Der Hund aus Terracotta von Andrea Camilleri

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1996 unter dem Titel Il cane di terracotta, deutsche Ausgabe erstmals 1999 bei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Sizilien, 1990 - 2009.
Folge 2 der Salvo-Montalbano-Serie.

  • Mailand: Mondolibri, 1996 unter dem Titel Il cane di terracotta. ISBN: 8838912262. 275 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Lübbe, 1999. Übersetzt von Christiane v. Bechtolsheim. ISBN: 3-7857-1510-2. 351 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: BLT, 2001. Übersetzt von Christiane v. Bechtolsheim. ISBN: 3-404-92065-1. 351 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2006. Übersetzt von Christiane v. Bechtolsheim. ISBN: 978-3-404-15591-0. 351 Seiten.

'Der Hund aus Terracotta' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Wenn sich Commissario Montalbano bisher auf etwas verlassen konnte, dann war es die Mafia. Diese hat – durch und durch sizilianisch wie er selbst – wenigstens ihre Prinzipien. Das denkt der Commissario zumindest, bis er sich mit dem aufsehenerregenden Mord an dem landesweit gesuchten Verbrecher Tano u Grecu beschäftigt. Daß es sich hier nicht um eine gewöhnliche Tat der Mafia handelt, wird Commissario Montalbano im dem Moment klar, als er bei seinen Nachforschungen durch Zufall auf ein weiteres, fünfzig Jahre zurückliegendes Verbrechen stößt. In einer Höhle entdeckt er – scheinbar kultartig inszeniert – die skelettierten Leichen eines Mannes und einer Frau in inniger Umarmung, bewacht von einem lebensgroßen Schäferhund aus Terracotta …

Leseprobe

Das meint Krimi-Couch.de: »Höhlenforschung auf sizilianisch« 66°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Salvo Montalbano ist ein intelligenter sensibler und ein wenig eigenwilliger Polizist mit zwei großen Leidenschaften. Zum einen liebt er die Frauen. Obwohl ihn seine Freundin Livia gerne heiraten möchte, lebt er alleine und wird von seiner Haushälterin mit seiner anderen großen Liebe versorgt: mit gutem italienischem Essen. Probleme hat er damit, an die Öffentlichkeit zu treten. Pressekonferenzen sind ihm ein Greuel. Dabei bringt er kaum zusammenhängende Sätze heraus.

Der wegen mehrfachem Mord gesuchte Tano u Greco trifft mit Commissario Montalbano ein merkwürdiges Abkommen. Er möchte sich gerne verhaften lassen, aber so, dass es nicht so aussieht, ab ob er sich freiwillig gestellt hat. Bei seiner Überstellung wird er ermordet, kann aber Montalbano noch das Geheimnis einer versteckten Höhle, in der Waffen gelagert werden verraten.

Skelette in inniger Umarmung

In einer zweiten Höhle dahinter entdeckt Montalbano die skelettierten Leichen eines Mannes und einer Frau in inniger Umarmung, bewacht von einem lebensgroßen Hund aus Terracotta. Die Inszenierung lässt auf einen religiösen Kult schließen. Er findet schnell heraus, dass die beiden Toten vor etwa 50 Jahren ermordet wurden und beginnt mit Nachforschungen.

Es lohnt sich alleine schon deshalb, das Buch zu lesen, weil man die sizilianische Küche ausgiebig kennenlernt. Im Anhang sind sogar einige Rezepte und Erklärungen der Spezialitäten verzeichnet. Doch auch die mit viel Humor locker und flüssig geschriebene Erzählung eines Verbrechens aus der Kriegszeit mehr oder weniger verflochten mit Mafia-Verbrechen aus der Gegenwart mit einigen Seitenhandlungen ist durchaus lesenswert.

Was das Lesen gelegentlich ein wenig holprig macht, sind die vielen italienischen Namen und Begriffe. Durch die Übersetzung dürfte da auch einiges an Wortwitz verloren gegangen sein. Dennoch bieten insbesondere die Dialoge gute Unterhaltung.

In der Figur des Commissario Salvo Montalbano hat Andrea Camilleri einen Charakter geschaffen, der Spielraum für viele Romane bietet. Es macht Spaß, diesen Polizisten bei seinen Ermittlungen zu begleiten und zu erfahren, wie seine Liebesabenteuer sich fortsetzen.

Klarer Kontrast zu Brunetti – hier spielt die Realität

Wie man es auch schon von den Brunetti-Romanen her kennt, bietet das Buch nicht einen klar abgegrenzten Fall, so wie sich Klein-Mäxchen einen typischen Kriminalroman vorstellt, sondern schildert die täglichen Vorkommnisse auf einer italienischen Questura mit ihrem ganzen Bürokratismus sowie das Leben eines italienischen Kriminalkommissars innerhalb und außerhalb seiner Dienstzeit. Das Küstenstädtchen Vigata, in dem Montalbano lebt, ist dabei eine Erfindung des Autors, dürfte sich aber kaum von real existierenden Städten Siziliens unterscheiden.

Was den Leser ein wenig unzufrieden stimmt, ist, dass gelegentlich Teile der Lösung doch sehr zufällig auftauchen, zum Beispiel, als der Kommissar gerade einen Ausflug mit seiner Freundin macht.

Wer nicht unbedigt einen klar umrissenen Handlungsrahmen braucht, sondern sich auch gerne ein wenig von der Erzählung treiben lässt, dürfte hier nicht falsch liegen. Auch für diejenigen, die Gefallen an den Brunetti-Romanen gefunden haben, ist Camilleri ein heisser Lesetip.

Ihre Meinung zu »Andrea Camilleri: Der Hund aus Terracotta«

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mylo zu »Andrea Camilleri: Der Hund aus Terracotta« 29.05.2012
Wieder mal ein Camilleri aus meiner Sammlung. Zwar nicht das stärkste Buch der Reihe aber durchaus interessanter Plot der weit in die Vergangenheit reicht und auf interessante Weise, eben auf die Art von Commissario Montalbano, geklärt wird.
Jedes Buch bing einem Sizilien etwas näher und vor allem seiner Küche.

Kurzweiliger Stoff der spannend unterhält.
75 Punkte
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Markus zu »Andrea Camilleri: Der Hund aus Terracotta« 06.01.2010
Wer Camilleri mag, schätzt ihn wohl weniger wegen seiner spannenden Auflösungen als für die geschickte Darstellung Siziliens - einschließlich Mentalität, Essen, und auch sprachlich. Im italienischen Original sind sehr viele Sizilianismen enthalten, die auch für sonstige Italiener, z. B. aus dem Norden, nicht immer ganz verständlich sind. Aber das macht auch den Charme aus.
Die deutsche Übersetzung ist sehr gelungen, Kompliment vom Fachkollegen an die Übersetzerin. Im Gegensatz zu der Vermutung des Kritikers oben ist nichts Wesentliches oder Geistreiches verloren gegangen, und der Charakter des Originals kommt im Großen und Ganzen sehr gut "rüber".
Montalbano und seine Leute muss man irgendwie einfach mögen - mit all ihren Schwächen!
marco zu »Andrea Camilleri: Der Hund aus Terracotta« 20.03.2009
ein gelungener roman mit einem sehr schönen schluss. konzentriertes lesen ist angesagt, dass man der verschlungenen handlung folgen kann, am ende wird aber alles schön aufgelöst wie es sich für einen guten krimi gehört. ansonsten gilt das, was meine vorgänger schon geschrieben haben...witzig, originell
eine wirkliche alternative zum ansonsten englisch-skandinavisch dominierten krimi-genre!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
WelpeMax zu »Andrea Camilleri: Der Hund aus Terracotta« 26.07.2008
Bei mir ist es solange her das ich gar keinen ausführlichen Kommentar schreien kann, aber ich erinner mich das ich zwei Bücher aus der Reihe geschenkt bekommen habe und das dieser zweite Band viel besser war als der erste, könnte auch daran liegen das A. Camilleri mehr zu erzählen hatte und so die Charaktere tiefer beschreiben konnte als bei seinem Vorgänger, auf alle Fälle war das ein interessantes und kurzweiliges Buch 75°
0 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Stefan83 zu »Andrea Camilleri: Der Hund aus Terracotta« 26.04.2008
Im zweiten Band um den eigenwilligen Commissario Montalbano aus dem kleinen (fiktiven) sizilianischen Nest Vigàta, knüpft Autor Andrea Camilleri nahtlos an das Erfolgsrezept des Debütromans „Die Form des Wassers an“. Auch in „Der Hund aus Terracotta“ ist der Leser dank der gelungenen Fabulierungen schon nach wenigen Seiten geistig im sonnigen Süden gelandet und folgt genüsslich der wieder sehr kurzweiligen, amüsanten Story. Diese ist schnell erzählt: Tano u Greco, flüchtiger Mehrfachmörder und hohes Mitglied in den Reihen der Mafia, stellt sich freiwillig und bittet Montalbano um seine Verhaftung. Feinde innerhalb der Organisation wollen seinen Tod und da erscheint ein Gefängnis noch am sichersten. Diese Vorsichtsmaßnahme erweist sich schnell als berechtigt, als er wenig später von Unbekannten ermordet wird. Bevor er auf dem Sterbebett das Zeitliche segnet, kann er dem Commissario noch einige Informationen mitteilen, welche diesen auf die Spur eines weiteren, weit zurückliegenden Verbrechens bringt: Die Skelette eines vor etwa fünfzig Jahren ermordeten Pärchens. Versteckt in einer eingemauerten Höhle. Montalbano, völlig gefangen von dem mysteriösen Fall, stürzt sich, entgegen anders lautender Anweisungen seiner Vorgesetzten, in die Ermittlungen. Stürzen sollte man in diesem Zusammenhang jedoch nicht allzu wörtlich nehmen, denn wie auch sein Vorgänger behält „Der Hund aus Terracotta“ seine ruhige Erzählweise bei. Geschickt verbindet Camilleri nach und nach scheinbar zusammenhangslose Handlungsstränge miteinander, so dass diese nur langsam ein Gesamtbild ergeben. Spannung vermag also wieder wenig aufzukommen. Dafür überzeugt der Roman aber erneut durch perfekt pointierten Witz, der sowohl trocken als auch derb ausfällt, und den, aufgrund seiner vielen Schrullen, liebenswürdigen Hauptprotagonisten. Wenn sich dieser mal wieder nervös stammelnd auf einer Pressekonferenz zum Affen macht oder sich, trotz wichtiger anderer Termine, lieber den kulinarischen Genüssen seiner Haushälterin hingibt, muss man sich desöfteren ein Schmunzeln verkneifen. Überhaupt sprüht auch der zweite Band voll wunderbar sizilianischem Flair. Die Übersetzerin hat hier den Ton wieder perfekt getroffen, auch wenn stellenweise deutlich wird, dass wohl einiges an Sprachwitz verloren gegangen ist. Auch die vielen italienischen Begriffe machen einem den Einstieg in den Plot anfangs schwer. Insgesamt ein sehr atmosphärischer, vielschichtiger Kriminalroman, der den vorherigen Band noch übertrifft und insbesondere gegen Ende zu fesseln weiß. Ein literarischer Kurztrip in das karge, sonnige Sizilien, der blendend unterhält, jedoch eher Lesern zu empfehlen ist, die sich auch an der Schönheit der Sprache erfreuen und von der Erzählung treiben lassen können. Wer knisternde Spannung sucht, sollte von diesem Camilleri die Finger lassen.
Marie Alex zu »Andrea Camilleri: Der Hund aus Terracotta« 25.08.2005
Ich fand das Buch sehr gut, wieder eines der Bücher von denen man sich nur unwillig losreißt, und auch nur dann wenn es nicht anders geht. Mürrisch und größtenteils unausstehlich bin ich, so lange ich nicht weiter in Ruhe meinen Montalbano lesen kann...
Naja, Spannung auf den nächsten halte ich auf jeden Fall bereit.
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Manu zu »Andrea Camilleri: Der Hund aus Terracotta« 16.08.2004
Echt klasse, auch dieser Camilieri fesselt einen. Spannend geschrieben, gespickt mit Witz und echt sizilianisch.
Swen Piper zu »Andrea Camilleri: Der Hund aus Terracotta« 23.04.2004
Commissario Montealbano´s zweiter Fall. Wiederum gelingt des dem Autor ein unvergleichliches, unverwechselbares Flair zu schaffen: Man kann das sizilianische Essen beinahe riechen und den Wellengang hören, die Kriminalstory gerät fast zur Nebensache und das ganz man dem Buch durchaus zum Vorwurf machen. Dennoch ein empfehlenswertes Buch, insbesondere wenn man literarisch anspruchsvollere Krimis mag, ideal als Urlaubslektüre in Italien.
Florian Becker zu »Andrea Camilleri: Der Hund aus Terracotta« 26.02.2004
mein Einstieg in die Montalbano-Welt. Ich komme aus dem Schmunzeln nicht heraus. Originell, witzig, köstlich, Sizilien pur. Hoffentlich sind die anderen Bände ähnlich gut...
manu zu »Andrea Camilleri: Der Hund aus Terracotta« 08.08.2003
camilleri hat in diesem buch eine geschichte aus der vergangenheit raffiniert mit aktuellem gegenwartsverbrechen verwoben. ein gelungener plot!
die geschichte ist nachvollziehbar und der erzählstil durchgehend flüssig.
montalbano und seine eigenarten machen diese krimis so liebenswert....
wer leon mag kommt an camilleri nicht vorbei.....
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