Der Sarg von Arno Strobel

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Fischer.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.

  • Frankfurt am Main: Fischer, 2013. ISBN: 978-3-596-19102-4. 352 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2013. Gesprochen von Nicole Engeln. ISBN: 3839811783.

'Der Sarg' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Köln wird durch eine Reihe fürchterlicher Verbrechen erschüttert. Jemand entführt mehrere Frauen und begräbt sie bei lebendigem Leib. Der Täter spielt der Polizei Hinweise zu, doch wenn ein Grab gefunden wird, ist die Frau darin bereits tot. Erstickt. Zur gleichen Zeit hat Eva, eine erfolgreiche Geschäftsfrau Mitte 30, einen immer wiederkehrenden Traum. Sie wacht in einem Sarg auf. Gefangen, hilflos, panisch. Sie weiß nicht, wie sie in den Sarg hineingekommen ist, und später nicht mehr, wie sie ihn wieder verlassen hat. Doch irgendwann ist es vorbei, sie ist frei, liegt in ihrem Bett. Und bemerkt die Blutergüsse und Kratzspuren an Händen, Armen und Beinen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Umsetzung kann mit der tollen Idee nicht mithalten« 55°

Krimi-Rezension von Brigitte Grahl

Arno Strobel gehört zu den neuen Erfolgsautoren des deutschen Krimis. Er wird immer wieder mit seinem Kollegen Sebastian Fitzek verglichen, weil beide ein Gespür für interessante und ausgefallene Plots haben. Aber während es Fitzek versteht, so spannend zu schreiben, dass man bereit ist, über die Logiklöcher hinwegzusehen, hapert es bei Arno Strobel trotz aufregender Ausgangsideen noch mit der ebenso spannenden Umsetzung. »Hochspannung pur« wirbt der Buchaufkleber auf Der Sarg- herausgekommen ist eine verdünnte Lösung.

Eva Rossbach wacht mitten in der Nacht auf und befindet sich in einem Sarg. Voller Panik versucht sie sich zu befreien. Als sie wieder zu sich kommt, liegt sie in ihrem Bett. Ihr Körper schmerzt und ist zerschunden. Hatte sie nur einen lebhaften Traum? Aber der Alptraum wiederholt sich und in Köln wird eine tote Frau gefunden – lebendig begraben. Es ist ihre Halbschwester. Den ermittelnden Kommissaren Bernd Menkhoff und Jutta Reithöfer verheimlicht Eva anfangs den Alptraum, um nicht als verrückt zu gelten. Aber als sie im eigenen Haus mysteriöse Nachrichten findet, wird ihr klar, dass sie nicht träumt. Irgendjemand will sie in den Wahnsinn treiben und vielleicht sogar töten. Die Ermittler kommen einer unglaublichen Familiengeschichte auf die Spur.

Eva erwachte in vollkommener Dunkelheit. Ihr träges Bewusstsein tastete sich vor, versuchte sich zu orientieren. Sie konnte nicht einordnen, was diese Schwäche zu bedeuten hatte. Einen Moment lang überlegte sie, ob sie die Augen vielleicht noch gar nicht geöffnet hatte, und blinzelte zwei-, dreimal, doch die schwarze Wand blieb undurchdringbar. In ihrem Schlafzimmer gab es einige Stellen, an denen ihr Blick sich festhalten konnte, wenn sie nachts aufwachte. … Sie waren wichtig, diese Punkte. Sie waren beruhigend, sie fehlten.

Arno Strobel steigt mit einer packenden, starken Szene ein. Lebendig begraben zu sein, das ist eine Urangst des Menschen und es gelingt ihm, dem Leser zu vermitteln, wie sich das anfühlt. Leider fehlt den anderen Passagen diese Sinnlichkeit und Atmosphäre, der übrige Text besteht fast ausschließlich aus Dialogen und Handlungsbeschreibungen. Das Buch hat (bei 384 Seiten) 52 Kapitel und jedes wechselt die Erzählperspektive. Das unterbricht ständig den Erzählfluss, bremst die Spannung aus und lässt dem Leser keine Zeit, die Figuren kennenzulernen und sich in die Situationen einzufühlen.

Ein entscheidendes Manko sind die Figuren bei Arno Strobel. Obwohl Kommissar Menkhoff schon in Strobels zweitem Buch Das Wesen eine Hauptperson war, gewinnt er in Der Sarg kein Profil und seine behaupteten Leiden lassen den Leser ebenso kalt wie die der Opfer. Weder die Haupt-, noch die Nebenfiguren haben »Fleisch« und entwickeln ein Eigenleben. Besonders die vielen Nebenfiguren wirken nicht lebendig, sondern flach und funktional. Sie dienen dazu, Leser und Ermittler auf falsche Fährten zu führen und /oder Fakten zu übermitteln. Das machen zwar auch die Spitzenautoren des Krimigenres, aber sie machen es wesentlich eleganter als Arno Strobel. Fast jede der vielen Figur hat heimliche Querverbindungen zu einer anderen. Dem zu folgen ist eher anstrengend und verwirrend als spannend.

Ein weiterer Schwachpunkt sind Arno Strobels Dialoge. Sie wirken oft hölzern und nicht lebensecht.

»Guten Abend, Eva. Ich bin froh, Dich wohlauf zu sehen.…. Meine Sorge war also berechtigt. Aber was fehlt dir denn, Eva?«.

Sprachlich unterscheiden sich nur wenige Figuren und die Sprache weckt über weite Stellen keine emotionale Anteilnahme.

Nach einem starken Beginn und einem durchschnittlichen Mittelteil zieht die Spannung am Ende wieder an. Allerdings enttäuscht Arno Strobel, indem er bei der Auflösung zu der plumpen »Der Kommissar«-Methode greift: Der Täter erklärt sich und sein Vorgehen wortreich, damit auch wirklich jeder Leser das vorherige Geschehen verstanden hat. Das wäre gar nicht nötig, denn im Großen und Ganzen hat Arno Strobel die ausgefallene Geschichte logisch entwickelt und er gibt dem Leser genug Hinweise, die ihn selbst zur Lösung führen können. Wie man das gleiche Thema raffinierter umsetzt, hat zum Beispiel Belinda Bauer mit Der Beschützer vorgemacht.

Als Psychothriller, aus der Sicht der Protagonistin geschrieben, wäre Der Sarg vielleicht ein Volltreffer geworden, aber Arno Strobel wechselt immer wieder in die Ermittlungsarbeit und dann ist Der Sarg ein klassischer, recht biederer Krimi. Überzeugende Charaktere, gute Dialoge und ein ansteigender Spannungsbogen – daran mangelt es dem vierten Krimi von Arno Strobel. Trotz aller Schwächen steckt in Arno Strobels Werk viel Potential. Der Autor besitzt das dramaturgische Rüstzeug und er hat ein Händchen für tolle Stoffe. Ihm fehlt (noch?) die Virtuosität, um lebendige Charaktere und Dialoge zu kreieren. Seine Bücher sind aber schon jetzt handwerklich solide und unterhaltsam genug geschrieben, um sich erfolgreich zu verkaufen.

Brigitte Grahl, Februar 2013

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fraktur zu »Arno Strobel: Der Sarg« 10.01.2017
Im Endeffekt ein sinnloses Buch, aber wer auf übliche Psychopathen-Thriller steht wirds mögen. Man kanns auch gequirlte Psychokacke nennen. Hölzern der Sarg, hölzern Dialoge und Schreibstil. So redet der Psychiater ein paar Stunden nach einer Schädelfraktur wieder flüssig und kann sauber erklären was passierte. Multiple Persönlichkeit aufgrund massiven Missbrauchs in der Kindheit. Wenn man einige Passagen und Seiten nur überfliegt hat man nichts verpasst und ist schneller durch, um was gutes von z.B. Ruth Rendell zu lesen
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
pema zu »Arno Strobel: Der Sarg« 20.02.2016
bisher gelesen von A. Strobel:
"Die Flut" und "Das Skript", beide hervorragend. insbesondere bei letzterem der Gedankenblitz beim nachgebauten Keller.
"fremd" war schon weniger toll, die Geschichte so was von überzogen mit der australischen Rettungsmannschaft.
"Der Sarg" allerdings war am Ende sehr enttäuschend, multiple Persönlichkeiten, d.h. zuviel Psychokram.
"Das Wesen" war schon wieder deutlich besser, je näher Strobel an einer möglichen Realität bleibt, umso besser ist er.
pema zu »Arno Strobel: Der Sarg« 15.02.2016
bisher gelesen von A. Strobel:
"Die Flut" und "Das Skript", beide hervorragend. insbesondere bei letzterem der Gedankenblitz beim nachgebauten Keller.
"fremd" war schon weniger toll, die Geschichte so was von überzogen mit der australischen Rettungsmannschaft.
"Der Sarg" allerdings war am Ende sehr enttäuschend, multiple Persönlichkeiten, d.h. zuviel Psychokram.
Kekepania zu »Arno Strobel: Der Sarg« 13.09.2015
Von diesem Autor kenne ich nur den "Trakt", ein Buch, das ich persönlich sehr spannend und ganz gut geschrieben fand.
"Der Sarg" kann nicht mithalten, es ist zeitweise recht anstrengend zu lesen und ich möchte gern quer über die Seiten fliegen, denn man wartet darauf, dass die Handlung wieder in Schwung kommt. Schade, ich hatte mir mehr erhofft!
Tiggikatze zu »Arno Strobel: Der Sarg« 19.05.2015
Ich fand das Buch "Der Sarg" super spannend. Von Anfang bis Ende. Ich habe richtig mitgefiebert wer der Täter sein könnte. Das Buch ist echt empfehlendswert ( so wie alle seine Werke ). Ich habe sie alle gelesen und jedes Buch ist Spannung pur. Ich sage nur Leute lest das Buch unbedingt. Der Autor schreibt echt super.
Petra S-B zu »Arno Strobel: Der Sarg« 19.07.2014
Nach "Das Skript" das zweite Arno-Strobel-Buch, das ich gelesen habe. Ich fand es spannend und fesselnd. Der Schreibstil nach wie vor super zu lesen. Spannung gut aufgebaut und gehalten, doch leider gefiel mir das Ende nicht. Die gespaltenen Persönlichkeiten fand ich einfach zu platt. Aber das ist meine persönliche Meinung und trotzdem war das Buch gut genug um dann noch "Das Rachespiel" zu lesen.
konny zu »Arno Strobel: Der Sarg« 24.12.2013
Ich hab das Buch innerhalb weniger Stunden durch gelesen, weil es wirklich spannend geschrieben war. Zu keiner Zeit hatte ich das Bedürfniss es weg zu legen, naja doch gestern abend im Bett, ich hatte Angst nicht mehr schlafen zu können, gut und spannend geschrieben, ich denke das war nicht mein letzter Krimi von diesem Autor. Klasse von mir 85 Grad
Mell zu »Arno Strobel: Der Sarg« 18.09.2013
Ein absolutes WAHNSINNSBUCH! Was soll man da mehr sagen? Glaubhaft, spannend - ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen - eines ist klar - ich werde mehr lesen von Arno Strobel. Zwischendurch hatte ich richtig Gänsehaut - Bei dem Buch war es so bei mir - ich les noch ein Kapitel - dann geh ich schlafen - allerdings wurden es dann 3-6 - ich bin eher irgendwann eingeschlafen (so gegen 4 Uhr morgens) - weil ich die ganze Nacht gelesen hatte. Sobald auch nur Zeit war, habe ich weitergelesen. Auf der einen Seite, wollte ich schnell fertig werden - aus Neugier auf das Ende - aber am Ende fand ich - es hätte auch noch viel mehr Seiten haben können - damit es nicht endet!
Sturmleser zu »Arno Strobel: Der Sarg« 12.04.2013
Also ich muss sagen das ich mich mit dem Thriller in den ersten 50-70 Seiten irgendwie nicht anfreuden konnte. Natürlich habe ich weitergelesen und ihm die Chance gegeben mich trotzdem zu überzeugen. Leider hat dies nur mäßig funktioniert! Ich fand die Polizeiarbeit in diesem Thriller ganz schon langgiebig und lasch. Immer wieder diese wiederholten Nachfragen aufgrund irgendwelcher Versämnisse bei den Aussagen fand ich auf Dauer doch echt zährend. Klar bringt das wieder Spannung mit sich, aber es würde auch reichen wenn dies 2 Personen machen und nicht gefühlte 8! Vom Schreibstil gefällt mir die Umsetzug von Arno Strobel, ist übrigens mein erstes Buch von Ihm. In einigen Fällen fesselt der Thriller einen wirklich und es ist schwer aufzuhören, dann gibt es wieder Phasen in denen das alles so vor sich herplätschert. Ich fand die schnellen Szenenwechsel teilweise spannungsbringend, teilweise etwas nervig. Allerdings kam das Ende für mich schon sehr überraschend, dass muss ich zugeben. Nur leider wurde dies in ein paar Seiten geschrieben, da hätte ich mir bei der Auflösung doch etwas mehr Spannung nochmal gewünscht. Ich werde Arni auf jeden Fall noch eine Chance geben und bald noch ein weiteres von Ihm lesen.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Jazzylin zu »Arno Strobel: Der Sarg« 08.04.2013
EDIT
Natürlich sollte es heißen:
"Sie ist rasant und spannend geschrieben, sodass KEINE Langeweile aufkam."

Sorry, ich sollte das nächste Mal beim Schreiben lieber meine Brille aufsetzen!

Und (nicht nur) um die 300 Pflichtzeichen zu erfüllen:

Auch die Hauptfiguren von "Der Sarg" sind gut beschrieben, ich persönlich konnte mit ihnen mitfiebern. Dass jede von ihnen heimliche Querverbindungen zu einer anderen hat, verleiht der Geschichte eine extra Portion Spannung.

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