umgebung und die sprachlich locker und ansprechend in Szene gesetzten Bilder lassen keine Langeweile aufkommen, vielmehr eignen sie sich bestens als Feierabendlektüre.

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