Das Wesen von Arno Strobel

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Fischer.

  • Frankfurt am Main: Fischer, 2010. ISBN: 978-3-596-18632-7. 355 Seiten.

'Das Wesen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein kleines Mädchen stirbt, und der Hauptverdächtige wandert in den Knast – unschuldig? 15 Jahre später: Wieder verschwindet ein Kind, und der Albtraum beginnt von vorn – für die Ermittler und den Täter von damals. Ein verurteilter Psychiater und ein besessener Kommissar – ein erbittertes Psychoduell um Schuld und Rache.

Das meint Krimi-Couch.de: »Das Psychoduell des Jahres!« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

1994 wird die Leiche eines jungen Mädchens gefunden. Sie wurde ermordet und in einem kleinen Waldstück abgelegt. Die Suche nach dem Mörder gestaltet sich schwierig, doch vor allem der leitende Ermittlungsbeamte Bernd Menkhoff kommt mehr und mehr zu der Überzeugung, dass der angesehene Psychiater Dr. Joachim Lichner der Täter sein muss. Dieser beteuert bis zum Schluss seine Unschuld, doch die Indizien sind recht eindeutig, so dass er zu 15 Jahren Haft verurteilt wird.

2009: Kurz vor Dienstschluss erreicht Menkhoff ein anonymer Anruf. Ein kleines Kind soll aus einer Wohnung verschwunden sein. Menkhoff und sein Partner Alexander Seifert staunen nicht schlecht als sie vor der angegebenen Wohnung stehen und ihnen Dr. Lichner die Tür öffnet. Seine zweijährige Tochter soll verschwunden sein, aber Dr. Lichner bestreitet eine Tochter zu haben. Eine Nachbarin bestätigt den Polizisten jedoch, ein kleines Mädchen gesehen zu haben und so wandert Dr. Lichner kurzerhand in Untersuchungshaft. Aber wo ist das kleine Mädchen oder existiert es gar nicht? Eine Überprüfung der Geburtsbescheinigung im Krankenhaus ergibt, dass diese offensichtlich gefälscht wurde und selbst die Nachbarin ändert plötzlich ihre Meinung. Man habe ihr für die Falschaussage Geld gegeben. Während Menkhoff glaubt, dass Dr. Lichner ein perfides Spiel mit ihnen treibt, ist sich sein Partner zunehmend unsicherer, ob damals tatsächlich der wahre Mörder verhaftet wurde. Mehr und mehr gerät Dr. Lichners frühere Lebensgefährtin Nicole Klement in den Fokus der Ermittlungen, nicht zuletzt, da sie kurz nach dem Urteilsspruch längere Zeit mit Menkhoff liiert war.

Es sind schon sehr eigenwillige Figuren, die Arno Strobel in Das Wesen auf seine Leser loslässt. Ein völlig besessener Polizist, der in seinem Streben nach Gerechtigkeit gänzlich blind ist für Argumente die Dr. Lichner entlasten könnten. Nein, der muss es sein, alles andere geht nicht. Getreu dem Motto, es kann nicht sein, was nicht sein darf. Auf der anderen Seite ein arroganter Narziss, der mit seinem ständigem Sarkasmus die Polizisten zur Weißglut treibt. So einen »verrückten« Psychiater gab es schon lange nicht mehr, doch gelingt es diesem, Menkhoffs Partner, den Ich-Erzähler Seifert, zunehmend an seiner Schuld zweifeln zu lassen. Dazu Nicole Klement, aber lesen Sie besser selbst.

Der Leser erfährt zunächst in zwei parallel verlaufenden Erzählsträngen von den Ermittlungen im Jahr 1994 sowie dem aktuellen Fall. Diese zweigleisige Erzählweise endet auf Seite 200 mit dem damaligen Urteilsspruch und man bekommt eine böse Vorahnung, dass irgendetwas gründlich schief gegangen sein könnte und Menkhoff hieran nicht ganz unschuldig war. Arno Strobel versteht es geschickt durch immer wieder neue Wendungen die Ermittler und damit natürlich auch die Leser zu verwirren, wie beispielsweise durch die erwähnte Zeugenaussage oder die gefälschte Geburtsurkunde. Der Buchtitel »Wie wirklich ist die Wirklichkeit?« (Paul Watzlawick) schwirrt einem plötzlich durch den Kopf.

»Langsam fängt die Sache an, mir gewaltig auf die Nerven zu gehen. Was läuft da nur für eine verdammte Scheiße?«

Der Leser wird auf eine wahre Achterbahnfahrt geschickt, deren Höhepunkt zweifellos das Psycho- bzw. Rededuell zwischen Menkhoff und Dr. Lichner ist. Als dann im späteren Verlauf alles klar zu sein scheint, nimmt die Handlung nochmals eine überraschende Wendung bis hin zu einer Auflösung, die einem den Atem raubt. Der Erzählstil treibt ebenso voran wie zahlreiche blendend gesetzte Cliffhanger. Akzeptiert man die Lösung (na ja), so hat man vermutlich das Psychoduell des Jahres gelesen. Erinnerungen an das starke Debüt von Sebastian Fitzek (Die Therapie) werden wach. Wer außergewöhnliche Plots mag (die vielleicht ein wenig unrealistisch erscheinen mögen) sollte hier zugreifen.

Jörg Kijanski, Dezember 2010

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Mordsbuecher zu »Arno Strobel: Das Wesen« 19.02.2017
Ein kleines Mädchen wird entführt und tot im Wald aufgefunden. Es gibt nur einen Verdächtigen und Dank eines Hartgummi wird der Psychiater Dr. Lichner zu 15 Jahren Haft verurteilt. Nachdem er seine Strafe abgesessen hat und wieder auf freien Fuß ist, verschwindet wieder ein Mädchen. Kommissar Menkhoff und sein Partner Seiffert bekommen einen Hinweis und die Spur führt erneut wieder zum Doktor, den sie zusammen vor 15 Jahren hinter Schloß und Riegeln gebracht haben. Die Ermittlungsarbeiten beginnen wieder von vorne, doch es kommt zu einem unvorhersehbaren Ende, das keiner glauben möchte. War der Dr. unschuldig im Gefängnis??? Läuft der Mörder noch frei herum???

Fragen über Fragen und plötzlich verschwindet Menkhoffs Tocher Luisa….ein Wettlauf mit der Zeit beginnt…..

Das war der 2 Psychothriller, den ich von Arno Strobel gelesen habe. Der Anfang war es etwas durcheinander, denn der Schriftsteller schickt einen kapitelweise in verschiedene Jahre. Die Handlung finde ich sehr spannend und das Ende sehr überraschend. Man denkt zu wissen wer der Mörder ist, doch schon auf der nächsten Seite, tappt man erneut im Dunklen………

Bewertung: Unbedingt lesen !!!
jenvo82 zu »Arno Strobel: Das Wesen« 15.06.2014
Dies war mein zweiter Roman von Arno Strobel und ich habe ihn in nur vier Tagen gelesen. Der Schreibstil, der Spannungsaufbau und die subtile, fast geheimnisvolle Erzählweise ziehen den Leser mitten in das Geschehen hinein und lassen sowohl Menschen als auch Zusammenhänge authentisch erscheinen. Leider mangelte es diesem Fall an Brisanz, vielleicht auch an Grauenhaftigkeit (wenn man das vermissen kann!) vor allem aber an Kontinuität. Durch zwei wechselnde Handlungsebenen (Vergangenheit und Gegenwart) und einen schwelenden Konflikt zwischen den ermittelnden Kriminalbeamten, rückt die eigentliche Handlung zu oft in den Hintergrund. Weder der mutmaßliche Täter noch seine Untaten stehen im Mittelpunkt und die inszenierte Kindesentführung ist für meinen Geschmack eine konstruierte Handlung ohne nennenswerte Bedeutung. Fazit: Ein solider Psychothriller für Zwischendurch, kurzweilig aber ohne Tiefgang.
Jazzylin zu »Arno Strobel: Das Wesen« 09.09.2013
@lichery, 'danke' für den Spoiler! Wegen deinem Kommentar wusste ich bereits im ersten Kapitel, wie die Story ausgeht :(

Beim Lesen von Strobels anderen Büchern habe ich mir vor Spannung fast die Fingernägel abgeknabbert.
Aber bei Das Wesen fehlte mir der 'Wow Effekt'. Die Geschichte ist zwar wegen den Rückblenden nicht langweilig, aber doch vorhersehbar. Auch konnte ich nicht mit den Figuren mitfiebern, weil sie sehr oberflächlich beschrieben sind.
Jedenfalls hake ich das Buch als Mittelklasse ab.
lesenchris zu »Arno Strobel: Das Wesen« 17.06.2013
Ich will ja nicht überheblich klingen, dennoch ist dieser Fall von Beginn an relativ durchsichtig. Die Charaktere der Kommissare sind ganz nett beschrieben, mit ihren eigenwilligen und gelegentlich auch sehr egozentrischen Eigenheiten. Dennoch fehlte mir insgesamt an dem Plot das Spannende. Die Rückblicke, ja, die konnte ich auch gut nachvollziehen. Was jedoch eine junge Frau dazu bringt einem Psychiater! hörig? zu werden, na gut, da ist die Geschichte ein wenig mehr von der Realität abgewichen. Aber: das ist die künstlerische Freiheit, ok. Wer´s sehr fiktiv mag. Dennoch akzeptabel.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Kom_Ombo zu »Arno Strobel: Das Wesen« 15.05.2012
Trotz den Zeitsprüngen von vor 16 Jahren zu heute, konnte man den Handlungssträngen ohne Schwierigkeiten folgen. Und mit jedem Wort, fügten sich die Puzzleteile aneinander und der Leser beginnt zu verstehen! Auch wenn Strobel manches einfach mal unausgesprochen lässt, um es an anderer Stelle dann aufzuklären oder uns in Fallen tappen lässt, die dann Widererwarten doch ganz anders sind.

Ein gutes Buch, welches mir um einiges besser gefiel als 'Der Trakt' und welches man wirklich gelesen haben sollte!
Nijura zu »Arno Strobel: Das Wesen« 04.10.2011
Schuldig oder doch nicht?

Vor 15 Jahren wurde der Psychiater Dr. Joachim Lichner für den Mord an einem kleinen Mädchen aufgrund Indizien rechtskräftig verurteilt. Ein Schuldeingeständnis hat es aber nie von ihm gegeben. 2009 hat er seine Strafe verbüßt und ist wieder auf freien Fuß.

Aufgrund eines anonymen Hinweises stoßen die beiden Polizisten Menkoff und Seifert wieder auf Dr. Lichner. Er soll seine Tochter entführt haben. Doch der Psychiater bestreitet überhaupt eine Tochter zu haben.
Menkoff war damals versessen darauf, den Psychiater hinter Gittern zu bringen. Nach der Inhaftierung von Lichner hatte der Polizist eine Beziehung mit Nicole, der ehemaligen Lebensgefährtin des Psychiaters..
Genauso versessen wie 1994 setzt Bernd Menkoff alles daran, Lichner wieder hinter Gittern zu bringen. Seifert hatte damals schon Zweifel, ob Menkoff objektiv handelte und misstraut nun seinem Kollegen seitdem.

Etliche Hinweise deuten darauf hin, dass der Psychiater zu Unrecht verurteilt wurde.
Dann wird Menkoffs Tochter entführt und die Lage spitzt sich dramatisch zu...

Genau wie in „Der Trakt“ spielt Arno Strobel mit Sein und Schein. Anfangs war ich total überzeugt, dass der Psychiater unschuldig ist, dann werden Zweifel wach und ich wusste nicht mehr, wem ich trauen kann und wem nicht.
Der Thriller ist psychologisch gut ausgefeilt, ständig werden falsche Fährten gelegt und man tappt so bis zum überraschenden Schluss im Dunkeln.
Dracon zu »Arno Strobel: Das Wesen« 28.07.2011
Arno Strobel hat sich gegenüber Der Trakt deutlich gesteigert. Das Wesen geht unter die Haut, macht nachdenklich ist packend geschrieben und führt uns zu den dunklesten Seiten der menschlichen Seele.Die 4 Hauptpersonen sind absolut glaubwürdig dargestellt man leidet und fürchtet mit ihnenZwar wird recht schnell klar das der Autor einige Finten legt aber er macht das durchaus gekonnt.Für mich war bisher das Wesen der Thrillerhighlight des Jahres
anyways zu »Arno Strobel: Das Wesen« 16.05.2011
Vor 16 Jahren überführten der Hauptkommissar Bernd Menkhoff und sein Partner Kriminalkommissar Alex Seifert den Psychiater Dr. Joachim Lichner des Mordes an der 4 jährigen Juliane Köprich.

13 Jahre saß dieser seine Haftstrafe in der JVA ab. Kurz nach seiner Freilassung bekommt er wieder Besuch von Bernd Menkhoff und seinem Partner. Sie gehen dem anonymen Hinweis einer Kindesentführung nach, nicht ahnend dass es sich bei dem Verdächtigen um den charismatischen Psychiater handelt.

Der „alte“ Fall wühlt Seifert immer noch auf, war es doch sein erster Mordfall und der Beginn der dienstlichen Partnerschaft und späteren Freundschaft zu Menkhoff. Zweifel kommen ihm bezügliche der damaligen Ermittlungsmethoden seines Freundes. Seifert beleuchtet daraufhin in zwei Erzählsträngen den damaligen und den heutigen Fall.



Es zeugt schon von großem erzählerischem Können den Leser durch diesen stetigen Wechsel von vergangenem und gegenwärtigen über lange Strecken zu fesseln. Ich hatte aber nie das Gefühl das ich mich oder der Autor sich in der Geschichte verhaspelt. Die Figur des arroganten, extrovertierten und an Selbstüberschätzung leidenden Psychiaters ist sehr gut herausgearbeitet und wirkt daraufhin von Anfang an gewollt unsympathisch. Die vielen Wendungen der Geschichte sowie die Aufarbeitung des Mordfalles Juliane Köprich lassen die Zerrissenheit des jungen Hauptkommissars fast spürbar werden. War Lichner unschuldig oder nicht? Diese Frage zieht sich wie ein Leitfaden durch das Buch.

Hat Menkhoff Beweise manipuliert oder warum war dieser von Anfang an von der Schuld des Verdächtigen überzeugt? Diese Fragen rücken allerdings in den Hintergrund als Menkhoffs kleine Tochter und Patentochter von Seifert entführt wird.



Alles in allem ein solider aber vorhersehbarer Psychothriller. Stellenweise war mir der Verlauf der Geschichte zu durchsichtig, denn so oder so ähnlich gibt es schon einige Thriller. Auch die vielen Versuche des Autors, durch geschickte Wendemanöver den Leser zu verunsichern und abzulenken missglücken ein wenig.

Dieser Thriller ist gut, aber nicht so gut wie „der Trakt“.
lichery zu »Arno Strobel: Das Wesen« 26.03.2011
Das ist wieder mal so ein Buch,das sehr gut anfängt.Charaktereren der Protagonisten schön rausgearbeitet,man fühlt sich schnell rein ins geschehen und wird immer neugieriger.Auch die stakkato artigen Rückblenden sind gut und überschaubar gemacht.Doch dann werden die Personen launisch und völlig unrealistisch.Doch man liest weiter und kommt irgendwann in der Mitte an und ist verwirrt und zwar nicht wegen der Handlung sonder wegen den merkwürdigen Motive der handelden Personen.Ok könnte ja eine Finte vom Autor sein,aber nein sie müssen so und nicht anderst reagieren weil sonst der ganze Plot nicht funktioniert.Schade schade ich hatte Dr.Lichner lieb gewonnen,aber ganz bestimmt nicht als Hypnotiseur.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
nina2401 zu »Arno Strobel: Das Wesen« 06.03.2011
1994 wurde der Psychiater Dr. Lichner für den Mord an einem kleinen Mädchen verurteilt. Es war der erste Fall für Alex Seifert mit seinem Partner Merkhoff. 15 Jahre später wird Dr. Lichner erneut verdächtigt, dieses Mal soll das Opfer seine eigene kleine Tochter sein. Ein spannendes Psychoduell beginnt …
Das I-Tüpfelchen in diesem Buch ist eindeutig, dass die Geschichte auf 2 Zeitebenen erzählt wird, einmal 1994 und heute. Der 94er Fall wird in der gleichen Geschwindigkeit aufgerollt wie bei dem aktuellen Fall ermittelt wird. Und das alles aus Sicht von Kommissar Alex Seifert, für den der damalige Fall die Feuerprobe war und der die ganzen Jahre Zweifel in sich trug. Seifert ist ein großer Sympathieträger, sein Kollege und Vorgesetzter Merkhoff allerdings überhaupt nicht. Er ist besessen davon, Lichner ein zweites Mal hinter Gitter zu bringen und kann seine Aggressivität kaum im Zaum halten. Die einzelnen Kapitel sind teilweise recht kurz gehalten und ein Cliffhanger jagt den nächsten, so dass es mir fast unmöglich war, das Buch aus der Hand zu legen. Der Schreibstil ist genau wie bei dem Vorgängerbuch einfach, flüssig und sehr temporeich, die Personen und die Örtlichkeiten werden sehr gut beschreiben. Die Spannung wird bis zum Ende gehalten. Das Ende gefällt mir persönlich nicht so gut, aber das ist auch das einzige Manko.
Ich freue mich schon auf den nächsten Thriller von Arno Strobel, einen kurzen Vorgeschmack gab es am Ende des Buches, was mich genau so gefreut hat wie das Interview mit dem Autor am Anfang des Buches.

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