Der einzige Ausweg von Antonio Hill

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel Los buenos suicidas, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Suhrkamp.
Ort & Zeit der Handlung: Spanien / Barcelona, 2010 - heute.
Folge 2 der Héctor-Salgado-Serie.

  • Barcelona: Debolsillo, 2012 unter dem Titel Los buenos suicidas. 381 Seiten.
  • Berlin: Suhrkamp, 2013. Übersetzt von Thomas Brovot. ISBN: 978-3518464878. 400 Seiten.

'Der einzige Ausweg' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Eine junge Frau wird von der U-Bahn erfasst, und Inspektor Salgado muss raus in die kalte Nacht von Barcelona: War es Selbstmord? Aber was bedeutet dann das einzige Foto auf ihrem Handy: die steifen Körper von drei erhängten Hunden? Salgado macht sich an die Arbeit, auf seine eigene kompromisslose Art, die ihn in der Vergangenheit schon mehr gekostet hat, als ihm lieb sein kann. Er spricht mit den Kollegen des Opfers bei einem Kosmetikhersteller, doch ihre Chefin begegnet ihm ausweichend, und der junge Marketingleiter kriegt kein gerades Wort heraus. Niemandem in dieser Firma ist zu trauen, und dann erfährt Salgado von einer weiteren Tragödie: Ein anderer Mitarbeiter hat sich eine Kugel in den Kopf gejagt – nachdem er seine Frau und seine kleine Tochter regelrecht hingerichtet hatte.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Tragödie zweiter Teil« 82°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Nach seinem famösen Erstling Der Sommer der toten Puppen hatte der spanische Autor Antonio Hill eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Ihm gelingt der Aufbau einer spannenden Serie, der die Leser zu folgen wünschen, oder er gerät in die Falle des berüchtigten Second-Album-Syndrome. Diese Klippe hat Hill erfolgreich umschifft, ist ihm mit Der einzige Ausweg doch abermals ein großer Kriminalroman gelungen.

Ein Argentinier in Barcelona

Inspektor Salgado – immer noch kettenrauchend, immer noch der verlassene Ehemann und immer noch der Vater eines Pubertierenden – hätte damit schon genug Gesprächsstoff für seine Therapeutin. Was zunächst aber nur nach dem Selbstmord einer jungen Österreicherin aussieht, wird im Laufe der Ermittlungen immer rätselhafter: Auf dem Handy der Verstorbenen gibt es ein Foto von drei an einem Baum erhängten Hunden.

Ein Kollege, der im selben Kosmetikkonzern arbeitete, hat ein paar Wochen zuvor erst seine Familie und anschließend sich selbst erschossen. Der gemeinsame Nenner ist ein Team-Building-Seminar, an dessen Ende ein Pakt der bösen Sorte steht. Unterdessen sorgt sich Héctor immer noch um das Verschwinden seiner Ex-Frau Ruth. Seine hochschwangere Kollegin Leire Castro nimmt auf eigene Faust die Ermittlungen auf.

Der Reiz des Ungewissen

Hills Roman lebt von dem Unausgesprochenen zwischen den Zeilen. Die Magie seiner Worte lässt jede seiner Figuren in den Fokus rücken, so dass der Leser gezwungen ist, mit ihnen mit zu leben und zu leiden. Jeder, der an jenem Nachmittag der Szene mit den erhängten Hunden beigewohnt hat, kommt auf seine eigene Art mit dem Erlebten nicht klar und scheitert an einem zu hütenden Geheimnis. Der Preis ist hoch. Der Preis ist der Tod.

Antonio Hill ist abermals ein einfühlsamer Roman um den argentinisch-stämmigen Inspektor Salgado gelungen, der nicht durch das detailreich geschilderte Setting Barcelona überzeugt, sondern durch psychologische Tiefe. Auf seine ganz eigene Weise spannend mit einer Nebenhandlung, die der sprichwörtliche Rote Faden in dieser Reihe ist: Das Verschwinden seiner Ehefrau.

Von diesem Spanier möchten wir gerne noch viel mehr lesen.

Lars Schafft, Dezember 2013

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wendelin zu »Antonio Hill: Der einzige Ausweg« 08.05.2014
Barcelona im Winter. Eine Frau stürzt sich vor die U-Bahn. Bei der Ermittlung stößt Kommissar Salgado darauf, dass sich kurz zuvor ein Arbeitskollege der Frau eine Kugel in den Kopf gejagt hat, nachdem er seine Frau und seine kleine Tochter regelrecht hingerichtet hatte. Stehen die beiden Fälle in Zusammenhang und welches Mysterium verbirgt sich hinter dem Foto der drei erhängten Hunde?

Héctor Salgado ist ein sympathischer Protagonist. Seit seine Frau spurlos verschwunden ist, hat er Alpträume und ist in psychiatrischer Behandlung. Alleinerziehender Vater mit einem Job bei den Mossos d’Esquadra, als Inspektor der katalanischen Polizei, intensiv und frustrierend zugleich.

Eins vorweg, das Buch liest sich gut, aber es ist kein klassischer Krimi. Zwar gibt es Tote und es wird auch ermittelt, aber die Handlung folgt keinem klaren Plot. Sie treibt mal hierhin und mal dorthin, ohne wirklich irgendwo anzukommen. Die Stärken des Buches liegen vielmehr in der Art, wie die Geschichte erzählt wird – nämlich aus jeder erdenklichen Perspektive. Man folgt diesen ständigen Wechseln aber gerne, denn sie haben eine Sogwirkung und ziehen einen tief hinein in die vielschichtigen Dimensionen des Falls.

Die Anlage der Charaktere in diesem Buch lässt einen spüren, dass Antonio Hill Psychologie studiert hat. Es gibt kein schwarz-weiß, dafür jede Menge schmutziges grau in den Tiefen der Seelen. Jeder kann zum Täter werden, wenn die Umstände es erfordern – und manch einer zerbricht daran.

Mit dem mehr oder weniger offenen Ende muss man leben können. Nicht alle Aspekte des Falls lassen sich klären bzw. zu einem befriedigenden Ende führen. Fast wie im richtigen Leben. Und ganz zum Schluss gibt’s dann noch den klassischen Cliffhanger … to be continued ;-)
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Marius zu »Antonio Hill: Der einzige Ausweg« 16.12.2013
Winter in Barcelona

Antonio Hill treibt mit „Der einzige Ausweg“ die Fortschreibung seiner Saga um den Kriminalinspektor Héctor Salgado und die Stadt Barcelona weiter voran.
Doch fernab von zementierten Klischees eines sommerlichen Barcelonas, in dem durchgängig die Sonne scheint und die Temperatur nie unter 30 Grad fällt, zeigt Hill ein gänzlich anderes Bild. Schnee fällt und kalte, ungastliche Temperaturen herrschen nicht nur in der Stadt sondern auch im zwischenmenschlichen Umgang der Katalanen.

Nach dem möglichen Suizid einer jungen Frau in einem U-Bahnschacht kommt der melancholische und manchmal jähzornige Inspektor Héctor Salgado einem tödlichen Geheimnis auf die Spur, das eine Gruppe von Mitarbeitern eines Kosmetikkonzerns teilt.

Der eigentliche Kriminalfall, der „Der einzige Ausweg“ zugrunde liegt, ist nicht allzu spektakulär und innovativ. Der Reiz, der dem neuen Roman von Antonio Hill innewohnt, liegt in der horizontalen Erzählweise des Autors begründet. Die Ereignisse, die im Vorgängerroman ihren Ausgang nahmen, werden nun weitergeführt und nehmen eine überraschende Entwicklung.
Dementsprechend empfiehlt sich die vorweg gehende Lektüre von Hills Erstling „Der Sommer der toten Puppen“, auch wenn die Kenntnis dieses guten Romans nicht essentiell ist.

Der Cliffhanger am Ende des Buches macht wahrhaft Lust auf den nächsten Roman Antonio Hills, der dann auch gerne einmal in einem wärmeren Barcelona spielen darf!
subechto zu »Antonio Hill: Der einzige Ausweg« 04.12.2013
Barcelona im Winter

"Der einzige Ausweg" ist nach "Der Sommer der toten Puppen" bereits der zweite Barcelona-Krimi aus der Salgado-Reihe. Inspektor Héctor Salgado ist Argentinier. Seine Frau Ruth, die sich von ihm getrennt hatte, ist verschwunden und sein Sohn mitten in der Pubertät. Dazu ist er Kettenraucher, leidet unter Schlaflosigkeit und geht regelmäßig zu einem Therapeuten.

Eines Nachts wird er zu einem Tatort gerufen: Eine junge Österreicherin, die für einen einheimischen Kosmetikhersteller gearbeitet hat, ist von einer U-Bahn überfahren worden, offensichtlich Selbstmord. Auf ihrem Handy findet die Polizei eine mysteriöse SMS und ein gruseliges Foto: drei an einem Baum erhängte Hunde.

Kurz zuvor hatte ein anderer Mitarbeiter des Unternehmens Frau und Tochter getötet und sich anschließend selbst erschossen. Ein Zufall? Inspektor Salgado ermittel: hartnäckig, Schritt für Schritt, bis zum überraschenden Schluss. Letztlich gibt es etliche Tote und Täter, dennoch werden nicht alle Rätsel gelöst. So auch das Verschwinden von Ruth, das in einem parallelen Handlungsstrang von der hochschwangeren Polizistin Leire Castro untersucht wird.

Antonio Hill ist ein Meister der leisen Töne, der die dunklen Seiten von Barcelona nicht verschweigt. Seine Figuren sind mir ans Herz gewachsen und ich mag sie nicht mehr missen. "Der einzige Ausweg" ist wie ein Tango, anspruchsvoll und leidenschaftlich. Ich liebe diese Reihe schon jetzt und hoffe auf eine baldige Fortsetzung. Definitiv 100°!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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