Der Rest war Schweigen von Alexandra Marinina

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel Ubijca ponevole, deutsche Ausgabe erstmals 1999 bei Argon.
Ort & Zeit der Handlung: Moskau, 1990 - 2009.

  • -: ?, 1997 unter dem Titel Ubijca ponevole. 261 Seiten.
  • Berlin: Argon, 1999. Übersetzt von Natascha Wodin. ISBN: 3870245077. 261 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2001. Übersetzt von Natascha Wodin. ISBN: 3-596-14311-X. 261 Seiten.

'Der Rest war Schweigen' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Etwas überrascht ist Kommissarin Anastasija Kamenskaja schon, als sich ihr sonst so nachlässiger Halbbruder Alexander plötzlich bei ihr meldet und ihren Rat sucht. Eigentlich hat sie auch zu viel Arbeit, um sich um Familienangelegenheiten zu kümmern. Doch was Alexander dann erzählt, weckt Anastasijas professionelle Neugier: Er hat seine Geliebte Dascha in Verdacht, gemeinsamen Freunden die Pässe gestohlen zu haben, und bittet Anastasija, die junge Frau unauffällig zu überprüfen. Eine Kleinigkeit angesichts der Arbeit, die im Kommissariat wartet – doch die Nebensächlichkeit entpuppt sich bald als hochbrisanter Fall …

Das meint Krimi-Couch.de: »Um Klassen besser als der erste Fall« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Mit »Der Rest war Schweigen« legt Alexandra Marinina »Anastasijas zweiten Fall« vor. Zumindest für ihre deutschen Leser ist es der zweite Fall. Nicht sehr sinnvoll, die Romane dieser Art nach der Reihenfolge ihres Erscheinens ins Deutschland durchzunumerieren, denn chronologisch passt das nicht. Zunächst sei kurz rekapituliert, was wir von der Protagonistin aus dem nicht sehr überzeugenden »ersten Fall« bereits wissen:

Anastasija Pawlowna Kamenskaja, kurz Nastja genannt, ist Mitte 30 und leitende Beamtin bei der Moskauer Kriminalpolizei. Ihre Mutter arbeitet seit zwei Jahren an einer Universität in Schweden, ihr Stiefvater hat sich an sein Dasein als Strohwitwer gewöhnt. Auch bei Nastja verläuft das Liebesleben ähnlich: Sie hat zwar seit zehn Jahren mit Ljoscha eine feste Beziehung, doch wohnen sie noch immer getrennt und es stört Nastja gar nicht, dass Ljoscha auch zwischenzeitlich andere Frauen hat. Ihre Hauptaufgabe sieht sie in ihrem Beruf. Sie ist eine überaus geschätzte Analytikerin im Rang eines Majors der Miliz und ihre Schlußfolgerungen sind sehr gefragt. Obwohl sie als Frau in einer solchen Position in Russland einen schweren Stand hat, setzt sie sich doch meist durch. Sie ist sehr konsequent und kann bisweilen auch nachtragend sein. Sie ernährt sich überwiegend von Kaffee und Zigaretten. Vom Äußeren her wirkt sie ziemlich unscheinbar und trägt gerne bequeme Sachen, so daß sie nicht gerade sehr anziehend auf Männer ist. Sie ist sehr introvertiert, doch besticht sie immer wieder durch ihre Schlagfertigkeit, lässt aber jeglichen Humor vermissen.

Zu Beginn ihres zweiten Falles lernen wir ihren jüngeren Stiefbruder Alexander kennen: erfolgreicher Geschäftsmann, wohlhabend,verheiratet, eine Tochter. Seine Frau liebt er nicht, fühlt sich jedoch wegen ihres gemeinsamen Kindes an sie gebunden. Nebenbei hat er eine Geliebte: Dascha. Und diese ist der Grund dafür, dass er seine Stiefschwester, zu der er seit Jahren keinen Kontakt hatte, um einen Gefallen bittet. Mehreren seiner Freunde wurden die Ausweise entwendet, kurz nachdem er sie mit seiner Freundin bekannt gemacht hatte. Nun möchte Alexander wissen, ob Dascha etwas damit zu tun hat.

Nastja nimmt die junge Frau daraufhin in ihrer Freizeit etwas genauer unter die Lupe. Was sie schließlich herausfindet, ist etwas völlig anderes, als sie vermutet hat.

Das Buch beginnt zunächst mit mehreren völlig unabhängigen Handlungssträngen. Doch wie sich diese immer mehr verzahnen und dem Leser nicht nur eine, sondern gleich mehrere Ereignisse offenbaren, die absolut überraschend sind und mit dem Ausgangspunkt nur eine zufällige Verbindung haben, das ist schon klasse gemacht.

Im Gegensatz zu ihrem müden Debütroman »Auf fremdem Terrain« zeigt die Autorin hier einen genial konstruierten dichten Plot, der dem Leser spannende Unterhaltung bietet. Ohne weitschweifig auszuholen und mit ausführlichen Ortsbeschreibungen oder Ausführungen über das Wetter zu langweilen, schafft sie eine fesselnde Atmosphäre mit einer guten Darstellung der russischen Gesellschaft der heutigen Zeit. Halbwelt und mafiaähnliche Verbindungen stehen dabei der russischen Miliz gegenüber, zu der auch die unbescholtenen Bürger kein Vertrauen haben, so daß sich die Ermittlungen nicht gerade einfach und problemlos gestalten.

Zweifellos dürfte das Buch beim Vorlesen deutschen Zungen aufgrund der russischen Namen einige Probleme bereiten. Wenn man sie aber nicht aussprechen muß, hat man sich schnell an die Namen gewöhnt und kann die gut dargestellten und ungewöhnlichen Charaktere problemlos zuordnen.

»Der Rest war Schweigen« zeigt wieder einmal, dass auch in Russland erstklassige Kriminalliteratur geschrieben wird. Das Buch ist um Klassen besser als der erste Fall der Reihe, auf den man getrost verzichten kann, da diese Reihenfolge sowieso keine Rückschlüsse auf die Chronologie des Geschehens zulässt.

Ihre Meinung zu »Alexandra Marinina: Der Rest war Schweigen«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Susannah zu »Alexandra Marinina: Der Rest war Schweigen« 09.09.2008
Moskau. Sascha Kamenskij sucht seine Schwester Anastasija, genannt Nastja, auf. Die junge Frau arbeitet bei der Moskauer Kripo und soll ihrem Halbbruder helfen. Der glaubt, dass seine Freundin Dascha seine Freunde beklaut. Nastja macht sich zunächst wider Willen an die Arbeit, doch dann stellt sie fest, dass Dascha beschattet wird. Sie erinnert ihres Partners Denissow, dem Mafiaboss, der ihr noch etwas schuldet. Mit seinen helfern versucht Nastja, den Grund für Daschas Beschattung zu ergründen. Doch all das geht weit tiefer in die Vergangenheit, als die Majorin der Polizei glaubt. Bis zur Ermordung eines kleinen Jungen im Jare 1986 ...

Hui! Was für ein klasse Krimi! Spannend bis zur letzten Sekunde, mit parrallelen Handlungsstränge, die sich erst mit der Zeit zusammenfinden, ausgefeilten Charakteren und einer tragischen Wahrheit. Hat mir Marinanas erster Krimi "Auf fremdem Terrain" schon gut gefallen, so übertrifft dieser zweite Fall den Erstling noch bei weitem. In ihrem heimatlichen Terrain Moskau und in ihrer gewohnten Umgebung agiert Nastja Kamenskaja noch genialer, noch beeeindruckender. Krimifans sollten hier zugreifen!
Schleiermacher01 zu »Alexandra Marinina: Der Rest war Schweigen« 30.07.2008
Ja, der Stil von Alexandra Marinina ist sehr eigentuemlich und sehr ungewoenlich, deswegen liebt man sie sehr hier, in Russland. Was dieses Buch angeht, es ist in der Wirklichkeit das 4. Buch, und dieses Buch ist mein bestes. Warum? Weil Marinina hier das echte Leben der 90er Jahren beschrieben hat. So was kann heutzutage nicht mehr passieren, aber damals, vor 15-17 Jahren - ohn Problem. Und natuerlich, das schwerste Problem der Wahle. Ob General Wakar (ich weiss leider nicht, wie man seinen Namen auf deutsch uebersetzt hat) wirklich Lust daran hatte, Rache zu nehmen? Was trieb ihn, zu toeten? Warum er, so ein starker Mann, der in Afganistan gewesen war, brach zusammen und beschloss, zu ermorden? Das sind die Fragen, die Marinina stellt. Und das traurige Schicksal des Sohnes von Denissow ist auch bemerkenswert. Ich wuerde sagen, dass ist der tiefste Roman von Marinina, wo sie ihre beste Eigenschaften gezeigt hat! Leider sind heute ihre Romane vollkommen schreklich, besonders ohne Kamenskaja!
Irina Kharag zu »Alexandra Marinina: Der Rest war Schweigen« 13.10.2005
ich habe alle bücher von marinina gelesen und keins auf deutsch, weil ich befürchte, enttäuscht zu werden. sie ist klasse, doch viel feinheiten könen nur die ex-sowjetleute verstehen, das hat schon was mit der mentalität zu tun. der name des buches ist falsch übersetzt, schon deshalb will ich es gar nicht auf deutsch lesen. kann aber insgesamt ihre bücher nur empfehlen, da sie etwas frisches und facettereiches sind- im gegensatz zu den meinsten deutschen krimis, die sich nur auf der handlung an sich konzentrieren und deshalb unglaublich flach und eindimensional wirken.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Jasmin zu »Alexandra Marinina: Der Rest war Schweigen« 25.03.2004
Ich schieße mich der Meinung meines Vorgängers an. Allerdings glaube ich nicht, dass es nur an der deutschen Übersetzung liegt, denn ich habe auch ein Buch auf russisch von ihr gelesen und muss sagen, das sie insgesamt einen sehr seltsamen Stil hat.
L. Rank zu »Alexandra Marinina: Der Rest war Schweigen« 20.10.2003
Ich fand das Buch schwer lesbar, wenig spannungsgeladen, teils weitschweifig, oft wenig glaubhaft. Mein Mangel an Begeisterung mag auch auf die Übersetzung zurückzuführen sein, die mir teilweise holperig und sprachlich unbeholfen erschien.
Ihr Kommentar zu Der Rest war Schweigen

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: