Hard Man von Allan Guthrie

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Rotbuch.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 2 der Pearce-Serie.

  • Edinburgh: Polygon, 2007. 268 Seiten.
  • Berlin: Rotbuch, 2009. Übersetzt von Gerold Hens. ISBN: 978-3867890762. 314 Seiten.

'Hard Man' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Schauplatz Edingburgh. Pearce hat sich gerade erst vom Tod seiner Mutter erholt, als er einen neuen Auftrag erhält: May Baxter, sechzehn Jahre jung und schwanger, muss vor Wallace, ihrem zehn Jahre älteren Ehemann, beschützt werden. Denn als dieser schließlich dahinter kommt, dass er gar nicht der Vater des Babys ist, sinnt er auf Rache – und nicht ohne Grund ist er berühmt für sein lockeres Verhältnis zu brachialer Gewalt. Pearce lehnt dankend ab: Zum Babysitter wird ihn niemand machen. Doch als Wallace auch ihm nachstellt, geht er zu weit. Schon bald ist Pearce gezwungen, ihn in seine Schranken zu weisen. Jetzt wird’s persönlich: Zeit herauszufinden, wer hier der wirklich harte Kerl ist …

Das meint Krimi-Couch.de: »Simple Story« 89°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Hard Boiled ist so ein Begriff im Genre, bei dem Leser sofort wissen was sie erwartet. Männer, Gerechtigkeit, knallharte Szenen und nicht immer die Aussicht auf eine bessere Welt. Es geht dreckig zu. Helden wie Opfer wie Täter sind zerrissen, auch wenn die Ungerechtigkeit klar umrissen ist.

Nicht selten ist es wie in Alan Guthries Roman Hard Man die Eifersucht, die Gewalt entfacht und die Betroffenen zum Äußersten greifen lässt. Wer lässt sich schon gerne in seiner Ehre kränken? Wem ist vorzuwerfen, dass er nicht Tag und Nacht daran denkt, sie wiederherzustellen?

Da gibt es Wallace den Ehemann, dessen Frau May erst sechszehnjährig ist, ihn betrogen und sich bereits von einem anderen hat schwängern lassen. Und da gibt es die Familie Baxter, deren nachvollziehbares Ansinnen ist, die Tochter und Schwester nicht auszuliefern. Allan Guthrie entwickelt eine männliche Farce um Familienehre. Dass die scheinbare Rettung immer wieder an dem Bild eines Mannes wie Wallace zerschellt, den nicht mal ein Mordversuch aus der Ruhe bringt, er angesichts einer verirrten Kugel in der Decke lediglich den Wunsch nach einer neuen Tapete verspürt, verdanken Guthries Sinn für die Burleske.

Was also tun? Mit Wallace wird man doch zu Dritt spielend fertig. Oder? Wie Guthrie seine vermeidbaren Helden zu Anfang eines besseren belehrt, sie sich eine Tracht Prügel von dem scheinbar alten Mann wie Wallace abholen, gibt den Ton der Geschichte vor: Eine Posse der Gewalt, ironisch verschnitten mit fortschreitendem Suspense und mit so viel Augenzwinkern ausgestattet, dass es ein Vergnügen ist, Hard Mann zu lesen.

Der Mann an sich

Die Handlung entspringt jener Art Stammtischgeschrei, wenn Männer zusammen hocken und sich gegenseitig darauf einschwören, was sie alles täten, wenn ein Fall X eintrete. Niemand, der da vor Rachegelüsten zurück schreckt, wenn er nicht gerade ein Beckenrandschwimmer ist. Sie alle würden sich es nicht bieten lassen. Egal auf welcher Seite er auch steht. Schon setzt sich eine Spirale in Gang, die so unausweichlich ineinandergreift, dass niemand sie aufzuhalten versteht. Nebenbuhler werden gekreuzigt, Hunde entführt, Knochen gebrochen, Menschen getötet und man fragt sich nur: Wo bleibt die Polizei? Wer sorgt in diesem Chaos für Ordnung?

Nachdem der Versuch, kraftvoll mir dem Fuß aufzustampfen, kläglich scheitert, Vater und Söhne, der eine angeblich Türsteher, sich ihrer eigenen Schwäche bewusst werden, was liegt da näher, als jemanden zu engagieren, der im Gefängnis saß, sich mit Gewalt auskennt.

Pearce betritt die Szene. Anfangs desinteressiert, selbst mit Geld nicht zu ermutigen, kommt er ausgerechnet durch die Liebe zu einem kleinen Hund zu Fall. Ein einfaches Strickmuster in einem kargen realistischen Rahmen erzählt. Hard Boiled halt.

Guthrie betrachtet seine Männer mit Milde und Witz, teilt den Kapitel Überschriften aus Filmen von Cronenberg, Jarmusch bis Tony Scott zu, und fast erscheinen sie ihm wie ein Programm. Wobei Guy Ritchies farcehafte Verfilmungen sicher den Ton vorgeben, mit dem Guthries Jacob Baxter Bedürfnis, seiner Tochter beizustehen, am besten umfasst.

Für Gerechtigkeit sorgen

Guthrie erzählt davon, was alles passieren kann, wenn Schluss mit lustig ist, wenn es ums Eingemachte geht, davon, dass niemand vorhersehen kann, was alles aus dem Ruder läuft, ist man zum ersten Schritt bereit. Selten hat ein Autor mit so viel Vergnügen beim Scheitern zugesehen. Und so heißt der ans Kreuz genagelte unglückliche Liebhaber ausgerechnet Jesus. Liegt ja nahe. Auch er wird sich mit schier unmenschlicher Kraft, sich aus seiner Hoffnungslosigkeit zu befreien suchen. Doch da sind eigentlich alle schon irgendwie tot, oder fast tot oder waren es von Anfang an.

Hard Man macht Lust mehr von Alan Guthrie zu lesen. Hard Boiled kann äußerst amüsant sein, wenn man sich so versiert darauf versteht, mit dem Genre zu spielen.

Wolfgang Franßen, November 2009

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uknig zu »Allan Guthrie: Hard Man« 14.05.2013
Manchmal zahlt sich Geduld doch aus. Irgendwann mal um die Seiten 70 bis 80, da fand ich die Geschichte auf einmal ziemlich öde, weil irgendwie nichts mehr passierte. Doch dann nimmt die Story aus dem Edinburgher Kleinkriminellen-Milieu wichtig Fahrt auf und als dann noch Jesus ans Kreuz soll, wird es richtig beklemmend.
Guthrie schuf Charaktere ohne großen Sympathiebonus: Die Familie Baxter mit ihrer tumben Tochter May, die mit dem Oberfiesling Wallace verheiratet, der abgebrannte Detektiv Pearce. Eine Ansammlung von Verlierern, makaber und virtuos vom Autor in Szene gesetzt. Alles ziemlich brutal, wenn der Stoff verfilmt wäre, würde das Blut nur so sprudeln. Eben nichts für schwache Nerven.
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