Der längste Tag von Ann Cleeves

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel White Nights, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 2 der Shetland-Quartett-Serie.

  • London: Macmillan, 2008 unter dem Titel White Nights. 416 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008. Übersetzt von Tanja Handels. ISBN: 978-3-499-24478-0. 416 Seiten.

'Der längste Tag' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Sommer auf den Shetland-Inseln. Lange Tage. Kurze Nächte, in denen Erinnerungen wach werden. Erinnerungen, die gefährlich sind …Eine Vernissage in einer lauen Sommernacht. Mitten in die Feierlichkeiten platzt ein Fremder. Als sein Blick auf «Die Frau in Rot» fällt, bricht er in Tränen aus. Kurz darauf ist er verschwunden. Und dann geschieht ein Mord ... 

Das meint Krimi-Couch.de: »Shetland – mehr als Ponys und Pullover« 74°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Nicht nur der Winter hat seine besondere, da düstere Atmosphäre auf den Shetland-Inseln, die sich 180 km vor der Nordküste Schottlands befinden, sondern auch der Sommer. Kurz, aber heftig, so könnte man ihn bezeichnen, denn zu dieser Jahreszeit geht die Sonne nicht ganz unter und die ganze Nacht herrscht Dämmerung. Es ist nicht einfach, sich diesem Rhythmus anzupassen. Es sind also nur die Ponys und Pullover, die diesen Landstrich zu etwas Besonderem machen. Auch die Musik hat dort einen anderen Stellenwert. Es zeigen sich darin nicht nur die Einflüsse Schottlands, sondern auch Norwegens, gehörte die Inselgruppe bis zum 15. Jahrhundert doch zu Skandinavien. Ann Cleeves bringt Jahreszeit und Musik im zweiten Band des sog. Shetland-Quartetts Der längste Tag sehr gut in Einklang mit einem spannenden Kriminalfall.

Fran Hunter ist eigentlich nur wegen des Vaters ihrer Tochter auf die Shetland-Inseln gekommen, doch inzwischen fühlt sie sich dort sehr heimisch und ist geblieben, obwohl die Beziehung in die Brüche ging. Sie hatte zu Beginn des Jahres einen sehr netten Mann, den Polizisten Jimmy Perez, kennengelernt und die beiden sind sich mittlerweile näher gekommen. Fran ist Künstlerin und steht aufgeregt vor ihrer ersten Vernissage, die sie zusammen mit Bella Sinclair ausrichtet, die weit über die Grenzen Shetlands hinaus bekannt ist. Leider bleibt die Besucherzahl an diesem lauen Sommerabend hinter den Erwartungen zurück, obwohl noch ein weiterer Event auf dem Programm steht: Bellas Neffe Roddy, ein ebenso bekannter Musiker, sorgt mit seiner Shetland-Fiddle für die musikalische Untermalung. Wie sich später herausstellt, wurden Handzettel verteilt, auf denen die Ausstellung aufgrund eines Todesfalls abgesagt wurde. Wer hat sich diesen Scherz erlaubt?

Ein Zwischenfall sorgt zudem für Aufregung, da sich ein unbekannter Mann vor Bellas Selbstportrait auf die Knie wirft und in Tränen ausbricht. Jimmy Perez Nachfragen bleiben unbeantwortet, der Mann behauptet, er habe sein Gedächtnis verloren. Am nächsten Morgen wird in der Scheune nahe des Ausstellungsraumes ein Toter gefunden. Es handelt sich dabei um den Unbekannten vom vorigen Abend, sein Gesicht ist von einer Clownmaske verdeckt. Auf den ersten Blick scheint es, als hätte er sich selbst erhängt, doch die nähere Untersuchung ergibt, dass er ermordet wurde. Je tiefer Jimmy Perez und sein Kollege vom Festland graben, desto klarer wird es, dass die Lösung in der Vergangenheit zu suchen ist.

Wie schon im ersten Roman Die Nacht der Raben gelingt es der Autorin, die Atmosphäre der kargen und abgeschiedenen Umgebung in die Handlung einzubetten. Sie steigert diese sogar noch, indem sie den Mord in ein kleines Dorf auf der Insel verlegt, in dem nur eine Handvoll Menschen lebt, die sich schon von Kindheit an kennen. Anne Cleeves nimmt sich die Zeit, deren Beziehungen zueinander zu beschreiben, ebenso wie sie die Protagonisten Jimmy Perez und Fran Hunter tiefer beleuchtet. Wo im Vorgänger noch Fran eher im Vordergrund stand, da sie durch den Fund des Opfers persönlich involviert war, ist es dieses Mal Perez, von man mehr erfährt.

Das Motiv bleibt sehr lange im Dunkeln, fast ebenso lange wie die Spur zum Täter, der am Ende undramatisch und ebenso unerwartet enthüllt wird. Dabei schildert Ann Cleeves die Ermittlungsarbeit geruhsam und gleichzeitig lebendig. Im Vergleich zum Vorgänger bleibt die Spannung und Dramatik zwar minimal zurück, dennoch taucht man fast ebenso tief in die Geschichte ein, bis die letzte Seite gelesen ist.

Wer dieses Buch zur Hand nimmt, sollte schon anhand der Kurzbeschreibung wissen, dass hier kein atemloser Thrill geboten wird. Fans englischer Kriminalromane finden hier eine stimmungsvolle und besondere Geschichte, die nicht zum Einheitsbrei gehört. Die schon jetzt vorbestimmte Begrenzung auf ein Quartett ist positiv zu werten, um den Plot nichts in Unrealistische abdriften zu lassen. Denn wie viele Morde passieren eigentlich durchschnittlich auf einer kleinen Insel?

Sabine Reiss, Dezember 2008

Ihre Meinung zu »Ann Cleeves: Der längste Tag«

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Nomadenseele zu »Ann Cleeves: Der längste Tag« 06.05.2010
Die Krimis von Ann Cleeves sind sehr einfach und schnell zu lesen (ca. 100 Seiten / Stunde), und am Anfang habe ich immer einen regelgerechten Leseschwung, der dann rasch abflacht, bis ich mich zwingen muß, dass Buch zu lesen.
Das ist sehr seltsam, allerdings sind die Krimis auch eher Durchschnittskost für zwischendurch.

Fazit:
Routiniert geschrieben, aber man verpasst nichts, wenn man das Buch auslässt.
Krimi-Tina zu »Ann Cleeves: Der längste Tag« 01.02.2010
Jimmy Perez, der shetländische Polizist mit den fremden Vorfahren geht mit seiner Freundin Fran zu einer Ausstellung. Unter anderem ihrer Bilder. Dort taucht ein Fremder auf, der sich höchst merkwürdig benimmt. Derselbe Fremde wird kurz Zeit später erhängt aufgefunden.
Nach dem kalten und finsteren Winter in Shetland nun also der Sommer mit seinen „weißen Nächten“ in denen die Sonne nie untergeht und die alle ein bisschen verrückt machen.
Kein Wunder also, dass ein Verbrechen geschieht. Aber wer könnte diesem völlig Fremden etwas Böses wollen? Jimmy Perez und sein Kollege Taylor aus Inverness haben es nicht leicht mit diesem Fall.
Auch bei diesem Buch zeigt Ann Cleeves ihre große Stärke, einem Shetland näher zu bringen. Landschaft und vor allem Leben sind schon sehr speziell soweit im Norden und ich bin jedes Mal zusammengezuckt wenn die Kollegen aus Inverness, was für den durchschnittlichen Mitteleuropäer bereits unglaublich weit nördlich liegt als „die aus dem Süden“ bezeichnet wurden.
Taylor der Kollege aus dem Süden gewinnt in diesem Buch deutlich mehr Konturen, im ersten Band wirkte er auf mich mehr wie ein hyperaktiver Schattenriss. Perez macht sich wiederum um alles und jedes Sorgen, hat aber mit seiner stillen Art oft mehr Erfolg bei den Bewohnern. Insgesamt ist die Story inklusive der Auflösung weitaus schlüssiger und überzeugender als im ersten Band, auch wenn die Aufklärung wiederum etwas überhastet daherkommt.
Gefällt mir deutlich besser als der Erstling. Mag auch ein bisschen daran liegen dass diesmal Sommer ist aber sicher nicht nur
Casa Rosa zu »Ann Cleeves: Der längste Tag« 08.09.2008
Spannung versteht jeder eben anders. Aber Ann Cleeves versteht es alleine die Personen so lebendig werdeb zu lassen, dass ich gerne den halben Tag nur gelesen habe. Allein´die Beschreibung der Landschaft mit den nicht endenen Tagen bringen mir den Urlaub ins Haus. Ich bin so fasziniert dass ich dort hinfahren möchte.

Und ich wiederhole mich...für den der etwas mehr Gemetzel und blutiges Geschehen erwartet ist dieses Buch nichts. Jimmy Perez lebt auf der Insel und dadurch werden Ermittlung und Leben miteiander verwoben, weil dort sicher auch nicht eins ganz konsequent vom anderen getrennt werden kann.
heinz zu »Ann Cleeves: Der längste Tag« 22.08.2008
Ja, rasend spannend war das Buch wrklich nicht. Man ist sich auch bald sicher wer der Mörder ist, und zwar so sicher, dass er es unmöglich sein wird.
Wenn man den Krimi aber als Draufgabe sieht, dann ist es ein wunderschöner, kostengünstiger Urlaub auf den Shetland Inseln. Mit nie endenden Tagen und alles was dazu gehört.
MissLizzie zu »Ann Cleeves: Der längste Tag« 15.07.2008
Ein - im Großen und Ganzen - durchschnittliches Buch.

Die Idee des Plots ist an sich recht originell.

Cleeves schaffte es aber dennoch nicht mich mit ihrer Geschichte zu überzeugen:
Der Ermittler Perez ist mehr mit seinen Gefühlen zu Fran Hunter, als mit dem Fall beschäftigt.
Zudem gestalten sich die Gespräche bzw. "Verhöre" oft langatmig. Meist stehen die Persönlichkeiten der Verdächtigen mehr im Vordergrund als der Mordfall.
Daher wirkt das Buch oft sehr langatmig.

Auch mit einer überraschenden Auflösung konnte mich die Autorin nicht mehr vollends versöhnen.
Mein Fazit:
Das Buch ist nicht zuletzt aufgrund der flüssigen Sprache - trotz aller Längen- durchaus schnell gelesen. Wer also eine schnelle Bettlektüre sucht, ist mit "Der längste Tag" gut bedient, sollte jedoch nicht zu viel erwarten.
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