Samariter ohne Herz von Alicia Giménez-Bartlett

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel Un barco cargado de arroz, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Spanien / Barcelona, 1990 - 2009.
Folge 6 der Petra-Delicado-und-Fermín-Garzón-Serie.

  • Barcelona: Planeta, 2004 unter dem Titel Un barco cargado de arroz. 361 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Lübbe, 2005. Übersetzt von Sybille Martin. ISBN: 3-7857-1555-2. 411 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: BLT, 2007. Übersetzt von Sybille Martin. ISBN: 978-3-404-92246-8. 413 Seiten.

'Samariter ohne Herz' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Ein Stadtstreicher auf einer Parkbank, das war alles. Es wirkte fast, als würde der Mann schlafen und wäre an diesem Morgen nicht mehr aufgewacht. Aber dem war nicht so, er war zu Tode geprügelt worden, obwohl das nicht die gelassene Würde aus seinem Gesicht hatte vertreiben können. Lange Finger, ein üppiger Vollbart …wie ein König Lear, der in ein Gewitter geraten und von einem ungerechten Blitz niedergestreckt worden war, allein und regungslos erinnerte er in seiner ganzen Pracht daran, dass er auch jetzt noch ein König war. »Blödsinn, Inspectora.« Garzón holte mich in die Wirklichkeit zurück. »Ein Bettlerkönig vielleicht. Soll ich ihm die Stiefel ausziehen, damit Sie seine Füße inspizieren können? So stinkt bestimmt kein König.«

Das meint Krimi-Couch.de: »Wortwitz mit Herz« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Mit manchen Krimiserien ist es wie mit dem Wein. Manche sind nicht lange genießbar und bauen mit der Zeit immer mehr ab und manche werden immer besser, je älter sie werden. Alicia Giménez-Bartletts Serie um die spanische Inspectora Petra Delicado ist wie guter Wein, sie hat mit der Zeit an Reife gewonnen und die Trinkreife bestimmt noch nicht überschritten.

Nachdem in einem Park die Leiche eines Obdachlosen gefunden wurde und sich sogar ein Zeuge gemeldet hat, der Skinheads gesehen haben will, die den alten Mann verprügelt haben, scheinen große Ermittlungen nicht mehr vonnöten zu sein. Es hapert nur noch an der Identifizierung des Opfers und um die soll sich Inspectora Petra Delicado mit ihrem Assistenten Subinspector Fermín Garzón kümmern. Aber Petra glaubt nicht an die Skinheadtheorie und ihr Respekt vor dem Opfer stärkt sie in ihrem Vorhaben, die Ermittlungen sehr gründlich durchzuführen. So machen sich die beiden auf und besuchen zahlreiche Wohlfahrtsorganisationen und Plätze, an denen sich die Wohnsitzlosen aufhalten, um den Namen des Toten in Erfahrung zu bringen. Hilfe bekommen sie von der jungen Polizistin Yolanda Santos von der Policía Municipal. Endlich treffen sie den Stadtstreicher Anselmo, der zwar zugegebenermaßen etwas wirr spricht, aber in dem Toten jemanden erkennt, der als Tomás der Weise bekannt ist. Er schien ein gelehrter und geachteter Mann zu sein. Als Anselmo kurz darauf ebenfalls tot aufgefunden wird, wissen die beiden Polizisten, dass sie auf der richtigen Spur sind.

Mit scharfem Blick

Alicia Giménez-Bartlett hat die Figuren ihrer Krimis stetig weiterentwickelt. Fermín hat mehr an Kontur gewonnen. Er ist ein Mann der alten Schule, der sich nur langsam an die Methoden seiner emanzipierten Chefin gewöhnen konnte. Inzwischen sind die beiden ein eingespieltes Team und kommen sehr gut miteinander aus, fechten jedoch immer noch  – Freude des Lesers – manchen verbalen Kampf miteinander aus. Fermín muss zum Beispiel im vorliegenden Buch mit der Tatsache zurecht kommen, dass sein Sohn homosexuell ist. Petra dagegen kämpft ihren eigenen Kampf, sie lernt einen Mann kennen, der ihr Leben auf den Kopf stellt. Sie ist recht zynisch, ist beleidigt, wenn man sie als originell charakterisiert, will aber dennoch anders sein als die anderen und wird dieses Mal sogar handgreiflich gegenüber einem Verdächtigen. Auf andere Weise schlagfertig ist sie ebenfalls:

»Meine liebe Yolanda, ich will aufrichtig sein. Ich verstehe, dass Sie sich langweilen. Das Leben einer Polizistin in welcher Körperschaft auch immer ist nicht so spannend, wie viele glauben. In meinem Fall auch nicht. Wie auch immer, wenn Sie ein wenig Abenteuer haben möchten, empfehle ich Ihnen, es in Ihrem Privatleben zu suchen. Viel Vögeln führt zum Beispiel zu ausgezeichneten Ergebnissen, verstehen Sie?« (S.20)

Mit scharfem Blick und auch scharfzüngig legt die Autorin den Finger in die Wunde des spanischen Wohlfahrtstaates. Die Dialoge machen einfach Spaß und die intelligenten Wortgefechte der beiden Protagonisten amüsierten mich in hohem Maße. Der Unterhaltungswert von »Samariter ohne Herz« ist mindestens genau so hoch anzusiedeln wie der des Vorgängerromans. Dass der Kriminalfall dadurch fast ein wenig in den Hintergrund tritt, ist verkraftbar. Einigermaßen spannend ist die Geschichte dennoch. Zudem ist Spanien als Schauplatz attraktiv, weil nicht schon dreißig andere Polizisten um die Gunst des Lesers ringen. Da kann man nur sagen: Zum Wohl!

Ihre Meinung zu »Alicia Giménez-Bartlett: Samariter ohne Herz«

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onetti zu »Alicia Giménez-Bartlett: Samariter ohne Herz« 29.01.2016
Die Bücher dieser Autorin sollte kein vernünftiger Leser kaufen. Ich habe zwei Versuche gemacht, aber etwas Falscheres, Unglaubwürdigeres und Strohdümmeres habe ich bisher noch kaum gelesen. Die Reaktionen dieser Papierfiguren sind komplett absurd, unvorhersehbar, und hängen nur davon ab, was der Autorin so zufällig durch den Kopf geschossen ist.
Liane Hof zu »Alicia Giménez-Bartlett: Samariter ohne Herz« 10.05.2009
Ich finde das Buch nicht gut. Die Handlung zieht sich bis ins Langweilige hin. Es passiert zu wenig und der Fall "schläft" richtig ein. Auch die privaten Teile der Inspectora sind allmählich öde! Die Mordvorgänge sind zu langweilig beschrieben und die Ironien kann ich teilweise auch nicht als "witzig" finden. Das Ende habe ich schon seit 1 Monat nicht weiter gelesen. Es interessiert mich irgentwie nicht! Allgemein: Nicht für Leute zu empfehlen, die gerne Grusel und Spannung und Action möchten.
engelmicha zu »Alicia Giménez-Bartlett: Samariter ohne Herz« 04.07.2008
Etwas weniger Beziehungsprobleme der Heldin und mehr Konzentration auf den Fall, hätten dem Buch sicher gut getan.

Eine nur mässige Steigerung gegenüber ihren bisherigen Krimis. dennoch eine Menge Chancen vertan aus einem an sich fruchtbaren Thema eine spannende Story zu machen,

Sicher mein letzter Versuch Krimis dieser Autorin etwas abzugewinnen.
Ulli zu »Alicia Giménez-Bartlett: Samariter ohne Herz« 26.07.2007
Leider kann ich mich meinen Vorgängern nicht anschließen, dabei hatte ich mich schon so auf den 6. Fall gefreut!

Abgesehen davon, das die Ermittlungen sich hinziehen wie Kaugummi, tritt hier eine Petra Delicado auf, die mit "Kotzbrocken" zu bezeichnen schon geschmeichelt wäre.
Offensichtlich meint Alicia Giménez Bartlett, eine weibliche egozentrische Chauvinistin könne den schlappen Plot noch retten, aber in meinen Augen erreicht sie eher das Gegenteil.

Mit Verlaub, da ist jeder Cent vergeudet!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Silke Schröder, themenguide.de zu »Alicia Giménez-Bartlett: Samariter ohne Herz« 23.03.2007
Viel Witz und Ironie versprüht die Autorin in ihrem neuesten Krimi. Neben einer spannenden Kriminalgeschichte, in der jeder Schritt logisch zu dem nächsten führt, wird das Privatleben der beiden Inspektoren diesmal gehörig durcheinander gewirbelt. Die Inspektorin hat eine heiße Affäre mit einem Psychiater, der mehr von ihr will, aber als emanzipierte Frau zelebriert sie zu sehr ihre Prinzipien und genießt ihr Alleinsein. Ihr „Subinspector“, ein alter Haudegen, der noch unter Franco Polizist war, muss sich mit der Homosexualität seines Sohnes auseinander setzen.

So schafft es die Autorin auch immer wieder, in ihren Romanen neben einer spannenden und logischen Krimihandlung, jede Menge gesellschaftliche Konflikte des modernen Spaniens unter zu bringen. Abgerundet wird das Ganze durch die herrlichen Streit-Dialoge der beiden Protagonisten.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Aitor zu »Alicia Giménez-Bartlett: Samariter ohne Herz« 19.02.2006
Einsame Spitze! Alicia Giménez Bartlett wird mit jedem Roman besser. In diesem Fall läuft sie mit ihrer Inspektorin Petra Delicado zur Höchstform auf: Ironische Bemerkungen, witzige Einfälle, rätselhafte Ereignisse und eine packende Story zeichnen dieses Meisterwerk aus. Ein Buch, das man nicht mehr weglegen möchte, bis es fertig gelesen ist.
3 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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