Totenblüte von Ann Cleeves

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Hidden Depths, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Rowohlt.
Folge 3 der Vera-Stanhope-Serie.

  • London: Macmillan, 2007 unter dem Titel Hidden Depths. 370 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2010. Übersetzt von Tanja Handels. ISBN: 978-3-499-25315-7. 399 Seiten.

'Totenblüte' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Die Blumen des Bösen Ein heißer Sommerabend an der Küste Northumberlands. Wie hatte sich Julie Armstrong auf ihr erstes Date seit Jahren gefreut. Doch bei ihrer Rückkehr erwartet sie ein schreckliches Bild: Ihr Sohn Luke liegt tot in der Badewanne, auf dem Wasser schwimmen Blüten. Wenig später treibt die attraktive Referendarin Lily im Teich inmitten von Blumen – ein schauriges Gemälde. Die inszenierten Morde geben Kommissarin Vera Stanhope und ihrem Kollegen Joe Ashworth Rätsel auf. Doch sie wissen: Der Mörder wird wieder zuschlagen – bis das Kunstwerk des Todes vollendet ist.

Das meint Krimi-Couch.de: »Abgründe hinter heilen Fassaden« 75°

Krimi-Rezension von Thorsten Sauer

Vera Stanhope feiert in Deutschland eine Premiere, die eigentlich keine ist, da es sich bei Totenblüte bereits um den zweiten Roman der Serie von Ann Cleeves handelt. Allerdings hat sich der Verlag entschieden, die Serie in Deutschland mit dem zweiten Band zu starten. Die Gründe dafür sind unbekannt, aber wie dem auch sei, mit Ann Cleeves neuer Ermittlerin betritt ein krasser Gegenentwurf zur typisch amerikanischen Ermittlerin die Bühne. Sie ist nicht jung, attraktiv und erfolgreich, sondern dick, ungepflegt und beruflich nur mäßig karriereorientiert. Darüber hinaus hat sie im Gegensatz zu den meisten ihrer Kolleginnen kein Jugendtrauma zu verarbeiten oder aus irgendwelchen anderen Gründen ein aufregendes Privatleben, sondern da ist einfach nichts – außer Einsamkeit. Klingt wie ein wenig hoffnungsvoller Einstieg in eine neue Serie, aber gerade englische Krimis leben letztlich von ihren skurrilen Helden und da hat Vera Stanhope definitiv einiges zu bieten.

Mordserie oder Zufall?

Luke, der kleine Sohn von Julie Armstrong, liegt eines Abends, als sie von einer Verabredung nach Hause kommt, tot in der mit Wasser gefüllten Badewanne, um ihn herum schwimmen Blüten. Nur wenige Tage später wird die hübsche Referendarin Lily tot in einem Tümpel gefunden, auch um sie treiben Blüten. Die Inszenierung der Morde weist für die Ermittlerin Vera Stanhope klar auf eine Mordserie hin und ihr ist bewusst, dass der Täter in diesem Fall so lange zuschlagen wird, bis sein schauriges Kunstwerk vollendet ist. Doch abgesehen von den Blumen finden sich praktisch keine Zusammenhänge. Handelt es sich bei den Morden am Ende gar nicht um eine Serie und sind die Verbindungen nur rein zufällig? Stoisch macht sich die Kommisarin gemeinsam mit ihrem Kollgen Joe Ashworth daran, jede mögliche Verbindung zu hinterfragen und jede noch so dünne Spur zu verfolgen. Sie blicken hinter die Fassade einer heilen Dorfgemeinschaft und stehen irgendwann vor einem Abgrund.

Stille Wasser sind tief und häufig schmutzig

Totenblüte ist der erste Roman der Reihe um die Ermittlerin Vera Stanhope, der auf deutsch erscheint. Mit Vera Stanhope hat Ann Cleeves eine völlig ungewöhnliche und für englische Krimis doch irgendwie absolut typische, skurrile Hauptfigur geschaffen. Stanhope ist alleinstehend, sie trinkt regelmäßig zu viel Alkohol, sie ist dick und hat ungepflegte Füße, die sie mit Vorliebe in offenen Sandalen zur Schau trägt. Aber sie hat auch Einfühlungsvermögen, sie hört zu und kann sich in Situationen hinein versetzen. Und sie wird leicht unterschätzt, aufgrund ihres Äußeren und ihrer vermeintlich unbeholfenen Befragungstechnik: mit Vorliebe redet sie Zeugen wie Verdächtige mit »Herzchen« an, völlig unabhängig von Geschlecht, gesellschaftlicher Stellung oder Alter.

So bedächtig sie ihren massigen Körper in die Wohnung von Zeugen und Verdächtigen schiebt, um Fragen zu stellen, so unaufgeregt treibt sie die Ermittlungen voran und klärt den Fall um die Mordserie.

Der Plot selbst ist – wie die Protagonistin – ebenfalls typisch englisch: verzwickt und psychologisch. Ann Cleeves erfindet damit das Rad zwar nicht neu aber es reicht aus, um den Spannungsbogen über die 400 Seiten aufrecht zu halten. Getragen wird die Spannung dabei, abgesehen vom fulminanten Ende, nicht von der Action, sondern von den Gesprächen und Befragungen in denen die Fassade vermeintlich unbescholtener Bürger bröckelt. Kleine Gemeinheiten in Form heimlicher Affären, Neid und Missgunst treten hervor, werden größer, um letztlich schlüssig zu einem Täter und dessen Beweggründen zu führen.

Totenblüte ist kein Page-Turner oder ein Roman den man unbedingt gelesen haben muss, aber er ist gute Unterhaltung für all jene, die klassische englische Kriminalromane mögen.

Thorsten Sauer, April 2010

Ihre Meinung zu »Ann Cleeves: Totenblüte«

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Leselöwin zu »Ann Cleeves: Totenblüte« 11.05.2015
Dies ist ein gut geschriebener und spannender Krimi mit einer schlüssigen Handlung und einem nicht besonders überraschenden Schluss. Der nach psychologischen Gesichtspunkten wahrscheinlichste Täter war es auch, aber das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch.
Die Polizistin Vera Stanhope erinnert stark an Barbara Havers aus den Romanen von Elizabeth George- die dicke reizlose einsame Wölfin mit dem allerdings nicht so ganz goldenen Herzen wie Havers.
findefüchsin zu »Ann Cleeves: Totenblüte« 22.05.2012
Auf dem Buchrücken von "Totenblüte" steht ein Satz von Val McDermid, daß Ann Cleeves in diesem Buch einen Blick hinter die heile Fassade einer Dorfgemeinschaft wirft, hinter der sich Abgründe auftun. Ich sehe das ein wenig anders. Es dreht sich in diesem Buch eher um die jahrelange Freundschaft und den Zusammenhalt von 5 Personen und natürlich um die vom Verbrechen betroffenen Familien. Daß das alles in einem Dorf geschieht, kommt nicht so ganz rüber und das Dorf spielt meines Erachtens auch keine Rolle.Die ermittelnde Kommissarin Vera Stanhope wirkt auf mich eher unsympathisch und ist so gar nicht jung und sportlich und auch keine Augenweide. Deswegen finde ich sie "wirklichkeitsnäher". Die Story an sich fand ich interessant, und auch spannend. Diese Spannung ließ bei mir jedoch irgendwann etwas nach, und ich hätte es besser gefunden, wenn die Aufklärung ein wenig schneller gegangen wäre.
"Totenblüte" war mein zweiter Krimi von Ann Cleeves. Als ersten habe ich "Die Nacht der Raben" gelesen und war begeistert -- von "Totenblüte" nicht so sehr.
Corinna Pehla zu »Ann Cleeves: Totenblüte« 15.01.2012
Als Julie Armstrong nach einem Date nach Hause kommt, wundert sie sich noch, was ihr Sohn so lange im Badezimmer macht. Nach dem Öffnen der Tür das das: Ihr Sohn liegt tot in der Wanne und das Wasser ist mit Blumen bedeckt.
Nur wenige Tage später wird die junge Referendarin Lily in einem Teich entdeckt. Auch sie wurde ermordet und auf dem Wasser schwimmen Blumen.

Die Polizei sieht sofort den Zusammenhang und beginnt mit den Ermittlungen.


An sich fand ich diese Art von Morden ganz gut. Es findet vom Täter her ja ein Ritual statt, dass sofort auffällt und das ja ein Schema hat und einen Grund haben muss.
Auch zu beginn des Buches, konnte es mich durchaus überzeugen, ABER mich persönlich hat die Ermittlerin Vera Stanhope schon sehr gestört.

Vera ist nicht zufrieden mit ihrer Figur, ihrem Leben, ihren Kollegen. kurz, einfach mit allem. Sie gönnt niemanden irgendetwas, hat für wenig Dinge Verständnis und ist einfach negativ.
Dies störte mich nach kurzer Zeit schon sehr arg.

Natürlich hat man immer mal wieder Ermittler, die leicht depressiv, oder sehr schwerfällig sind, dass stört mich dann nicht unbedingt und manchmal gefällt es mir sogar recht gut, aber hier wurde ich mir ihr einfach nicht warm. Und da man die ermittelnde Person ja beinah durchgängig begleitet, wurde ich selber schon schlechtgelaunt.

Trotzdem, auch nach so viel negativem... der Fall an sich ist gut und macht auch Spaß. Man muss halt über diese Person hinwegsehen.
edmund zu »Ann Cleeves: Totenblüte« 24.08.2011
So ein Unsinn. Vera Stanhope ist die interessanteste weibliche Detektivfigur, die ich kenne, ganz und gar jenseits der mainstreamigen "Feministin-die-gegen-männliche-Konkurrenten-kämpfen-und-im-Herz-ganz zart-sind"-Typen. Sie ist in gewisser Weise das weibliche Pendant zu Colin Dexters Morse. Das Buch ist ausgesprochen spannend, wenn man gewillt ist mitzudenken, und der Plot sehr raffiniert. Nur die psychologische Motivation der Taten scheint mir etwas weit hergeholt. Aber in jedem Fall ist die Vera-Reihe das Beste seit langem auf dem Markt, Längen besser als Hunderte Null-Acht-Fünfzehn-Krimis aus Skandinavien.
Uwe zu »Ann Cleeves: Totenblüte« 19.07.2011
"Kein Page-Turner" ist ja noch untertrieben. Das Buch schleppt sich über fast 300 Seiten dahin, ehe es halbwegs spannend wir. Und das Ende ist vielleicht als dramatischer Schlusspunkt gedacht, gerät aber auch ziemlich plump.Die Hauptperson Vera Stanhope ist nicht nur dick und ungepflegt, sie kommt vor allem unglaublich unsympathisch, voll von Vorurteilen, neidisch auf glückliche Familien und teilweise auch unfähig herüber. Eine echte Anti-Heldin, wenn man so will.Was besonders krass auffällt, ist die völlig unkreative Schreibe von Cleeves. Das mag teilweise an der Autorin selbst liegen, teilweise auch an einer offenbar katastrophalen Übersetzung.Sollten die andere Bücher von Cleeves ebenso sein, ist es mir ein Rätsel, wie die gute Frau jemals einen Krimi-Preis bekommen hat.
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