Dunkelziffer von Arne Dahl

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Mörkertal, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 8 der Paul-Hjelm-Serie.

  • Stockholm: Bonnier, 2005 unter dem Titel Mörkertal. 415 Seiten.
  • München: Piper, 2010. Übersetzt von Wolfgang Butt. ISBN: 978-3-492-05350-1. 415 Seiten.
  • [Hörbuch] Schwäbisch Hall: steinbach sprechende bücher, 2010. Gesprochen von Till Hagen. ISBN: 978-3869740065. 6 CDs.

'Dunkelziffer' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

In den Wäldern des nordschwedischen Ångermanlands verschwindet die 14-jährige Emily. Einzige Hinweise für Kerstin Holm vom Stockholmer A-Team sind Fahrzeuge mit baltischen Kennzeichen – und die Information, dass drei verurteilte Pädophile ganz in der Nähe des Tatorts leben. Der Fall gewinnt an Brisanz, als ein Mann mit durchtrennter Kehle aufgefunden wird. Das Mordinstrument: eine Klaviersaite. Bald gibt es in Stockholm eine zweite Leiche mit ähnlichen Schnittwunden. Die Spuren führen ins Internet, mitten hinein in einen perfiden Kampf zwischen Gut und Böse, in dem die junge Emily ihre ganz eigene Rolle spielt. »Dunkelziffer« entführt in die finstersten Winkel der menschlichen Seele und präsentiert einen Racheengel der raffiniertesten Art.

Das meint Krimi-Couch.de: »Hochspannend und nachdenklich« 93°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Ångermanland in Nordschweden. Dunkle Wälder, tiefe, reißende Flüsse. Hierher zieht es gelangweilte Großstädter aus der schwedischen Hauptstadt auf Abenteuerurlaub, oder Touristen aus Mitteleuropa auf Survival-Tour. Unglücklicherweise wohnen hier auch verurteilte Pädophile, die untertauchen möchten. Nicht gerade der prächtigste Ort für eine Klassenfahrt, und doch mietet sich eine siebte Klasse aus Stockholm in einem ehemaligen Bauernhof ein. Es kommt wie es kommen muss: die 14-jährige Emily verschwindet, die anschließende Suchaktion von Eltern und Schülern bleibt ergebnislos.

Der Fall wird Kerstin Holm und der Stockholmer A-Gruppe übertragen, Spezialisten für Kriminalfälle mit internationaler Dimension. Denn es wurden Fahrzeuge mit baltischen Kennzeichen gesichtet – und es ist bekannt, dass drei verurteilte Kinderschänder ganz in der Nähe des Tatorts leben.

Und an dieser Stelle geht es los, das dumpfe Unbehagen. Man muss nicht selbst Kinder haben, damit sich beim Thema Pädophilie die Nackenhaare sträuben. Arne Dahl packt das heikle Thema virtuos an, denn er verzichtet auf billige Effekte. Statt dessen gestattet er seinen Lesern Einblicke in die Seelen und abgründigen Gedanken seiner Ermittler. So ist eine Kommissarin aus der Pädophilie-Abteilung zur A-Gruppe gewechselt, weil sie die Gräuel dort nicht mehr aushielt – und erlebt nun das gleiche von Neuem.

Der vermeintliche Mord- oder Entführungsfall gewinnt an Brisanz, als in Stockholm ein Mann mit durchtrennter Kehle aufgefunden wird – obwohl der Zusammenhang zunächst nicht klar erkennbar ist. Das Mordinstrument war eine Klaviersaite – und das Opfer scheint ebenfalls der Pädophilen-Szene zu entstammen. Bald gibt es eine zweite Leiche mit ähnlichen Schnittwunden. Arne Dahl steigert kunstfertig die Schlagzahl. Die Ereignisse folgen immer schneller aufeinander, und so sehr die Erkenntnisgeschwindigkeit der Ermittler wächst, so sehr nimmt auch die Brutalität der Verbrechen zu.

Der Fall eines verschwundenen Handwerkers, der offenbar einen Leichendiebstahl begangen hat, scheint zunächst eher belanglos zu sein. Immerhin beschuldigt die Frau des Verschwundenen einen Polizisten der sexuellen Belästigung, was umgehend zu internen Ermittlungen führt. Der Beschuldigte ist der derzeitige Freund von Kerstin Holm, der Chefin der A-Gruppe. Und der interne Ermittler ist einer ihrer Ex-Partner. Dennoch einigen sich die beiden auf gemeinsame Ermittlungen, was sie – unabhängig voneinander – ebenfalls auf die Spur des Pädophilen-Netzwerks bringt. Das furiose, überraschende und brutale Finale des Buches kommt nahezu aus heiterem Himmel – und haut richtig vom Hocker.

Dunkelziffer ist ein Volltreffer, weil Arne Dahl von Beginn an auf mehreren Klaviaturen spielt, und damit seine Leser auf höchst nachdrückliche Weise fesselt. Die ausgelegten Spuren werden vom Leser begierig aufgegriffen – um dann als Seifenblase zu platzen. So hat die verschwundene Emily im Internet Nacktfotos von sich und ihren Klassenkameradinnen verkauft. Einer der Pädophilen aus Angermanland hat offenbar Kontakt zu ihr aufgenommen. Hat er sie vergewaltigt und ermordet? Oder wurde sie entführt und muss jetzt unvorstellbar leiden? So viel sei verraten: Emily lebt – und spielt später eine zwiespältige Rolle.

Die Ausflüge in die Gedankenwelt der Ermittler lassen tief blicken. Einige können ihre Aggressionen bei Verhören mit Pädophilen kaum unterdrücken. Eine Kommissarin muss ab und zu mit ihrem Partner in den Sado-Maso-Keller, damit es ihr wieder gut geht. Ein Paar unter den Ermittlern hat seit der Geburt des gemeinsamen Kindes keinen Sex mehr miteinander. Und bei allen wechseln sich Wut, Frustration und Resignation munter miteinander ab.

So ist es fast Zufall, dass es bei den Ermittlungen in Angermanlad zu keiner Katastrophe kommt: Die Stockholmer Polizisten werden zu einem einsamen Haus im Wald gerufen. Dort stehen Fahrzeuge mit baltischen Kennzeichen, hinter dem Haus sind dumpfe Schläge und Urschreie sowie viel Gelächter zu hören. Mit gezogenen Waffen stürmen die Polizisten um die Ecke – und finden illegale Bauarbeiter aus dem Baltikum, die in der Pause Äxte auf Baustämme werfen. Um ein Haar wäre einer von ihnen erschossen worden, aber die mit ihren Aggressionen kämpfende Polizistin krümmt den Abzugsfinger um Haaresbreite nicht.

Beeindruckend gerät der Ausflug in die Vergangenheit, der den Hintergrund der aktuellen Pädophilen-Jäger ausgezeichnet erklärt. Die Protagonisten auf der dunklen Seite werden vom Erzähler durchaus freundlich dargestellt, weil der Bad Guy eben noch ekliger ist. Auch wenn Dunkelziffer am Anfang ohne allzu blutige Szenen auskommt, ist es dennoch kein Werk für zarte Gemüter. Langsam, aber überaus deutlich wird die Gedankenwelt der Pädophilen schrittweise erläutert. Arne Dahl lässt sie in einigen Rechtfertigungsversuchen zu Wort kommen, er schüttelt den Leser richtig durch. Es handelt sich bei diesem Buch um keine leichte Strand-Lektüre, sondern Dahl provoziert seine Leser kräftig, als wolle er austesten, was man dem Publikum zumuten kann. Das Buch macht nachdenklich, man hält mehrfach inne und reflektiert den Inhalt. Und dennoch bleibt es ein hochspannender Thriller, von dem man sich nur wünschen kann, dass er komplette Fiktion ist.

Andreas Kurth, Mai 2010

Ihre Meinung zu »Arne Dahl: Dunkelziffer«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

TochterAlice zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 24.07.2015
Ein Mädchen verschwindet auf einer Klassenfahrt: die Umgebung reagiert ausgesprochen unterschiedlich darauf. Eine große Suchaktion wird eingeleitet, die von einigen zum schnellen Sex, von anderen zum Biertrinken genutzt wird. Natürlich gibt es auch Personen im Umfeld von Emily - Mitschüler, deren Eltern, Lehrer - die sich ernsthaft Sorgen machen. Die ersten Momente und Stunden nach dem Verschwinden eines Teenagers werden mitreißend geschildert - es kommt sehr gut rüber, wie unterschiedlich die Umgebung reagiert - die Suche nach dem Kind wird durchaus nicht sofort von jedem ernst genommen.
Das Stockholmer A-Team übernimmt den Fall und es offenbaren sich wahre Abgründe: neben drei lokalen aktenkundigen Verdächtigen gibt es vielfältige Verstrickungen und Verzahnungen - patchworkartig tauchen Einzelteilchen auf, die zum Ende hin immer enger miteinander verwoben werden, bis sie ein einheitliches Bild ergeben.

Wie immer bei Dahl spielen die persönlichen Belange - Probleme und positive Entwicklungen - imLeben der Ermittler durchgehend eine große Rolle - das gesamte Erzählkonzept ist davon durchdrungen. Da das A-Team aus 7 aktuellen Mitgliedern - dazu kommen noch Ehemalige wie Paul Hjelm sowie Kollegen aus dem weiteren Umfeld - besteht, ist es für den Leser gelegentlich ein wenig mühselig und umständlich, diese detaillierten Entwicklungen zu verfolgen. Andererseits sind regelmäßige Leser wie ich schon gespannt darauf, zu erfahren, wie Lisa mit ihrer gewaltätigen Neigung umgeht, wie es bei Sarah und Jorge läuft, was bei Kerstin los ist und, und, und... Trotzdem ist das Eingehen auf die Persönlichkeit so vieler Figuren für mich eher eine der wenigen Schwächen der Dahl'schen Erzählkunst.

Dieser Band zeigt einen neuen Aspekt von Arne Dahls Facettenreichtum auf - nach Neonazis, Banküberfällen, dem Einschleichen in die Herzen von Mitarbeitern des A-Teams und so weiter geht es nun - nicht zum ersten mal, doch unter völlig neuen Vorzeichen - um Kindes- bzw. Teenager-Mißbrauch. Natürlich tun sich unerwartete Abgründe und Verbindungen auf, mit denen der Leser niemals gerechnet hätte: dies wiederum ist als eine der zahlreichen Stärken von Dahl hervorzuheben.
Harry54 zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 13.04.2013
Habe nach langer Pause wieder einmal einen - mir bislang unbekannten - Roman von Dahl gelesen und bin doch sehr enttäuscht. "Dunkelziffer" ist mit einer unvorstellbar konstruierten Story der schwächste Band der Reihe und ich kann all den negativen Kritiken der übrigen Kommentatoren nur zustimmen. Was mich zudem beschäftigt: Wie kann ein solcher Roman zu solch einer Durchschnittsbewertung kommen???
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Leollo zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 14.11.2012
Wenn die Schweden die Russen, Letten usw. nicht hätten, müssten sie wohl eines Tages ein paar schwedische Verbrecher herbei zaubern. Ist langsam langweilig, baltische "Drogisten", Kinderhändler und Profikiller beim Handwerk zu beobachten. Und dazu auch noch unfähige schwedische Ermittler, die sich Mätzchen zu Flüstern.
Das Schreiberlinge-Team sollte sich langsam stilistisch nähern. Die Familienszenen sind peinlich amerikanisch. Die Übersetzung macht auch da nicht alles glatt.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
helene zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 14.10.2011
Ein Arne Dahl, der mich nicht überzeugt. Sicher, lobenswert ist, wie differenziert er das Thema 'menschliche Sexualität' angeht, denn hier geht es nicht nur um Pädophilie. Aber hier liegen auch die Schwächen des Krimis, denn die philosophischen Exkurse zerstückeln die Handlung und sind auf die Dauer eher ermüdend, vor allem, wenn man noch zusätzlich die verschiedenen Handlungsstränge verfolgen muss. Der Plot mit der Geheimgesellschaft ist unglaubwürdig konstruiert, irgendwie puritanisch verquast.Insgesamt also ein Krimi, der einem nicht an, sondern auf die Nerven geht.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
€nigma zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 13.10.2011
Wie schon bei dem Vorgängerroman "Totenmesse" sind auch bei "Dunkelziffer" die ersten ca 100 Seiten relativ verwirrend, da abwechselnd scheinbar zusammenhangslose Szenarien dargestellt werden. Zuerst wird über einen Elektriker berichtet, der im Zuge von Arbeiten an unterirdischen Leitungen ein offenbar sehr altes und außergewöhnliches Skelett findet, das er an geheimnisvolle Menschen verkauft.

Als nächstes erfährt der Leser vom Verschwinden der vierzehnjährigen Emily Flodberg, die während einer Klassenfahrt unbemerkt in den Wald ging und nicht wieder auftauchte. Die Polizei ist höchst beunruhigt, weil in der Nähe drei aktenkundige Pädophile leben. Das Stockholmer A-Team für internationale Verbrechen wird zu Rate gezogen, weil zum Zeitpunkt des Verschwindens litauische Autos beobachtet wurden.

In einem weiteren Erzählstrang wird ein namentlich nicht genannter Mann vorgestellt, der sich selbst an der linken Hand den kleinen Finger abgetrennt hat, um "etwas nicht zu vergessen" und der nun im Auto sitzt und auf etwas Bestimmtes zu lauern scheint.

Schließlich werden sowohl in Stockholm als auch im Wald, in dem Emily verschwand, männliche Leichen aufgefunden, denen mit einer Klaviersaite der Hals durchtrennt wurde.

Das A-Team verteilt sich auf die verschiedenen Ermittlungsorte. Als es, verstärkt durch einen Computerspezialisten, gelingt, die Festplatte der verschwundenen Emily zu sichten, wird allmählich deutlich, dass alle Fälle zusammenhängen. Die Ermittlungen kreisen ab jetzt um ein großes Netzwerk von Pädophilen, die sich im Internet so gut getarnt haben, dass die Polizei gegen sie quasi machtlos ist. Es scheint jedoch jemanden zu geben, der in den geschlossenen Kreis eingedrungen ist und nun die Kinderschänder systematisch liquidiert...

"Dunkelziffer" ist nicht nur ( vor allem zum Ende hin) sehr spannend und unterhaltsam, sondern regt auch zum Nachdenken über zeitlos aktuelle Fragen an: welchen Raum sollte die Sexualität im Leben des Menschen einnehmen? Wenn sie eine kraftspendende Quelle ist, warum wird sie dann durch erstickende Normen eingeschränkt und wer bestimmt, was überhaupt als normal gilt? Diesen Fragen müssen sich auch die Mitglieder des A-Teams stellen, über deren Beziehungen, bzw. Liebeslust und Liebesleid der Leser allerhand erfährt. Die Ermittler werden als normale Menschen mit alltäglichen Problemen geschildert, mit denen man sich identifizieren kann.

Ein lesenswertes Buch, wenn auch das Thema "Pädophilie" schwer im Magen liegt!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Katzenkind zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 21.02.2011
Komisch, mir hat der Krimi nicht so gut gefallen. Die schnellen Sprünge zwischen den einzelnen Personen, zum Teil auf einer Seite drei Sprünge, ein bißchen viel.
Dann fand ich die Auflösung und den Hintergrund und die Motive der Mörder sehr unglaubwürdig und hanebüchen. Leider kann ich darauf nicht genauer eingehen, da es sonst ein Spoiler werden würde.
Aber ehrlich, wie konstruiert kann ein Motiv sein?
Sorry, aber die ersten Arne Dahl haben mir besser gefallen.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
JaneM. zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 14.02.2011
Ein hochspannender, komplexer Krimi, der verschiedene Handlungsstränge am Ende schlüssig zusammenfügt. Der die Abgründe und Grenzgänger menschlicher Existenzen aufzeigt, ohne Platitüden zu bedienen, aber auch nicht unrealstische Wege geht. Die Ermittler zeigen allesamt menschliche Schwächen, ohne übertrieben misanthropische seelische Wracks zu sein.
95° von mir.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
stjerneskud zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 05.01.2011
Die Reihe um das A-Team ein unbedingtes Muß

Während eines Schullandheim-Aufenthalts im nordschwedischen Ångermanland verschwindet die 14-jährige Emily spurlos. Nach dem eine rasch eingeleitete Suchaktion ohne Ergebnis bleibt, wird die Polizei eingeschaltet und weil in der Gegend drei Pädophile leben, landet der Fall auf dem Schreibtisch der A-Gruppe. Doch auch deren Bemühungen bleiben zunächst ohne Erfolg. Erst eine Vermisstenanzeige und ein Mord in Stockholm bringen den Stein ins Rollen.

Die abwechslungsreichen und verschiedene Personen beleuchtenden Kapitel sind am Anfang mitunter (sehr) verwirrend, aber ich konnte mich inzwischen daran gewöhnt und darüber muß man einfach hinweg lesen. Später kann man auf sie zurückkommen, denn dann werden sie um einiges klarer sein. Arne Dahls Krimis sind einfach grandios zu lesen – sowie es auch dieser Band war. Mir gefiel es sehr mich auf diese Geschichte einzulassen und sehr intensive Lesestunden damit zu verbringen. Durch diesen Kapitelaufbau bleibt man beim Lesen dabei – die Geschichte zieht einen in ihren Bann, alle Höhen und Tiefen erlebt man mit und die Spannung schleicht sich fast unmerkbar ein, aber begleitet einen dann mit bis zur letzten Seite. Die verschiedenen einzelnen Fäden fügen sich wie Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammen, aber es bleibt keiner auf der Strecke und am Schluß fühlt man sich nicht so, als ob etwas fehlen würde. Allerdings wird am Ende dieses Bandes sehr stark auf den nachfolgenden Band hingearbeitet und eine Situation wird in der Luft schwebend zurückgelassen, so daß es schade ist, daß man jetzt noch so lange warten muß, bis er auf dem deutschen Markt erscheinen wird. Ein weniger offenes Ende wäre mir dann doch lieber gewesen.

Es ist ein sehr interessanter Blickwinkel auf die Auswirkungen des World Wide Webs, seitdem es gesellschaftsfähig und für jeden zugänglich wurde und wie stark die jungen Leute davon beeinflusst werden und ihr Leben danach ausrichten und wie es die heutige Gesellschaft verändert. In der heutigen Kurzlebigkeit ist das Internet mit seinen 40 Jahren schon ein alter Mann und etliche Menschen sind damit aufgewachsen ohne damit in Berührung zu kommen und es dauerte sehr lange bis ein Computer ins Haus kam, geschweige denn, bis es einen Zugang ins Internet gab und im Web gesurft wurde.

Für alle Krimi-Fans ist die Serie um das A-Team ein absolutes Muß.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Moehrchen zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 30.05.2010
Krimi mit kleinen Hindernissen

Die vierzehnjährige Emily Flodberg verschwindet spurlos während einer Klassenfahrt in den Wäldern des nordschwedischen Ångermanland, aber in der Nähe des Tatortes wurden mehrer Wagen mit litauischen Kennzeichen gesehen. Haben die Autos was mit dem Verschwinden von Emily zu tun oder geht das doch auf die Kosten der drei Pädophilen, die in der Nähe des Tatortes wohnen?

Der Anfang des Buches ist recht wirr und zunächst recht unverständlich und fördert nicht unbedingt die Lust, an dem Buch weiter zu lesen. Wenn man aber mal die ersten zwei Kapitel überstanden hat, dann nimmt das Buch etwas Fahrt auf, wird aber immer wieder von privaten Dingen der Ermittler gebremst, die in aller Ausführlichkeit breit getreten werden. Sicher es handelt sich um eine Fortsetzung aber dies rechtfertig, in meinen Augen nicht, dass man die privaten Probleme in solch epischer Breite wiedergibt. Leider bremsen diese Abschweifungen den Lesefluss erheblich.

In dem Buch werden drei völlig verschiede Fälle, zwei von der A-Gruppe und einer von Paul Hjelm, behandelt. Jeder Fall für sich ist durchaus interessant aber die Auflösung wirkt dann doch etwas gekünstelt und ist für meinen Geschmack viel zu konstruiert. Es klingt schon recht früh im Buch an, dass die Fälle evtl. zusammenhängen: "Leider zeigten die Zufälle eine Tendenz, Zusammenhänge zu bilden, wenn die A-Gruppe sich ihnen nähert."

Arne Dahl lebt in der heutigen Zeit, was man auch daran merkt, dass er bzw. seine Ermittler es verstehen mit den heutigen Technologien umzugehen. Da werden Computer durchforstet und Daten rekonstruiert, sowie die Aufnahmen von Überwachsungskameras gesichtet, etwas was man in Krimis heute immer noch nicht sehr oft findet.

Die Sprache des Buches ist für einen Krimi doch recht ungewöhnlich. Teilweise kommt Arne Dahl bzw. seine Figuren doch etwas ins philosophieren: "Eigentlich kam es ihnen nicht sicherer vor, als das ungreifbare Zeitloch sich plötzlich füllte. Eher unsicher. Als wäre das gesamte Bewegungsmuster eine Fiktion." Diese Sprache hätte ich jetzt eher nicht in einem Krimi erwartet und sie hat mich stellenweise zugegebenermaßen auch etwas gestört. An anderen Stellen fand ich es jedoch durchaus passend.

Ein Krimi, der in der Neuzeit angekommen ist. Leider wird die Handlung etwas durch die stellenweise philosophische Sprache ausgebremst.

Ich vergebe 2 von 5 möglichen Sternen.
0 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bellexr zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 06.05.2010
Klassenfahrt mit ungewissem Ausgang

Kurz vor Mittsommer reist eine 7. Schulklasse nach Saltbacken in Nordschweden. Eines Mittags ist die 14-jährige Emily spurlos im Wald verschwunden. Die sofort eingeleitete Suche bleibt erfolglos. Da in der Gegend mehrere Fahrzeuge mit baltischem Kennzeichen gesichtet wurden und zudem drei polizeilich bekannte Pädophile in dieser Gegend wohnen, wird die A-Gruppe um Kerstin Holm eingeschaltet. Drei Mitglieder des Teams reisen vor Ort, die anderen versuchen von Stockholm aus, den Fall zu lösen. Emily bleibt unauffindbar und schon bald stellt sich heraus, dass sie ein dunkles Geheimnis hütet.

Arne Dahl beginnt seinen Krimi etwas ungewöhnlich, nämlich mit den Zeugenaussagen der befragten Schüler, Eltern und Lehrer von Emily. So erfährt man mit ihren Worten etwas von dem Verschwinden von Emily und ist somit gleich auf demselben Sachstand wie die A-Gruppe. Neben dem Handlungsstrang um das Verschwinden der Schülerin sind zusätzlich noch weitere Erzählstränge mit eingebunden, die so scheinbar gar nichts mit dem aktuellen Fall zu tun haben. So ist z. Bsp. auch Paul Hjelm in eine interne Ermittlung involviert und erst mit der Zeit kristallisiert sich heraus, wie diese mit der eigentlichen Handlung in Verbindung steht.

Der Krimi ist somit von Anfang an sehr komplex angelegt und erst so nach und nach finden die scheinbar losen Fäden zu einem Fall zusammen, der zum Schluss schlüssig gelöst wird. Die hierdurch entstehenden Wendungen, die der Fall mehrmals annimmt, bleibt die Spannung durchweg auf hohem Niveau. Der Schreibstil von Arne Dahl ist gewohnt flüssig, ruhig, nachdenklich und stellenweise auch etwas melancholisch. Das Thema Pädophilie behandelt er sensibel und einfühlsam und beleuchtet es teilweise auch ein wenig aus Sicht der Täter.

Natürlich lässt Arne Dahl auch dem Zwischenmenschlichen wieder viel Raum und so wird das Privatleben der gesamten Mitglieder der A-Gruppe weitererzählt, was jedoch immer wieder geschickt und abwechslungsreich in die Story eingebaut ist und niemals überhandnimmt. Hier ist es zwar ratsam, bereits einige Fälle der A-Gruppe gelesen zu haben, aber selbst für Neueinsteiger sind die Verhältnisse der einzelnen Charaktere zueinander recht schnell zu überblicken.

Alles in allem ein hervorragend komplexer und spannender Krimi, mit gewohnt sensibler Darstellung seiner Protagonisten und einem brisanten Thema.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 16.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Dunkelziffer

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: