Der Fluch der Sirte von Andreas Pittler

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Echomedia.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.

  • Wien: Echomedia, 2013. ISBN: 978-3902900203. 272 Seiten.

'Der Fluch der Sirte' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Wien im Hochsommer. Aus der Donau wird die Leiche eines Arabers gefischt. Bald stellt sich zweierlei heraus: Erstens, der Mann starb gewaltsam, zweitens, es handelt sich nicht um irgendeinen Gastarbeiter, sondern um eine Stütze des gestürzten Gaddafi-Regimes. Die Polizei beginnt mit den Ermittlungen, die schnell an Brisanz gewinnen, da die Liste derer, die mit dem Opfer Geschäfte machten, immer länger wird und in allerhöchste Kreise reicht. Vor allem ist da eine dubiose Stiftung, benannt nach dem Geburtsort des libyschen Revolutionsführers. Für Oberst Zedlnitzky und sein Team wird die Aufklärung des Falls zu einem Kampf gegen die Zeit, denn das Sterben geht munter weiter.

Das meint Krimi-Couch.de: »Auch Fluchen will gelernt sein« 60°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Und wieder scharrt ein neues Wiener Ermittlerteam in den Startlöchern und will im Verlag Echomedia auf 319 Seiten unter der Federführung von Andreas Pittler mit österreichische Kriminalliteratur den deutschsprachen Büchermarkt erobern. Diesmal ist es der Polizeioberst Paul Zedlnitzky, dessen typisch Wiener Namen wohl nicht nur dem Lesefreund aus Norddeutschland suspekt sein dürfte. Unterstützt von der tüchtigen Frau Oberleutnant Barbara Schreiber und dem frisch gefangenen Kollegen Andreas Czerny muss sich Zedlnitzky mit einem Ertrunkenen beschäftigen, der wohl orientalischen Ursprungs war und bei dem nicht sofort ersichtlich wird, ob der Mann den Freitod gestorben war oder ob da jemand nachgeholfen hat.

Auf Grund eines Beitrags im öffentlich-rechtlichen Sender meldet sich die lybische Botschaft und gibt die Identität des Toten preis. Herr Schukri war ein Vertrauter Gaddafis und unter dessen Regierung als Erdölminister eingesetzt. Allerdings fiel er dann in Ungnade, räumte seinen Platz in Libyen und versuchte sich als Botschafter in Wien. Und während dieser Zeit flossen Geldmittel zwischen Libyen und Österreich und im Mittelpunkt dieser Geschäfte stand eine ominöse Stiftung, in deren Stiftungsvorstand auch ein heimischer Großkotz mit besten Kontakten zur Politik sein Unwesen trieb.

In dieses Wespennest stechen die Ermittler und dafür hagelt es Prügel aus dem Innenministerium und eine Suspendierung Zedlnitzkys. Aber sein Team gibt nicht auf und verbeißt sich in den Fall …

Die große Spannung kommt bei der Arbeit der Ermittler nicht auf. Grundsätzlich hat der Autor die Personen so gestaltet, dass sie jedes Wiener Klischee für unsere auswärtigen Krimileser prompt erfüllen und dazu gehört auch, dass man ein paar mundartliche Phrasen eingebaut hat, um das Lokalkolorit zu stärken. Dass dies manchmal (zumindest für einheimische Leser) nur mit einem müden Lächeln quittiert wird, ist nur halb so leseunfreundlich, wie die Auslassungen von Artikeln etc., die von einem eher wenig bemühten Lektorat zeugen, und dem Lesefluss ganz deutlich schaden.

Besondere Originalität kann man der Geschichte auch nicht bescheinigen, denn es ist noch nicht sonderlich lange her, da haben genau solche Vorkommnisse um die gestürzte libysche Regierung und ihre Konten die Printmedien in Wien beherrscht und sind auch leicht im Internet nachzulesen. Aber zumindest die Ermittler sind ja tatsächlich frei erfunden und mühen sich redlich, während der Autor seine Rahmenhandlung darum gestrickt hat.

Der Fluch der Sirte hat noch deutlich zu wenig Flair. Es reicht nicht, den Polizeioberst mit der Straßenbahn durch Wien fahren zu lassen und dabei die einzelnen Stationen aufzuzählen, denn das hat nichts mit Regio-Krimi zu tun, sondern ist einschläfernd. Pittler versucht zu viele (Krimi)Modetrends in seine Story einzubauen und vergisst dabei völlig darauf, seine Eigenständigkeit zu betonen. Und deshalb sind diese 318 Seiten sprachlich gar nicht schlecht und auch der Aufbau der Geschichte kann gefallen, aber es fehlt ein Spannungsbogen, der den Leser bei der Stange hält. Wer die Wiener Krimiszene mag, der kann dieses Buch als Ergänzung gut lesen, aber zur Pflichtlektüre fehlt dann doch noch Einiges und dabei wird es interessant, ob der Autor seine durchwegs sympathischen Figuren noch ausbauen kann und dabei mehr Originalität in seine Erzählungen bringen kann.

Wolfgang Weninger, Juni 2013

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