Boten der Finsternis von Alicia Giménez-Bartlett

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1999 unter dem Titel Mensajeros de la oscuridad, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei Unionsverlag.
Ort & Zeit der Handlung: Spanien / Barcelona, 1990 - 2009.
Folge 3 der Petra-Delicado-und-Fermín-Garzón-Serie.

  • Barcelona: Plaza & Janés, 1999 unter dem Titel Mensajeros de la oscuridad. 266 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2001. Übersetzt von Sybille Martin. ISBN: 3293202179. 239 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: BLT, 2005. Übersetzt von Sybille Martin. ISBN: 3-404-92172-0. 269 Seiten.

'Boten der Finsternis' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Seit Inspectora Petra Delicado im Fernsehen interviewt worden ist, schwimmt sie auf einer Welle der Popularität. Doch der Polizeialltag in Barcelona holt sie schnell wieder ein: Sie erhält Pakete mit höchst seltsamem Inhalt. Steckt ein Verrückter dahinter? Die Spuren ergeben ein raffiniertes Vexierbild, das Petra und den brummigen Subinspector Fermin Garzon von Barcelona nach Moskau führt.

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Jossele zu »Alicia Giménez-Bartlett: Boten der Finsternis« 16.01.2017
Alicia Giménez-Bartlett: Boten der Finsternis
Der Roman gliedert sich für mich in zwei Teile, nicht so sehr, was die Handlung betrifft, sondern die Qualität der Geschichte. Zu Beginn und im Mittelteil, eigentlich fast bis zum Ende, ist er sehr schön aufgebaut und wunderbar erzählt. Inspectora Petra Delicados feministische Einwürfe kommen nicht mehr, wie noch im ersten Band, verbissen und aufgesetzt daher, sondern leicht und mit trockenem Humor. Mit ihrem Partner Fermín Garzón verbindet sie inzwischen trotz aller Gegensätzlichkeit eine dicke Freundschaft. So kommen wie Personen viel natürlicher daher, als noch im ersten Band, als der ewige Streit nur konstruiert wirkte, um in eine spätere Phase der Beziehung überzuleiten. Auch die Arbeit der Polizei ist in ihrer Ratlosigkeit gut beschrieben. Der Fall spannend aufgebaut. Dann aber verhunzt Giménez-Bartlett das Ende, das an mehreren Stellen gleich völlig losgelöst von der zuvor erzählten Story daherkommt. 65°
Stefan83 zu »Alicia Giménez-Bartlett: Boten der Finsternis« 10.09.2010
Sie wurde vom Verlag schon als legitime Nachfolgerin Montalbáns betitelt und zählt, zumindest was die Verkaufszahlen betrifft, zu den erfolgreichsten spanischen Autorinnen der Gegenwart. Trotzdem hat sie sich auf dem deutschen Büchermarkt bisher nicht so recht durchsetzen können, was verständlich ist, denn es scheint, als ginge Alicia Gimenéz-Bartlett für jeden Schritt nach vorne, gleich wieder zwei zurück. Nach dem durchaus gefälligen zweiten Band „Hundstage“, welcher eine erhebliche Steigerung gegenüber ihrem Erstling darstellte, deutet der Trend im dritten Teil der Reihe um Inspectora Petra Delicado und Subinspector Fermín Garzón nun wieder nach unten. „Boten der Finsternis“ knüpft zwar inhaltlich an die Ereignisse des Vorgängers an, kann aber dessen Schwung nicht mitnehmen, was letztlich auch zur Folge hat, dass die Geschichte nicht so recht zünden will. Und die liest sich anfangs eigentlich richtig gut an:

Inspectora Petra Delicado ist not amused. Um das Image der Polizei ein wenig aufzupolieren, soll sie sich auf Wunsch des Comisarios für ein Interview im Fernsehen zur Verfügung stellen, was sie anfangs kategorisch ablehnt. Letztlich siegt dann aber doch die eigene Eitelkeit und Petra legt einen gelungenen Auftritt hin, der ihr in den darauf folgenden Tagen viel Lob einbringt. Da lassen sich sogar die Frotzeleien ihres Untergebenen Fermín Garzón ertragen. Zumindest bis zu dem Tag, wo sie ein kleines Päckchen zugestellt bekommt, in dem sich eine ganz andere Art von „Fanpost“ befindet. Als Petra es öffnet, findet sie statt Briefen einen säuberlich abgetrennten und in Alkohol konservierten Penis vor. Ein schlechter Scherz? Eine Drohung? Das Werk eines irren Verehrers? Petra beginnt ihren Fernsehauftritt zu verfluchen und ihre gute Laune weicht grimmigem Zorn als der Comisario ihr auch noch zwei Polizisten zum Schutz zuteilt.

Gemeinsam mit Fermín, dessen anfängliches Mitleid für den kastrierten Unbekannten mittlerweile rechtschaffener Empörung Platz gemacht hat, versucht sie Näheres über den Besitzer des Geschlechtsteils herauszufinden, während weitere Pakete mit Penissen den Weg in ihr Büro finden und dann auch eine dazugehörige Leiche auftaucht. Die Spur führt schließlich von der Kirche über eine Sekte direkt nach Moskau. Petra, die fest entschlossen ist das Rätsel zu lösen, reist zusammen mit Fermín ins eisige Russland, wo neben männlichen Verlockungen für die Inspectora auch weit schlimmere Gefahren auf sie warten...

So wie der Schuster bei seinem Leisten bleiben sollte, hätte auch Alicia Giménez-Bartlett ihre Protagonisten besser in Barcelona belassen, denn der Trip ins ferne Russland hat nicht nur einen Bruch innerhalb des roten Fadens zur Folge, sondern wird zudem mit derart vielen Klischees ausgeschmückt, dass es schon fast lächerlich wirkt. Vom rustikalen, attraktiven Moskauer Bullen mit rauchiger Stimme über den trinkfesten Kollegen bis hin zum korrupten Polizeiapparat nimmt Bartlett hier jedes sich bietende Vorurteil mit. An sich ist daran nichts auszusetzen, wäre das Ganze von ihr nicht so plump dahingeschrieben worden. Der Schauplatzwechsel scheint ein Mittel ohne Zweck zu sein, denn weder werden die Ermittlungen weiter vorangetrieben, noch kann das Spannungselement davon in irgendeiner Weise profitieren. Einzig und allein Petra Delicado kann nach ihrer Reise ein weiteres Tête-à-tête für sich verbuchen, was sie mit der kühlen Eleganz einer Edelprostituierten genauso schnell beendet, wie sie es begonnen hat. Derweil kocht der gutmütig-naive Garzón vor Eifersucht und Neid, und flüchtet sie in die Arme des Wodka.

Deutete sich in den ersten beiden Bänden der Reihe schon an, dass Alicia Giménez-Bartlett mit dem Wirken der Feministinnen mehr als nur liebäugelt, werden jetzt die Männer endgültig zu tumben Deppen degradiert. Hilfsbereite Kollegen kanzelt man reihenweise ab, dem treuen Garzón wird stets aufs Neue die „Ich-bin-deine-Vorgesetzte“-Karte ins Gesicht gehalten. Während vorher die humoristischen Wortgefechte der beiden noch auf Augenhöhe stattfanden, hat sich nun der Subinspector brav im Schatten der Meisterpolizistin Delicado zu halten. Und die scheint mittlerweile kein Wässerchen mehr trüben zu können. Die ihr zugeschickten amputierten Penisse betrachtet sie so unbeeindruckt wie unsereiner sein Mittagessen und auch Mordanschläge lassen sie kaum mit der Wimper zucken. Von den sich im weiteren Verlauf des Buches häufenden Leichen gar nicht zu reden. Die Befragung eines am Boden zerstörten und tieftraurigen Elternpaars wird lieber den Untergebenen überlassen, während man (oder besser frau) selbst dem Ex-Mann wieder schöne Augen macht, um ihm kurz danach gleich wieder die Tür vor der Nase zuzuknallen. Kurzum: Von Petra Delicados ruppigen Charme der Vorgängerbände ist nicht viel geblieben. Als männlicher Leser hat man nun so seine liebe Not Sympathie für diese eiskalte Karrierefrau aufzubringen.

Und der Kriminalfall? Er will einfach nicht so recht in Gang kommen. Obwohl sich „Boten der Finsternis“ wieder sehr flüssig und kurzweilig lesen lässt, springt der letzte Funke nicht über, vermag sich kein Gefühl der Bedrohung einzustellen. Das liegt nicht zuletzt an der schon bereits bemängelten Lässigkeit der Inspectora, welche das Gefahrenpotenzial abmildert und letztlich dazu führt, dass einem die Dinge am Wegesrand plötzlich interessanter erscheinen als die eigentlichen kriminalistischen Nachforschungen, welche von einer erschreckenden Ideenarmut gekennzeichnet sind. Hier mal ein paar Leute befragen, da mal eine Kirche besuchen. Sie wissen nichts? Egal, vielleicht klappts beim nächsten Verdächtigen. Schönen Tag noch. Frei nach diesem Muster wird hier die Spurensuche betrieben, was mit richtiger Polizeiarbeit wenig bis gar nichts gemein hat.

Bei all der Kritik kann aber auch „Boten der Finsternis“ für gefällige Unterhaltung sorgen. Wer keine nervenzerfetzende Spannung braucht und nicht jedes Mosaiksteinchen mit der Logik-Lupe beleuchtet, dürfte an Band drei weiterhin seine Freude finden. Fakt ist aber auch: Von den vielen guten Ansätzen des Vorgängers ist außer dem immer noch sehr amüsanten Geplänkel der Protagonisten nicht mehr allzu viel geblieben. Alicia Giménez-Bartlett sollte im nächsten Teil der Reihe besser die Kurve kriegen, sonst wird dieser für mich sicher, allein aufgrund der starken Konkurrenz in meinem Bücherregal, der Letzte von dieser Autorin gewesen sein.

Insgesamt ist „Boten der Finsternis“ ein mittelmäßiger Barcelona-Krimi ohne viel Anspruch oder Tiefgang, der für die Lektüre zwischendruch taugt, von dem Niveau eines Montalbáns aber immer noch meilenweit entfernt ist. Für männliche Leser aufgrund der mittlerweile überemanzipierten und streckenweise unerträglichen Inspectora Delicado nur noch bedingt zu empfehlen.
5 von 6 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Gabriel zu »Alicia Giménez-Bartlett: Boten der Finsternis« 19.08.2005
Äusserst originelle Idee. Der Roman ist vielleicht eine Spur zu lang geraten. Trotzdem schafft es Giménez Bartlett einmal mehr, die Lesenden ständig zu überraschen. Ein wahres Lesevergnügen mit einem unerwarteten Schluss, der einem die Haare zu Berge stehen lassen...
Ulli zu »Alicia Giménez-Bartlett: Boten der Finsternis« 11.08.2005
Tut mir leid, ich kann mich meinen Vorgängern nicht so recht anschließen. Ich habe die Bücher alle, aber nicht in Reihenfolge gelesen, und dieses gefiel mir jetzt nicht so gut - besser gesagt, Petra gefiel mir nicht besonders. In diesem Buch gibt sie sich nämlich besonders machohaft und läßt die Chefin 'raushängen - das ging mir eine Spur zu weit. Ansonsten aber gut zu lesen!
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