Karwoche von Andreas Föhr

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Droemer Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Oberbayern, 2010 - heute.
Folge 3 der Wallner-&-Kreuthner-Serie.

  • München: Droemer Knaur, 2011. ISBN: 978-3-426-65252-7. 450 Seiten.

'Karwoche' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Als sein Spezi Kilian Raubert Polizeiobermeister Kreuthner zu einer Wettfahrt herausfordert, lässt der sich nicht lumpen. Mit 150 km/h rauschen sie den Pass runter, bei einem riskanten Überholmanöver fegt Kreuthner fast ein entgegenkommendes Auto von der Straße – am Steuer ausgerechnet sein Chef, Kommissar Wallner. Kreuthner versucht, das Autorennen als dienstliche Aktion zu tarnen und hält den Wagen seines verdutzten Freundes zu einer Straßenkontrolle an. Als der Kommissar dazukommt, bietet sich den Polizisten ein schockierendes Bild: Im Laderaum des LKWs kniet eine Tote, das Gesicht zu einer grotesken Fratze verzerrt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Es gibt sie noch, die ach so ehrbaren Spießbürger« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Polizeiobermeister Kreuthner ist zwar ein bayrischer Beamter, aber auch ein Hallodri wie er im Buche steht. Und so liefert er sich mit seinem Spezi Kilian Raubert ein Rennen auf dem Achenpass – illegal natürlich. Es kommt fast zu einem Zusammenstoß, da ihm sein Vorgesetzter Kommissar Wallner, eigentlich auf dem Weg in den Urlaub, entgegenkommt. Um eine seiner zahlreichen Verfehlungen zu tarnen, inszeniert Kreuthner eine Verkehrskontrolle bei dem sich hartnäckig weigernden Raubert – und die Polizisten finden die Leiche der jungen Hannah Lohwerk in dem Transporter des Spediteurs. Wallner bleibt für seine Zeugenaussage zunächst in Miesbach, und kann es natürlich nicht lassen, sich trotz des Urlaubs in die Ermittlungen einzuschalten. Die Nachforschungen führen die Polizei zu der illustren Familie Millruth. Bei den Schauspielern und ihrem Clan gab es erst wenige Monate zuvor einen tragischen Todesfall in der Familie, der durch ein schnelles Geständnis scheinbar aufgeklärt wurde. Die findigen Ermittler entdecken schnell einige Ungereimtheiten und finden im Dunstkreis der spießigen Familie weitere Merkwürdigkeiten und Geheimnisse. Die Dimension des Falles ist weitaus größer, als Kreuthner und Wallner zunächst geahnt haben.

Karwoche ist bereits Andreas Föhrs dritter Roman mit den bayrischen Miesbacher Polizisten Wallner und Kreuthner, und gegenüber dem Vorgängerband Schafkopf hat sich der Autor nochmals gesteigert. Föhr zeigt von Beginn an, dass er ein wirklich guten Geschichtenerzähler ist. Das Buch beginnt mit einer scheinbar harmlosen Gaudi, um dann dem Leser den abrupten Sprung in eine ernsthafte Mord-Ermittlung zuzumuten. Der Prolog hat bereits angedeutet, dass es in dem Roman auch und vor allem um die dunklen Geheimnisse aus der Vergangenheit der Schauspieler-Familie Millruth geht. Die folgenden Zeitsprünge sind für den Leser nicht gerade leicht nachzuvollziehen, weil Angaben zum Datum fehlen und so ansatzlos der Ort und die Zeit gewechselt werden. Aber man gewöhnt sich daran – nicht zuletzt wegen der vom Autor bekannten unterhaltsamen Wechsel zwischen Ermittlungsarbeit und den Slapstick-haften Einlagen von Kreuthner. Einfach köstlich, und dennoch wird der Kriminalroman nicht zur Komödie, weil es Andreas Föhr immer wieder versteht, rechtzeitig den Bogen zu bekommen und die Gaudi nicht zu übertreiben.

Die Schauspieler-Familie Millruth ist eine ebenso geheimnisvolle wie gelungen dargestellte Gruppe von Egoisten und Snobs. Die Truppe pflegt einen mondänen Lebensstil, gibt sich mehr als versnobt – und steckt doch voll psychischer Probleme. Der Matriarchin und ihrem teilweise devoten Anhang geht die so genannte Familienehre über alles. Es mutet schon seltsam an, dass es derart antiquierte Vorstellungen in bürgerlichen Kreisen tatsächlich noch geben soll. Ich fürchte nur, hier ist ein Autor mal wieder dichter an der Realität, als man glauben möchte. Zuweilen hat man auch den Einruck, dass Föhr die Personen mit dem Blick auf bestimmte Schauspieler konzipiert hat, offenbar bricht da immer wieder die Vergangenheit als Drehbuchautor durch. Das stört jedoch keinesfalls, vielmehr sind die Charaktere so ausgeprägt, dass man sich die Personen überaus plastisch vorstellen kann.

Es scheint relativ schnell festzustehen, wer überhaupt als Mörder für die Tat am Weihnachtsfest in Frage kommt. Zumindest lässt sich die Personengruppe gut eingrenzen, aber darunter leidet die enorme Spannung keineswegs, denn der zweite Mord und das Motiv für die beiden Taten geben mehr als genug Rätsel auf. Der Autor versteht es immer wieder, durch scheibchenweise eingestreute neue Fakten und Spuren für Verwirrung zu sorgen. Dazu gehören auch seine wiederholten Rückblicke auf den Zeitraum vor dem im Prolog geschilderten Mord. So wird die Entwicklung für den Leser immer deutlicher, und die dunklen Geheimnisse und Eigenheiten der seltsamen Familie Millruth und ihres Umfeldes kommen nach und nach ans Licht.

Andreas Föhr ist ein ausgezeichneter Roman gelungen, der mit seinem gut durchdachten Plot beste Unterhaltung bietet. Die, wie in den ersten beiden Romanen, immer wieder eingeflochtene Nebenhandlung um Wallners Großvater, und die dramatischen Momente, die der Kommissar mit seiner neuen Freundin durchlebt, runden das Lesevergnügen gekonnt ab. Und dann führt die Lösung des Falles am Ende den Leser auch noch komplett in die Irre – da freut man sich wirklich schon auf die nächste Geschichte aus Miesbach.

Andreas Kurth, Januar 2012

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trafik zu »Andreas Föhr: Karwoche« 23.04.2017
Ich kann mich meinen Vorrednern inhaltlich nur anschließen. Andreas Föhr versteht es brilliant Krimis zu schreiben. Die Charaktere sind bei ihm so lebendig, daß man glaubt, diese Personen gibt es wirklich in Oberbayern. Schon der dritte Krimi auf so einen hohen Niveau. Grandiose Leistung!
Für mich derzeit der beste deutsche Krimiautor. Zählt doppelt, weil ich aus Österreich komme.
Weiter so Andreas Föhr!
Schnippi zu »Andreas Föhr: Karwoche« 08.04.2015
Das zweite Buch des Autoren, dass ich mit Begeisterung gelesen habe.
Auch hier ist es gelungen eine gewisse Spannung von Anfang bis Ende zu halten, so dass man als Leser das Buch nicht aus der Hand legen möchte.
Die bekannten Charaktere (Kreuthner, Wallner und sein schrulliger, aber liebenswerter Großvater) entwickeln sich weiter, ohne das die Personen langweilig werden. Ein wenig überzogen zwar, trotzdem nachvollziehbar und in Teilen humorvoll. Wer die Gegend und den Menschenschlag kennt, weiß zu schätzen, wie genau Andreas Föhr beobachtet und wie treffend er Situationen beschreiben und (fast plastisch) wiedergeben kann.
Ich freue mich bereits auf den nächsten Krimi...auch wenn ich nicht weiß, ob ich die Reihenfolge (Erscheinungsdatum) einhalte.
carolina zu »Andreas Föhr: Karwoche« 15.08.2013
Die Geschichte ist gut und noch besser erzählt.
Es liest sich einfach super, vor allem wenn man so wie ich selbst in Oberbayern lebt. Wenn Sie einmal Abwechslung wollen zu britischen, skandinavischen Thrillern etc dann ist dieses Buch genau das richtige! Für mich war es der erste aus dieser Reihe und ich bin dabei mir die anderen zu besorgen. Die Schreibweise ist sehr bodenständig, es klingt unheimlich authentisch. So sehr, dass ich in Zukunft mir beim Anblick eines Polizisten ins Gedächtnis rufen muss, dass der Polizist Kreuthner eine Romanfigur ist und nicht echt. Am bestenSie lesen das Buch, absolut empfehlenswert
rolandreis zu »Andreas Föhr: Karwoche« 21.03.2013
Zum dritten Mal lässt Andreas Föhr Kommissar Wallner am Tegernsee ermitteln. Die Handlungsstränge wechseln zwischen den heutigen Ereignissen und Rückblicken auf eine weihnachtliche Familienfeier der Millruths hin und her. Immer wieder zeigt Föhr, was am Fest der Liebe auf dem Anwesen der Schauspielerfamilie Millruth vorgegangen ist und was der Tod von Hanna Lohwerk mit dem von Leni Millruth zu tun hat. Das zweite Buch "Schafkopf" lebte von seinen skurrilen Nebenfiguren und einer guten Portion Humor. Das fehlt in "Karwoche" ein wenig. Selbst Wallners Opa Manfred ist diesmal nur ein bisschen altersstarr. Dennoch ist der Krimi insgesamt sehr unterhaltsam und gelungen.
Eglfinger zu »Andreas Föhr: Karwoche« 11.09.2012
Der dritte Fall von Kommissar Wallner und dem skurrilem Polizisten Kreuthner. Dem Autor ist gegenüber den ersten beiden Krimis (Der Prinzessinnenmörder und Schafkopf) nochmals eine Steigerung gelungen. Auch im dritten Buch arbeitet der Autor mit dem Stilmittel von zwei zeitlichen Handlungssträngen. Wie schon in den ersten beiden Krimis gelingt ihm das sehr gut und bringt sie am Ende gut zusammen. Die Story bleibt bis zum Ende spannend. Was mir sehr gut gefallen hat ist die Ausweitung des privaten Umfelds der handelnden Personen und die verrückten Eigenmächtigkeiten des Polizisten Kreuthners. Dies birgt ein gewisses Suchtpotential, denn man möchte unbedingt wissen, wie es im Leben der Protagonisten weitergeht und freut sich auf eine neue spannende Kriminalgeschichte. 85 von 100 Punkten.
koepper zu »Andreas Föhr: Karwoche« 10.02.2012
Der Beste von Föhr aus meiner Sicht. Föhr arbeite immer mit der gleichen Technik, seine Geschichten spielen auf verschiedenen Zeitebenen. Das macht der gut und auch die Story, die er uns serviert ist spannend und interessant. Föhr hat Humor und zeichnet einige wirklich skurrile Figuren in seinen Krimis ohne ins slapstikhafte abzugleiten. Einfach gute Unterhaltung die er bietet.
DianeW zu »Andreas Föhr: Karwoche« 01.01.2012
der dritte Fall mit Kommissar Wallner und Kollege Kreuthner - er wird immer besser. Schon die ersten beiden Fälle haben mir gut gefallen , aber hier steigert sich der Autor nochmal. Der Roman ist wirklich spannend und die Geschichte sehr interessant. Wenn man die Region kennt macht es umso mehr Spaß das flüssig geschriebene Buch zu lesen.Ich freue mich auf weitere Geschichten und hoffe, dass der Kommissar doch mal Urlaub machen darf. Weiter so!
monika lerchen zu »Andreas Föhr: Karwoche« 23.06.2011
endlich wieder ein buch von Ihnen,habe Schafkopf und Prinzessinenmörder verschlungen,brilliant geschrieben.Komme aus der der Region Miesbach-Rosenheim und lebe seit 40 Jahren in Köln.
Das war ein Fest Ihre wunderbaren Bücher zu lesen.Bitte schreiben Sie weiter in diesem Stil der einen völlig in seinen Bann zieht.
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