Ein Hauch von Sterblichkeit von Ann Granger

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1996 unter dem Titel A Touch of Mortality, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 9 der Allan-Markby-und-Meredith-Mitchell-Serie.

  • London: Headline, 1996 unter dem Titel A Touch of Mortality. 314 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Lübbe, 2003. Übersetzt von Axel Merz. ISBN: 3-404-14970-X. 430 Seiten.

'Ein Hauch von Sterblichkeit' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Sally und Liam Caswell suchen in Oxfordshire Ruhe und Erholung. Doch ihre Hoffnungen werden enttäuscht: Streit mit den Nachbarn ist an der Tagesordnung. Schließlich erhält Liam sogar einen üblen Drohbrief. Bodicote, ein misslauniger alter Gutsherr, gerät in Verdacht, der Absender zu sein. Doch Superintendent Markby ist skeptisch, denn Liam hat viele Feinde. Er ahnt, dass ein Unglück geschehen wird und bittet Meredith Mitchell um Hilfe zu spät . …

Das meint Krimi-Couch.de: »430 Seiten sind für die dürftige Handlung zuviel« 45°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

So allmählich entwickelt es sich zum unfreiwilligen Running-Gag. Jede andere Frau vom Typ einer Meredith Mitchell dürfte vermutlich schon lange psychologische Hilfe in Anspruch genommen haben, wenn sie immer wieder über Leichen stolpern würde. Aber vielleicht gewöhnt man sich ja auch mit der Zeit daran, regelmäßig Entdecker von Mordopfern zu sein. In »Ein Hauch von Sterblichkeit« dauert es exakt bis zur Buchmitte, bis die Sterblichkeit zuschlägt und Meredith, die Freundin von Superintendent Alan Markby, ihr fast obligatorisches Opfer auffindet.

Doch begonnen hat alles mit einer Briefbombe, die im Hause Caldwell detonierte. Das Päckchen war einfach mit dem Namen »Caldwell« ohne Vornamen versehen.Doch für das junge Paar und auch für die Polizei ist klar, dass der Anschlag nicht Sally Caldwell, einer guten Freundin von Meredith, galt, sondern ihrem Mann Liam, einem Wissenschaftler, der zur Zeit in seinem Haus an einem Buch schreibt. Für seine Forschungen machte er auch Tierversuche, was verschiedene Gruppen von militanten Tierschützern zu Aktionen veranlasste. Liam erhielt bereits mehrfach Drohbriefe, die er jedoch ignorierte. Nun scheinen die Gegner der Tierversuche härtere Mittel anzuwenden.

Liam ist nicht gerade das, was man einen sympathischen Zeitgenossen nennt. Er hat nur seine Arbeit im Kopf und hält von guten Manieren absolut nichts. Auch seine Frau bekommt das regelmäßig zu spüren, doch verteidigt diese ihren Mann vehement. Aber Liam ist nicht der einzige Unsympath, den sich Ann Granger für diesen Fall ausgedacht hat. Da gibt es auch noch Tristan Goodhusband, lediges Muttersöhnchen und zusammen mit seiner Mutter, im Gegensatz zu ihm – aber ebenfalls aus der Klischeekiste – ganz vornehme Lady, auch den Tierschützern zugehörig. Als Bombenleger durchaus denkbar. Und auch der alte Bodicote, der Nachbar der Caldwells, ist nicht gerade ein einfacher Mensch. Mit Liam liegt er ständig im Streit wegen seiner Ziegen, die schon mehrfach ausgebrochen sind und dann in Caldwells Garten zu finden waren. Liam würde dem Alten durchaus die Tat zutrauen, Markby jedoch hält den verschrobenen Mann für harmlos. Und Kotzbrocken Nummer 4 ist Denis, der Onkel der Postbotin, ein arbeitsscheuer Nörgler, als vielversprechender Charakter angelegt, der aber – ebenso wie so mancher Nebenhandlungsstrang – schnell wieder in der Versenkung verschwindet.

Bis zur Mitte des Buches passiert herzlich wenig, dann taucht – wie bereits erwähnt – der erste und für diesen Roman auch einzige Tote auf. Doch nach einem Mordfall sieht das nicht aus.

Mittlerweile sollten sich regelmäßige Leser der Mitchell & Markby-Reihe daran gewöhnt haben, dass sich in Sachen Beziehung zwischen den beiden Protagonisten nichts mehr tut und können sich somit voll und ganz auf den eigentlichen Fall konzentrieren. Sehr undezent stößt die Autorin dabei den Leser immer wieder mit der Nase auf bestimmte Anhaltspunkte, die später noch eine wichtige Rolle spielen sollen. Warum sonst sollten zum Beispiel kostbare Bücher erwähnt werden, die nebenbei im Fernsehprogramm auftauchen? Unfreiwillige Komik findet sich bei Ann Granger außer den eingangs erwähnten Leichenfunden auch ab und an. Sehr schön, wie Betroffene von der Polizei instruiert werden, täglich ihr Auto nach möglichen Bomben abzusuchen.

Die Atmosphäre ist wieder überaus idyllisch. Ein verschlafenes kleines Dorf mit zwei alleinstehenden Cottages, eines davon mit weidenden Ziegen im Garten. Die Illustrationen des Lübbe-Verlages sind wirklich immer passend zur Handlung ansprechend gestaltet. Ein Lob, das man den wenigsten Verlagen machen kann.

Der Plot an sich ist relativ einfach aufgebaut und mangels Verdächtiger auch ziemlich früh durchschaubar. 430 Seiten sind für die dürftige Handlung bei weitem zu viel. Großartige Spannung kommt zu keiner Zeit auf, das ist jedoch für die Fans der Reihe wohl auch eher Nebensache. Sehr unglücklich gelöst aber die Tatsache, dass der dem Superintendent bereits bekannte Mörder nur durch einen plötzlich auftauchenden Augenzeugen überführt werden kann.

Ihre Meinung zu »Ann Granger: Ein Hauch von Sterblichkeit«

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Stefan83 zu »Ann Granger: Ein Hauch von Sterblichkeit« 29.07.2014
So gerne ich nach Abschluss der Lektüre eine Rezension zu Papier bringe – manchmal ist dies auch ein Ritual, das mich vor größere Probleme stellt. Insbesondere bei einem Titel aus einer vielbändigen Reihe, welche sich im Verlauf der Jahre ungefähr genauso wenig weiterentwickelt hat wie die Haie in unseren Weltmeeren. Ann Grangers Serie um das ermittelnde Duo Alan Markby und Meredith Mitchell ist so ein Beispiel, bei dem ein sich einmal als erfolgreich erwiesenes Rezept immer wieder aufs Neue und mit genau denselben Zutaten zubereitet wird. Ob man diese mangelnde Innovation mit dem Kauf belohnt oder nicht, muss jeder interessierte Leser am Ende selbst entscheiden. Fakt ist: Für mich stellen Grangers Romane einen Hort der Ruhe dar, in den ich mich vor allem dann gerne flüchte, wenn mir alles drum herum mal wieder zu viel wird. Hier in der Nachbarschaft des fiktiven Städtchens Bamford ticken die Uhren noch wie zu Miss Marples Zeiten, kuscheln sich wild überwucherte, alte Cottages in von grünen Wiesen und Feldern umgehende Täler. Kurzum: Idyll und Beschaulichkeit wohin man schaut, weshalb Grangers Werke trotz der Etikettierung als Kriminalroman in erster Linie aufgrund ihrer Atmosphäre überzeugen und man in Punkto Nervenkitzel einige Abstriche machen muss. Und nein, auch der neunte Band, „Ein Hauch von Sterblichkeit“, ist da keine Ausnahme. Was also dazu schreiben?

Ein „Alles wie gehabt“ wäre nicht nur die perfekte Überschrift für diese Besprechung, sondern zugleich auch eine treffende Zusammenfassung des Inhalts, sind doch die Veränderungen gegenüber dem Vorgänger, sehen wir mal von der Besetzung und dem Ablauf des Verbrechens ab, marginal. Es entbehrt dann auch nicht einer gewissen Ironie, dass mir „Ein Hauch von Sterblichkeit“ trotzdem (oder gerade deswegen) gefallen hat. Doch warum auch etwas reparieren, das nicht kaputt ist, denn Grangers ökonomische Schreibweise hat ihr zahlreiche Fans beschert und durchaus eine gewisse Berechtigung, zumal sie eine der wenigen Schriftstellerinnen ist, welche den klassischen Landhauskrimi auch noch als solchen versteht und beherrscht. Wer also plant, mit Frau Granger den Strandurlaub anzugehen, sollte sich vorher mit den Elementen dieser Untergattung des Genres auseinandersetzen, um sich nicht nachträglich über mangelnde Action, zu wenig Spannung und noch weniger Tempo in der Geschichte beschweren zu müssen. Diese sei hier kurz angerissen:

Castle Darcy in Oxfordshire. Hierhin sind Sally und Liam Caswell gezogen, um im eigenen Cottage Ruhe und Erholung vom Trubel des Stadtlebens zu finden, wobei Letzterer die ländliche Abgeschiedenheit vor allem für die Beendigung seines wissenschaftlichen Buches nutzen will. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, denn die Hoffnungen werden schon bald enttäuscht. Weitgehend von Freunden und Arbeitskollegen isoliert, treten die Differenzen des Ehepaars immer öfter zutage. Besonders Sally leidet unter Liams Verhalten, der neben seinem Buch nichts mehr wahrnimmt und zudem ständig mit den Nachbarn im Clinch liegt. Vor allem mit dem alten, verschrobenen Bodicote, dessen Ziegenbock Jasper immer wieder ausbricht und auf dem Grundstück der Caswells herumstreunt, ist Streit an der Tagesordnung. Als eines Tages eine an „Caswell“ adressierte Briefbombe Sally nur knapp neben ihr detoniert, eskaliert die Lage.

Liam, der in der Vergangenheit bei seinen Forschungen auch Tierversuche machte, glaubt militante Tierschützer hinter dem Attentat und fordert von der Polizei, nur in diese Richtung zu ermitteln. Doch Superintendent Alan Markby und der inzwischen zum Inspektor beförderte Pearce sind skeptisch. Warum gibt es dann kein Bekennerschreiben? Und warum hat Liam monatelang seiner Frau verschwiegen, bereits Drohbriefe erhalten zu haben?

Während die beiden Polizisten in offizieller Funktion ermitteln, betreibt Meredith, die ein Auge auf ihre Freundin Sally werfen will, ihrerseits Nachforschungen. Es dauert nicht lange und sie stolpert über die erste Leiche …

Ein kalter Wintermorgen auf dem Land. Ein junge, freundliche Postbotin, die ein paar Briefe zustellt. Friedlich grasende Ziegen. Raureif auf den Feldern. Wenn es darum geht, eine stimmungsvolle Gemütlich-im-Sessel-sitzen-Atmosphäre zu kreieren, macht Ann Granger so schnell keiner etwas vor. Bei ihr bedarf es keines großen Vorabgeplänkels oder unnötig langer Innenansichten der verschiedenen Protagonisten. Lediglich ein paar Pinselstriche hier und da, schon entstehen vor dem inneren Auge des Lesers Bilder, die manchmal sogar ein bisschen an die Werke des inzwischen verstorbenen Malers Thomas Kincade erinnern. Ein Vergleich, der sich jedoch in erster Linie auf die Motive bezieht – zumeist allein stehende Villen und Cottages – und weniger auf die vor Farben nur so strotzende Umsetzung Kincades. Granger, und das ist angesichts des doch sehr bürgerlich-friedlichen Tons ihrer Geschichten und ihrer frühen Anfänge als Autorin von Liebesromanen nicht selbstverständlich, vermeidet überflüssigen Kitsch und Pomp, schreibt bodenständig und unaufgeregt.

„Very british“ lautet oft das Urteil der Kritiker – und damit haben sie gänzlich recht, denn Granger bedient tatsächlich jedes Klischee, das man über Landschaft und Leute von Oxfordshire auch durch Film und Fernsehen schon kennt, was England-Urlaubern, oder solchen die es noch werden wollen, durchaus als Kaufargument reicht. Und warum auch nicht? In Zeiten blutigen, martialischen Spektakels, immer komplexerer Handlungen und extremerer Figuren ist Ann Granger das „Auenland“ unter den Krimi-Autorinnen. Ein friedlicher Rückzugsort voller seltsamer, aber doch immer irgendwie auch liebenswerter Typen, den man stets aufs Neue bereisen und damit gleichzeitig den Alltagsstress hinter sich lassen kann, was ich persönlich nur allzu gern in Anspruch nehme. Dabei verzeihe ich Granger, dass Meredith zum x-ten Mal „zufällig“ in einem Mordfall involviert wird, dass sich in ihrer Beziehung zu Alan immer noch nichts tut, dass wir wieder einen merkwürdigen Einsiedler vorfinden, dass die letztendliche Auflösung nicht das Originellste ist, was das Krimi-Genre geboten hat.

„Ein Hauch von Sterblichkeit“ braucht all dies nicht und ist trotzdem gute, unaufgeregte, entspannende und entschleunigende Unterhaltung mit einem Schuss britischem Humors. Wer mehr von einem Spannungsroman will und erwartet, ist mit Ann Granger und dem Landhauskrimi an sich schlichtweg schlecht beraten.
Mistie zu »Ann Granger: Ein Hauch von Sterblichkeit« 19.01.2014
Wenn ich nur Leserkommentare über die Bücher schreiben würde, die mir gut gefallen haben, dann würde dieses Buch höchstwahrscheinlich nicht zu dieser Ehre kommen. Vor Jahren habe ich die ersten beiden Bände "Mord ist aller Laster Anfang" und "Fuchs du hast die Gans gestohlen" gelesen und mir gedacht, dass diese Bücher als Erstlinge nicht schlecht seien und die Autorin an der Serie wachsen könnte.

Mit diesem 9. Fall, habe ich eine verworrene, schwer nachvollziehbare Geschichte vor mir gehabt, welche bis zum Ende zu lesen mich manchmal gefordert hat. Die eigentliche Geschichte dreht sich um Sally und Liam Caswell, die in Oxfordshire Ruhe und Erholung suchen. Liam ist jedoch absolut kein umgänglicher Mensch und hat bald Streit mit den Nachbarn. Um seine Frau kümmert er sich überhaupt nicht und beschäftigt sich nur mit seiner Arbeit und sich selbst. Doch - oh Wunder - Sally ist eine alte Bekannte und Freundin von Meredith Mitchell und die kümmert sich nur zu gern um Sally nachdem bei den Caswell's eine Bombe hochging bei der Sally verletzt wurde.

Meredith und Inspektor Allan Markby, gute Freunde und ein nie-zusammenkommendes Liebespaar, denken die beste Lösung sei, dass Meredith sich näher mit der Familie Caswell befasst. Auf diese Weise kann Meredith unbemerkt "schnüffeln" und zudem noch ihre Freundin beschützen. Dies ist notwendig da alle in dem Dorf etwas für sich behalten, was natürlich den Kreis der Verdächtigen sehr erweitert. Wie in allen guten englischen Krimi's würde ein schrulliger Dorfbewohner nie einem Inspektor etwas anvertrauen und deshalb ist Meredith die perfekte Ermittlerin.

Mit Inspektor Markby's Gnaden löst Sie den Fall praktisch allein weil sie nicht - wie die Ortspolizei - an den Nachbarn oder die Tierschützer als Mörder glaubt. Leider nimmt Meredith sich in diesem Roman ungemein wichtig und sie kommt mir noch fast überheblicher vor als in Band 1. und 2. Eine normale Polizei-/Detektivarbeit findet so gut wie nicht statt - und das braucht sie auch nicht - da Mrs Mitchell regelmäßig als erste auf die Toten trifft, immer souverän bleibt in guter sherlockscher Manier die richtigen Schlüsse zieht.

Leider hat der Roman weder einen humoristischen noch einen sarkastischen Unterton, so dass - leider - davon ausgegangen werden muss, dass Mrs Granger es mit Ihren Figuren ernst meint. Diese Ernsthaftigkeit macht aus diesem Roman einen noch weniger guten Roman. Der Story fehlt es zudem noch an Pep, Spannung, interessanten Charakteren und einer guten Ermittlungsgeschichte, also Häkelkrimiromantik ohne alles ….

Nichts für ungut Mrs Granger, aber nach diesem Kommentar fühle ich mich der Pflicht enthoben noch andere Romane von Ihnen lesen zu müssen.

KC Punkte 60°
rumble-bee zu »Ann Granger: Ein Hauch von Sterblichkeit« 24.08.2010
Bei erfolgreichen Buchserien, insbesondere bei Krimis à la Ann Granger, steht man als Rezensent vor gewissen Problemen. Unter Lesern sind diese Bücher gewissermaßen zu Selbstläufern geworden, die wohl kaum noch einer Werbung bedürfen. Auch verwendet gerade diese Autorin gewisse "Rezepte", die man sicherlich bei genauem Hinlesen erkennen kann. Doch schmälert das den Lesegenuss? Und hindert mich das in irgendeiner Weise daran, dennoch eine begeisterte Rezension zu schreiben? Nein, natürlich nicht!

Ich möchte es einmal so formulieren (man verzeihe mir den etwas flapsigen Vergleich): Die Krimis von Ann Granger, gerade die aus der Reihe um Mitchell & Markby, ähneln einer prall gefüllten Tüte mit goldbraun frittierten Pommes Frites. Ja, natürlich wird es Zeitgenossen geben, die empört darauf hinweisen, dass Pommes Frites nicht gerade den Olymp lukullischer Genüsse darstellen - viel zu viel Fett, zu wenig Vitamine. Auch ist das einzelne frittierte Stäbchen von ferne kaum von seinen Geschwistern zu unterscheiden. Und dennoch - beißt man hinein, entscheidet man sich also bewusst für den Verzehr, dann sind alle diese Einwürfe letztlich unwichtig. Es ist einfach nur köstlich und knusprig, und allein das zählt ja. Alle anderen sollen halt im Bioladen einkaufen. Oder Denis Scheck schauen.

Inhaltsangaben sind bei dieser Art Buch eher überflüssig - denn das Lesevergnügen entsteht hier eher aus der Atmosphäre, vielen liebevollen Einzelheiten, und den Charakteren - nicht aus der Handlung an sich. Deswegen wird man wohl kaum zu diesem Buch greifen. Von daher will ich mich lieber auf Einzelheiten konzentrieren, die mir positiv aufgefallen sind.

Was ich bei Mitchell & Markby so liebe, ist die Tatsache, dass die Bücher so unkompliziert beginnen. Keine gestelzten Prologe, keine langatmigen Einführungen. Man landet als Leser mitten in einer Szene, vorzugsweise auf dem Land, in einer verfahrenen Situation, oder in einem Gespräch unter verschrobenen Menschen. Dies kombiniert mit dem Serien-Charakter lässt den Leser sehr leicht und schnell in das Buch einsteigen. So auch hier. Das Buch beginnt am Frühstückstisch der Postbotin, die in diesem Fall ein gefährliches Päckchen zustellt. Und von hier aus entfaltet sich ganz natürlich die Handlung, der Leser wächst in das Geschehen hinein.

Wiedererkennungswert hat auch, dass es sich nicht um eine klassische Ermittlung handelt. Auf inoffiziellem Wege ermittelt Meredith Mitchell, die Freundin von Inspector Alan Markby, mindestens ebenso viel - wenngleich auch unabsichtlich. In diesem Buch stößt sie zum Beispiel auf etliche Hinweise, weil sie auf einer Auktion stöbert, und weil sie ihre beste Freundin gerade noch rechtzeitig vor einer fast tödlichen Vergiftung rettet.

Dieser Fall dreht sich, zumindest an der Oberfläche, um Themen, die jeder Leser nachvollziehen kann, und die auch noch sehr britisch anmuten. keine großen Verbrechen, sondern erstens militante Tierschützer, und zweitens Nachbarschaftsstreitigkeiten um einen alten Mann, der seine Ziegen frei herumlaufen lässt. Um diese beiden Themen gibt es etliche köstliche Verwicklungen, bevor dem Leser dämmert, dass eigentlich ganz andere Dinge hinter den Vorgängen stecken. Die Auflösung ergibt sich wirklich erst ganz zum Schluss! Fairerweise muss man allerdings sagen, dass es einem als geübtem Leser durchaus möglich ist, die Lösung selber zu erahnen.

Positiv zu vermerken ist auch der Mangel an Blut und Grausamkeiten. Die Spannung ergibt sich vielmehr aus zwischenmenschlichen Verstrickungen. Der Fall beginnt nicht mit einem Mord, sondern mit einer Briefbombe. Später gibt es zwar ein Todesopfer, aber lange ist auch hier nicht klar, ob es sich um einen gewaltsamen Tod handelt.

Gut, die letztendliche Auflösung mag nicht die originellste gewesen sein. Aber der Weg dorthin - ich habe mich köstlich amüsiert! In welchem Buch hat man das schon, dass man bei einer spannenden Schlüsselszene Tränen lacht? Auch auf die Gefahr hin, zu viel zu verraten, muss ich das einfach erwähnen: den militanten Tierschützern wird ein riesiges Hühner-Kostüm geklaut, und der Täter schleicht sich, als Huhn verkleidet (!), mit einem Messer in der Hand an die Protagonistin heran... sogar einer der Constables, die den Fall später aufnehmen und per Funk durchgeben müssen, erleidet einen Lachanfall!

Einzig das allerletzte Kapitel fand ich persönlich überflüssig. Mitchell und Markby treffen sich hier zum Essen, und im Gespräch werden alle losen Fäden des Falles aufgerollt und geklärt. Nun ja, das hätte nicht sein müssen - aber ein nettes Extra ist es allemal.

Was mir allerdings, schon zum wiederholten Mal, negativ aufgefallen ist, ist die Übersetzung von Axel Merz. Ich ziehe nur deswegen keinen Stern ab, weil schließlich die Autorin nichts dafür kann. Allerdings würde ich dem Verlag dringend (!) dazu raten, in künftigen Neuauflagen diese Schnitzer zu beseitigen. Ich finde, es wirft ein schlechtes Licht auf den Verlag, und ist teilweise einfach nur peinlich - denn der Übersetzer hat eindeutige Schwächen bei idiomatischen Wendungen, die er immer wörtlich (!) übersetzt. Einmal kann das passieren, aber nicht fünf- oder sechsmal in einem Buch!! Ich nenne nur einige wenige Beispiele. "At the end of the day" heißt NICHT "am Ende des Tages", sondern "schließlich, zu guter Letzt". "I didn't have the heart to do XY" heißt NICHT "ich hatte nicht das Herz, XY zu tun", sondern "ich brachte es nicht fertig, nicht über mich". Und, für mich persönlich ganz grausam, ´"his new wife" heißt NICHT "seine neue Ehefrau", sondern "seine frisch angetraute Ehefrau"... ! Wie gesagt, einfach nur peinlich. Das dürfte nicht sein.

***

Dennoch, ich würde jedem, der einmal prächtig und geruhsam britisch unterhalten werden will, eindeutig zu diesem Buch raten. Und zu der ganzen Reihe sowieso.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Guldstjaern zu »Ann Granger: Ein Hauch von Sterblichkeit« 28.12.2006
So Fall 9 ist nun auch gelesen, und es hat wieder Spaß gemacht, auch wenn mir dieser Teil der Reihe etwas langatmiger vorkam, zur Mitte hin gab die Autorin wieder Gas und das Ende hat mich dann doch etwas überrascht, aber solche Wendungen mag ich sehr, wenn man nicht nach 50 Seiten weiss wer der Bösewicht war.
Freue mich jetzt schon auf den 10. Fall
wolfgang zu »Ann Granger: Ein Hauch von Sterblichkeit« 13.05.2006
Wer den guten alten englischen Land-Krimi liebt so wie ich - der findet nichts Besseres.....
Ann Granger ist einfach Spitze - Schade, dass die Reihe mit Markby und Mitchell nur noch einen letzten Band ( den 15. Fall )hat !
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Doris Noske zu »Ann Granger: Ein Hauch von Sterblichkeit« 20.07.2004
Als leidenschaftliche Agatha Christie-Leserin bin ich nun froh eine Autorin gefunden zu haben, die mich mit ihren
Büchern genauso fesselt. Ein Hauch von Sterblichkeit ist der erste Roman, den ich
gelesen, nein, verschlungen habe.
Alle anderen Bücher sind für mich ein
"Muss" und ich freue mich schon jetzt auf
einen großen Lesegenuss.
Annika zu »Ann Granger: Ein Hauch von Sterblichkeit« 28.06.2004
Mein Gott sind Böcke nicht was herliches. Doch ist wieder einmal ein herliches Lesevergnügen gewesen. ich glaube fest daran, dass Ann Granger eine Leidenschaft für antiquitäten hat, sonst würde Merry nicht überall welche entdecken
Wolfgang zu »Ann Granger: Ein Hauch von Sterblichkeit« 23.12.2003
Man kann schon süchtig werden. Nachdem ich diesen Band gelesen hatte, kaufte ich mir alle anderen Fälle und schmöckerte sie mit gleichem Vergnügen.
Einfach gute englische Krimikost.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Marion zu »Ann Granger: Ein Hauch von Sterblichkeit« 05.11.2003
ich habe bisher alle marby&mitchell bände von ann granger gelesen und werde es wahrscheinlich (sollte ich nicht zutiefst enttäuscht werden) weiter so halten. für mich gehören ann grangers krimis nicht unbedingt zur spitzenklasse, aber wenn ich einen angefangen habe, dann kann ich ihn auch schwer weglegen. irgendwie hat ann granger zwar einen ruhigen, unsensationellen schreibstil, aber trotzdem lese ich ihre bücher zwischendurch sehr gerne.
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