Das achte Gebot von Anne Holt

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1999 unter dem Titel Død joker, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei Piper. 443 Seiten. ISBN-10: 3-492-04250-3, ISBN-13: 978-3-492-04250-5. Übersetzt von Gabriele Haefs.
Ort & Zeit der Handlung: Norwegen / Oslo, 1990 - heute.

'Das achte Gebot' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

»Die Gewißheit, dass er nur noch Sekunden zu leben hatte, ließ ihn endlich im Salzwasser die Augen schließen« – Stale Salvesen hat offenbar Selbstmord begangen, und damit steht Hanne Wilhelmsen mit ihren Ermittlungen wieder am Anfang.Oberstaatsanwalt Sigurd Halvorsrud schlägt die Hände vors gesicht. Vor ihm auf dem Boden liegt seine Frau, ihr Kopf ist sauber vom Rumpf getrennt worden, und Halvorsruds blaues Polohemd weist eine Menge dunkler Flecken auf: Blut. Hauptkommissarin Hanne Wilhelmsen aber will keine voreiligen Schlüsse ziehen. Zumal Halvorsrud den Namen des Täters zu kennen glaubt – Stale Salvesen. Doch Salvesen hat anscheinend wenige Tage vor der grausigen Tat Selbstmord begangen. Gereizt und mürrisch aber scheint Hanne den Rückschlag kaum zur Kenntnis zu nehmen, ihr Gespür hat sie noch nie im Stich gelassen. Und dann wird ein bekannter Wirtschaftsjournalist erschlagen aufgefunden, in Salvesens Keller, der über und über mit den Fingerabdrücken des Oberstaatsanwalts bedeckt ist …Während Hanne Wilhelmsen mit tragischen Veränderungen in ihrem Privatleben ringt, blickt sie in die menschlichen Abgründe ihres vertrackten Falles.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein \'Frauenroman’ mit polizeilichem Hintergrund« 58°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten. So lautet in der christlichen Religion das achte Gebot. Und auch Anne Holts neuer Roman »Das achte Gebot« dreht sich rund um dieses Thema. Vorschußlorbeer gab es in den Medien schon genug und auf dem Taschenbuch, das im Piper Verlag erschienen ist, klebt ein Werbesticker »Bestseller«. Aber ist das nur Verkaufstaktik oder hält der Krimi seinen Spitzenplatz in den Belletristikcharts zurecht? Stürzen wir uns zuerst auf eine kleine Inhaltsangabe.

Tatort Oslo.

Stale Salvesen, ein ehemals erfolgreicher Geschäftsmann ist auf den Hund gekommen und sieht keine andere Lösung, als sich mit einem Sprung von einer Brücke in den Fjord das Leben zu nehmen. Da hätten wir Leiche Nummer Eins, aber die versinkt in den Fluten und taucht die nächsten 326 Seiten nicht mehr auf.

Leiche Nummer Zwo ist die hübsche Frau des Oberstaatsanwalts Sigurd Halvorsrud. Sie liegt auf dem Fußboden im Wohnzimmer, aber leider ohne Kopf. Und ihr verstörter Ehemann hockt mit blutigen Händen daneben und guckt das Samuraischwert an, welches das liebend Weib enthauptet hat und zu allem Unglück auch die Fingerabdrücke des Herrn Staatsanwalts birgt. Aber als Hauptkommissarin Hanne Wilhelmsen ermittelt, beteuert Herr Halvorsrud, dass es jener Typ die Waffe benützt hat, der einige Zeilen weiter oben schon ins kalte Nass gehüpft ist. Ziemlich unglaublich ist das Ganze und da auch noch die Computerdaten auf dem PC der Ermordeten gelöscht wurden und im Keller eine ansehnliche Summe Bares und ein paar belastende Disketten versteckt sind, muss der fast offensichtliche Täter in Untersuchungshaft genommen werden.

Frau Wilhelmsen hängt sich in den Fall voll hinein und kümmert sich so gar nicht um ihre Lebensgefährtin, bei der die Ärzte einen riesigen Tumor im Abdomen prognostizieren und deren Lebenserwartung folglich kürzer ist als 444 Romanseiten. Aber die todkranke Cecilia schafft es doch, der ständig kaputten Frau Hauptkommissarin die Wahrheit ins Gesicht zu sagen und damit kommt diese erst recht ins Dilemma. Der Zoff bei den Ermittlungen, die so gar nicht voranschreiten wollen und ständig neue, aber falsche Spuren erbringen und gleichzeitig die Angst um die Geliebte, das beutelt die arme Hanne ganz schön durcheinander.

Kein Wunder, dass sie für ihre Kollegen und Freunde zu einem satten Alptraum wird. Einerseits sucht sie nach einem Strohhalm, um endlich Licht ins kriminalistische Dunkel zu bringen, in dem es von Anschuldigungen zur Wirtschaftskriminalität und Pädophilie nur so wimmelt, weil auch noch ein pädophiler Wirtschaftsjournalist seinen Kopf im wahrsten Sinne des Wortes verliert, und das ausgerechnet im Keller des doch schon so lange in den Fjord gesprungenen Salvesen. Andrerseits fehlen der armen Frau menschliche Zuneigung und Wärme, die sie sich sowohl bei ihren (männlichen) Kollegen holt, als auch in den letzten Streicheleinheiten mit ihrer Freundin.

Dass der Zufall genau in dem Moment die Lösung des Falles bringt, als die Liebste über den Jordan geht, verrate ich aber nicht.

Wer jetzt neugierig geworden ist und sich das Buch kaufen will, der sollte mein Resümee dazu besser nicht beachten. Für mich ist dieses Buch nämlich bei Weitem nicht der große Kriminalroman, für den ihn die Medien hochstilisieren.

Mindestens siebzig Prozent des Buches beschäftigen sich nicht mit dem Mord und seiner Aufklärung, sondern mit den privaten Problemen der Ermittler. Wenn ich psych(ot)ische Lebensbilder lesen will, greife ich zu einer anderen Gattung Literatur, sei dies Heimat- oder Arztroman, aber sicher nicht zu einem Krimi. Für einen Psychothriller fehlt in allen Bereichen die Spannung und für einen Detektivroman ist zwar eine verworrene und irreführende Grundstruktur mit überraschendem Ausgang gegeben, aber irgendwie spielt sich der Fall so nebenbei ab und lebt nicht von kriminalistischer Brillanz, sondern von Zufällen.

Frau Holts Schreibstil ist zwar gewohnt leicht zu lesen, aber an die Qualitäten einer Patricia Highsmith reicht sie von der Ideenumsetzung her leider noch lange nicht. Auch sind ihre Charaktere so deprimierend beschrieben, dass eine positive Identifikation mit den Figuren nie erfolgen kann. Vielleicht liegt es ja an den langen nordischen Wintern, dass die Hauptpersonen in skandinavischen Krimis, seien sie von Holt, Mankell, Småge oder Edwardson, ständig in Müdigkeit, Depression und Selbstzweifel verfallen. Aber dabei darf man nicht das Grundthema übersehen und das liegt nun mal im kriminalistischen Milieu.

Für mich ist dieses Buch guter Durchschnitt, wobei das »gut« sich hauptsächlich durch die klare und variantenreiche Sprache ergibt, die Gabriele Haefs vom Norwegischen ins Deutsche transponiert hat. Wer Krimis mit geschliffenen Handlungsideen und kommissarischem Gehirnschmalz bevorzugt, der kann von diesem Buch getrost die Finger lassen. Wer »Frauenromane« mit polizeilichem Hintergrund liebt, kann bei diesem Buch einfach nichts falsch machen und genau für diejenigen würde ich eine Topempfehlung aussprechen.

Ihre Meinung zu »Anne Holt: Das achte Gebot«

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ELI zu »Anne Holt: Das achte Gebot« 17.12.2007
Hallo!

Das achte Gebot von Anne Holt habe ich ins Albanische uebersetzt (fuer das Verlaghaus Ditura) und es war wirklich ein sehr guter Roman. Eine sehr spannende handlung mit vieles im Hintergrund..Einfach super...
thoru zu »Anne Holt: Das achte Gebot« 04.10.2007
Leider kann ich mich den positiven Meinungen hier nicht anschließen. Für persönlich war es das bisher langweiligste Buch was mit zwischen die Hände gekommen ist. Vielleicht fehlt mir als Mann auch der nötige Draht dazu, zu verstehen warum in einem Krimi die Handlung um das Verbrechen, nach meinem Gefühl, in den Hintergrund rückt.
Hatte mich sehr darauf gefreut ein Buch dieser Autorin zu lesen und habe mich durch die gute Bewertung hier beinflußen lassen und wurde leider entäuscht. Für mich ist das Thema Anne Holt erstmal durch...vielleicht kehre ich ja nochmal wider.
Mirjam zu »Anne Holt: Das achte Gebot« 09.04.2007
auch ich weiss nur gutes über diesen Krimi von Anne Holt zu berichten! Er ist voller Emotionen und der Handlungsstrang ist extrem spannend. Ich würde ihn uneingeschränkt weiterempfehlen!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Kristine zu »Anne Holt: Das achte Gebot« 11.11.2006
Eins meiner liebsten Anne Holt-Bücher, weil mir a) die Grundidee/Auflösung sehr gut gefällt (wenn sie auch ein bisschen plötzlich "platzt") und mich b) die emotionale Intensität der Figuren sehr berührt hat - und das nicht unbedingt immer nur positiv. Was für mich aber an der Qualität der Schilderung der emotionalen Strukturen nichts ändert, denn ich finde diese sehr facettenreich/mehrschichtig und fühlbar realistisch gezeichnet.
Nur bevorzuge ich für solche Aspekte weder Arzt- noch Heimatromane (die kann ich aufgrund mangelnder Erfahrung dann auch weniger beurteilen als der Hr. Weninger), sondern freue mich über Krimis, die in der Lage sind, das kriminelle Geschehen nicht platt von der Psyche abzukoppeln. Wer den Fokus allerdings auf amerik. Plastik-Psycho-Action-Thriller richtet, dem sei natürlich von nordeuropäischen "Frauen"romanen abgeraten-das verwirrt nur und dann muss man zu Plattheiten Zuflucht nehmen; das ist doch schlicht überflüssig. Ist doch auch legitim, sich nicht identifizieren zu können (wäre hier ja auch etwas viel verlangt) - nur finde ich dann die Art der einfach Beurteilung nicht angemessen.
Nach meiner Wahrnehmung verteilt sich Aufklärung und Privates auf ca. 50/50 - zumal sich die psycholog. Beschreibung ja nicht allein auf die ErmittlerInnen beschränkt - und ich finde es fließend ineinander verwoben. Und ich habe mich nach längerer Zeit gefreut, mal wieder Anne Holt zu lesen, da mir Ihr Schreibstil einfach Spaß macht.
Katharina22 zu »Anne Holt: Das achte Gebot« 23.03.2006
Hallo Katrin
habe im Prinzip die gleichen Erfahrungen mit den Holt Büchern gemacht wie du. Nur das ich nach DAS ACHTE GEBOT noch DAS LETZTE MAHL gelesen habe. Leider war ich auch davon nicht allzu fastziniert. Da ich Anne Holt Büchern trotzdem noch eine Chance geben möchte, wäre es nett, wenn du mir einen Tip geben könntest, falls du doch noch ein lesenswertes Holt Buch entdeckst.
Katrin Osmers zu »Anne Holt: Das achte Gebot« 22.03.2006
Dies war mein erster Anne-Holt-Roman, und ich war echt entsetzt! Langweilig, die Story nur an den Haaren herbeigezogen und ich war echt froh, wie ich endlich durch war. Habe allerdings noch mehr von der Autorin auf meinem Sub. Vielleicht war das ja nur ein "Ausrutscher"...
Katharina22 zu »Anne Holt: Das achte Gebot« 22.03.2006
Meiner Meinung nach macht gerade der weitere Handungsstrang über das Privatleben der Hanne Wilhelsen dieses Buch so interessant. Wie und warum handelt sie so, wie sie handelt? Es ist doch viel realistischer, dass eine Polizistin auch ein Privatleben hat, und nicht immer frei davon ist, dies auch in ihre Arbeit mit hineinzuziehen. Leider muss ich zugeben, dass der Inhalt dieses Buches mir kaum noch in Erinnerung ist, obwohl ich es erst vor zwei oder drei Jahren gelesen habe. Die privaten Verknüpfungen mit Cecile, Billy T usw. hingegen, habe ich noch ziemlich genau in Erinnerung. Vielleicht hätte es andersherum sein sollen aber prinzipiell habe ich nichts gegen private Handlungsstränge in einem Krimi.
Brutus zu »Anne Holt: Das achte Gebot« 30.11.2004
Ich kann mich den Worten von Wolfgang Weninger nur anschließen. Das traurige ist, dass der eigentliche Fall echt was hätte hergeben können. Aber darum geht´s in diesem Buch nicht wirklich. Das war mein ertser und letzter Anne-Holt-Roman.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Andrea aus Köln zu »Anne Holt: Das achte Gebot« 03.10.2004
Das acht Gebot war mein erster Anne Holt Krimi.Ich fand ihn so gut das ich mir auch den nächsten"Das letzte Mahl", kaufte.Wieder wurde ich nicht entteuscht.Die Whrheit dahinter wird wohl mein nächster.Bin auch nicht abgeneig ihre ersten Bücher zu kaufen.Möchte gerne Wissen wie es mit Hanne Wilhelmsen angefangen hat.Muss ich noch mehr hinzufügen?Ich bin ein großer Fan von Anne Holt geworden.Habe schon viele Skandina Krimis gelesen ,bin geradezu süchtig danach.WIE Gesagt Anne HOLT Hat sich in die Reihe meiner Lieblinge eingeordnet.
elprinzo zu »Anne Holt: Das achte Gebot« 01.07.2004
gut, dass Kritiker auch nur eine Meinung haben! Und Kritiker, die zu Arzt- und Heimatromanen greifen, sind mir sowieso suspekt.
Ich, sogar als "Mann", bin dankbar, wenn in einem Krimi auch mal gehobener Wert auf Nebenschauplätze gelegt wird. Was hier Frau Holt grandios schafft, denn ihr Schriebstil ist weit entfernt von Groschenromanen.
Ich find dieses Buch wieder mal richtig klasse!

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