Schwarze Piste von Andreas Föhr

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Weltbild.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Oberbayern, 2010 - heute.
Folge 4 der Wallner-&-Kreuthner-Serie.

  • München: Weltbild, 2012. ISBN: 978-3863652326. 448 Seiten.
  • München: Knaur, 2013. ISBN: 978-3-426-50860-2.
  • [Hörbuch] München: audio media, 2012. Gesprochen von Michael Schwarzmaier. ISBN: 3868047271. 6 CDs.

'Schwarze Piste' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Onkel Simmerl ist tot. Seine Asche verstreut Polizeiobermeister Kreuthner auf dem Wallberg – einer jungen Skifahrerin mitten ins Gesicht. Als Wiedergutmachung fährt Kreuthner mit ihr die berüchtigte schwarze Piste ab, die er angeblich bestens kennt. Nur wenig später stapfen sie in der Dunkelheit durch den Schnee und stolpern fast über die Leiche einer Frau, deren Hand das Foto eines halb verwesten Körpers umklammert.

Das meint Krimi-Couch.de: »Leichen-Leo und die Rote Armee Fraktion« 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Leonhard Kreuthner ist zwar nur Streifenpolizist, aber von seinen Kollegen wird er gerne mal »Leichen-Leo« genannt. Er hat die seltsame Gabe, hier und da getötete Menschen zu finden. Kreuthner ist auch nicht unbedingt für das Beachten von Vorschriften bekannt. So macht ihm der Wunsch seines verstorbenen Onkels, Leo möge dessen Asche auf dem Wallberg verstreuen, keinerlei Kopfzerbrechen. Bei seiner illegalen Aktion lernt er eine junge Frau kennen, und in seinem üblichen Imponiergehabe bringt er Daniela dazu, mit ihm die verbotene »schwarze Piste« hinunter zu brettern. Und wieder einmal stolpert Kreuthner über eine Leiche. Daniela ist keine begnadete Skifahrerin, die beide verfahren sich, und auf einer kleinen Lichtung finden sie die gefrorene Leiche einer Frau – die sich später als Danielas Schwester entpuppt. Die Polizei geht der Frage Mord oder Selbstmord nach, und kurz darauf wird ein zweiter Toter auf der gleichen Bank gefunden. Kommissar Wallner und sein Team, Kreuthner gehört nicht dazu, beginnen zu Ermitteln. Leichen-Leo lässt sich natürlich nicht von eigenen Nachforschungen abhalten, und so entwickelt sich ein überaus verzwickter Fall, in dem es offenbar auch politische Hintergründe gibt.

Mit seinen bajuwarischen Polizisten hat Andreas Föhr eine wahrlich illustre Ermittler-Truppe ins literarische Rennen geschickt. Auch in »Schwarze Piste« präsentiert der Autor wieder die hervorragend austarierte Mischung zwischen Spannung und komödiantischer Unterhaltung, zwischen seriöser Polizeiarbeit und dem ewigen »laissez faire« der bajuwarischen Provinzbullen. Dabei hat Föhr einen Plot entworfen, der es durchaus in sich hat. Die rätselhaften Morde führen die Ermittler nach einigen Mühen immerhin in durchaus erlauchte Wirtschaftskreise – und in der rückwärtsgewandten Perspektive in den Dunstkreis der RAF. Der Terror-Zirkel hat einst die gesamte Polizei der Bundesrepublik in Atem gehalten. Und versammelte um sich herum einen Kranz von Satelliten in Form von handverlesenen direkten und eher unwissenden indirekten Unterstützern. Die im Roman in dieser Richtung ausgebreiteten Szenarien wirken gut recherchiert und auch durchaus glaubhaft. Wie viele frühere Mitstreiter aus linken Zirkeln mittlerweile in bürgerlichen Existenzen gelandet sind und durchaus einflussreiche Positionen erklommen haben, lässt sich nämlich nicht einmal grob schätzen.

Es ist bei dieser Roman-Reihe  mitunter nicht ganz leicht zu bestimmen, ob Wallner die Hauptfigur der Erzählung ist – oder eben doch Leonhardt Kreuthner. Der Streifenpolizist ist auf jeden Fall ein bemerkenswerter Protagonist. Irgendwie hat er eine kriminalistische Spürnase, hier und da kommt ihm allerdings auch der Zufall zu Hilfe. Andreas Föhr verpackt solche Momente jedoch relativ geschickt, und so leidet der Realitätsgrad eher selten und kaum fühlbar – jedenfalls in meinen Augen. Leichen-Leo gibt sich jedenfalls nicht mit Halbheiten zufrieden, wenn er es krachen lässt, dann richtig. Das gilt bei Streitereien, beim Zocken, im Dienst, und auch in seinem Liebesleben, wo er sich gerne mal vergaloppiert. Mit Leib und Seele ist Kreuthner bei der Polizei, allerdings hat er eben Probleme mit Hierarchien und Zuständigkeiten. Mitunter würde er wohl die Dienststelle am liebsten selbst leiten, aber dafür hat es ihm in früheren Zeiten offenbar an Ehrgeiz und Durchsetzungsvermögen gefehlt.

Aber auch der seriöse Part ist gut besetzt. Wallner ist ein ganz anderer Polizist als Kreuthner, kompetent, durchaus sympathisch, gegenüber Leos Alleingängen zuweilen hilflos, aber immer ein Teamplayer.

Dem Autor gelingt es auch in diesem Roman wieder, die humoristischen oder gar folkloristischen Anklänge in seiner Geschichte so gut zu dosieren, dass es nicht in Klamauk oder eine Kriminalkomödie umschlägt. Dennoch hat seine augenzwinkernde Interpretation der bajuwarischen Polizeiarbeit einen hohen Unterhaltungswert. Ach ja, und spannend ist der Roman auch noch. Insgesamt  ist das Buch die perfekte Lektüre für ein verregnetes Wochenende.

Andreas Kurth, November 2013

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Manfred Rathunde zu »Andreas Föhr: Schwarze Piste« 02.09.2017
www.derweissedrache.de

ANDREAS FÖHR –
Schwarze Piste

Wenn Andreas Föhr an den Gattern der Pferde der Fantasie steht und sieht, wie traurig sich selbige auf begrenzten Raum drängen müssen, dann kann er nur eins tun. Das Tor öffnen, sie freilassen und auf bunte Wiesen und verschlungene Pfade führen, unter freien Himmel und strahlendem Sonnenschein, auf das sie sich richtig austoben können. Sein Garant… Leonhardt Kreuthner, ein Polizist, der so manchen Weg geht, den ein Otto-Normal nicht mal im Traum sehen würde. Dabei ist er nicht wirklich ein gesetzestreuer Bürger, sondern Erbe einer Schwarzbrennerei von Onkel Simon. Der mit Gott seinen Frieden geschlossen hat und auch, eher, frühzeitig entschieden hatte, das Alter für Schwarzbrenner herunter zu setzen. Leo war elf Jahre alt, als er seinen ersten Frischtrunk angesetzt hatte. Und sein Umfeld war auch nicht gerade dazu angetan, ihn auf normale Gleise zu setzen. Jetzt ist er Mitglied der Staatsmacht, kommt jedoch nicht so wirklich von seinen kleinkriminellen Umtrieben weg, nur versucht er das jetzt durch seine derzeitige Tätigkeit zu „legalisieren“. Clemens Wallner, Vorgesetzter und, doch manchmal zu wohlwollender, Chef, versucht, eher hilflos, die Eskapaden seines Unterstellten zu kaschieren. Andreas Föhr stellt schon mal das Bier kalt und Leo geht auf die Piste, um die Asche von Onkel Simon, illegal natürlich, in der freien Wildbahn zu verteilen. Dabei trifft er auf Daniela, die jetzt Bekanntschaft mit Kreuthners verstorbener Verwandtschaft macht und dabei ihre Kontaktlinsen verliert. Herr Föhr dürfte sich verbogen haben vor Lachen, der Leser wird es in jedem Fall und Leo muss jetzt den Blindenhund mimen, damit die gute Frau wieder in zivilisierte Landstriche kommt. Nur das der Weg von einem Schneemann verstellt wird, der auf einer Bank sitzt und sich als eine Frauenleiche entpuppt, Danielas Schwester. Nach dem Fund beginnt, selbstverständlich, die Ermittlung in einem Todesfall. Die Spurensicherung ist durch. Leo wurde, als auffindender Beamter, und wegen anderer „Aktivitäten“, erstmal vom Dienst beurlaubt. Um nicht einzurosten, organisiert er eine Tatortbegehung mit den, ja gelangweilten, Frauen seiner trauten Heimat, gegen Geld natürlich, der Versuch wär es ja wert. Und hat nicht nur prompt einen neuen Schneemann auf der obligatorischen Bank, was sich als nächster Todesfall entblättert, sondern in seiner Panik vergisst er, die führende Frauenvertreterin seiner Wohnlandschaft in einer Schneewehe. Wenn der Leser Bauchschmerzen vor Lachen bekommt, wie soll es da dem Autor ergangen sein. Wobei sich das Mitleid in Grenzen halten sollte, der Leser muss das öffentlich durchmachen, es sei denn, er versteckt sich. Herr Föhr, an seinem Schreibtisch, war ja undercover unterwegs, um am selbigen eine neue Trasse des Krimis zu entwickeln. Und hat sich versteckt, um den „ahnungslosen“ Leser mal vorzuschicken.

(Knaur)

ISBN 978-3-456-50860-2 423 Seiten 9,99€ (D) 10,30€ (A)
trafik zu »Andreas Föhr: Schwarze Piste« 24.06.2017
Auch das vierte Buch dieser Krimireihe ist wieder bestens gelungen. Andreas Föhr versteht es einen Landkrimi spannend zu schreiben.
Die Figuren grandios. Die Handlung sehr interessant.
Andreas Föhr ist zu einen meiner Lieblingsautoren geworden.
Freue mich schon auf das nächste in dieser Reihe.
Weltklasse!
Rainer zu »Andreas Föhr: Schwarze Piste« 03.11.2015
Ad Robert: Der Abschnitt zu Beginn ist ein Rückblick, das passiert 3 Jahre vor der eigentlichen Krimihandlung. Darauf wird auch eindeutig am Beginn von Kapitel 6 hingewiesen, dieses ist übertitelt mit der Info "Drei Jahre später!" Alles eindeutig richtig und keineswegs dreist! ;-)

Und aus meiner Sicht der bisher beste Wallner-Krimi!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Robert zu »Andreas Föhr: Schwarze Piste« 10.08.2015
Entweder "bin ich blöd" - oder diese Krimis gehören als abgeschlossene Ware verkauft, denn es es ist schon mehr als dreist, wenn einem Wirt (Stanislaus Kummeder) im zweiten Buch (am Anfang) die Birne weggepustet wird, dieser aber dann im vierten Krimi wieder beim Schafkopfen sitzt ???

Bin ich jetzt blöd oder der Autor oder der Verlag ???


Geht es noch irgendwie "realistischer"

(verblödeter - verarschungsmäßiger) ?
Thomas Grotjohann zu »Andreas Föhr: Schwarze Piste« 14.07.2015
Ich finde das Buch hervorragend und habe es mit Spannung gelesen. Auch der Spaß kommt nicht zu kurz, denn über Kreuthner und die Situationen in die er kommt, kann ich einfach laut lachen.
Ich lese gerne Krimis, die in Gegenden spielen, die ich kenne. Noch besser ist es, wenn ich eine Karte besitze, im Fall "Föhr" habe ich eine Wanderkarte, und manche Handlung räumlich verfolgen kann. Gewandert bin ich allerdings in diesem Gebiet noch nicht, sondern nur durchgefahren.
Nach der Schwarzen Piste habe ich Karwoche, dann Totensonntag und dann Schafkopf gelesen. Ich habe das Problem, das Buch chronologisch mit den anderen einzuordnen, weil Wallner jetzt mit Vera Kampleitner, die er im "Schafkopf" beim Mord an Krummeder erst kennenlernt, mitlerweile ein gemeinsames Kind hat, während Kreuthner mit Krummeder, der im "Schafkopf" erschossen wird, eine Schafkopfrunde spielt.
Wenn also Krummeder noch lebt, ist die schwarze Piste vor dem Schafkopf einzuordnen. Da Wallner mit Vera jetzt verheiratet ist, wäre es nach dem Schafkopf einzuordnen, aber dann kann es den Krummeder nicht mehr geben.
Kann mir da jemand weiterhelfen?
Schnippi zu »Andreas Föhr: Schwarze Piste« 04.07.2015
Mal wieder ein gelungenes... spannendes und auch humorvolles Werk von Andreas Föhr.
Die handelnden Personen werden (wie in den Büchern zuvor) gut beschrieben und gewinnen an Ausstrahlung und Charakter.
Der Leser kann sich jeden einzelnen fast bildlich vorstellen, was sympatisch macht.
Die ausgeklügelte Handlung sorgt von Beginn an für Spannung, die sich bis zum Schluss durchs Buch zieht.
Das Ende nimmt eine überraschende Wendung.
Ein spannendes, kurzweiliges Lesevergnügen mit viel Humor.
Alfred Födinger zu »Andreas Föhr: Schwarze Piste« 18.04.2015
Der Buch ist gut, ich werde bei Gelegenheit wieder zu einem Krimi des Autors greifen.

Nicht folgen kann ich dem hier häufig geäußerten Lob der Darstellung Kreuthers. Ich hätte beinahe auf das Buch verzichtet, weil mir beim "Anblättern" vor dem Kauf das "Lederhosenhumptatakrimielement" ziemlich (fast zu) stark schien.

Zumindest dieses Buch geht nach meinem Empfinden an die Grenze des diesbezgl. Tolerierbaren. Ein Hauch mehr Kreuthnerismus und aus einem Krimi wäre eine Parodie geworden.
rolandreis zu »Andreas Föhr: Schwarze Piste« 25.01.2014
Mit sehr großer Begeisterung habe ich den bereits 4. Teil der Krimireihe rund um das Ermittlerduo Wallner / Kreuthner gelesen. Der Fall ist wieder spannend und wartet immer mit überraschenden Wendungen auf und natürlich darf der Leser auch wieder einiges aus dem Privatleben von Wallner und Kreuthner erfahren. Neues von Großvater Manfred, Vera - und eine "kleine Überraschung", die ich sehr gut fand. Sogar bei Kreuthner bahnt sich eine kleine Romanze an und er wirkt auf mich gar nicht mehr so extrem wie der "wilde Haudegen", sondern man sieht auch mal eine andere Seite von ihm - gefiel mir auch sehr gut. Was auch nicht fehlen darf: zahlreiche, gut platzierte Stellen für Lacher und Schmunzler... wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Wallners Dauertragen seiner Daunenjacke eines Tages die Ermittlungen gefährden könnte? Zum besseren Verständnis so mancher Umstände würde ich auf jeden Fall empfehlen, erst die drei Vorgängerbücher der Reihe nach zu lesen. In Summe ein gutes Buch mit viel Spannung und einer großen Portion Humor. Da bin ich schon auf den nächsten Fall gespannt.
ReadRat099 zu »Andreas Föhr: Schwarze Piste« 05.10.2013
Ein Krimi wie er sein Muss.
Spannung mit etwas Humor und einem überraschendem Ende.
Vorallem Polizeiobermeister Kreuthner läuft zu Hochform auf. Dafür kommen Wallner und sein Vater mit seinen Auftritten etwas kürzer.
Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Föhr (Totensonntag)
Von mir 95 von 100 Punkten
carolina zu »Andreas Föhr: Schwarze Piste« 28.08.2013
Absolutes Meisterwerk!Es ist unglaublich lustig, auf den ersten180 Seiten hab ich mich vor Lachen "zerkugelt", aber es ist gleichzeitig sehr spannend und auch mal richtig berührend. Wunderbar, sehr empfehlenswert. ich werde dieses Buch aufbewahren und nicht weitrgeben, was sonst mit gelesenen Büchern mache.

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