Hello Kitty muss sterben von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2010
unter dem Titel Hello Kitty must die,
deutsche Ausgabe erstmals 2010
bei Luchterhand.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Kalifornien, 1990 - 2009.
- Madison: Tyrus, 2010 unter dem Titel Hello Kitty must die. 320 Seiten.
-
München: Luchterhand, 2010.
Übersetzt von Ute Brammertz.
ISBN:
978-3630873398.
'Hello Kitty muss sterben' ist erschienen als
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In Kürze:
Eine junge Chinesin in San Francisco: Den Traditionalismus ihrer Eltern im Kreuz und die Herausforderung totaler Freiheit vor sich, trifft Fiona Yu einen alten Schulfreund wieder, der sich vom Außenseiter zum eleganten Serienkiller gemausert hat. Gemeinsam erleben sie eine rasante Zeit jenseits aller gängigen Klischees von Leidenschaft und Sex. Dass eine gehörige Zahl von Menschen für diese Vision mit dem Leben bezahlt, ist es ihnen wert.
Der Luchterhand Literaturverlag, München, wagt es, eine neue Autorin aus den Staaten mit ihrem Erstling Hello Kitty must die in der Übersetzung von Ute Brammertz und in knalligem Hello-Kitty-Pink-Outfit mit Totenkopf auf den deutschen Krimileser loszulassen.
Dabei ist Hello Kitty muss sterben alles andere als ein Krimi, aber die tödlichen Neigungen der Protagonistin Fiona Yu prädestinieren diese bitterböse Abhandlung über den American Way Of Life bestens für eine Empfehlung auf der Krimi-Couch.
Im Rennen um den besten ersten Satz in einem mörderischen Schriftstück kann »Es fing alles mit meinem fehlenden Jungfernhäutchen an.« schon mal ordentlich Interesse wecken. Und Fiony Yu, die Elitejuristin chinesischer Abstammung, ist selbst daran schuld, dass ihr besagter Unschuldsbeweis fehlt, hat sie ihn doch eigenhändig entfernt, um den permanenten Verheiratungsversuchen ihrer Eltern zu entgehen. Aber jetzt hätte sie dann doch gerne wieder die alte Unversehrtheit wieder hergestellt und wendet sich an einen plastischen Chirurgen, der als anerkannter Fachmann auf dem Sektor der erneuerbaren Jungfräulichkeit gilt. Welch unerwarteter Zufall, dass genau dieser Arzt ihr Beschützer während ihrer Schulzeit war, der sich unter Anderem dadurch auszeichnete, dass er einer von Fionas Konkurrentinnen in der Klosterschule die Haarpracht in Brand steckte.
Und auch in der jetzigen Situation, in der Fiona beruflich und privat diverse Probleme mit ihrer Umwelt hat, weiß der alte Schulfreund genau, wie man sich gewisser Personen unauffällig aber todsicher entledigt. Dass Fiona dabei die Annehmlichkeiten effektiver Entsorgungspraktiken zu schätzen und anzuwenden lernt, gibt dem Verhältnis zwischen den ungleichen Freunden erst den richtigen Kick.
Die Autorin Angela S. Choi, deren Lebenslauf dem ihrer Romanfigur Fiona Yu verblüffend ähnelt, schreibt sich den Hello Kitty-Frust über den Kontrast zwischen amerikanischen Chinesen, die chinesischer sind als ihre Vorfahren in Fernost, und dem Businessalltag im Anwaltsbüro mit einer schnodderig leichten Sprache von der Seele, wobei Aussagen wie »Jeder muss mal sterben. Vor allem die Blonden und Hübschen.« fast schon sexistischer sind, als es jeder Mann zu schreiben wagte.
Fiona Yu und ihr Freund sind in ihrem Bestreben, die Welt von unnötigem Menschenballast zu befreien, schwärzer beschrieben, als es Jeff Lindsays tödlicher Laborkriminalist Dexter Morgan (Des Todes dunkler Bruder und mehr), jemals gewesen ist. Allerdings kommt im gesamten Verlauf von Hello Kitty muss sterben kein einziger Kriminalist vor und es ist auch nirgendwo das Bestreben zu verspüren, dass hier irgendein Todesfall unbedingt geklärt werden müsste. Von daher fehlt dem gesamten Roman über weite Strecken jegliche Spannung.
Das gesamte 285 Seiten-Werk lebt von den Sprüchen, die Frau Choi aus den Ärmeln schüttelt und der witzigen Idee, wie sich die Entwicklung ihrer Charaktere zugespitzt hat. Spätestens ab der Mitte beginnt dann aber die ständige Wiederholung chinesischer Hochzeitssitten und ihre Vermeidung auch dem abgebrühtesten Leser auf die Nerven zu gehen. Und da fehlt es der Geschichte am nötigen Dampf, um den Leser bei der Stange zu halten.
Dunkelschwarze Satire allein ist noch kein Erfolgsrezept, aber es ist eine gute Basis, um noch weitere mörderische Gedankenspiele mit Fiony Yu zu treiben, die samt und sonders mindestens so telegen wären, wie es die zweiterfolgreichste amerikanische Serie »Dexter« mittlerweile ist.
Wie weit die Autorin an neue Verstrickungen ihrer Romanheldin denkt, war von der Webseite nicht zu erfahren, aber mit etwas mehr Konzentration auf Handlung und Spannungsbogen könnte mit Fiony Yu eine mörderisch sympathische Kultfigur entstehen.
Wolfgang Weninger, Februar 2011
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| Buboter zu »Angela S. Choi: Hello Kitty muss sterben« | 02.08.2011 |
|---|---|
| tedesca zu »Angela S. Choi: Hello Kitty muss sterben« | 09.02.2011 |
