Der Hüter der Finsternis von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2003
unter dem Titel The Lamplighter,
deutsche Ausgabe erstmals 2005
bei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / Schottland / Edinburgh, 1890 - 1909.
- Sydney; London: Flamingo, 2003 unter dem Titel The Lamplighter. 361 Seiten.
-
Bergisch Gladbach: Lübbe, 2005.
Übersetzt von Marion Sohns.
ISBN:
3-7857-1558-7. 443 Seiten. -
Bergisch Gladbach: BLT, 2006.
Übersetzt von Marion Sohns.
ISBN:
978-3-404-92221-5. 443 Seiten.
'Der Hüter der Finsternis' ist erschienen als
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In Kürze:
Edinburgh, Ende des 19. Jahrhunderts: Eine Reihe schrecklicher Morde versetzt die Bevölkerung der schottischen Metropole in Angst und Schrecken. Auf den ersten Blick scheint die Opfer nichts miteinander zu verbinden – außer geheimnisvollen Notizen, die sich bei jedem von ihnen finden. Erst allmählich wird klar, dass sie sich im Umfeld einer mysteriösen Vereinigung bewegten, der »Spiegelgesellschaft«. Doch welche Rolle spielt eine junge Frau, die behauptet, von jedem der Morde geträumt zu haben? Eine Frau, die ihre Kindheit in einem Waisenhaus verbracht hat, in dem offenbar nicht alles mit rechten Dingen zuging …
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Krimi-Rezension von Frank A. Dudley überspringen
Edinburgh, 1886: Bestialische Morde versetzen die Behörden in höchsten Aufruhr. Bürger aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten werden förmlich zerfetzt, ihre Körperteile in den Gassen der Stadt verteilt. Inspektor Carus Groves übernimmt den Fall mit großer Freude, denn in seiner 20jährigen Laufbahn hat er noch nie in einer Mordsache ermittelt. Verbrechen, deren Aufklärung einen Prestigegewinn mit sich zu bringen versprechen, reißt stets Chief Inspector Stuart Smith an sich. So erfolgreich ist er mit seiner Eigen-PR als Top-Ermittler, dass ihn bereits zu Lebzeiten das Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud in London verewigen will. Dieser Ego-Trip spielt nun den Eitelkeiten von Carus in die Tasche, denn er will mit den neuen Morden seiner halbfertigen Autobiografie einen neuen Höhepunkt hinzufügen. Doch als der Bürgermeister Opfer des Killers wird, wächst ihm die Sache über den Kopf.
Zwanzig Jahre zuvor: Die elfjährige Evelyn Todd ist ein aufgewecktes Mädchen. Das begeistert ihre Freundinnen im Waisenhaus ebenso wie es Alexander Lindsay entsetzt, den erzkonservativen Leiter der Institution. Seine Schützlinge sind für nichts anderes als Schmarotzer an Gottes gnädiger Tafel, deren freier Wille gebrochen werden muss, um sich und anderen keinen Schaden zuzufügen. Doch Evelyns Wille bricht nicht ein, auch nicht unter den freigiebig ausgeteilten Rohrstockhieben. Als ihr angeblicher Vater auftaucht, um sie aus den Klauen des calvinistischen Despoten Lindsay zu befreien, scheint sich alles zum Guten zu wenden. Doch ihr Retter ist ein Betrüger, der Evelyn in einem Zimmer mit abgedunkelten Fenstern gefangen hält.
Das Mädchen taucht erst wieder als junge Frau in Edinburgh auf, wo sie Professor McKnight während seiner Logik-Vorlesungen auffällt. Doch auch Inspektor Groves macht die Evelyns Bekanntschaft. Während sich der Polizist noch mit einer Theorie zu den Morden abquält, taucht sie in seinem Büro auf und behauptet, sie würde die Morde träumen. Groves glaubt ihr kein Wort, lässt sie aber beschatten, weil er bislang keine Verdächtigen in der Sache ausfindig machen konnte. Während der kriminalistisch weitestgehend talentfreie, aber umso dünkelhaftere Inspektor wichtigen Hinweisen nicht nachgeht und sich ein Gerüst aus unhaltbaren Anschuldigungen aufbaut, um seine Hauptverdächtige zu überführen, beginnt auch Professor McKnight mit Nachforschungen.
Durch die Hölle
Gemeinsam mit seinem eher unstandesgemäßen Freund, dem Friedhofswächter Joseph Canavan, beginnt er mit den Nachforschungen. Während der atheistische Philosoph logisch deduziert und psychologisch erörtert, ergänzt Canavan dessen Gedankenfluss mit theologischen Motiven. Sie suchen die Bekanntschaft mit Evelyn und sie erlaubt ihnen, sie unter Einsatz von Hypnose zu befragen. Das Duo kommt dabei einem unglaublichen Ereignis auf die Spur und beide gehen bald im wahrsten Sinne des Wortes durch die Hölle, um Evelyn und Edinburgh vor weiterem Ungemach zu schützen.
Vor dem Ungemach einer durchlesenen Nacht verschont Anthony O’Neill seine Leser allerdings nicht. Sein stimmungsvoller und philosophisch anregender Krimi überzeugt auf der ganzen Linie. Zwar dauert es gute 30 Seiten, bis der erste Spannungs-Köder ausgelegt wird, aber danach bietet »Der Hüter der Finsternis« einen spekulativen Leckerbissen nach dem anderen. Spoiler-Gefahr verbietet allerdings detaillierte Ausführungen in dieser Richtung. Soviel sei gesagt: Fast schon animierte lebenspralle Charaktere, ein wunderbar düsteres Setting im viktorianischen Großbritannien, weit reichende Diskurse über Religion und Aufklärung und ein überraschendes, beinahe Horror artiges Ende sorgen für Krimi-Lektüre auf hohem Niveau.
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| Frank Wartner zu »Anthony O´Neill: Der Hüter der Finsternis« | 19.11.2007 |
| KleineMaus zu »Anthony O´Neill: Der Hüter der Finsternis« | 07.09.2007 |

