Die Augen eines Mörders von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel Plenilunio, deutsche Ausgabe erstmals 2000 bei Rowohlt.
- Madrid: Alfaguara, 1997 unter dem Titel Plenilunio. 485 Seiten.
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Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000.
Übersetzt von Willi Zurbrüggen.
ISBN:
3-498-04397-8. 477 Seiten. -
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2001.
Übersetzt von Willi Zurbrüggen.
ISBN:
3-499-23001-1. 477 Seiten. -
München: btb, 2011.
Übersetzt von Willi Zurbrüggen.
ISBN:
978-3-442-74353-7. 477 Seiten.
'Die Augen eines Mörders' ist erschienen als
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In Kürze:
Tag und Nacht lief er durch die Stadt, auf der Suche nach einem Blick. Nur für diese Aufgabe lebte er, und auch wenn er versuchte, andere Dinge zu tun, oder vorgab, sie zu tun, spähte er unablässig umher, schaute den Leuten in die Augen, schaute in die Gesichter von Unbekannten. Der Inspektor suchte den Blick eines Menschen, der etwas ungeheuerliches gesehen hatte, als dass es vom Vergessen gemildert oder ausgelöscht werden konnte.
Das meint Krimi-Couch.de: »Dieses Buch geht durch Mark und Bein«
Krimi-Rezension von Wolfgang Reuter überspringen
Über den Inhalt gibt der Klappentext bereits ausreichend Auskunft: Ein brutaler Sexualmord an einem kleinen Mädchen, eine Kleinstadt in Angst und Schrecken, ein Inspektor mit dunkler Franco-Vergangenheit, besessen davon, den Mörder zu finden, ein ETA-Killer, besessen davon, den Inspektor zu finden, ein romantisches Intermezzo mit der Lehrerin des Opfers, die sich von Mann und Sohn verlassen durchs Leben schlägt. Und schließlich der Mörder, unscheinbar, unberechenbar, triebgeleitet, noch nicht am Ende seiner grausamen Tätigkeit …
Von den Freunden kurzweiliger, spannungsgeladener Urlaubs- oder Gutenachtkrimis möchte ich mich an dieser Stelle jetzt schon herzlich verabschieden.
Hier handelt es sich nicht um einen Krimi im herkömmlichen Sinne, sondern um einen Roman, der die Kriminalgeschichte nur als Träger anderer Intentionen des Autors verwendet. Molina ist einer der vielen spanischen Schriftsteller wie Montalban etc., der sich auch der Aufarbeitung der jüngeren spanischen Geschichte – Franco und die Folgen – widmet. Er tut das nicht vordergründig, sondern über seine Figuren, die aus unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten Spaniens stammen:
- Der Inspektor, ein ehemaliger Francospitzel, der durch die Versetzung in die Kleinstadt seiner Vergangenheit entrinnen will. Der ETA – Killer, der ihn trotzdem findet.
- Die Frau des Inspektors, die der Terror ins Irrenhaus geführt hat.
- Der Priester, ein ehemaliger Kommunist unter Jesuiten. Der Gerichtsmediziner, ein alter Anarchist, etc.
Alle diese Personen kommen sehr ausführlich zu Wort, wir nehmen Teil an ihrer Vergangenheit und ihrem Innenleben.
Molina ist in Spanien kein Unbekannter und bereits mehrfacher Literaturpreisträger. Dies ist meines Wissens nach überhaupt sein erster Kriminalroman.
Er hat eine ganz eigene, fast sinnliche Art zu schreiben, voller Suggestionskraft und intensiver Bilder, streckenweise ist das reine Poesie. Aber er schont sich nicht und niemanden. Seine Schilderungen sind oft von einer quälenden Intensität, die jede Schmerzgrenze überschreiten, die Sätze meist eine halbe Seite lang und manchmal sogar länger.Die Sprache ist sein Medium, mit ihr arbeitet er, formuliert, malt, dichtet, beobachtet, analysiert, verfeinert bis zum perfekten Ausdruck. Er ist ein Perfektionist. Wie ein Bildhauer meißelt er seine Figuren aus den Textblöcken zu lebendigen Wortgestalten. Das aber ist nicht jedermanns Sache, es verlangt Geduld und eine Neigung zur Poesie, zur literarischen Versenkung, zu Sprachmelodien, die gelegentlich ein symphonisches Ausmaß erreichen.
Die Besessenheit, mit der der Inspektor den Mörder sucht, das Verlangen, ihn an seinen Augen zu erkennen und in ihnen die Gründe für die Tat zu sehen, hat auch etwas mit seiner eigenen Vergangenheit zu tun. Wie kommt es, das ein Mensch zu solchen Taten fähig ist? Wie konnte er selbst Freunde denunzieren? Die Augen sind der Spiegel der Seele, hat der Priester gesagt, und so müssen sie doch etwas über den Menschen aussagen, seine Abgründe und Ängste, etwas Bedeutendes, dem Schicksal die Maske vom Gesicht reißen – aber er muss feststellen: Alles ist umsonst, das Schreckliche ist ganz gewöhnlich, mitten unter uns, unsichtbar im Alltäglichen, gefördert durch die Blindheit und Gleichgültigkeit, mit der die Menschen durchs Leben gehen.
Molina ist Pessimist, schreibt illusionslos, ohne Fatalismus und ohne jede Hoffnung. Und doch: einen Ausweg aus dem vergangenheitsbelasteten und rückwärtsgewandten Verhalten zeigt er ganz nebenbei in der Figur der Lehrerin Susana Grey, die alles hinter sich lässt und ihr Leben neu beginnt. Neben dem Mädchen Paula ist sie die einzige positive, starke Figur in diesem Roman.
Dieses Buch lässt einen nicht kalt, es geht durch Mark und Bein. Wer literarisch anspruchsvolle Kriminalromane mag, kommt hier voll auf seine Rechnung.
Das meinen andere:
»Wer Action, Blut und coole Sprüche liebt, ist bei «Die Augen eines Mörders» falsch. Antonio Muñoz Molina erzählt langsam und ausführlich, schreitet seine Gedanken ab wie der Inspektor die Straßen der Stadt. Und der Leser muss ihnen folgen. Das ist quälend und nervenzerfetzend und wunderschön.« (Westdeutscher Rundfunk)
»Munoz Molinas Diktion ist erfüllt von andalusischer Poesie, bildhaft, farbenreich und zupackend.« (Die Welt)
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| Schnaeutzchentrecker zu »Antonio Munoz Molina: Die Augen eines Mörders« | 19.10.2009 |
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| Cruzcampo zu »Antonio Munoz Molina: Die Augen eines Mörders« | 17.02.2009 |
| Heaven23 zu »Antonio Munoz Molina: Die Augen eines Mörders« | 07.03.2008 |
| Antonio zu »Antonio Munoz Molina: Die Augen eines Mörders« | 14.05.2005 |
| Hans Bangert zu »Antonio Munoz Molina: Die Augen eines Mörders« | 12.12.2004 |
| K. Buettner zu »Antonio Munoz Molina: Die Augen eines Mörders« | 30.08.2003 |
| Mayr Elisabeth zu »Antonio Munoz Molina: Die Augen eines Mörders« | 08.04.2003 |


