Der Gesang des Blutes von Andreas Winkelmann

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Der Gesang des Scherenschleifers, bei Neuer Europa Verlag.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Norddeutschland, 1990 - 2009.

  • Leipzig: Neuer Europa Verlag, 2007 unter dem Titel Der Gesang des Scherenschleifers. ISBN: 978-3866959408. 272 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2013. ISBN: 978-3-499-26666-9. 288 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Audible, 2013. Gesprochen von Simon Jäger. ungekürzte Ausgabe, Hörbuch-Download.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2013. Gesprochen von Simon Jäger. autorisierte Lesefassung. ISBN: 3839812461. 6 CDs.

'Der Gesang des Blutes' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Eine junge Familie erfüllt sich einen Lebenstraum und zieht in eine wunderschöne alte Villa in der Nähe von Hamburg aufs Land. Doch schon bei der Renovierung bemerkt Kristin, die junge Mutter, dass mit dem vermeintlichen Traumhaus etwas nicht stimmt. Trotz des beträchtlichen Alters des Gebäudes scheint niemand etwas über die Geschichte des Hauses zu wissen. Die Bewohner des Dorfes hüllen sich in Schweigen. Als Mike, der Vater der kleinen Familie, von einem Bankräuber erschossen wird, bricht für Kristin eine Welt zusammen. Ihre Mutter Ilse zieht mit in das Haus am Waldesrand, in dem es zu spuken scheint. Kristin wird nachts von Träumen heimgeholt, die sich alle um einen Scherenschleifer drehen. Als auch Ilse fast zu Tode kommt, können die Bewohner des Dorfes die junge Witwe und ihre Tochter Lisa nicht länger in ihr Verderben laufen lassen. Die Ereignisse überschlagen sich. Was ist nur mit dem Haus? Welche furchtbaren Geheimnisse birgt der alte Keller? Zwei zu Anfang völlig voneinander getrennt scheinende Handlungsstränge werden auf geschickte Weise zusammengeführt und erzeugen Gruselspannung von der ersten bis zur letzten Seite.

Das meint Krimi-Couch.de: »Alpträume in einem kleinen Häuschen« 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Tom muss Kristin ein wenig überzeugen, denn ihr ist das Haus irgendwie unheimlich, vor allem der merkwürdige Keller. Doch dann geht der lang gehegte Traum vom eigenen Häuschen auf dem Lande endlich in Erfüllung. Kurz nach dem Einzug passiert jedoch ein Unglück, Tom gerät zufällig in einen Banküberfall und wird dabei getötet. Für Kristin bricht daraufhin ihre heile Welt zusammen – und eine schwierige Zeit beginnt. Sie hat scheinbar unüberwindliche Probleme, ohne Tom in der Realität zurecht zu kommen. Und wird zudem auch von Alpträumen gequält, in denen sie immer wieder ein Lied hört. In dem bekannten Reim geht es um einen Scherenschleifer, der einst über Land zog. Von den freundlichen Dorfbewohnern bekommt sie viel Unterstützung, und auch ihre Mutter zieht vorübergehend zu ihr aufs Land. Doch immer wieder hört sie das gleiche Lied. Hanna, die Besitzerin eines kleinen Dorfladens, erzählt Kristin dann auch noch, dass es in dem Haus einst eine schreckliche Tragödie gab. Niemand ahnt, dass es auch für Kristin in diesem Haus  bald um Leben und Tod geht.

Visionen und Rätsel

»Der Gesang des Blutes« ist eine Neuauflage des bereits vergriffenen Debut-Romans von Andreas Winkelmann, »Der Gesang des Scherenschleifers« von 2007. Es war für mich die erste Lektüre eines Buches von Andreas Winkelmann, der schon bei diesem Debut gezeigt hat, dass er ein guter Geschichtenerzähler ist. Allerdings muss man zunächst feststellen, dass dieses Buch kein klassischer Kriminalroman ist, sondern auch durchaus als Mystery-Thriller eingestuft werden könnte. Wenn man das nicht mag, sollte man gleich die Finger von dem Buch lassen, denn hier geht es nicht nur um Alpträume, sondern auch um Visionen, Rätsel und handfeste Phantastik. Das Leben der Protagonistin wird in weiten Teilen von diesen Dingen bestimmt, was für die enorme Spannung allerdings sehr förderlich ist. Wer sich also auf dieses Buch einlässt, wird mit guter und wirklich spannender Unterhaltung belohnt.

Eine geschickte Mischung

Es gibt dann nämlich noch einen zweiten Handlungsstrang, in dem es um den Verbrecher Robert Stolz geht. Die beiden Erzähl-Ebenen laufen lange nebeneinander her, und man fragt sich, wie der Autor das verknüpfen will. Kristin und Robert treffen sich dann zu einem späten Zeitpunkt, und bis dahin ist bei dem Klein-Kriminellen einiges an Brutalität und Action angesagt. Eine geschickte Mischung, die der Autor hier angerührt hat – und keine wirklich passende Lektüre zum Einschlafen. Das Zusammentreffen von Kristin und Robert wird geschickt arrangiert, und wirkt völlig glaubwürdig – was man als Leser allerdings auch erst zu diesem Zeitpunkt versteht. Mehr wird hier nicht verraten, aber der Plot insgesamt ist gelungen, und wenn man bedenkt, dass es sich um den Debut-Roman von Winkelmann handelt, finde ich das durchaus bemerkenswert.

Pluspunkte für die Nebenfiguren

Um das dörfliche Leben und die dortigen Figuren geht es auch in diesem Roman, und auch dieser Aspekt wird von Winkelmann geschickt eingebaut und angemessen geschildert. Beim Blick in die Vergangenheit, den die Dorfbewohner erst spät und überaus zögerlich gewähren, macht sich allerdings einiges an Fassungslosigkeit breit. Der Autor sammelt mit den interessanten Nebenfiguren einige Pluspunkte. Sie tragen nämlich zur stückweisen Auflösung der ganzen Rätsel bei. Das Haus und seine Geschichte,  das Drama um den Scherenschleifer und seine Folgen – hier wird Spannung aufgebaut, die den Leser ungemein fesselt. Man muss allerdings die Mystik-Anteile in diesem Thriller mögen, wer streng wissenschaftliche Beweisführung mit DNA-Analysen bevorzugt, wird sich doch eher abwenden. Am Ende wird es dann wieder hochdramatisch, Andreas Winkelmann trägt hier richtig dick auf – aber mir hat es ausgezeichnet gefallen.

Andreas Kurth, Dezember 2013

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Miriam Koch zu »Andreas Winkelmann: Der Gesang des Blutes« 07.04.2014
Was mir gut gefallen hat: Es wird eine gruslige Stimmung erzeugt; der Schnee, das Haus - das passt schon alles. Es ist schön schaurig. Mit der Hauptfigur kann man sich identifizieren. Und eine düstere Legende gibt es auch noch dazu. Zwei Handlungsstränge kommen mehr oder weniger gut zusammen, das war auch ganz nett.
Aber: es wird extrem viel drum rum geredet. Die Legende um den Scherenschleifer macht vielleicht 2 Seiten aus. Dazu gibt es dann gefühlte 200 Seite mit: "Wenn ich euch diese Geschichte erzähle, dann..." und "das ist eine so unglaubliche Geschichte, dass..." Es gibt endloses Gelaber um diese schaurige Geschichte, ohne dass jemand mal sagt, was eigentlich passiert ist. Das kriegt man dann noch schnell im Epilog mit. So von wegen "Wollt ihr es denn immer noch erfahren? Aber ich muss euch warnen..."
Mein Fazit: Wer wirklich viel Zeit hat, kann das Buch schon lesen. Aber es hat seine Längen und es wird sehr viel Lärm um eine sehr kleine Story gemacht, die überhaupt nicht in die Tiefe geht und nichts erklärt.
Torsten zu »Andreas Winkelmann: Der Gesang des Blutes« 19.03.2014
Ein Thriller mit Mystery- und Phantastikeinschlag, das hört sich gut an und Stephen King hätte aus der Idee auch bestimmt eine klasse Kurzgeschichte gemacht.
Leider hat Andreas Winkelmann das aber auf 335 Seiten auswalzen müssen und das war eindeutig zu lang.
Nachdem in aller Ausführlichkeit die Trauerarbeit von Kristin dargelegt wurde (ihr Mann hiess übrigens nicht Mike wie im ersten Abschnitt "In Kürze" oben geschrieben, sondern Tom), in ebenso epischer Breite immer wieder Stimmen und Lieder zu hören waren und der Roman so 250 Seiten lang Anlauf genommen hat, werden erst die letzten 85 Seiten ziemlich actionreich.
Leider ist schon von Anfang an recht deutlich absehbar worum es geht, schon bei der allerersten Beschreibung des Kellers kann man deutlich vorhersehen was es damit auf sich hat. Das ist dann so leidlich spannend erzählt, aber weder besonders gruselig noch spannend.
Gestört haben mich auch einige Fehler die der Autor in die Beschreibung von Orten oder Abläufen eingebaut hat , z.B. wenn ein Auto mit der linken Seite in ein anderes hineinkracht und sich dann später die Beifahrertür deswegen nicht öffnen lässt - die Geschichte spielt ja nicht in England.
Auch der Verlag scheint nur quergelesen zu haben, denn schon der Klappentext stimmt überhaupt nicht. "Die Dorfbewohner raten ihr, das neue Heim so schnell wie möglich zu verlassen" steht dort und das ist gerade nicht der Fall - im Gegenteil, sie drücken sich vor diesem Rat.
Auch das Lob vom KC-Rezensenten über die Dorfbewohner kann ich überhaupt nicht nachvollziehen - alle 3 Bewohner die überhaupt eine "Sprechrolle" haben, fand ich nicht besonders lebendig, sondern eher hölzern und nur dazu da die Vorgeschichte teilweise miterlebt zu haben und den Rest weitergeben zu können.
Was ich mich auch frage, ist warum der ursprüngliche Titel bei der Neuauflage geändert wurde - der alte passte eigentlich viel besser.
Insgesamt eher mau.
Inka zu »Andreas Winkelmann: Der Gesang des Blutes« 04.10.2013
Ich bin gerade mit der Neuauflage (Gesang des Blutes) fertig und bin etwas enttäuscht.

Mir persönlich kommen zuviele Gespenster und Mystery in diesem Roman vor.
Die Grundidee der Geschichte ist toll und ich werde in der nächsten Zeit mit etwas Zittern in den Keller gehen, aber mir wäre ein "logischeres" Ende lieber gewesen...
karen zu »Andreas Winkelmann: Der Gesang des Blutes« 01.03.2013
ich habe ALLE bücher gelesen. sie waren spannend vom anfang bis zum ende. das einzige buch was etwas anders ist, ist "HÖLLENTAL". ich, aus meiner sicht, finde es nicht so spannend wie die anderen bücher. ich bin sehr krank und habe viel zeit zum lesen. meine lieblings autoren, sind natürlich:
sebastian fitzek
karen rose
michale robotham
hjorten & rosenfeld
chris carter
anderas winkelmann
1 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
RolfWamers zu »Andreas Winkelmann: Der Gesang des Blutes« 03.04.2011
Es ist ja ein etwas vergiftetes Lob, wenn man dem Autor bescheinigt, dieser Erstling sei (bisher) das Beste, was er je geschrieben hat. Doch es stimmt. Hier hat Winkelmann offensichtlich lange an Plot und Geschichte gefeilt - heraus gekommen ist eine sehr spannende Mischung aus Gruselstory und modernem Thriller.
Ich prophezeihe: Man liest den "Scherenschleifer" nur ein einziges Mal, aber das mit großem Genuss.
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