Die Spur des Fuchses von Andrea Camilleri

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel La pista di sabbia, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Bastei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Sizilien, 1990 - 2009.
Folge 12 der Salvo-Montalbano-Serie.

  • Palermo: Sellerio, 2007 unter dem Titel La pista di sabbia. 263 Seiten.
  • Bergisch-Gladbach: Bastei Lübbe, 2010. Übersetzt von Moshe Kahn. ISBN: 978-3-7857-2395-1. 272 Seiten.
  • Köln: Bastei Lübbe, 2012. Übersetzt von Moshe Kahn. ISBN: 978-3-404-16670-1. 267 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Lübbe Audio, 2010. Gesprochen von Bodo Wolf. ISBN: 978-3-7857-4371-3. 4 CDs.

'Die Spur des Fuchses' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Hat Commissario Montalbano womöglich seherische Fähigkeiten? Kaum ist er aus einem bizarren Traum von einem Pferd erwacht, als er beim morgendlichen Blick aus dem Fenster tatsächlich ein Pferd am Strand liegen sieht, das dort qualvoll verendet ist. Kurz darauf ist das Tier spurlos verschwunden. Wenig später erhält er Besuch von Rachele Estermann, einer erfolgreichen Turnierreiterin, deren Rennpferd gestohlen wurde. Und das, obwohl es bei dem mächtigen Züchter Lo Duca untergebracht war, der immerhin Schutz von höchster Stelle genießt. Wie Montalbanos Nachforschungen ergeben, hat Lo Duca einiges zu verbergen, nicht zuletzt den mysteriösen Tod eines seiner Stallburschen. Doch ehe der Commissario hinter Lo Ducas dunkles Geheimnis kommt, gilt es herauszufinden, welche Rolle die sphinxhafte Rachele in dem mörderischen Verwirrspiel hat

Das meint Krimi-Couch.de: »Dulce far niente« 76°

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Kommen Pferde zu Schaden, denkt man sogleich an den Pferdekopf im Paten. Bei Commissario Moltabano ist es jedoch nicht nur ein Kopf sondern ein ganzer Kadaver, den er am Strand vor seinem Haus findet. Was den Commissario empört, so dass er sogleich Fazio losschickt, um die Stelle zu finden, an der Eisenstangen, Zigarettenstummel und andere Beweismittel liegen, um sie einer DNA-Analyse zu unterziehen und die Täter zu überführen. Commissario Moltabano nimmt die Sache mit dem Tierschutz nicht auf die leichte Schulter. Auch wenn das Pferd kurze Zeit darauf verschwunden ist.

Die Ermittlungen werden ihn in die mondänen und illustren Kreise um Barone Piscopo di San Militello führen, der private Wettrennen veranstaltet, um den Einsatz wohltätigen Zwecken zuzuführen. In einem Nebenstrang tauchen die Rachegelüste eines ehemaligen Stallknechtes auf, der durch seinen Arbeitgeber so zu Schaden gekommen ist, dass er von da an in einem Rollstuhl sitzt.

Agatha Christies Upperclass-Fälle zwinkern um die Ecke. Der eigentliche Fall dreht sich um vertauschte Pferde, als befänden wir uns wiederum in England, diesmal bei Dick Francis. Die üblichen Unzulässigkeiten der Strafverfolgung á la Donna Leon oder Loriano Macchiavelli gehören zur Standardausrüstung italienischer Kriminalromane. Die Leichtigkeit jedoch, mit der Andrea Camilleri seine ausgewogenen Plots strickt, erhebt ihn über viele seiner Kollegen hinaus. Seine Verbrechen unterliegen der nonchalanten Erzählweise. So kommt es zu pittoresken Beschreibungen wie:

»Dieser Mann hätte wahrscheinlich auch gewankt, wenn sich eine Fliege auf seiner Schulter niedergelassen hätte.«

Mehr braucht es nicht, um jemanden in Camilleris Welt zu beschreiben. Wir haben sofort ein Bild vor uns. Das macht Die Spur des Fuchses trotz seines biederen Verbrechens lesenswert.

Dem Commissario Moltabano drohen, zu jederzeit die Felle wegzuschwimmen. Trotz aller Wutausbrüche erschüttert ihn das Chaos nicht wirklich. La dolce vita besitzt eine ganz eigene Kraft. Niemand verkörpert diese Lebenseinstellung so wie der Autor. Er bedient das Klischee bis an die Grenze, nimmt keine seiner Figuren wirklich ernst und verwandelt Schwächen in Stärken.

Egal ob Montalbanos Liebschaften dazu führen, dass er sich mit seiner deutschen Freundin nur noch am Telefon streitet, ob seine Untergebenen sich weiterhin als unfähig erweisen, ob Möchtegernganoven zur großen Form auflaufen, ob sich seine Gerichte leicht nachkochen lassen, er als Beifahrer neben seiner Freundin Ingrid auf Grund ihres Geschwindigkeitsrausches, Todesängste aussteht, Camilleri erzählt von Freunden.

Und mitunter wird selbst der Hass eines Knechts auf seinen Peiniger vor dem Hintergrund eines zerstörten Lebens verständlich. Bei Camilleri wird ähnlich wie bei Honoré de Balzac das Leben zur menschlichen Komödie.

Die Frauen beherrschen das Geschehen. Am anrührensten Concetta Siragusta, die vortäuscht, die Geliebte eines anderen zu sein, um ihrem Mann Guerri bei dem Versuch zu helfen, Aufnahme in den Familienclan der Cuffaros zu finden. Einem Verdächtigen wird so ein Alibi geliefert. Moltabano für kurze Zeit auf falsche Fährte geleitet.

Wem das nicht reicht, der wird in Die Spur des Fuchses sicher Gefallen an der geheimnisvollen Rachele finden, die sich gleichermaßen im Vorübergehen, einen Commissario gönnt, so dass Moltabano im Verlauf mehr über sie als über den eigentlichen Fall rätselt. Egal ob bei ihm eingebrochen wird oder er aus einem bizarren Traum erwacht, seine Leser zweifeln nie daran, dass dieser Commissario als Mittelpunkt sämtlichen Chaos einen Weg findet, jedes Verbrechen aufzuklären.

Wolfgang Franßen, Dezember 2010

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kritikaster zu »Andrea Camilleri: Die Spur des Fuchses« 30.03.2016
man sollte BEI ALLEM was man tut, wissen, wann man aufhören sollte.
das hat camillieri irgendwie nicht kapiert, das buch ist wirklich saulangweilig, nicht schlüssig, viel durcheinander, viel unlogisches, und zuviel fressen und saufen.
das heißt - beim buch wäre ich über seite 100 nicht hinausgekommen,
beim hörbuch bin ich mehrmals weggeduselt und musste mirs nochmal anhören.
geh in rente andrea,
Leollo zu »Andrea Camilleri: Die Spur des Fuchses« 17.10.2012
Na, da hammers: Auch Cammilleri kann Scheiße (neben Arschloch und Vögeln jetzt eines seiner Lieblingwörter) abliefern. Wenn er Montalbano schon mal einen Seitensprung gönnen will, sollte wenigstens nicht die ganze Geschichte davon handeln. Wird der Alte alt? Wo ist sein Verve geblieben? Vieleicht hat sein Beerdigungsinstitut angekündigt, dass sein Mausoleum teurer wird als geplant; und nun schreibt er drauflos. Egal wie schal. Heraus kommt dabei eine völlig idiotische und unstimmige Handlung. Wenns wennigstens noch Versicherungsbetrug wäre und die Etrella Finsterbusch das Aas, das in an der Nase, bzw. am Schniedel, herum geführt hat. Sein dreizehntes kann man sich wohl schenken. Schenken - nicht schenken lassen. Zum Trost habe ich mir noch mal den Hahn im Korb raus gesucht.
Wieder einer weniger bei den Guten. Bald muss man wohl alle zum dritten mal lesen. Tschüß Andrea!
sokito zu »Andrea Camilleri: Die Spur des Fuchses« 01.08.2011
Mit Spannung hab ich den letzten Krimi von Commisario Montalbano erwartet, die Spannung hätte ich mir gleich schenken können. Ein dünnes Büchlein für fast 20 Euro, dem jeglicher Montalbano-Witz u -.Charme fehlt. Eher unter der Rubrik langweiliges und unsinniges Geplänkel. Kurzum, der schlechteste Salvo Montalba, den ich je gelesen hab.
Jakob Benedikt zu »Andrea Camilleri: Die Spur des Fuchses« 10.03.2011
Bereits in den letzten Büchern hatte die Qualität, seit der Übersetzer gewechselt wurde, arg gelitten. Die ist auch in "Die Spur des Fuchses" deutlich zu bemängeln. Darüber hinaus sind die Dialoge wie auch Monologe derart hölzern, dass man kaum glaubt, einen Camillieri in den Händen zu halten. Ein "peinliches Herumschwänzeln" um das weibliche Geschlecht, Logiklöcher und ein schlicht einfallsloser Plot machen das neue "Werk" zum schlechtesten, was ich bisher von dem Altmeister des italienischen Krimis gelesen habe. Wo ist der Sprachwitz? Wo der italienische Charme? Wo die interessanten und ansonsten meist skurilen Charaktere? Abschließend bleibt nur zu bemerken: Thema verfehlt - Note 6 - setzen bitte !!
B. Berghausen zu »Andrea Camilleri: Die Spur des Fuchses« 24.10.2010
Mit flottem Charme, flüssigem Erzählen und einer italienischen Leichtigkeit gelingt es Camilleri erneut, mir eine dünne Geschichte mit lauer Spannung so schmackhaft, unterhaltsam und liebenswert darzureichen, dass ich mir wünsche, Salvo Montalbano noch viele Male bei seinen Ermittlungen am Esstisch beiwohnen zu dürfen. Nur etwas weniger Fisch dürfte gereicht werden ...
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