Mord in der Rue St. Lazare von Alexandra von Grote

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich / Paris, 1990 - 2009.
Folge 1 der Maurice-LaBréa-Serie.

  • München: Knaur, 2005. ISBN: 3-426-62699-3. 320 Seiten.
  • München: Heyne, 2009. ISBN: 978-3-453-43377-9. 427 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006. Gesprochen von Martin Sabel. ISBN: 3866674090. 9 CDs.

'Mord in der Rue St. Lazare' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Kommissar LaBréa hofft auf den Zauber von Paris. Um über die Ermordung seiner Frau hinwegzukommen, hat er sich in seine Heimatstadt versetzen lassen. Und tatsächlich: die Wiederentdeckung der vertrauten Straßen und Plätze, die Ruhe in seiner gemütlichen Wohnung im Herzen des Marais-Viertels – das besondere Flair der Stadt scheint zu wirken. Doch dann wird ein bekannter Filmproduzent ermordet. Haß, Intrigen, Lügen, Erpressung und die glitzernde Welt des schönen Scheins: Paris zeigt seine dunkle Seite. Kommissar LaBréa ermittelt unter Hochdruck …

Das meint Krimi-Couch.de: »Positiver Auftakt einer neuen Reihe« 82°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Zunächst nimmt sich die Autorin viel Zeit, um ihren neuen Serienhelden Maurice LaBréa vorzustellen. Nach dem gewaltsamen Tod seiner Frau lässt sich der attraktive Mittvierziger aus Marseille in seine Heimatstadt Paris versetzen. Neben seinem Beruf, der ihn sehr in Anspruch nimmt, muß er sich nun außerdem noch um seine 12-jährige Tochter Jenny kümmern. Dabei fällt mir auf, dass alleinerziehende Kommissare bei deutschen Krimiautoren zur Zeit Hochkonjunktur haben. Der Leser erfährt zunächst die Umstände, die zum Tod von LaBréas Frau geführt haben, lernt die neue Wohngegend des Kommissars im Marais-Viertel und seine Kollegen kennen.

Nach 37 Seiten schließlich kommt der Anruf, der den Kommissar von jetzt auf hier vom ruhigen Leben in eifrige Betriebsamkeit versetzt. Opfer des brutalen Mordes ist Jacques Molin, ein Filmproduzent. Der Täter scheint großen Hass auf den Mann gehabt zu haben, denn dessen Gesicht wurde mit einem Golfschläger bis zur Unkenntlichkeit zerschlagen. Merkwürdig nur, dass er schon vor dieser Mißhandlung durch einen Schuß ins Gesicht getötet wurde.

Zufälligerweise war LaBréa die Leiche nicht ganz unbekannt, denn er machte am Vortag dessen Bekanntschaft bei Dreharbeiten in LaBréas Nachbarhaus. Ein merkwürdiger Zufall, der zwar für die Aufklärung des Falles keine Rolle spielt, der aber für den Kommissar einen willkommenen Anlaß bietet, seine attraktive Nachbarin Céline, die künstlerisch für die Produktionsfirma tätig war, ein wenig näher kennenzulernen.

Bei seinen Ermittlungen findet er heraus, dass der Produzent nicht gerade beliebt war. Dessen Ehefrau nimmt seinen Tod ziemlich teilnahmslos auf. Molin war ein Frauenheld, bei dem man sich über das Bett nach oben dienen konnte. Seinen Kameramann wollte er hinauswerfen, mit seinem Regisseur hatte er einen Disput über das Drehbuch. Anlässe, den Produzenten zu hassen, fanden sich zuhauf, nach einem klaren Mordmotiv jedoch suchten die Ermittler zunächst vergeblich.

Die Beteiligten haben fast allesamt etwas zu verschweigen, was der Kommissar so nach und nach herausfindet. Eine Überraschung erlebt er jedoch, als er das Manuskript des Films liest, dessen Dreharbeiten so jäh unterbrochen wurden. Einer der Filmcharaktere wird auf genau die gleiche Art und Weise ermordet wie Molin, sogar mit dem selben Waffentyp erschossen. Diese Szene findet sich aber nur im Ursprungsskript, mittlerweile wurde das Drehbuch überarbeitet. Nun gilt es herauszufinden, wer außer dem Drehbuchautor das Originalskript noch gekannt hat.

»Maurice LaBréas erster Fall« als Untertitel, eine Brücke auf dem Titelbild – das erinnert von der Aufmachung her – vermutlich nicht ganz ungewollt – schon etwas an die Commissario Brunetti-Reihe. Gemeinsamkeiten bieten auch die Charaktere der Protagonisten. Mit seiner ruhigen Art und seinem scharfen Verstand versucht auch LaBréa, seine Fälle zu lösen.

Die Autorin hat den Beginn ihrer neuen Reihe in einer Welt angesiedelt, in der sie sich aus eigener Erfahrung bestens auskennen müsste. Als ehemalige Regisseurin und Drehbuchautorin zeigt sie die glamouröse Welt des Films mit all ihren Intrigen und Allüren. Die Story ist sehr gut aufgebaut und vielschichtiger, als das auf den ersten Blick erscheint.

Der Roman bietet alles, was zu einem erfolgreichen Whodunit gehört: zahlreiche Verdächtige und Mordmotive, immer wieder neue Spuren und Wendungen, sympathische und unsympathische Charaktere und immer wieder neue Aspekte. Spurensuche und Zeugenverhöre bilden ein ausgewogenes Verhältnis. Auch an der Auflösung des Falles gibt es keine Kritik anzubringen.

Mit ihrem neuen Protagonisten hat die Autorin eine interessante Figur erschaffen und dessen Privatleben auch nicht in den Vordergrund gestellt. Lediglich die Charaktere von LaBréas Kollegen bleiben noch ein wenig blaß, doch bietet eine Krimiserie ja noch genügend Gelegenheit, diese weiter auszubauen.

»Mord in der Rue St. Lazare« bildet einen erfreulichen Auftakt für eine neue Krimireihe, die hoffentlich noch für weiteres Lesevergnügen sorgen wird.

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Ammica zu »Alexandra von Grote: Mord in der Rue St. Lazare« 01.04.2012
Oh, mein Gott! Diesen Krimi durch zu kauen war eine schwere Geburt, um nicht zu sagen, eine Steißgeburt.
Zum Glück habe ich mich nur mit dem Hörbuch gequält. Hätte ich es gelesen wäre es schon nach 50 Seiten in den Müll gewandert.

Es ist langatmig, zu viel persönliches Geplänkel, zu Detail verliebt. Und zu allem Überfluss, wurde auch noch eine kleine Kochsendung mit eingebunden.
Mir als Leserin ist es doch egal, wie ein Menü zubereitet wurde und wie es geschmeckt hat. Oder welcher Wein getrunken wurde.
Um nur ein Beispiel der Langatmigkeit und Sinn freien Gestaltung dieses Werkes zu benennen.

Vielleicht sollte sich die Autorin besser auf Erzählungen konzentrieren statt auf Krimis - denn Spannung sucht man hier vergebens.
Dieses Buch ist etwas für Menschen mit Schlafstörungen - es ist sehr ermüdend.

Auf alle Fälle wird dies das 1. und Letzte Buch sein das ich mir von dieser Autorin angetan habe.
Jai zu »Alexandra von Grote: Mord in der Rue St. Lazare« 23.07.2010
Mir kommte es so vor, als versuche die Autorin fast zwanghaft immer wieder darauf hinzuweisen, dass man sich in Paris befindet. Das Buch ist überladen von Strassenamen etc. Aber wirkliche Paris-Stimmung kommt dabei leider nicht auf. Ansonsten fand ich die Story ganz gut. Auf jeden Fall kam ich - nachdem mich nach den ersten 50 Seiten Zweifel geplagt hatten, ob ich weiterlesen soll - doch noch gut ins Buch rein.
Queen zu »Alexandra von Grote: Mord in der Rue St. Lazare« 23.01.2009
Sehr toller Krimi. Ich mag es sehr gerne wenn man bis zum Ende nicht auf die Idee kommt wer der Mörder ist. Zumal im Verlauf der Geschichte die entscheidende Person nur beiläufig erwähnt wird. Das Buch ist locker leicht geschrieben, für nicht Frankreichliebende, kommt das ein oder andere Wort auf Französisch. :-)
Gelungenes Buch...empfehle es gerne weiter.und man sollte sich gleich den Folgeroman dazukaufen
annikaalex zu »Alexandra von Grote: Mord in der Rue St. Lazare« 22.11.2005
Mal was anderes, diese Diskussion um einen Krimi und seine Autorin. Dank Stefan und HH (und natürlich auch der Autorin) werde ich mir die beiden "Paris-Romane" besorgen. Von "Kommissarin Labelle habe ich mich gern verabschiedet. Die lasen sich dann doch ein bißchen nach: Hochbegabte Hausfrau, sonst bei der Organisation von Stadtteilfesten engagiert, muss mit in die Provence, will aber weder töpfern noch malen. Die Besprechung von Kümmel ist aber auch wirklich anregend. Ich bin gespannt und so soll es ja sein.
Stefan zu »Alexandra von Grote: Mord in der Rue St. Lazare« 22.11.2005
Sehr geehrte Frau von Grote,

bei aller Wertschätzung Ihrer Tätigkeit als Fernseh-Redakteurin/Regisseurin für die teilweise sehr gelungenen Fernsehspiele des ZDF und als Referentin für Kulturpolitik der Stadt Berlin:

Ich meine, auch ohne bislang Ihre Bücher gelesen zu haben (was aber zeitnah, auch Dank der Präsentation auf dieser Homepage, auf dem Programm steht), ein gewisses Maß an Kritik muss ein Autor eigentlich aushalten können.

Ein Übermaß von Bösartigkeit (= Schmähkritik um der Kritik willen) habe ich in dem von Ihnen in Bezug genommenen Beitrag nicht erkennen können. Genauso wenig kann es sein, dass conditio sine qua non für das Lesen eines Buches und eine anschließende (subjektive) Meinungsäußerung, die im Falle von HH weit differenzierter und substantiierter ist, als manch andere Beiträge in diesen oder anderen Foren, ein abgeschlossenes Germanistikstudium sein muss. Ich gehe davon aus, dass Sie sich im Falle einer positiven Kritik auch keine Gedanken über den Kenntnisstand des Verfassers von der Materie gemacht hätten. Darum handelt es sich bei diesem Forum auch um einen Treffpunkt für Hobby-Krimileser, und nicht um einen Meinungsaustausch mit anschließendem Florett-Duell der professionellen Literaturkritiker von FAZ, SZ, DIE ZEIT etc. (deren Kritiken im übrigen auch nicht immer über die Maßen gelungen sind...). Apropos: können Sie sich daran erinnern, dass Herr Reich-Ranicki und Herr Prof. Joachim Kaiser schon einmal einer Meinung in Bezug auf ein Werk waren? ;-)

Um mit MRR zu sprechen: "Wer schreibt, provoziert"!

In diesem Sinne verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen
Alexandra von Grote zu »Alexandra von Grote: Mord in der Rue St. Lazare« 21.11.2005
Erst jetzt lese ich HHs Meinung zu meinem Buch. Bezeichnenderweise verbirgt sich der/die Schreiber/in hinter einem Kürzel.
Es ist schon ein Kreuz mit den anonymen, geradezu böswilligen Kritiken von irgendwelchen Leuten, die mit aller Macht Haare in der Suppe finden wollen und sich als sogenannte Krtiker im Internet tummeln können. Ein bißchen Fundiertheit und Kenntnis der Materie gehört schon dazu, wenn man sich aufschwingt, die Arbeit anderer zu beurteilen, Monsieur oder Madame HH!

Die Autorin
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HH zu »Alexandra von Grote: Mord in der Rue St. Lazare« 04.05.2005
Eine Geschichte oder besser eine Idee zu einer Geschichte, die hätte interessant sein können. Leider plätschert die Handlung nur vor sich hin und gewinnt an kaum einer Stelle wirkliche Spannung. Die Entwicklung der geschickte wirkt arg konstruiert und auch die Wendungen die in ihr vorkommen wirken eher unbeholfen als Spannungssteigernd, zumal sie im Laufe des Buches zu einem großen Teil einfach im Sande verlaufen. Beim Lesen musste man sich an einigen Stellen unwillkürlich fragen, ob da jemand zum ersten mal schreibt. Seltsame schemenhafte Darstellungen, kurze abgehackte Sätze. Zum Ende tauchen zu Allem Überfluss auch noch Fehler in der Handlung auf: es heisst zum einen, der Täter (des einen Mordes) habe Handschuhe getragen, zum anderen hat er aber Kratzer auf der Hand, die vom Opfer stammen...
Die Einführung und Darstellung der Figuren im Roman gelingt nicht wirklich - alle Personen bleiben in meinen Augen farblos und uninteressant. Und auch der Ort der Handlung - Paris - wurde in anderen Romanen schon interessanter und lebhafter vorgestellt. Die Autorin beschreibt ein Paris, wie sie es anscheinend mal erlebt hat, bleibt dabei aber nur oberflächlich. Außer Essen, Wein und kleinen Lädchen scheint es in ihrem Paris nichts zu geben.
Schade, die Geschichte ist im Wesentlichen interessant und hätte zu einem guten Buch werden können. Bleibt zu hoffen, dass es im zweiten Fall besser wird!
gute Musik.
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