Die roten Stiefeletten von Anne Perry

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1981 unter dem Titel Resurrection Row, deutsche Ausgabe erstmals 1991 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: , 1870 - 1889.
Folge 3 der Thomas-Pitt-Serie.

  • New York: St. Martin’s Press, 1981 unter dem Titel Resurrection Row. 281 Seiten.
  • München: Heyne, 1991. Übersetzt von Herbert Präbst. ISBN: 3-453-07532-3. 281 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2005. Übersetzt von Herbert Präbst. ISBN: 3898972003. 254 Seiten.
  • München: Pavillon, 2006. Übersetzt von Herbert Präbst. ISBN: 978-3-453-77085-0. 281 Seiten.

'Die roten Stiefeletten' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Inspektor Pitt von Scotland Yard wird mit seinem delikatesten und schwierigsten Fall konfrontiert: dem Geheimnis des ermordeten Aktmalers. Eine Reihe seltsamer Morde stellt ihn vor Rätsel – die Spur führt in ein Edelbordell …

Das meint Krimi-Couch.de: »Weit und breit Verwirrung« 40°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Sir Desmond versucht, für sich und seine Frau nach einem Theaterbesuch eine Droschke anzuhalten, doch der Kutscher fällt ihnen vom Kutschbock direkt vor die Füße. Der hinzueilende Inspektor Pitt erkennt sofort, dass mit dem Toten etwas nicht stimmt. Es erscheint fast so, dass dieser schon seit längerem verstorben ist und auch bereits beerdigt wurde. Eine Vermutung die sich zwei Tage später bestätigt, offenbar handelt es sich bei der Leiche um die des Augustus Fitzroy-Hammond, dessen Grab offen vorgefunden wurde und dessen Identität von seiner Witwe Alicia bestätigt wird. Die Leiche wird erneut beerdigt und am darauf folgenden Sonntag gehen Alicia, deren Schwiegermutter und Verity, Augustus Tochter aus erster Ehe, wie gewöhnlich zum Gottesdienst. In ihrer Familienbank sitzt bereits ein unbekannter Mann und als Alicia ihn leicht anstößt, um ihn zum Fortgehen zu bewegen, kippt dieser tot zur Seite um. Es handelt sich erneut um Augustus.

Vieles deutet darauf hin, dass die Leiche erneut ausgegraben wurde, um die Aufmerksamkeit der Polizei zu erregen. Wurde Augustus etwa ermordet und wenn ja, von wem? Ein Motiv hätte am ehesten seine Frau Alicia, da diese einen heimlichen Liebhaber hat: Dominic Corde, der mit der inzwischen verstorbenen Sarah, der Schwester von Inspektor Pitts Frau, verheiratet war. Doch Augustus Arzt Dr. McDuff beharrt darauf, dass dieser an Herzversagen starb. Eine anschließende Obduktion gibt ihm Recht.

Mitten in Pitts Überlegungen platzen neue Ereignisse: Ein weiteres Grab wird offen vorgefunden und in dem Grab von Augustus finden die Friedhofswärter eine Leiche. Wenn aber die Leiche in der Kirche die von Augustus ist wie seine Angehörigen bestätigen, wer war dann der Tote auf dem Kutschbock, der jetzt in Augustus Sarg liegt? Und was hat es mit dem zweiten offenen Grab auf sich?

Anne Perry schafft es in diesem Roman vortrefflich, ihren Protagonisten Pitt sowie ihre Leser ordentlich in Verwirrung zu stürzen, welche mit jedem offenen Grab und jeder weiteren schon einmal beerdigten Leiche zunimmt. Während der Leser sich noch bemüht, die einzelnen Leichen den Gräbern zuzuordnen, versucht Pitt den Geschehnissen auf die Spur zu kommen, indem er die Nachbarn von Augustus mehreren Befragungen unterzieht. Aber warum dies alles, wenn doch Augustus gar nicht ermordet wurde? Ermittelt Pitt wirklich nur wegen Leichenschändung?

Keine Angst, es wird (wurde) tatsächlich jemand ermordet, allerdings zu einem Zeitpunkt des Romans, wo man diesbezüglich schon fast jede Hoffnung aufgegeben hat. Als es dann endlich soweit ist, glaubt man, dass der nicht unerhebliche Anteil an Seiten, die man bis dahin gelesen hat, vergebene Liebesmühe waren, da sie mit der neuen Entwicklung scheinbar nichts zu tun haben. Die Auflösung des Falles passt zur gesamten Story, in der Pitt nur selten den Durchblick hat und so verdankt er den entscheidenden Hinweis nicht etwa seinem eigenen Spürsinn oder gar seinen Ermittlungen, sondern den Gedankengängen seiner Frau Charlotte.

Neben den sehr blass wirkenden Figuren (einschließlich Pitt) merkt man nur sehr beiläufig, dass der Roman in London und dort zum Ende des ausgehenden 19. Jahrhunderts spielt. Hier wünscht man sich wesentlich mehr Atmosphäre, welche den Leser mitnimmt auf eine Zeitreise in das damalige London. Dies gelingt Anne Perry nur an jenen Stellen vortrefflich, in denen es um die Zustände in den Elendsvierteln geht, wenngleich dies bezeichnenderweise für die Lösung des Falles weitestgehend irrelevant ist.

Wer bei der Suche nach dem Täter gerne auf undurchsichtige Storys mit möglichst vielen in Frage kommenden Tätern setzt (wie z. B. bei den Altmeistern Sir Arthur Conan Doyle oder Agatha Christie) kann sich den Roman durchaus vornehmen. Für alle übrigen Leser bleibt der Plot so undurchsichtig wie die Übersetzung des Originaltitels »Resurrection Row« (frei übersetzt: »Straße der (Wieder-)Auferstehung«) in »Die roten Stiefeletten«. Was es mit den Stiefeletten auf sich hat? Keine Ahnung …

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marion zu »Anne Perry: Die roten Stiefeletten« 17.08.2007
Anne Perry ist eine tolle Schriftstellerin. Ich habe schon viele Bücher von ihr gelesen und bin überwältigt!
Dieses Buch gibt mann nicht mehr aus der Hand!

Die roten Stiefeletten waren sagenhaft, aber sie kamen leider nicht darin vor.
Trotzdem weiter so ANNE PERRY!!!
Nora zu »Anne Perry: Die roten Stiefeletten« 13.05.2007
Ich bin wirklich A. P.-Fan. Habe viele Bücher von ihr gelesen und finde die meisten wirklich toll. Dieses war spannend - keine Frage. Wieso rote Stiefeletten (ich habe davon nichts gelesen). Ich fand die Handlung etwas an den Haaren herbeigezogen - aber spannend geschrieben!
effie zu »Anne Perry: Die roten Stiefeletten« 24.05.2006
Die Stiefeletten (die im Roman nicht erwähnt werden) sind einer meiner Lieblingsromane von Anne Perry. Hier zeigt AP, dass sie Sinn für Humor hat. Damit ein ungewöhnlicher, sogar außergewöhnlicher Roman aus der Pitt-Serie.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ane zu »Anne Perry: Die roten Stiefeletten« 03.10.2005
Wieso soll die Inhaltsangabe falsch sein????

Die Geschichte beginnt mit einem Verwirrspiel um Leichen, die ca. 3 Wochen nach der Bestattung plötzlich wieder auftauchen, auf Kutschböcken, Park- und Kirchenbänken etc. Zunächst einmal scheint es für Inspector Pitt zwischen all den Wieder-Ausgegrabenen keinen Zusammenhang zu geben. Dafür geistern Charlotte Pitts Jugendliebe Dominic Corde und dessen neue Liebe erst mal als Mordverdächtige durch die Geschichte, was zu gewissen Spannungen zwischen Charlotte und dem eifersüchtigen Pitt führt. Und doch ist es am Ende wieder einmal Charlotte, die den Inspector auf die entscheidende Spur führt...

Vielleicht um ein paar Grad schwächer als die Vorgänger aus der Inspector-Pitt-Reihe, denn ein paar Verwicklungen und Skandale mehr hätten der Geschichte meinem Geschmack nach gut getan *grins*. Auf jeden Fall aber immer noch mehr als lesenswert!
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