Dunkelziffer von Arne Dahl

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Mörkertal, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Stockholm, Ångermanland in Nordschweden, 1990 - heute.
Folge 8 der Paul-Hjelm-Serie.

  • Stockholm: Bonnier, 2005 unter dem Titel Mörkertal. 415 Seiten.
  • München: Piper, 2010. Übersetzt von Wolfgang Butt. ISBN: 978-3-492-05350-1. 415 Seiten.
  • [Hörbuch] Schwäbisch Hall: steinbach sprechende bücher, 2010. Gesprochen von Till Hagen. ISBN: 386974006X. 6 CDs.

'Dunkelziffer' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

In den Wäldern des nordschwedischen Ångermanlands verschwindet die 14-jährige Emily. Einzige Hinweise für Kerstin Holm vom Stockholmer A-Team sind Fahrzeuge mit baltischen Kennzeichen – und die Information, dass drei verurteilte Pädophile ganz in der Nähe des Tatorts leben. Der Fall gewinnt an Brisanz, als ein Mann mit durchtrennter Kehle aufgefunden wird. Das Mordinstrument: eine Klaviersaite. Bald gibt es in Stockholm eine zweite Leiche mit ähnlichen Schnittwunden. Die Spuren führen ins Internet, mitten hinein in einen perfiden Kampf zwischen Gut und Böse, in dem die junge Emily ihre ganz eigene Rolle spielt. »Dunkelziffer« entführt in die finstersten Winkel der menschlichen Seele und präsentiert einen Racheengel der raffiniertesten Art.

Das meint Krimi-Couch.de: »Hochspannend und nachdenklich« 93°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Ångermanland in Nordschweden. Dunkle Wälder, tiefe, reißende Flüsse. Hierher zieht es gelangweilte Großstädter aus der schwedischen Hauptstadt auf Abenteuerurlaub, oder Touristen aus Mitteleuropa auf Survival-Tour. Unglücklicherweise wohnen hier auch verurteilte Pädophile, die untertauchen möchten. Nicht gerade der prächtigste Ort für eine Klassenfahrt, und doch mietet sich eine siebte Klasse aus Stockholm in einem ehemaligen Bauernhof ein. Es kommt wie es kommen muss: die 14-jährige Emily verschwindet, die anschließende Suchaktion von Eltern und Schülern bleibt ergebnislos.

Der Fall wird Kerstin Holm und der Stockholmer A-Gruppe übertragen, Spezialisten für Kriminalfälle mit internationaler Dimension. Denn es wurden Fahrzeuge mit baltischen Kennzeichen gesichtet – und es ist bekannt, dass drei verurteilte Kinderschänder ganz in der Nähe des Tatorts leben.

Und an dieser Stelle geht es los, das dumpfe Unbehagen. Man muss nicht selbst Kinder haben, damit sich beim Thema Pädophilie die Nackenhaare sträuben. Arne Dahl packt das heikle Thema virtuos an, denn er verzichtet auf billige Effekte. Statt dessen gestattet er seinen Lesern Einblicke in die Seelen und abgründigen Gedanken seiner Ermittler. So ist eine Kommissarin aus der Pädophilie-Abteilung zur A-Gruppe gewechselt, weil sie die Gräuel dort nicht mehr aushielt – und erlebt nun das gleiche von Neuem.

Der vermeintliche Mord- oder Entführungsfall gewinnt an Brisanz, als in Stockholm ein Mann mit durchtrennter Kehle aufgefunden wird – obwohl der Zusammenhang zunächst nicht klar erkennbar ist. Das Mordinstrument war eine Klaviersaite – und das Opfer scheint ebenfalls der Pädophilen-Szene zu entstammen. Bald gibt es eine zweite Leiche mit ähnlichen Schnittwunden. Arne Dahl steigert kunstfertig die Schlagzahl. Die Ereignisse folgen immer schneller aufeinander, und so sehr die Erkenntnisgeschwindigkeit der Ermittler wächst, so sehr nimmt auch die Brutalität der Verbrechen zu.

Der Fall eines verschwundenen Handwerkers, der offenbar einen Leichendiebstahl begangen hat, scheint zunächst eher belanglos zu sein. Immerhin beschuldigt die Frau des Verschwundenen einen Polizisten der sexuellen Belästigung, was umgehend zu internen Ermittlungen führt. Der Beschuldigte ist der derzeitige Freund von Kerstin Holm, der Chefin der A-Gruppe. Und der interne Ermittler ist einer ihrer Ex-Partner. Dennoch einigen sich die beiden auf gemeinsame Ermittlungen, was sie – unabhängig voneinander – ebenfalls auf die Spur des Pädophilen-Netzwerks bringt. Das furiose, überraschende und brutale Finale des Buches kommt nahezu aus heiterem Himmel – und haut richtig vom Hocker.

Dunkelziffer ist ein Volltreffer, weil Arne Dahl von Beginn an auf mehreren Klaviaturen spielt, und damit seine Leser auf höchst nachdrückliche Weise fesselt. Die ausgelegten Spuren werden vom Leser begierig aufgegriffen – um dann als Seifenblase zu platzen. So hat die verschwundene Emily im Internet Nacktfotos von sich und ihren Klassenkameradinnen verkauft. Einer der Pädophilen aus Angermanland hat offenbar Kontakt zu ihr aufgenommen. Hat er sie vergewaltigt und ermordet? Oder wurde sie entführt und muss jetzt unvorstellbar leiden? So viel sei verraten: Emily lebt – und spielt später eine zwiespältige Rolle.

Die Ausflüge in die Gedankenwelt der Ermittler lassen tief blicken. Einige können ihre Aggressionen bei Verhören mit Pädophilen kaum unterdrücken. Eine Kommissarin muss ab und zu mit ihrem Partner in den Sado-Maso-Keller, damit es ihr wieder gut geht. Ein Paar unter den Ermittlern hat seit der Geburt des gemeinsamen Kindes keinen Sex mehr miteinander. Und bei allen wechseln sich Wut, Frustration und Resignation munter miteinander ab.

So ist es fast Zufall, dass es bei den Ermittlungen in Angermanlad zu keiner Katastrophe kommt: Die Stockholmer Polizisten werden zu einem einsamen Haus im Wald gerufen. Dort stehen Fahrzeuge mit baltischen Kennzeichen, hinter dem Haus sind dumpfe Schläge und Urschreie sowie viel Gelächter zu hören. Mit gezogenen Waffen stürmen die Polizisten um die Ecke – und finden illegale Bauarbeiter aus dem Baltikum, die in der Pause Äxte auf Baustämme werfen. Um ein Haar wäre einer von ihnen erschossen worden, aber die mit ihren Aggressionen kämpfende Polizistin krümmt den Abzugsfinger um Haaresbreite nicht.

Beeindruckend gerät der Ausflug in die Vergangenheit, der den Hintergrund der aktuellen Pädophilen-Jäger ausgezeichnet erklärt. Die Protagonisten auf der dunklen Seite werden vom Erzähler durchaus freundlich dargestellt, weil der Bad Guy eben noch ekliger ist. Auch wenn Dunkelziffer am Anfang ohne allzu blutige Szenen auskommt, ist es dennoch kein Werk für zarte Gemüter. Langsam, aber überaus deutlich wird die Gedankenwelt der Pädophilen schrittweise erläutert. Arne Dahl lässt sie in einigen Rechtfertigungsversuchen zu Wort kommen, er schüttelt den Leser richtig durch. Es handelt sich bei diesem Buch um keine leichte Strand-Lektüre, sondern Dahl provoziert seine Leser kräftig, als wolle er austesten, was man dem Publikum zumuten kann. Das Buch macht nachdenklich, man hält mehrfach inne und reflektiert den Inhalt. Und dennoch bleibt es ein hochspannender Thriller, von dem man sich nur wünschen kann, dass er komplette Fiktion ist.

Andreas Kurth, Mai 2010

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Moehrchen zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 30.05.2010
Krimi mit kleinen Hindernissen

Arne Dahl ist das Pseudonym des 1963 in Schweden geborenen Jan Lennart Arnald. Er arbeitet als Literaturwissenschaftler bei der Schwedischen Akademie, die jedes Jahr den Nobelpreis vergibt. Arne Dahl erhielt mehrere Auszeichnungen u. a. zweimal den Deutschen Krimipreis. "Dunkelziffer" ist der achte Fall für das Team um Kerstin Holm und Paul Hjelm.

Die vierzehnjährige Emily Flodberg verschwindet spurlos während einer Klassenfahrt in den Wäldern des nordschwedischen Ångermanland, aber in der Nähe des Tatortes wurden mehrer Wagen mit litauischen Kennzeichen gesehen. Haben die Autos was mit dem Verschwinden von Emily zu tun oder geht das doch auf die Kosten der drei Pädophilen, die in der Nähe des Tatortes wohnen?

Der Anfang des Buches ist recht wirr und zunächst recht unverständlich und fördert nicht unbedingt die Lust, an dem Buch weiter zu lesen. Wenn man aber mal die ersten zwei Kapitel überstanden hat, dann nimmt das Buch etwas Fahrt auf, wird aber immer wieder von privaten Dingen der Ermittler gebremst, die in aller Ausführlichkeit breit getreten werden. Sicher es handelt sich um eine Fortsetzung aber dies rechtfertig, in meinen Augen nicht, dass man die privaten Probleme in solch epischer Breite wiedergibt. Leider bremsen diese Abschweifungen den Lesefluss erheblich.

In dem Buch werden drei völlig verschiede Fälle, zwei von der A-Gruppe und einer von Paul Hjelm, behandelt. Jeder Fall für sich ist durchaus interessant aber die Auflösung wirkt dann doch etwas gekünstelt und ist für meinen Geschmack viel zu konstruiert. Es klingt schon recht früh im Buch an, dass die Fälle evtl. zusammenhängen: "Leider zeigten die Zufälle eine Tendenz, Zusammenhänge zu bilden, wenn die A-Gruppe sich ihnen nähert."

Arne Dahl lebt in der heutigen Zeit, was man auch daran merkt, dass er bzw. seine Ermittler es verstehen mit den heutigen Technologien umzugehen. Da werden Computer durchforstet und Daten rekonstruiert, sowie die Aufnahmen von Überwachsungskameras gesichtet, etwas was man in Krimis heute immer noch nicht sehr oft findet.

Die Sprache des Buches ist für einen Krimi doch recht ungewöhnlich. Teilweise kommt Arne Dahl bzw. seine Figuren doch etwas ins philosophieren: "Eigentlich kam es ihnen nicht sicherer vor, als das ungreifbare Zeitloch sich plötzlich füllte. Eher unsicher. Als wäre das gesamte Bewegungsmuster eine Fiktion." Diese Sprache hätte ich jetzt eher nicht in einem Krimi erwartet und sie hat mich stellenweise zugegebenermaßen auch etwas gestört. An anderen Stellen fand ich es jedoch durchaus passend.

Ein Krimi, der in der Neuzeit angekommen ist. Leider wird die Handlung etwas durch die stellenweise philosophische Sprache ausgebremst.

Ich vergebe 2 von 5 möglichen Sternen.
Bellexr zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 06.05.2010
Klassenfahrt mit ungewissem Ausgang

Kurz vor Mittsommer reist eine 7. Schulklasse nach Saltbacken in Nordschweden. Eines Mittags ist die 14-jährige Emily spurlos im Wald verschwunden. Die sofort eingeleitete Suche bleibt erfolglos. Da in der Gegend mehrere Fahrzeuge mit baltischem Kennzeichen gesichtet wurden und zudem drei polizeilich bekannte Pädophile in dieser Gegend wohnen, wird die A-Gruppe um Kerstin Holm eingeschaltet. Drei Mitglieder des Teams reisen vor Ort, die anderen versuchen von Stockholm aus, den Fall zu lösen. Emily bleibt unauffindbar und schon bald stellt sich heraus, dass sie ein dunkles Geheimnis hütet.

Arne Dahl beginnt seinen Krimi etwas ungewöhnlich, nämlich mit den Zeugenaussagen der befragten Schüler, Eltern und Lehrer von Emily. So erfährt man mit ihren Worten etwas von dem Verschwinden von Emily und ist somit gleich auf demselben Sachstand wie die A-Gruppe. Neben dem Handlungsstrang um das Verschwinden der Schülerin sind zusätzlich noch weitere Erzählstränge mit eingebunden, die so scheinbar gar nichts mit dem aktuellen Fall zu tun haben. So ist z. Bsp. auch Paul Hjelm in eine interne Ermittlung involviert und erst mit der Zeit kristallisiert sich heraus, wie diese mit der eigentlichen Handlung in Verbindung steht.

Der Krimi ist somit von Anfang an sehr komplex angelegt und erst so nach und nach finden die scheinbar losen Fäden zu einem Fall zusammen, der zum Schluss schlüssig gelöst wird. Die hierdurch entstehenden Wendungen, die der Fall mehrmals annimmt, bleibt die Spannung durchweg auf hohem Niveau. Der Schreibstil von Arne Dahl ist gewohnt flüssig, ruhig, nachdenklich und stellenweise auch etwas melancholisch. Das Thema Pädophilie behandelt er sensibel und einfühlsam und beleuchtet es teilweise auch ein wenig aus Sicht der Täter.

Natürlich lässt Arne Dahl auch dem Zwischenmenschlichen wieder viel Raum und so wird das Privatleben der gesamten Mitglieder der A-Gruppe weitererzählt, was jedoch immer wieder geschickt und abwechslungsreich in die Story eingebaut ist und niemals überhandnimmt. Hier ist es zwar ratsam, bereits einige Fälle der A-Gruppe gelesen zu haben, aber selbst für Neueinsteiger sind die Verhältnisse der einzelnen Charaktere zueinander recht schnell zu überblicken.

Alles in allem ein hervorragend komplexer und spannender Krimi, mit gewohnt sensibler Darstellung seiner Protagonisten und einem brisanten Thema.
D. M. zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 20.04.2010
Ich verfolge die "A-Gruppe" in den Hörbüchern,also der gekürzten Version der Krimis, und das mit großem Interesse. Leider enttäuscht "Dunkelziffer" meine durch die anderen Bände hoch gesteckten Erwartungen: eine verworrene Handlung, die vielleicht durch die notwendigen Kürzungen der Hörbuchversion gelitten hat, aber vor allem die große Verschwörung hinter allem machen das Genießen schwer. Die Personenstudien sind wie immer hervorragend, die Persönlichkeit der Ermittler entwickelt sich weiter, aber das Auftauchen dieser Geheimgesellschaft macht den Plot für mich unglaubwürig. Sind diese Gesellschaften in Schweden wirklich so omnipräsent wie dort angedeutet wird?
Und das Ende der Geschichte lässt nur hoffen, dass der Folgeband möglichst schnell übersetzt wird: so kann man seine Leser / Hörer dich nicht in der luft hängen lassen! Das bin ich von Arne Dahl bisher nocht gewohnt. Fazit: der bisher schwächste Band der Reihe.
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Sandra zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 06.04.2010
Was passierte mit Emily Flodberg?

Zum Inhalt:
Auf einer Klassenfahrt einer 7. Klasse in einem kleinen Dorf in Schweden, mitten zwischen Wäldern und Bauerngehöften, verschwindet die 14-jährige Emily Flodberg spurlos. Da in der Umgebung 3 bekannte und abgestrafte Pädophile leben und außerdem Fahrzeuge mit litauischen Kennzeichen aufgetaucht sind geht man von einer Entführung des Mädchens aus. Auf den Plan tritt das A-Team – eine Sondereinheit der schwedischen Polizei. Das Team um Kerstin Holm muss das Geheimnis von Emiliy´s Verschwinden lösen und die Puzzleteile von weiteren Vorkommnissen (ein Toter auf einer Parkbank und das Rätsel um ein mysteriöses Skelett) zusammenfügen. Es scheint, als ob alles seinen Ursprung im Internet nimmt und Emily gar nicht das unschuldige kleine Mädchen ist, für das man sie hält …

Meine Meinung:
Ich werde mich bemühen keine Vorurteile bezüglich skandinavischen Krimis mit einzubringen, jedoch hat mich dieser Roman diesem Genre nicht wirklich näher gebracht. Ganz im Gegenteil: Von den ersten Seiten noch positiv überrascht – die Story las sich nicht schlecht an: ein verschwundenes Mädchen, Pädophile Triebtäter und internationale kriminelle Ringe – wurde ich im Laufe des Buches doch wieder auf den Teppich gebracht. Ich kann mir nicht helfen, aber wieder hat mich diese typisch verworrene und undurchsichtige Handlung abgeschreckt und mir die Leselaune verdorben. Dazu kam, meiner Meinung nach wirklich störend und fast schon ein bisschen nervend, diese unheimliche Anzahl an verschiedenen Personen, die immer wieder ins Spiel kamen. Da habe ich ganz schnell den Durchblick verloren. Zumal die Charaktere nur angerissen worden sind und man dann mit einem Fragezeichen auf dem Kopf zurück gelassen worden ist. Vielleicht liegt dies aber auch daran, dass ich den 1. Teil des A-Teams nicht gelesen habe. Im Großen und Ganzen kann ich folgendes sagen: Story gut – Abhandlung weniger gut. Leider nur 1,5 Punkte von mir.
Nati zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 25.03.2010
Ein neuer Fall, der aufgeklärt werden muss, von der A-Gruppe, dem Spezial-Ermittlerteam aus Stockholm. Der Einstieg in das achte Buch von Arne Dahl „Dunkelziffer“ um die A-Gruppe gestaltete sich schwierig.

Eine Klassenfahrt führt zu einem Hof dicht am Wald. Es gab eine Absprache, dass niemand den Garten verlässt, ohne einen Erwachsenen Bescheid zu sagen. Doch plötzlich ist Emily verschwunden. Eine Suchaktion wird von Lehrern, Eltern und Schülern gestartet. Sie haben keinen Erfolg und die Polizei wird alarmiert. Der Fall der verschwundenen Emily wird in die routinierten Hände der A-Gruppe gegeben, da man internationale Verbindungen vermutet, denn es waren mehrere Fahrzeuge mit baltischem Kennzeichen gesehen worden. Gleichzeitig wird festgestellt, dass sich drei aktenkundige Pädophile in der Gegend aufhalten. Doch auch ein uraltes Skelett und eine geköpfte Leiche spielen eine Rolle.

Die Geschichte beginnt etwas schleppend und langatmig. Die Suchaktion nach Emily wird aus den verschiedenen Blickwinkeln der Beteiligten geschildert. Dieses verwirrt mehr, als das es Klarheit vermittelt. Nur langsam wird Spannung aufgebaut, die immer wieder durch detaillierte Beschreibungen unterbrochen wird. Es ist kein Buch, das man so nebenbei lesen kann. Eine Konzentration auf die Geschichte ist schon erforderlich, denn bei den vielen unterschiedlichen Handlungssträngen ist es nicht einfach die Übersicht zu behalten.

Wer bis zum Ende des Buches durchhält, kann erleben wie die von Arne Dahl verstreuten vielen kleinen Puzzleteilchen in einem spannenden Finale zusammengefügt werden.
Marius zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 14.03.2010
Das Herz der Finsternis

Bereits im Jahr 2005 erschien dieses Buch unter dem Titel Mörkertal in Schweden, wohingegen der Piper-Verlag erst ganze fünf Jahre später zur Veröffentlichung dieses achten Teils der zehnbändigen Serie um die A-Gruppe kam. In diesem Band stehen die altbekannten Charaktere um ihre Leiterin Kerstin Holm im Vordergrund, die diesmal einen besonders kniffligen Fall auf den Tisch bekommen.
Im endlosen Waldgebiet in Nordschweden ist die 14-jährige Schülerin Emily während eines Klassenausfluges spurlos verschwunden. Obwohl kurze Zeit später bereits eine Suchaktion gestartet wurde blieb das junge Mädchen unauffindbar und die A-Gruppe schaltet sich ein, als herauskommt, dass sich zum Zeitpunkt des Verschwindens eine Autokolonne aus dem Baltikum in der Nähe des Tatortes befand. Außerdem erfahren die Ermittler, dass im Radius von 100 Kilometern gleich drei ehemalige verurteilte Kinderschänder ihr Leben fristen und somit ein sexuelles Verbrechen nicht ausgeschlossen werden kann...
Verkompliziert wird der ganze Fall nun auch noch durch das Auffinden von zwei mit einer Klaviersaite geköpften Leichen, die kurz nacheinander auftauchen und in merkwürdigem Zusammenhang mit dem Verschwinden von Emily zu stehen scheinen.
Arne Dahl mutet in diesem Roman seinen Lesern wieder einiges zu: Sexualverbrechen und Pädophilie bestimmen das Buch und dürften jedem Leser ganz schön an die Nieren gehen, vor allem, da Dahl dezidiert auf das Problem des Internets in Verbindung mit dem Missbrauch von Minderjährigen eingeht. Einfühlsam wie gewohnt schildert er die Nöte seiner Ängste und wechselt gekonnt öfter einmal die Perspektive und belebt so die Handlung. Er webt Leitthemen wie das Buch "Das Herz der Finsternis" von Joseph Conrad oder die beängstigend dunkle Waldlandschaft ein, die in der Geschichte an passenden Stellen immer mal wieder einmal auftauchen und so den Roman auch unterschwellig strukturieren. Auch zeigt er sich gewohnt vielseitig, was vor allem bei den eingangs wiedergegebenen Zeugenaussagen deutlich wird, wenn er jedem Schüler/-in oder Lehrer/-in einen eigenen Sprachduktus verleiht und so jeden Protagonisten einzigartig zeichnet.
Als einzige Kritikpunkte muss ich nur teilweise die Sprache vorbringen, die mir für einen so grausamen Krimi stellenweise zu poetisch und zu gekünstelt und überhöht wirkt. Das zweite Viertel des Romans zieht sich in meinen Augen auch etwas, dafür wird man aber mit einem furiosen und spektakulären Finale belohnt, dass allemal Appetit auf die folgenden Fälle der A-Gruppe machen dürfte!
Insgesamt ein sensibler Krimi über ein heikles Thema, welches den Leser fesselt und auch selbst zum Nachdenken anregt!
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
schnegg72 zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 17.02.2010
Bei einer Klassenfahrt verschwindet die 14jährige Emily spurlos aus der Einöde. Da von Zeugen litauische Autos gesehen wurden, wird das A-Team auf den Fall angesetzt. Während die Ermittlungen allesamt ins Nirvana laufen, wird zudem Kerstin Holms Freund und Kollege noch der sexuellen Belästigung während einer Anzeige beschuldigt, ein Skelett verschwindet aus einer Baugrube, Pädophile mit durchgeschnittener Kehle werden gefunden und ein ominöser Geheimorden kommt zum Vorschein.
Haben diese Vorfälle einen gemeinsamen Nenner? Ist die Lösung im Internet oder auf einem der sichergestellten Computer zu finden? Und: Ist Emily wirklich so unschuldig, wie es zu Beginn den Anschein hat? Ein weiteres Meisterwerk von Arne Dahl, der von Mal zu Mal poetischer zu werden scheint. Hat man einmal angefangen zu lesen, so kann man das Buch nur schwer wieder beiseite legen. Ich freu mich schon jetzt auf den nächsten Band.
http://buchfamily.jimdo.com/
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subechto zu »Arne Dahl: Dunkelziffer« 12.02.2010
Finstere Orte... von Arne Dahl?

Bei Bauarbeiten in Stockholm wird in einer Grube ein "besonderes" Skelett entdeckt. Gleichzeitig verschwindet die 14-jährige Emily auf einer Klassenfahrt in den nordschwedischen Wäldern. Kurz darauf werden zwei grausam ermordete Männer aufgefunden. Was haben all diese Ereignisse miteinander zu tun?

Aus den sehr subjektiven Zeugenaussagen müssen der Stockholmer Inspektor Paul Hjelm und die Sonderermittler der A-Gruppe um Kerstin Holm den Hergang des neuen Falls rekonstruieren.

Wie immer bei Arne Dahl werden ganz aktuelle, brisante Themen angefasst. In Dunkelziffer geht es um Pädophilie, das Internet und die baltischen Staaten. Besonders gelungen finde ich die Sprache, je nachdem, ob es sich bei dem jeweiligen Ich-Erzähler um einen Jugendlichen oder Erwachsenen, Mann oder Frau handelt.

Etwa zwei Drittel dieses 8. Falls sind einfach Spitze! Danach wird es für meinen Geschmack ein bisschen zu philosophisch. Als aber am bühnenreifen Ende alle Fäden der unterschiedlichen Handlungsstränge schlüssig zusammengeführt und aufgelöst werden, bin ich wieder bei ihm.

Für mich ist und bleibt Arne Dahl, alias Jan Arnald, einer der genialsten skandinavischen Autoren überhaupt! Und so hoffe ich auf einen weiteren intelligenten und spannenden Kriminalroman mit dem A-Team.

5* und meine unbedingte Leseempfehlung für Dunkelziffer!
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