Schafkopf von Andreas Föhr

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Droemer Knaur.

  • München: Droemer Knaur, 2010. ISBN: 978-3-426-66398-1. 448 Seiten.

'Schafkopf' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Der Kleinkriminelle Stanislaus Kummeder geht an einem Oktobersonntag frühmorgens mit einem Bierfass auf den Riederstein. Dort auf dem Gipfel, hoch über dem Tegernsee, wird ihm aus heiterem Himmel der Kopf weggeschossen. Was der Mann, der nie auf Berge ging, auf dem Riederstein zu schaffen hatte, wozu er ein Bierfass auf den Gipfel schleppte und weshalb ihn jemand mit einem Präzisionsgewehr aus 500 Meter Entfernung erschoss – das können nur zwei Menschen beantworten: Der ewig frierende Kommissar Wallner und sein bayerisch-anarchistischer Kollege Polizeiobermeister Kreuthner. Bei ihren Ermittlungen stoßen die beiden auf das geheimnisvolle Verschwinden einer jungen Frau, auf 200.000 Euro im Kofferraum eines dubiosen Anwalts, einen prügelnden Wirt mit abnormen Körperkräften und eine Neumondnacht vor zwei Jahren, in der die Geschehnisse durch eine Partie Schafkopf ihren tragischen Anfang nahmen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Polizist zockt mit Kleinkriminellen« 78°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Eine eher unbedacht abgeschlossene Wette macht dem Polizisten Leonhard Kreuthner zu schaffen. Aber es erinnern sich zu viele daran, als das er nun kneifen könnte. Es geht darum, dass er das Europäische Polizeisportabzeichen erwerben wird. Und in Form zu kommen, joggt er in aller Herrgottsfrühe auf den Riederstein, wo er an einer Kapelle den Ganoven Stanislaus Kummeder trifft. Dieser macht kryptische Bemerkungen über das nach wie vor ungeklärte Verschwinden seiner Freundin vor zwei Jahren. Der erschöpfte Polizist beugt sich über ein Geländer, weil er sich erbrechen muss. Als Kreuthner sich wieder aufrichtet, fehlt Kummeder der halbe Kopf – er ist offenbar aus großer Entfernung erschossen worden. Kommissar Wallner und sein Team beginnen zu ermitteln, und finden Zusammenhänge zum Verschwinden von Kummeders Freundin. Unklar ist dabei die Rolle eines zwielichtigen Rechtsanwalts, der sich der Polizei plötzlich als Zeuge anbietet. Bevor er aussagen kann, wird er jedoch ebenfalls erschossen – und für die Ermittler nimmt der undurchsichtige Fall einen dramatischen Verlauf.

Auch in seinem neuen Roman kann Andreas Föhr seine Herkunft als Drehbuchschreiber nicht verleugnen. Er arbeitet mit drei Zeitebenen, denn neben der Gegenwartshandlung mit den zwei Morden gibt es Rückblicke auf eine Nacht vor zwei Jahren, die mit einer denkwürdigen Partie Schafkopf begann, und auf den Zeitraum kurz vor den Morden. Das ganze wirkt zunächst recht zusammenhanglos, und der Autor mutet seinen Lesern einiges zu, wenn sie den Überblick und die Orientierung behalten wollen. Einige skurrile Figuren und scheinbar zufällig zusammen hängende Ereignisse sorgen aber auf jeden Fall für gute Unterhaltung und bauen auch Spannung auf, allerdings sind die Zeit- und Ortswechsel nicht so leserfreundlich gestaltet, wie ich es mir wünschen würden. Es ist zuweilen schwierig, den Anschluss zu finden, auch wenn man den Roman zügig und ohne große Pausen liest. Immerhin bekommt die Geschichte im Finale richtig »Zug«, und dann ist man auch voll bei der Sache, bis zur überraschenden Auflösung aller Rätsel und falschen Vermutungen.

Besonders unterhaltsam ist die Pannenserie der Ermittler, die kaum ein Fettnäpfchen auslassen. Vor allem Streifenpolizist Kreuthner kultiviert eine ganz eigene Auffassung von der Polizeiarbeit – und gibt diese auch an jüngere Kollegen weiter. Er ist ein echtes Original, zockt mit den Kleinkriminellen der Gegend, und kann dann auch mal über geringfügige Delikte hinwegsehen. Er operiert zuweilen nicht nur am Rande der Legalität, sondern etwas jenseits davon, aber das macht ihn für die Leser ungemein sympathisch. Mit Wortwitz und rascher Auffassungsgabe laviert er sich aus so mancher Zwickmühle heraus, in die ihn sein forsches Auftreten gebracht hat.

Ein weiterer Sympathieträger ist Chefermittler Clemens Wallner. Privat macht er sich Sorgen um die Beziehung seines Großvaters zu einer Prostituierten. Aber der alte Herr ist stolz, noch so »einen Schlag« bei den Frauen zu haben. Dienstlich ist Wallner ein erfahrener Ermittler, aber auch ein Bayer wie er im Buche steht. Und weil er Land und Leute gut kennt, schafft er es im richtigen Moment auch, über seinen Schatten zu springen und im Zuge einer Ermittlung das Richtige zu tun – egal was die Vorschriften sagen. Bei Wallner ist Andreas Föhr – wie so viele Schriftsteller derzeit – auch nicht um den Honigtopf herum gekommen. Mit der Müncherin Vera Kampleitner hat er eine frische Liebesbeziehung, die zuweilen von dienstlichen Belangen gestört, aber von seinem erfreuten Großvater gefördert wird.

Bis auf die geschilderten – und durchaus verzeihlichen – Schwächen hat Andreas Föhr einen flott lesbaren und unterhaltsamen Kriminalroman geschrieben. Er reiht sich gut ein in die Riege der süddeutschen Regionalkrimis. Wer allerdings mit den Schafkopf-Regel nicht so vertraut ist, kann die Dramatik des Kartenspiels zwischen Kreuthner und den Ganoven nicht komplett nachvollziehen. Dem Lesegenuss ist das allenfalls am Rande abträglich. Insgesamt ein empfehlenswertes Buch, und es macht auf jeden Fall Appetit auf ein Wiedersehen mit dem Ermittlerteam um Wallner und Kreuthner.

Andreas Kurth, März 2011

Ihre Meinung zu »Andreas Föhr: Schafkopf«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

koepper zu »Andreas Föhr: Schafkopf« 10.02.2012
Wieder ein guter Föhr, allerdings doch mit einigen Schwächen. Manchmal wird er mir zu ausschweifend und manchmal zu gefühlig. Vor allem die seltsamen Anwandlungen von Zuneigung gegenüber seiner " Freundin" zeigt, die er regelmäßig brutal verdrischt. Das ist so, wie der Autor das schildert überhaupt nicht nachvollziehbar.
Die Geschichte jedoch ist spannend, wie immer bei Föhr bewegt sie sich auf verschiedenen Zeitebenen. Sie bleibt bis zum Ende unklar, die Auflösung erfolgt wirklich erst mit der letzten Seite und wirkt etwas sehr konstruiert.
Dennoch spannend und humorvoll, gute Unterhalteung eben.
detno zu »Andreas Föhr: Schafkopf« 07.09.2011
Den Ausführungen von "rolandreis" ist von mir nichts hinzuzufügen, außer dass auch das Hörbuch absolut hörenswert ist.

Die gekürzte Fassung (sechs CDs, ca. 450 Minuten) wird von Michael Schwarzmaier nicht gelesen, sondern vorgetragen im besten Sinne. Mit seiner genialen Stimme verleiht er den einzelnen Personen ihren eigenen Charakter. Und es sind viele Personen, die Schwarzmaier "spielt"

Der trockene Humor täuscht nicht darüber hinweg, dass es sich um einen interessanten und bis zum Ende spannenden Krimi handelt.

Für das Hörbuch 92° von mir.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
rolandreis zu »Andreas Föhr: Schafkopf« 28.02.2011
Wie schon beim "Prinzessinenmörder" verknüpft Föhr Handlungsstränge aus der Vergangenheit mit den Ermittlungen in der Gegenwart zu einem spannenden, wendungsreichen Kriminalfall, dessen Auflösung zumindest für mich diesmal völlig überraschend war (anders als bei "Der Prinzessinenmörder"). Der Autor hat es tatsächlich geschafft mich bis zur Enttarnung des Mörders hinters Licht zu führen. Das gelingt nur sehr wenigen Krimiautoren und hier ist es sogar trotz immer wieder sehr dezenten Hinweisen gelungen, daß ich diesen Täter überhaupt nicht, auch nicht an zweiter Stelle auf der Liste hatte. Immer das Gefühl, daß da was faul ist, aber nie auf den gekommen. Großes Lob also an dieser Stelle. Empfehlen würde ich "Schafkopf" allen Fans der sogenannten Regionalkrimis: Föhr würzt die Handlung mit viel Lokalkolorit und bayrischem Humor. Von mir gibt es diesmal volle 100 Punkte.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ihr Kommentar zu Schafkopf

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: