Im kalten Licht des Frühlings von Ann Cleeves

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel Red Bones, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Wunderlich.
Folge 3 der Shetland-Quartett-Serie.

  • London: Macmillan, 2009 unter dem Titel Red Bones. ISBN: 978-0230014466. 391 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2009. Übersetzt von Anja Schünemann. 429 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2010. Übersetzt von Anja Schünemann. ISBN: 978-3-499-24710-1. 429 Seiten.

'Im kalten Licht des Frühlings' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Frühling auf den Shetlandinseln: Der Wind fegt über die alten Steinhäuser, die Tage werden langsam wieder länger. Die Archäologin Hattie ist froh, die Ausgrabungen nach der Winterpause wieder aufnehmen zu können. Doch dann findet Evelyn, eine freiwillige Helferin, die Überreste eines Skeletts. Bestimmt stammen die Knochen aus dem Mittelalter – denkt Hattie. Doch warum erschrickt die alte Mima, auf deren Land sie graben, so? Kurze Zeit später ist Mima tot. Erschossen. Angeblich ein Jagdunfall. Doch Detective Jimmy Perez ist sich da nicht so sicher. Denn irgendetwas stimmt nicht auf Whalsay. Als kurze Zeit darauf ein grausamer Mord geschieht, muss Perez den dunklen Geheimnissen der Insel-Gemeinschaft auf den Grund gehen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Geruhsame Lesestunden« 65°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

»Wie viele Morde passieren eigentlich durchschnittlich auf einer kleinen Insel?« mutmaßte im Vorjahr meine Krimi-Couch-Kollegin Sabine Reiss anlässlich der Rezension von Der längste Tag und da Ann Cleeves ihren Inspektor Jimmy Perez auch jetzt wieder Im kalten Licht des Frühlings über Whalsay, ein kleines Eiland der Shetland-Inseln jagt, scheint die Bevölkerung doch recht mörderisch veranlagt zu sein.

Oder war es diesmal nur ein dummer, tödlicher Unfall? Auf dem Grund und Boden der alten Mima finden Archäologen Überreste eines alten Handelshauses, das einem Hansekaufmann gehört haben dürfte. Der jüngste Erfolg des Grabungsteams, das im Wesentlichen aus den zwei jungen Frauen Hattie und Sophie und einigen örtlichen Freiwilligen besteht, sind unterschiedliche Knochen eines Skelettes, die zur Altersbestimmung ins Labor müssen. In der Nacht nach dem spektakulären Fund wird Mima erschossen. Ihr Nachbar Ronald wollte in angetrunkenem Zustand Kaninchen jagen, die hier zur Landplage geworden sind.

Ronald erinnert sich am nächsten Tag an nichts. Aber der Inselpolizist Sandy scheint mit dem Fall völlig überfordert zu sein und so muss Inspektor Perez anreisen und die Sache in die Hand nehmen. Auf einer Insel mit gerade mal 1030 Einwohnern ist aber jeder irgendwie mit den anderen verwandt, verschwägert oder verfeindet und es blühen Klatsch und Tratsch, der vom Großvater an den Vater und den Sohn weitergegeben wird und adäquat passiert dies auch bei den Frauen des Ortes. Sandy ist folglich befangen und überlässt weitgehend Perez die Verhöre. Aber auch er hat so manches gehört, was sich damals im Leben Mimas abgespielt haben soll und wenn da nur ein Funken Wahrheit daran ist, dann ist auch seine Familie nicht ganz astrein.

Inspektor Perez, von seiner neuen Liebe Fran getrennt, fühlt sich auf der Insel einsam und kommt an die Dorfbewohner nicht richtig heran. Auch wenn es klar scheint, dass Ronald der Übeltäter war, sagt ihm sein Bauchgefühl etwas anderes. Als dann auch noch die vom Schicksal gebeutelte Hattie an der Grabungsstätte mit aufgeschlitzten Pulsadern gefunden wird, glaubt Jimmy nicht mehr an tödliche Zufälle …

Anja Schünemann hat bei Wunderlich aus Red Bones das über vierhundert Seiten lange Im kalten Licht des Frühlings übersetzt. Was Ann Cleeves schon in den Vorgängerbänden ausgezeichnet hat, ist die Schilderung der kargen Landschaft, die die Menschen geprägt hat und das Leben mit und von der See, die den Alltag und die Gemeinsamkeit der Einwohner bestimmt. Hier weiß jeder (fast) Alles vom Anderen, hier wird ge- und verurteilt, bevor der Prozess gemacht wird und die Gerüchteküche brodelt.

Ann Cleeves lässt in ruhiger Sprache ihre Figuren wachsen, verknüpft die Sorgen und Schicksale der Inselbewohner zu einem Gesellschaftsteppich, zu dem ein Fremder oder eine Fremde keinen Zutritt haben. Wer hier anlandet, der verzweifelt entweder an der Trostlosigkeit oder er hat genau diese gesucht, exakt, wie es die unterschiedlichen Frauencharaktere Hattie und Sophie demonstrieren. Und genau diese Zeichnung der Individuen ist die große Stärke von Ann Cleeves, denn tödliche Spannung kann sie über die gesamte Länge des Romans nicht erzeugen, aber das ist bei dieser Form von Lokalkolorit auch nicht beabsichtigt und fehl am Platze.

Wer sich Im kalten Licht des Frühlings mit der Kriminalität auf den Shetland-Inseln auseinandersetzen will, den erwarten geruhsame Lesestunden, bei denen die Gänsehaut von der Schilderung der Wetterlage kommt. Wären da nicht zwei Leichen auf den Buchseiten verstreut, könnte man die Erzählung aus Whalsay einem schottischen Ableger von Ludwig Ganghofer zuschreiben.

Wolfgang Weninger, Mai 2009

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Mezzebill zu »Ann Cleeves: Im kalten Licht des Frühlings« 03.02.2013
... ich habe gerade den dritten Band von Ann Cleeves Shetland-Krimireihe fertig gelesen und bin wieder sehr begeistert. Ich finde, sie steigert sich mit jedem Band.
Ihre bedächtige Erzählweise, welche wie ich finde sehr dem Tempo der Inseln entspricht, und die sehr überraschende Auflösung finde ich hervorragend ... und so freue ich mich auf dennächsten Band, welchen ich bereits neben mir liegen habe.
Schnippi zu »Ann Cleeves: Im kalten Licht des Frühlings« 21.08.2011
"Im kalten Licht des Frühlings" ist eher eine Erzählung über das Leben und die Menschen der Shetland-Inseln, als ein Krimi (auch wenn zwei Leichen im Laufe der Geschichte auftauchen).
Detective Perez und sein Kollege Sandy bekunden mehrfach, dass sie keinen richtigen "Draht" zu der Insel Whalsay haben und dass sie von dort weg bzw. gar nicht erst hin wollen.
Dem Leser drängt sich das Gefühl auf, dass auch die Autorin keinen "Draht" zur Insel hat, obwohl sie das trostlose Leben dort sehr gut beschreibt. Die Trostlosigkeit zieht sich (gewollt oder nicht) durch den gesamten Roman und lässt Spannung kaum aufkommen.
Am Ende ist man vom Täter zwar überrascht...aber auch froh, sich durch das Buch gekmpft zu haben.
Da dem Roman eine gewisse Unterhaltung nicht abgesprochen werden kann gebe ich 50°
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