Ein Mord von bessrer Qualität von Ann Granger

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel A better quality of Murder, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Bastei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: , 1800 - 1869.
Folge 3 der Lizzie-Martin-Serie.

  • London: Headline, 2010 unter dem Titel A better quality of Murder. 320 Seiten.
  • Köln: Bastei Lübbe, 2010. Übersetzt von Axel Merz. ISBN: 978-3-7857-2414-9. 368 Seiten.

'Ein Mord von bessrer Qualität' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Ein Abend im Oktober 1867. Dichter Nebel legt sich über London – wie ein Leichentuch. Und als er sich am nächsten Morgen lichtet, findet man im Green Park tatsächlich die Leiche einer jungen Frau. Allegra Benedict war die Frau eines Kunsthändlers in Piccadilly. Was sie allerdings an diesem Tag in London gemacht und warum sie nur wenige Stunden vor ihrem Tod ihre Brosche in den Burlington-Arkaden verkauft hat, bleibt erst einmal ein Rätsel. Inspector Benjamin Ross vom Scotland Yard wird auf den Fall angesetzt. Zusammen mit seiner Frau Lizzie und deren Dienstmädchen Bessie untersucht er das Privatleben der Toten und entdeckt bald mehr als einen Grund, warum ihr jemand nach dem Leben hätte trachten können.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Krimi von «bessrer Qualität» wäre wünschenswerter gewesen« 60°

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

An einem nebligen Abend des Jahres 1867 tastet sich Inspector Benjamin Ross nach hause und stößt mit einer panischen jungen Frau zusammen. Ungeachtet des dichten Nebels flüch-tet sie blind vor einem unheimlichen »Fluss-Phantom«, das bereits andere Frauen und insbe-sondere Prostituierte in Angst und Schrecken versetzte und über magische Kräfte verfügen soll. Natürlich glaubt Ross diesem Geschwätz kein Wort, wenn er auch eingestehen muss, dass etwas oder jemand die junge Frau in schreckliche Angst versetzen konnte. Eine andere Qualität bekommen die Gerüchte als jedoch am nächsten Morgen die Leiche der jungen, schönen, reichen Allegra Benedict aufgefunden wird. Existiert das mysteriöse Fluss-Phantom also doch und wenn ja, wer verbirgt sich hinter dieser Maske?

Romane, die ihn der viktorianischen Zeit spielen, vermitteln zunächst einen besonderen Zauber. Die Straßenlampen werden noch von Gaslicht gespeist, im Kamin flackert ein fröhli-ches Feuer und generell herrscht eine Atmosphäre, die die Zeiten Sir Arthur Conan Doyles aber auch die von Jack the Ripper zurück bringen. Dieser Reiz trägt natürlich in besonderem Maße zu der Wirkung dieses Krimis bei, konnten doch seinerzeit tatsächlich Sagen und My-then entstehen, die heute mit einer einzigen forensischen Untersuchung aufgeklärt wären. In der Ära, in die uns Ann Granger führt, war noch die gute alte Detektivarbeit gefordert, ehe die moderne Wissenschaft das Szepter übernahm.

Leider ist diese Atmosphäre allein nicht geeignet, einen kompletten Krimi zu tragen, erwartet der Leser eben dann tatsächlich die durchdachte und logische Vorgehensweise, die sich an zum Beispiel an der Frage orientierte, warum ein Hund in einer bestimmten Nacht eben nicht bellte. Das ermittelnde Dreiergespann Benjamin Ross, seine Frau Lizzie und deren treues Dienstmädchen pfeifen jedoch konsequent auf diese Regeln. Gerüchte die auftauchen, wer-den ohne jegliche Grundlage als Beweise konzipiert und auf dieser Basis erschließt sich ein munterer Reigen von potentiellen Verdächtigen, die in den Focus der Ermittlungen rücken und aus demselben wieder entfernt werden, sobald sich eine neue – größtenteils unbelegte – Möglichkeit bietet. Tatsächlich ergeben sich aus dieser unkoordinierten Suche irgendwann fundierte Indizien, doch ist der Weg dahin ein mühsamer, der lediglich dazu beiträgt, den Leser zu nerven. Diesen Effekt erreicht die Autorin auch durch die Widersprüchlichkeiten in ihrem Roman: Einerseits ist die viktorianische Gesellschaft in ein festes Korsett gepresst, bei dem klar geregelt ist, wer das Sagen hat, andererseits lassen sich die Ross’es permanent von ihrem robusten Dienstmädchen Bessie auf der Nase herum tanzen. Mit dieser Darstellung torpediert Granger aber wieder das ansonsten düster geschilderte Gesellschaftsbild der Frau in der damaligen Zeit. Versucht das spätere Mordopfer Allegra Benedict noch durch eine romantische Affäre aus seinem goldenen, einsamen Käfig auszubrechen, belegt die Person der Bessie scheinbar, dass hierfür nur eine gehörige Portion Frechheit notwendig gewesen wäre. Dennoch mag bezweifelt werden, dass es einer realen Bessie gelungen wäre, in der damaligen Zeit eine Anstellung zu finden und zu behalten.

Immerhin ist die Auflösung des Falles dann doch überraschend und hätte bei einem durch-dachten und gut konstruierten Aufbau vielleicht sogar überzeugen können. Aber wie sang seinerzeit schon Reinhard Mey? Und auch wenn dieser Berufsstand einmal mehr nichts mit der Tätergruppe gemeinsam hat, bleibt das Prinzip am Ende doch das Selbe.

Sabine Bongenberg, Februar 2013

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JTH zu »Ann Granger: Ein Mord von bessrer Qualität« 12.01.2017
Ich habe das Buch zufällig in der Bibliothek entdeckt.
Es gehört mit zu den 10 besten Büchern die ich je gelesen habe. Es ist kein Reißer, wie z.B. Stieg Larsson. Es ist äußerst angenehm zu lesen, hat ein gepflegte Sprache, so gut wie keinen Seitenfüllstoff und ich habe mich in die Zeit der Pferdekutschen und Gaslaternen in London problemlos hineinversetzen können. Schade dass ich es schon zu Ende gelesen habe.
Schnippi zu »Ann Granger: Ein Mord von bessrer Qualität« 24.11.2012
Ein verzwickter und teilweise rätselhafter Fall im London der 1867 Jahre, in dem Inspektor Benjamin Ross einmal federführend ermittel. Seine Ehefrau, Lizzie, ist in den Hintergrund getreten, kann aber durch Denkanstöße (in Gesprächen) zur Klärung des Falles (bzw. der Fälle) beitragen.
Der Autorin gelingt es immer wieder hervoragend, jeder beteiligten Person Tiefe und Vielfalt zu verleihen...man kann sich in sie hinein versetzen und hat zeitweise das Gefühl in die damalige Zeit getaucht zu sein
"Eine Reise in die Vergangenheit".
Der 3. Fall von Lizzie Martin und Benjamin Ross war für mich der fesselnste, deshalb meine Bewertung 90°.
Sarah_Ch zu »Ann Granger: Ein Mord von bessrer Qualität« 25.03.2011
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, allerdings war ich anfangs ein wenig skeptisch, weil ich das Gefühl hatte ich hätte ein oder zwei Bücher übersprungen.
Ich habe "Ein Mord von besserer Qualität" direkt nach "Neugier ist ein schneller Tod" gelesen und es sind zwischenzeitlich drei Jahre vergangen und Lizzie Martin und Benjamin Ross sind plötzlich verheiratet...

Außerdem war das Buch anders als das erste und das zweite. Benjamin Ross hat mehr die Hauptrolle übernommen und Lizzie Martin Ross ist etwas in den Hintergrund getreten... das war bei den Vorgängern von "Ein Mord von besserer Qualität" anders.

Trotzdem ein klasse Buch, wie ich es von Ann Granger erwartet habe. Ich finde es wirklich beeindruckend, dass sie immer neue Ideen hat, was ihre Bücher betrifft.

Ich hoffe das weitere Benjamin Ross Fälle folgen werden... ich werde mir sie jedenfalls sofort kaufen.
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tassieteufel zu »Ann Granger: Ein Mord von bessrer Qualität« 05.01.2011
Im dichten Londoner Nebel wird die bildschöne, junge Frau eines reichen Kunsthändlers ermordet und am nächsten Tag im vornehmen Green Park gefunden. Das die Tote am Mordtag quasi vor den Augen ihrer Gesellschafterin verschwand, stellt Inspector Ross von Scotland Yard zunächst vor ein Rätsel, ebenso wie das mysteriöse Flussphantom, das nächstens umgeht und Prostituierten auflauert.

Während Teil zwei der Benjamin Ross und Lizzie Martin Reihe nahtlos an den Vorgänger anschloß, liegen nun beim vorliegenden Band 3 Jahre dazwischen. Benjamin Ross hat inzwischen seine Lizzie geheiratet und ist mit ihr und dem Dienstmädchen Bessie in ein kleines Reihenhaus gezogen. Irgendwie fand ich es etwas schade, das so viel Zeit vergangen ist und viele Einzelheiten aus dem Leben der beiden Hauptpersonen an einem vorbeigegangen sind, auch wenn es am Anfang eine kleine Zusammenfassung gibt.
Der Krimifall ist verzwickt und rätselhaft und als Leser wird man mit immer neuen Wendungen geschickt bei der Stange gehalten. Dieser dritte Teil ist für mich der bisher spannendste und am besten konstruierte und wird am Ende auch logisch und zufrienden stellend aufgelöst. Wie auch schon in den Vorgängern gelingt es Ann Granger hervorragend, ihren Charakteren Tiefe und Vielschichtigkeit zu verleihen, egal ob es sich um den charismatischen Prediger Fawcett, die steife vornehme Witwe Mrs.Scott, den nicht minder zugenknöpften Mr. Benedikt oder die Zuhälter und Prosituierten von Southwark handelt, man kann die Figuren förmlich vor sich sehen. Gelungen ist auch wieder die viktorianische Szenerie, geprägt von Standedünkel, Heuchlei und allerlei menschlichen Schwächen, kann man als Leser in die farbig und detailreich und mit viel Atmosphäre geschilderte Kulisse eintauchen.
Ben und Lizzie sind als Hauptfiguren logischer Weise auch die Sympathieträger des Buches, aber während die Autorin viel Geschick bei der Figurenzeichnung und dem Aufbau des Krimiplots beweist, so fehlt ihr eindeutig das "Händchen für Beziehungskisten".
Schon bei den Mitchell und Markby Krimis empfand ich das Verhältnis der Protagonisten als Schwachpunkt und so ist es auch hier. Ben und Lizzie agieren wie ein altes Ehepaar, mir hat hier ein wenig "Feuer" in der Beziehung gefehlt, ein paar spritzige Dialoge oder kleine Alltagsszenen, die das Verhältnis der Beiden zueinander beschreiben. Das soetwas möglich ist ohne kitschig zu werden, haben genug andere Autoren/innen bewiesen. So erscheinen Ben und Lizzie wenn sie miteinander agieren igendwie hölzern und es kommt
nur richtig Leben in sie, wenn jeder für sich handelt.

Fazit: ein interessanter, verzwickter Krimifall, der miträtseln garantiert, liebevoll und detailreich geschilderte Figuren und eine tolle, leicht düstere viktorianische Atmospähre garantieren unterhaltsame und spannende Lesestunden.
Gudrun Freiter zu »Ann Granger: Ein Mord von bessrer Qualität« 07.12.2010
Dieser Krimi erinnert mich an die ersten Bücher aus der Inspektor Pitt Reihe von Anne Perry. Auch sie spielen in der Mitte des 19ten Jahrhunderts und geben das Leben zu der Zeit in London wieder. Ein Dienstmädchen, das mit der Herrin auf Verbrecherjagd geht, existiert ebenfalls.
Ich freue mich auf den nächsten Roman aus dieser Reihe.
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