Drachenaugen von Andy Oakes

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel Dragon's Eye, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: China / Shanghai, 1990 - 2009.
Folge 1 der Sun-Piao-Serie.

  • Sawtry: Dedalus, 2003 unter dem Titel Dragon's Eye. 520 Seiten.
  • München: dtv, 2004. Übersetzt von Sophie Kreutzfeldt. ISBN: 3423244348. 520 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2006. Übersetzt von Sophie Kreutzfeldt. ISBN: 978-3828977563. 510 Seiten.
  • München: dt, 2006. Übersetzt von Sophie Kreutzfeldt. ISBN: 978-3423209250. 510 Seiten.

'Drachenaugen' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Shanghai. Die acht zusammengeketteten Leichen – sieben Männer und eine Frau – im Schlamm des Huangpo sind noch nicht lange tot. Aber jetzt will niemand mehr etwas von ihnen wissen. Selbst der Polizeipathologe weigert sich, sie untersuchen zu lassen. Kommissar Sun Piao vom PSB muss einen Bekannten um Hilfe bitten, um sie sezieren zu lassen. Eine Autopsie, die der junge Arzt nicht überlebt, denn es gibt Kräfte, die eine Aufklärung des Falles um jeden Preis zu verhindern versuchen. Kommissar Piao weiß, dass er die Ermittlungen schleunigst einstellen sollte, aber er hat schon zu oft nachgegeben – und dann ist da noch diese schöne Amerikanerin, die nach ihrem spurlos verschwundenen Sohn sucht. Diesmal wird Sun Piao nicht tun, was seine Vorgesetzten von ihm verlangen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Für die einen Pflicht, für die anderen ein Muss« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

In Drachenaugen liefert Oakes anfangs eine ebenso wunderbar atmosphärisch dichte wie lange Einführung, in der zunächst zahlreiche Protagonisten vorgestellt werden. Bereits zu Beginn der ersten Seite tauchen acht Leichen auf, das endgültige Ergebnis der Obduktion aber wird bis auf Seite 279 (!) hinausgeschoben, wobei zwischendurch die Story gleichwohl rasant an Fahrt gewinnt und mit weiteren Toten garniert wird.

Die acht aneinandergeketten Leichen im Huangpu

Im Schlamm des Flusses Huangpu (Shanghai, China) werden acht aneinandergekettete Leichen gefunden. Sieben Männer, darunter zwei Weiße, und eine Frau. Eine Identifizierung erscheint schwierig, da den Opfern die Fingerkuppen abgeschnitten, das Gebiss herausgeschlagen und die Augen entfernt wurden. Als Kommissar Sun Piao und sein Partner Yaobang den Tatort besichtigen um die Ermittlungen aufzunehmen, werden sie schnell von dem Genossen Zhiyuan, dem örtlichen Parteivorsitzenden, zur Rede gestellt. Er ermahnt Piao eindringlich, die Ermittlungen einzustellen, da diese Sache der Partei seien.

»Aha. Die Untersuchung der Partei. Ich verstehe. Ich hatte fälschlicherweise geglaubt, dass ich diese Untersuchung leite. Nächsten Monat muß ich meine Gehaltsabrechnung kontrollieren. Ich möchte nicht, dass die Partei mich für eine Arbeit bezahlt, die ich nicht ausführe.«
»Sie haben einen ´fetten Posten´ und sind jahrelang für das Nichtstun bezahlt worden, Kommissar Piao.«

Auch der zuständige Gerichtsmediziner Dr. Wu weigert sich beharrlich, die Leichen näher zu untersuchen. Als Piao daraufhin versucht, die Leichen in den umliegenden Krankenhäusern obduzieren zu lassen, stößt er ebenfalls auf Ablehnung. In seiner Not wendet sich Piao an den Bruder seines Partners, den Medizinstudenten Pan Yaobang. Er soll die Obduktion in der Lagerhalle einer Fleischfabrik, die Piaos Vetter Cheng gehört, durchführen.

Nachdem auf diese Weise erste Ergebnisse ermittelt werden, wird Piao zu Polizeichef Liping zitiert, dessen Vetter Khan Zhu, Minister für Öffentliche Sicherheit, in den Fall verstrickt zu sein scheint. Nachdem Piao seinem Chef Liping einen Zwischenbericht abgeliefert hat, erklärt dieser: »Sobald tote ´Großnasen´, insbesondere Amerikaner, im Spiel sind, bekommt so ein Fall eine politische Dimension.« Doch in Piaos Bericht war von Amerikanern gar kein Rede …

Das Gespräch mit seinem Chef wird indes jäh durch den Anruf Yaobangs unterbrochen, denn die Fleischfabrik brennt lichterloh. Als Piao am Tatort eintrifft, riskieren Piao und Yaobang ein Betreten der verkohlten Räume und finden den toten Cheng sowie einen mit dem Fall betrauten Polizisten. Beide aufgehangen an einem Fleischerhaken.

Die amerikanische Regierungsbeamtin auf der Suche nach dem Sohnemann

Zur gleichen Zeit begibt sich die amerikanische Regierungsbeamtin Barbara, die »wichtige Verhandlungen mit Vertretern Chinas« führt, auf die Suche nach ihrem Sohn Bobby. Dieser arbeitet als Archäologe in Shanghai und ist seit einigen Tagen nicht mehr erreichbar. Als sie kurzentschlossen nach Shanghai reist, erfährt sie vom dortigen US-Botschafter, dass ihr Sohn offiziell nie in China gewesen sei. Dabei müsste Bobbys Universitätsprofessor Heywood dies widerlegen können, denn er hatte Bobby nach Shanghai geholt. Doch auch Heywood wird bereits seit zwei Wochen vermisst …

Nur keine Angst! Es passiert in diesem turbulenten Plot noch weitaus mehr als lediglich die Auflösung der beiden oben skizzierten Handlungsstränge.

Dabei garniert Oakes seine Handlung mit sehr detaillierten und kenntnisreichen Einblicken in das System Chinas, in dem das Individuum Mensch nur eine untergeordnete Rolle spielt. Auch China-Unkundige haben keine Schwierigkeiten den fremden Worten, Begriffen etc. zu folgen, da diese mitunter sehr detailliert erläutert werden. Hierdurch wird der Leser eindringlich in die fremdländische Atmosphäre versetzt.

Von Anfang bis Ende spannend, nur selten konstruiert

Der Spannungsbogen bleibt bis zur letzten Seite erhalten und wirkt nur selten konstruiert, wenngleich sich Oakes zeitweise bekannter dramaturgischer und genreüblicher Kniffe bedient. So werden zwar zahlreiche Zeugen frühzeitig beseitigt, gegenüber Kommissar Piao bleibt es aber (zu lange) lediglich bei verbalen Drohungen.

Nicht unerwähnt sollen abschießend die meines Erachtens einzigen Schwächen dieses überzeugenden Romans bleiben: Die Charaktere sind leider nicht überdurchschnittlich herausgearbeitet (lediglich die Hauptfigur, Kommissar Sun Piao, wird nachdrücklich mit Leben gefüllt) und die Schreibweise des Autors ist – zumindest anfangs – gewöhnungsbedürftig, da er vielfach kurze, abgehackte Sätze verwendet.

Fazit: Für Asien-Liebhaber ein Muss, für alle anderen Pflicht.

Ihre Meinung zu »Andy Oakes: Drachenaugen«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Helga Rink-Zander zu »Andy Oakes: Drachenaugen« 17.02.2016
Da ich schon viele Krimis gelesen habe, war ich zuvor sehr skeptisch, ob mir dieses Buch überhaupt gefallen wird. Aber, es hat mich von Anfang an gefesselt und ich habe es bis zum Schluss verschlungen!
Die Protagonisten gefallen mir sehr gut und der Schreibstil des Autoren hat auch ein Fenster zum zwinkern mit eingebot. Sehr gut gelungen und ich empfehle es weiter!
Juergen zu »Andy Oakes: Drachenaugen« 02.04.2009
Der Kriminalroman "Drachenaugen" von Andy Oakes beginnt absolut klassisch: Bereits auf der ersten Seite findet man die acht zusammengeketteten Leichen.
Die Widerstände denen sich Kommissar Sun Piao entgegenstellen muss, zeigen sich bereits am Anfang als selbst der Pathologe die Untersuchung der Leichen verweigert. Diese Hindernisse werden immer höher - und von mal zu mal zeigt sich, daß er schleunigst alle Ermittlungen einstellen müsste um seinen eigenen Hals zu retten.
In wunderbar düsterer Atmosphäre beschreibt Andy Oakes den Weg Sun Piaos durch den Sumpf einer Gesellschaft in der es innerhalb jeder gesellschaftlichen Schicht lediglich um den eigenen Vorteil geht - dies ohne Rücksicht auf Verluste. Nur Sun Piao und sein mitleidender Kollege scheinen am Rande dieser Herrschaftsgesellschaft zu stehen: Sie lassen sich nicht unterkriegen und versuchen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln den oder die Mörder zu fassen.
Fulminant beschreibt Oakes sämtliche Facetten der extrem brodelnden Stadt Shanghai. Parallel zur eigentlichen Handlung vermittelt er dabei unglaublich viel wissenswertes über diverse Eigenheiten in der chinesischen Kultur. Vieles davon ist für unseren Kulturkreis sehr schwer nachvollziehbar, lässt aber die Authentizität der Geschichte am Leben.
"Drachenaugen" schien mir als relativ üblicher Kriminalroman - Man kennt das ja: Mord - Kommissar - Ermittlungen - Mörder gefasst.
"Drachenaugen" kann jedoch mit diesem Schema nur "angekratzt" werden.
Andy Oakes geht in seinem Roman von der beginnenden Ermittlung im Drogenmilieu über Attentate hinweg zu politischen Dimensionen und Mächten, die den Kommissar zu erdrücken scheinen. Dies gleichzeitig mit einer Beziehung zu einer Stadt, die zwischen Liebe und Haß gleichermaßen zu pendeln scheint. Die detailreiche Darstellung führt den Leser direkt hinein in das Geschehen und man hat bisweilen das Gefühl mit Sun Piao im Auto zu sitzen, sowie alle Hochs und Tiefs des Kommissars am eigenen Leib mit zu erleben. Außerdem ist mit Sun Piao eine sehr sympathische neue Figur entstanden, die vom Leben gebeutelt trotzdem seine Ideale hochhält und das gute im Menschen sucht.
Somit ein absolut empfehlenswerter Kriminalroman, der auch genrefremde Leser mit Leichtigkeit überzeugen kann.
Bin gespannt ob noch folgende Sun Piao-Romane diesem hohen Anspruch erneut gerecht werden können.
Ich hoffe es...
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Kallisto73 zu »Andy Oakes: Drachenaugen« 29.08.2008
Dies ist mein zweites Buch von Andy Oakes (Goldener Reis hatte ich zuerst gelesen, obwohl es chronologisch auf Drachenaugen folgt). Während ich Goldener Reis ausgezeichnet fand, ist für mich Drachenaugen nur gute Durchschnitt [65 Grad]. Man merkt, daß es ein Erstling ist. Gegen Ende hätte man gut 50 Seiten streichen können (und nein, ich mag lange Bücher und würde bei Stieg Larsson nicht eine einzige Seite missen wollen). Auch fand ich die Vermischung von Organhandel und Kunstraub und die Zufällige Einheit der Täter mehr als unglaubwürdig.
Hier hat Oakes zu viel gewollt. Aber er hat ja noch geübt. Vielversprechender Anfang, Goldener Reis war dann die lohnende "Beute".
Easy zu »Andy Oakes: Drachenaugen« 23.03.2008
Ich lese viele Krimis und hatte auch schon so einiges was mir nicht zusagte,
aber dieses Buch ist einfach spitze.
Gleich mit dem Anfang, der Fund der acht Leichen, wurde mein Interesse geweckt.

Die Spannung steigt immer mehr bis zum Schluss.
Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen bis ich es durchgelesen hatte.

Einfach SUPER!
Hans zu »Andy Oakes: Drachenaugen« 30.11.2007
Ich bin kein begeisterter Leser, doch diese Buch hat mich vom Anfang bis zum Ende Gefesselt. Der Weg den die Hauptfigur gehen muss war so detailiert und gefühlsecht beschrieben, dass ich selbst zusammenzuckte als diese im Verlauf des Romans mehrfach verletzt wurde.

Für mich eines der besten Bücher überhaupt!
Elke Zimmermann zu »Andy Oakes: Drachenaugen« 14.05.2007
Das war einer der spannendsten und interessantesten Krimis, den ich je gelesen habe. Ausserdem ließ er tief in chinesische Verhältnisse wie, Organ- und Rauschgifthandel, Korruption, Gewaltbereitschaft, Alltag in China und vieles mehr blicken. Warte schon lange, dass Andy Oakes etwas Neues herausbringt.
Wolle zu »Andy Oakes: Drachenaugen« 11.01.2007
Einer der besten Krimis, die ich in den vergangenen Jahren gelesen habe. Die Geschichte basiert auf einer nachvollziehbaren realistischen Story, die Sprache ist wunderbar, die chinesischen Sprüche mit einem großen Augenzwinkern sehr erheiternd.
Anja S. zu »Andy Oakes: Drachenaugen« 29.12.2005
Ein chinesischer Noir mit duesterer Atmosphaere!!! Sehr spannend, etwas eigenwilliger Sprachstil, gut recherchiert und zumindest was die Menschenrechtsverletzungen in China betrifft, auch sehr realistisch.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
marisa zu »Andy Oakes: Drachenaugen« 05.08.2005
Ein überaus spannend und sehr gut geschriebenes Buch. Es ist nach wie vor erschreckend zu lesen, wie Menschen von der Chinesischen Regierung unterdrückt , misshandelt und benutzt werden. Trotz der Grausamkeiten vergisst Oakes die Kultur nicht und verbindet beides zu einem fesselnden Krimi. Spitzenmässig !
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ihr Kommentar zu Drachenaugen

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: