Die Präsidentin von Anne Holt

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Presidentens valg, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Norwegen / Oslo, 1990 - 2009.
Folge 3 der Yngvar-Stubø-Serie.

  • Oslo: Piratförlaget, 2006 unter dem Titel Presidentens valg. 367 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2007. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 978-3-492-04692-3. 392 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2008. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 978-3-492-25256-0. 400 Seiten.

'Die Präsidentin' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Es ist der Morgen des 17. Mai, norwegischer Nationalfeiertag. Helen Lahrdal Bentley, die amerikanische Präsidentin, macht ihren ersten Staatsbesuch in dem Land, aus dem ihre Vorfahren stammen. Als sie zum Empfang abgeholt werden soll, ist ihre Suite leer. Niemand hat die Räume betreten oder verlassen – und doch ist Helen Bentley verschwunden. Yngvar Stubø wird mit dem hoch brisanten Fall betraut, aber die Amerikaner stellen ihm ihren Sicherheitsexperten Warren Scifford zur Seite, ausgerechnet den Exliebhaber seiner Frau Inger Johanne. Scifford spielt ein undurchsichtiges Spiel. Doch auch die Weste der Präsidentin scheint nicht blütenweiß zu sein: Welche Pläne verfolgt ihr arabischer Studienfreund Al Muffet? – Eine ­politische Entführung, zu der Hanne Wilhelmsen ihrem Kollegen Stubø den entsprechenden ­Hinweis gibt.

Das meint krimi-couch.de: »Eine Präsidentin verschwindet« 62°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

In naher Zukunft könnte es tatsächlich wahr werden: eine Frau als Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika. Doch nicht Hillary Rodham Clinton ist die Hauptfigur in Anne Holts neuestem Roman, sondern eine Frau namens Helen Lardahl Bentley. Diese Frau, die vor den Augen der Welt gerade ihren Amtseid geschworen hat, verbirgt ein Geheimnis vor der Öffentlichkeit – nicht unüblich für einen Politiker -, von dem nur sehr wenige Leute wissen und die bis jetzt das versprochene Stillschweigen bewahrt haben.

Ihr erster Staatsbesuch führt sie in das für seine Sicherheit bekannte Norwegen, das Land ihrer Vorfahren. Natürlich wird die Lage von den verschiedensten Organisationen der USA vorab gecheckt, insbesondere das Hotel, in dem die Präsidentin absteigen wird, wird einer strengen Sicherheitsüberprüfung unterzogen. Daher kann sich auch niemand erklären, wie und warum Helen Lardahl Bentley am norwegischen Nationalfeiertag aus ihrem Hotelzimmer verschwinden konnte. Die Überwachungskameras auf den Fluren zeigen keinerlei Bewegung, niemand hat etwas Ungewöhnliches bemerkt.

Da scheint es nur natürlich, dass ein enger Vertrauter der Präsidentin, der Leiter der Behavioural Science Unit, der Verhaltensanalyse, Warren Scifford hinzugezogen wird. Dieser spielte zugleich eine wichtige Rolle in der Vergangenheit von Inger Johanne Vik, derzeit im Erziehungsurlaub, die mit dem norwegischen Polizisten Yngvar Stubø verheiratet ist. Was genau während ihrer Zeit in den USA vorgefallen ist, darüber schweigt sie beharrlich und dies belastet die Beziehung zu ihrem Mann.

Hanne Wilhelmsen in einer Nebenrolle

Warren Scifford fordert als Verbindungsperson zur norwegischen Polizei zunächst Inger Johanne, doch seinem Wunsch kann nicht entsprochen werden. Yngvar Stubø ist seine zweite Wahl. Inger Johanne ist empört über das Ansinnen ihres Mannes, diesem Wunsch zu entsprechen, und flüchtet beleidigt zu einer Bekannten. Doch Yngvar steht trotz seiner Kontakte genau wie die gesamte norwegische Polizei auf verlorenem Posten. Die Amerikaner scheinen etwas zu wissen, lassen sich jedoch nicht in die Karten blicken. Mit eisernem Willen und in mühsamer Kleinarbeit wollen die Norweger den Fall lösen und die Präsidentin vor ihren eigenen Landsleuten finden, um die Ehre ihres Landes wiederherzustellen, doch am anderen Ende sitzt ein Mann, der mehr als nur eine Schachfigur im Spiel hat …

Inger Johanne Vik und ihr Mann Yngvar Stubø sind nun bereits zum dritten Mal die Protagonisten in den Krimis von Anne Holt. Die beiden sind von der Charakterzeichnung her weitaus weniger spröde als die Kommissarin Hanne Wilhelmsen, die bisher 7 Bücher beherrschte, und daher auch sehr viel leichter zugänglich. Deren Gastrolle in der vorliegenden Geschichte überrascht einerseits, ist andererseits allerdings so angelegt, dass es höchst unwahrscheinlich ist, sie jemals wieder im Dienst zu erleben. Anne Holt führt daher für alle, die sich gefragt haben, wie es mit Hanne Wilhelmsen weitergeht, die losen Enden zusammen und beantwortet die Fragen, die man sich als Leser der frühren Krimis unweigerlich gestellt hat. Für Neuleser bleibt sie jedoch weit genug an der Oberfläche.

Politthriller ohne Thrill?

Anne Holts Versuch, das zugrundeliegende Genre mit bekannten Figuren zu variieren, ist bedauerlicherweise nicht gelungen. Zwar verwendet sie alle Ingredienzien eines Politthrillers: Politiker, Machtgerangel, Geheimnisse, Verschwörungstheorien, FBI etc., doch das allein genügt nicht. Glaubwürdigkeit wie im vorigen Band vermisst man hier leider. Realistisch ist hier nichts, aber selbst wenn es so wäre, für einen Normalbürger sind solche Vorkommnisse sowieso kaum vorstellbar. Die Autorin wartet im Rahmen der Handlung leider mit keinerlei Schlüssigkeit und zielgerichteter Polizeiarbeit auf.

Die Präsidentin liest sich dennoch recht gut, auch wenn der Geschichte der Clou fehlt, der im vorigen Band für das Sahnehäubchen gesorgt hatte. Dass die Ermittlungen so lange ereignislos bleiben, hat jedoch auch Auswirkungen auf das Spannungsniveau der Story. Das Zusammenspiel der verschiedenen Organisationen der Vereinigten Staaten und das Rätsel um das Verschwinden der Präsidentin bietet zwar einen gewissen Ausgleich, doch die Einschaltung von Kommissar Zufall zeugt von mangelndem Einfallsreichtum, ist er nämlich genau zu dem Zeitpunkt zu Stelle, an dem keinerlei Vorwärtskommen mehr zu sehen ist.

Alles in allem darf man an die Die Präsidentin auf keinen Fall die Maßstäbe für einen Politthriller anlegen, die Enttäuschung wäre vorprogrammiert. Anne Holt bietet hier nette Zerstreuung, hat jedoch in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass sie in der Lage ist, weitaus bessere und ausgefeiltere Krimiunterhaltung zu liefern.

Sabine Reiss, Juli 2007

Ihre Meinung zu »Anne Holt: Die Präsidentin«

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Xenophon zu »Anne Holt: Die Präsidentin« 23.12.2010
Mir hat das Buch auch recht gut gefallen. Ab Seite 80 etwa wurde es ziemlich spannend und blieb bis zum Ende auch so. Leider fehlten überraschende Wendungen oder ähnliches und so kannte man den Täter eigentlich schon von Anfang an. So zusammengewürfelt, wie viele meiner Vorredner das Buch dargestellt haben, ist es nicht, der Fundort der Präsidentin erscheint mir aber sehr unwahrscheinlich (warum wurde gerade hier schlecht geplant vom Strippenzieher). Ich gebe 70°.
bunbury zu »Anne Holt: Die Präsidentin« 21.09.2009
Allen negativen Meinungen zum Trotz, die ich hier gelesen habe: Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Flüssig geschrieben, vielleicht nicht so spannend wie die Vorgänger aber absolut unterhaltsam.
Um mal auf meinen "Vorredner" hier einzugehen.
Glaubt denn wirklich jemand, amerikanische Polizei oder Geheimdienst würden vertrauensvoll mit ihren Partnern zusammenarbeiten?
Und: ein Buch nur zur Hälfte zu lesen und dann zu beurteilen, finde ich ziemlich daneben. Also entweder ganz lesen oder die Klappe halten.
Dirk zu »Anne Holt: Die Präsidentin« 08.05.2009
Ich lese zur Unterhaltung und erwarte einen flüssigen Text.
Die ständig unterbrochenen Redewendung sind lästig.Genervt hat mich besonders die sehr häufig eingefügten englischen Floskeln.
Will Frau Holt damit ihre Englischkenntnisse darstellen?
Mit großer Toleranz habe ich die hälfte des Buches gelesen und dann war Schluß.
Die Darstellung über die Zusammenarbeit amerikanische Beamte mit der norwegischen Polizei usw. war so weit von einer eventuelle Realität entfernt, dass ich das Buch zur Seite legte.
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Brina zu »Anne Holt: Die Präsidentin« 27.04.2009
Hab das Buch in einem Rutsch durchgelesen, was bei meinem Lesetempo aber nicht viel über die Qualität des Buches aussagt. Es hat mich nicht vom Hocker gehauen und ist sicher nichts woran man sich nach eins, zwei Wochen noch erinnern wird. Mir haben die ersten beiden Teile der "Inger Johanne Vik"-Reihe gefallen und war daher auch gespannt auf den dritten. Der Plot war aber nicht der Renner und schlauer aus Ingers Vergangenheit mit Warren bin ich auch nicht geworden. Von psychologischer Polizeiarbeit war hier nicht viel zu spüren und der ganze Terror und 11. September-Mist ist echt ausgelutscht...
juno zu »Anne Holt: Die Präsidentin« 01.09.2008
Nach der Hälfte habe ich nur noch quer gelesen - zu abstrus, zu unglaubwürdig, viel zu viel reingepackt. Es gibt ja kein Thema, das nicht vorkäme, von Vietnam über 9/11 bis zum Irak, CIA/FBI, family values und wie sie ad absurdum geführt werden, dazu Zufälle der allerunwahrscheinlichsten Art - nee. Welches Lektorat hat diesen Schwachsinn durchgehen lassen? Das ist das eigentliche Verbrechen!
atsschoen zu »Anne Holt: Die Präsidentin« 28.10.2007
Nach viel Lob vorab hatte ich von Frau Holt mehr erwartet, aber zugegebenermaßen bezog sich der Jubel auf ihr Gesamtwerk und nicht auf dieses Buch. Wenn Frau Clinton nächsten Jahr Präsidentin wird, wird auch der letzte Anreiz dieses Buches (wie wäre es wenn ...) verflachen.
KrimiTante zu »Anne Holt: Die Präsidentin« 30.07.2007
Das faszinierende an Anne Holts Büchern sind die Charaktere ihrer gesammten Akteure, egal ob Haupt-oder Nebenrolle. Sie schafft es die Menschen so auszustatten, dass man meint, sie leben wirklich in Oslo. Und das ist ihr auch in diesem Roman gelungen. Ich fand das Buch sehr spannend, gerade weil man etwas von Hanne W. erfahren hat, wenn auch der Zufall etwas sehr groß ist, dass die Präsendentin gerade in deren Keller auftaucht. Die Idee, Amerikas kleine Leute durch einen Anschlag dieser Art gegen das einigen Land aufzubringen, ist sehr clever!Die FBI Geschtichten, ob nun wahr oder unwahr stimmen jedenfalls nachdenklich...! Rundum gelungen! Ich freue mich allerdings Inger und Stöbo bald wieder als richtige Hauptrollen zu erleben, denn sie kamen ja selten zum Zug in diesem Buch!
polina zu »Anne Holt: Die Präsidentin« 22.05.2007
also, um es kurz zu fassen, ich habe schon bessres von A. Holt gelesen! Sehr konstruierter Plot, wenig Spannung, irgendwie 0815. Zusammenfassung: Sehr enttäuscht!
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