Goldener Reis von Andy Oakes

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Citizen One, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: China, 1990 - 2009.
Folge 2 der Sun-Piao-Serie.

  • Sawtry: Dedalus, 2007 unter dem Titel Citizen One. 360 Seiten.
  • München: dtv, 2008. Übersetzt von Sophie Kreutzfeld. ISBN: 978-3423210560. 360 Seiten.

'Goldener Reis' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Kaum ist Kommissar Sun Piao aus der psychiatrischen Klinik in Ankang entlassen, wird er von seinen ehemaligen Kollegen in einen Mordfall hineingezogen: Piaos Freund Inspektor Di sowie dessen Assistent sind getötet, gleichsam hingerichtet worden. Sie hatten in einer Mordserie ermittelt, in der man die Leichen von drei Prostituierten im neuen Pekinger Nationalstadion gefunden hat, allesamt in einer Hetzjagd mit Rasierklingen verstümmelt und vergewaltigt; ein viertes Opfer hat knapp überlebt und liegt mit schweren Schnittverletzungen im Krankenhaus. Immer mehr Indizien weisen darauf hin, dass Eliteoffiziere der Volksbefreiungsarmee in die Sache verwickelt sind. Doch was steckt hinter den Morden? Haben Kommissar Sun Piao und Inspektor Yaobang eine Chance gegen die einflussreichsten Kader des Landes, die vor keiner Grausamkeit zurückschrecken, um ihre Ziele zu erreichen?

Das meint Krimi-Couch.de: »Lange hat es gedauert: Endlich ist der charismatische Ermittler Sun Piao wieder da« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

In einem Betonfundament des Nationalstadions, in dem in Kürze die Olympischen Spiele 2008 stattfinden sollen, werden die Leichen mehrerer junger Frauen gefunden. Inspektor Di übernimmt die Ermittlungen. Schon seit einiger Zeit werden junge Frauen in Shanghai gejagt, mit Rasierklingen verstümmelt, vergewaltigt und getötet. Doch noch bevor Di seine Ermittlungen richtig aufnehmen kann, erhält Polizeichef Zoul einen Anruf, den Fall an die Volksbefreiungsarmee abzutreten, wo anschließend die Ermittlungen eingestellt werden sollen. Führende Offiziere der VBA sind offensichtlich an den Verbrechen beteiligt.

Fast zur gleichen Zeit wird Hauptkommissar Sun Piao aus Ankang, einer psychiatrischen Anstalt entlassen, die für ihre brutalen Methoden ähnlich einem Gefängnis berüchtigt ist. Kaum zurück in Shanghai erfährt Sun, dass er nicht zurück zur Mordkommission, sondern stattdessen im Sittendezernat eingesetzt werden soll. Als er dieses mit seinem Partner Pan Yaobang aufsucht müssen die beiden entsetzt feststellen, dass das Sittendezernat vor rund einem Jahr geschlossen wurde.

»In der Volksrepublik gibt es keine Laster, Hauptkommissar. Genauso wenig wie Armut. Oder Klassen. Oder Serienmörder. Hat man ihnen das nicht gesagt? Es ist offiziell. Das Politbüro hat es festgestellt.«

Einen Tag später jedoch ist das Sittendezernat wieder eingerichtet und prompt werden Sun und Pan zu einem Einsatz gerufen. Zu ihrer Bestürzung finden sie allerdings die Leichen ihres ermordeten Kollegen Di und von dessen Partner. Mit zahlreichen Nägeln auf einen Holzfußboden »gefesselt«, wurden sie anschließend mit einem Schweißbrenner gefoltert. Sun und Pan ermitteln also wieder in einem Mordfall und stören schon bald einflussreiche Kader der Führungsspitze des Landes. Sie geraten in ein wahres Wespennest aus Prostitution und Korruption, doch dies ist nur die Spitze des Eisberges. Dank ihrer Recherchen gelingt es schon bald, den für die Morde an den jungen Frauen und den beiden Polizisten verantwortlichen Offizier der VBA festzunehmen. Allerdings nur für kurze Zeit, danach darf er aufgrund seiner weit reichenden Beziehungen das Polizeipräsidium schon wieder als freier Mann verlassen …

Ein Land im Griff der Korruption. Grandioser Schluss(-satz)

Andy Oakes hat sich Zeit gelassen, seinen charismatischen Ermittler Sun Piao nach dessen Debüt in Drachenaugen wieder auf die Mächtigen Chinas und damit gleichzeitig auf die wartende Leserschaft loszulassen. Wieder einmal kennt Sun nur einen Weg, den geradeaus, egal wie dick die Mauer vor ihm auch sein mag. Er braucht weder Schlaf noch Essen, ein paar Tsingtao-Biere und mehrere »China Brands« (Zigaretten) reichen zum Arbeiten. Zwischendurch vereinzelt ein Tässchen Tee oder einen Teigballen und schon geht’s weiter. An seiner Seite der Riese, sein kongenialer Partner Pan Yaobang, der sich meist auf recht einfache Art und Weise durchzusetzen weis.

»Unser Hauptkommissar Sun ist ein gefährlicher Mann. Ein Mann, der das gesamte Schwimmbecken leeren lässt, wenn ein einziger reingepinkelt hat.«

Bild- und sprachgewaltig geht der Autor ans Werk und sorgt so neben einer packenden Handlung auch für einen kurzweiligen Unterhaltungswert. Neben einer anspruchsvollen Geschichte, in der zahlreiche Themen untergebracht sind, erfährt man in vorgestellten Kapiteln auch viel Wissenswertes über die nicht ganz so lupenreine Demokratie Chinas, in der die Armee über eine fast uneingeschränkte Machtfülle verfügt. Sorgfältig wird aufgezeigt wie das System funktioniert und wieweit Korruption und politische Intrigen das Land in ihrem Würgegriff haben. Und dies alles nur für ein paar Körner Reis möchte man sagen, denn der – seltsam übersetzte – deutsche Titel (der englische Originaltitel lautet Citizen One) deutet dies ja bereits an. Doch lesen sie selbst, was es mit der Pflanze Oryza sativa auf sich hat.

»Ihre Rolle ist ganz einfach. Sie finden eine Weg, die Scheiße in den Pferdehintern zurückzubugsieren. Oder Sie finden heraus, wie sich der Wille der Volksrepublik in Form einer Gewehrkugel manifestiert.«

In Goldener Reis begegnen Sie zudem des Öfteren dem Großen Steuermann (Mao Zedong) und erfahren u. a. wofür ein Darlehen der Weltbank an China im Jahr 1999 verwendet wurde. Jedenfalls wurden die 200 Millionen Dollar nicht für jene Reformen verwendet, für die sie ursprünglich vorgesehen waren. So ist dieser Roman nicht nur ein spannender (Polit-)Thriller, sondern kommt angesichts der Olympiade 2008 gerade recht. So muss ein Gastgeberland aussehen, könnte man am Ende des Romans zynischer Weise anmerken, doch dann wartet Andy Oakes noch mit einem besonderen Schlag in die Magengrube auf. Die letzte Seite, der letzte Satz, ist ein finaler Paukenschlag vom Allerfeinsten.

Jörg Kijanski, Mai 2008

Ihre Meinung zu »Andy Oakes: Goldener Reis«

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Stephan Palim zu »Andy Oakes: Goldener Reis« 19.07.2010
Ich habe das Buch nicht zuende gelesen, weil es mir zu brutal und zu blutig war. Kann nicht verstehen, daß irgendwer solche detaillliert ausformulierten Folterphantasien gerne liest.

Mehr was zum Lachen sind dagegen die ständigen bemühten Analogien, echt pseudopoetisch ;-)

"... Gemüse, so sauer wie die Nachricht, die er erwartete..."

"Gesprächsfetzen, Gelächter, lautstarker Ärger überlagern sich wie die Erdschichten einer Ausgrabung."

" Seine Hände schwitzten und fühlten sich an wie eine knochige Auster""... dessen Wasser so grau wie ein Geburtstag ohne Geschenke."

"Lampen hingen an den Schnüren wie an Spinnennetzen"

"warm wie der Kuss einer Geliebten strömte das Blut aus der Wunde..."

Fazit: mir hat das Buch leider überhaupt nicht gefallen :-)
Natascha zu »Andy Oakes: Goldener Reis« 19.11.2008
Goldener Reis ist ein sehr unterhaltsamer Thriller. Spannende Handlung und gut erzählt. Als Reiseliteratur für eine Zugfahrt durch Vietnam war das Buch wirklich super.

Aus Sicht einer Sinologin muss ich allerdings die Transkription kritisieren. Darüber bin ich beim Lesen sehr oft gestolpert, weil sie einfach meistens falsch ist. Das hätte man besser machen können, stört aber sicherlich niemanden, der nicht Chinesisch spricht.

Auch nicht so ganz korrekt sind einige Schilderungen des gesellschaftlichen Lebens, dass im Buch einfach immer noch zu stark vom Kommunismus geprägt ist. Das mag zwar bei machen Menschen so sein, entspricht aber absolut nicht der breiten Masse. Das ist eher ein Bild der 80er und 90er Jahre, entspricht aber ganz bestimmt nicht dem derzeitigen Shanghai.

Sehr passend fand ich die Schilderung der Prinzlinge (Taizi), denn die gibt es und diese Leute haben in China wirklich Narrenfreiheit.

Alles in allem ist Goldener Reis ein empfehlenswertes Buch.
Auer R. zu »Andy Oakes: Goldener Reis« 02.09.2008
Ich habe beide Bücher mit dem Kommisar Sun Piao gelesen. Wenn ich nicht eine chinesische Ehefrau hätte, würde ich glauben, dass alles nicht wahr ist was über das Land und die herrschenden Parteikader geschrieben wird. Da ich aber diese Information von meiner Frau habe, weiss ich, dass diese Schilderung über das System und deren Machenschaften leider nur zu wahr sind. Ich hoffe, dass Andy Oakes noch mehr Bücher mit dem chinesischen Kommisar schreibt. Man kommt nicht mehr von den Buchseiten los. Danke für die tolle Lektüre.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bruno Fischer zu »Andy Oakes: Goldener Reis« 03.06.2008
Schon auf Seite 93, da lese ich im Augenblick, muss ich sagen: großartig wie mir die Augen geöffnet werden für und über dieses moderne China.Bis jetzt: Die Story ist gut, die sprachliche Gestaltung ist sehr gut, die informative Intention des Romans ist geschickt angelgt. Im Ganzen: "Goldener Reis "W ist ein großartiges Menue für Krimileser.
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Kallisto73 zu »Andy Oakes: Goldener Reis« 26.05.2008
Ein erstklassiges Buch. Ich will auf den Inhalt nicht eingehen, um niemandem die Spannung zu nehmen. Nur so viel: Wer Interesse an sich langsam entfaltenden Geschichten hat, die noch dazu wirklich spannende Einblicke in eine andere Kultur vermitteln (es gibt eingeschobene Kurzkapitel mit Informationen zu Chinas politischer und sozialer Situation), der ist hier genau richtig!
Auch von der Übersetzung und vom Lektorat her eine sehr gute Arbeit (nur sehr, sehr wenige Fehler).
93 Grad.
Franziska Lischer zu »Andy Oakes: Goldener Reis« 30.03.2008
Hervorragend, faszinierend, einzigartig geschrieben und spannend bis zur letzten Seite. Ich lese seit Jahren Krimis von allen möglichen Autoren; etwas besseres als Andy Oakes mit seinen 'Drachenaugen' und dem 'Goldener Reis' habe ich noch nie, wirklich noch nie gelesen. Ich hoffe ganz fest, dass Sun Piao mit seinem Assistent wieder zurückkehrt.und zwar bald.
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Thomas zu »Andy Oakes: Goldener Reis« 26.03.2008
Wem Drachenaugen gefiel, der wird Goldener Reis lieben. Die Morde in ihrer Ausführung zwar sadistisch, jedoch nicht voyeuristisch beschrieben, die Atmosphäre lebensnah und mit viel Hintergrundwissen vermengt, die Protagonisten sympatisch und der Schreibstil ungemein flüssig kann man dieses Buch, einmal angefangen, nicht mehr aus der Hand legen. Diese Serie, sie lebe hoch (und hoffentlich noch lange weiter!).
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