Castello Cristo von Arno Strobel

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei dtv.

  • München: dtv, 2009. 320 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2009. Gesprochen von Bernd Hölscher. ISBN: 3836805251. 7 CDs.

'Castello Cristo' ist erschienen als Hörbuch

In Kürze:

Der Rücken des Toten war mit blutigen Striemen übersät. Die Leiche trug Handschellen und eine Dornenkrone. In ihre Brust waren die Worte »Markus 15,15« geritzt. 

Eine grausige Mordserie schockiert Rom. Die Opfer: junge Männer, mit deren Leichen der Kreuzweg Christi nachgestellt wird. Eine Station an jedem neuen Tag. 
Commissario Daniele Varotto, Leiter der »Sonderkommission Judas«, steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Deshalb wird ihm vom Justizministerium ein Experte für religiös inspirierte Logen und Bruderschaften zur Seite gestellt: Der Deutsche, der sich Matthias nennt und in einem sizilianischen Kloster lebt, hat wenige Jahre zuvor die katholische Kirche vor dem sicheren Untergang bewahrt. Gemeinsam mit der Journalistin Alicia stoßen die beiden bei ihren Nachforschen auf eine Reihe von Kindesentführungen, die über zwanzig Jahre zurückliegen und nie aufgeklärt wurden.

Das meint Krimi-Couch.de: »Gut geschriebener, aber inhaltlich durchschnittlicher Vatikanthriller« 70°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Vatikanthriller gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, seit Dan Brown damit die Kassen gefüllt hat.  Und dennoch hat sich der deutsche Autor Arno Strobel bemüßigt gefühlt, im Deutschen Taschenbuchverlag auf über 300 Seiten einen weiteren Verschwörungskrimi rund um Papst und Kirche zu veröffentlichen. Castello Cristo geht von der Idee aus, das einer oder mehrere Mörder die Leiden Christi auf dem Kreuzweg bildlich darstellen und dazu die Leichen junger Männer entsprechend drapieren, bis am Ende die Kreuzigung steht und natürlich auch der Tod des herrschenden Papstes. Wie originell diese Ausgangsidee ist, kann der Leser selbst beurteilen.

 Die Ermittlungen laufen bei Commissario Daniele Varotto zusammen, aber da der mit seinem Bibelwissen nicht up to date ist, wird aus einem sizilianischen Kloster der ehemalige Papstattentäter Matthias beordert, ihn zu unterstützen. Konflikte sind in diesem Rahmen vorprogrammiert, Geheimniskrämerei an der Tagesordnung. Und als wäre es nicht schon schlimm genug, dass eine Zivilperson der Polizei bei der Aufklärung unter die Arme greifen muss, klinkt sich auch noch eine hartnäckige Journalistin in die Geschehnisse ein und komplettiert das Team, auf der Suche nach den Urhebern der grausigen Mordserie, die natürlich auch von der Presse ausgeschlachtet wird.

 Wer noch keinen Vatikanthriller gelesen hat, der kann bei Castello Cristo mit einem Vertreter der besseren Sorte beginnen. Arno Strobel versteht es geschickt, in die Buchidee hinein zu führen und die Handlung ohne große Rückblenden linear laufen zu lassen, so dass der Lesefluss und der Spannungsbogen nie unterbrochen werden und konstant ansteigend bis zum Showdown durchgezogen wird.

 Wenig sympathisch wirken der Commissario und sein Kumpan aus dem Kloster. Strobel verzichtet zu Gunsten der Handlung auf eine komplexe Zeichnung der Personen und beschränkt sich auf eine kurze Charakterisierung, gerade so weit, wie es die Geschichte benötigt. Unnötige psychologische Exkurse aus dem Privatleben seiner Helden lässt der Autor bleiben, lediglich dort, wo der Täter gelegentlich zu Wort kommt, sind notwendige Erklärungen über Warum und Weshalb eingefügt. Ansonsten wird die Geschichte durchgezogen, ohne den Leser mit Fakten und Tatsachen zu überfrachten. Arno Strobel bemüht sich erst gar nicht, seine Geschichte als Halbwahrheit im Kirchenleben zu präsentieren und tritt somit auch nicht in die Fußstapfen eines Dan Brown.

 Und obwohl all das eigentlich sehr positiv aufgenommen wird, hat man dennoch während des Lesens mehr als einmal das Gefühl, dass dies alles schon mal dagewesen ist. Von Jörg Kastner bis Philipp Vandenberg haben alle Kirchenromane in etwa das gleiche Schema, weswegen Arno Strobel mit seiner Thematik wohl um zehn Jahre zu spät kommt. Das Thema ist aufgebraucht und Castello Cristo ist nicht originell genug, um aus der Masse der Vatikanverschwörungen hervor zu heben.

Da nützt auch der gute Schreibstil nichts.

Wolfgang Weninger, November 2009

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Marlies Tünge zu »Arno Strobel: Castello Cristo« 25.04.2013
Bin über die Meinungen der Leser sehr erstaunt. Sicher gibt es viele Vatikanthriller, aber dennoch hat dieser hier viel Biss. Es liest sich sehr spannend und fliessend, da kein großes Theater um des Commissario's Privatleben gemacht wird.

Ich würde gerne weitere von Arno Strobel liesen.

Aber alles ist auch schließlich Geschmacksache.
Lorvin zu »Arno Strobel: Castello Cristo« 05.10.2010
Es gibt wirklich spannenderes. Das Buch ist zwar nicht schlecht geschrieben, aber inhaltlich reicht es für spannende Lesestunden leider nicht aus. Mit der tausendsten Vatikanverschwörung kann man keinen Hund mehr hinter dem Ofen herlocken. Bitte keine Fortsetzung mehr - ich kann nur 67 Punkte geben.
Wenn dann schon lieber das Original von Dan Brown.
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