Der zweite Sohn von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2014
unter dem Titel Den andre sonen,
deutsche Ausgabe erstmals 2015
bei Piper.
Folge 2 der Sophie-Brinkmann-Serie.
- Stockholm: Norstedt, 2014 unter dem Titel Den andre sonen. 448 Seiten.
-
München: Piper, 2015.
Übersetzt von Stefan Pluschkat.
ISBN:
978-3-492-05571-0. 448 Seiten.
-
[Hörbuch] Berlin: Osterwold, 2015.
Gesprochen von Vera Teltz.
ungekürzte Ausgabe.
ISBN:
3869521910. 448 CDs.
'Der zweite Sohn' ist erschienen als
![]()
![]()
![]()
In Kürze:
Während Drogenboss Hector Guzman im Koma liegt, droht sein mühevoll errichtetes Imperium zu zerfallen. Nun gerät seine Freundin Sophie Brinkmann – die Krankenschwester hatte zu Beginn der Beziehung nicht geahnt, wie Hector sein Geld verdient – endgültig in ein Geflecht aus Verrat und blanker Gewalt. Als Hectors Widersacher Sophies Sohn entführen, muss die Unbescholtene ihre Moral aufgeben und sich auf die Spielregeln dieser fremden Welt einlassen. Wie schuldig darf man sich machen, um das Richtige zu tun? Ausgerechnet jetzt, da Hector Guzman im Koma liegt, steht sein international agierendes Drogenkartell gleich von zwei Seiten unter Beschuss: Die Konkurrenz und die Polizei sind ihm auf der Spur – ihm und seiner Geliebten Sophie Brinkmann. Dabei ist die unbescholtene Krankenschwester Sophie eher zufällig zwischen die Fronten der organisierten Kriminalität geraten …Aber jetzt ist es an ihr, das Schlimmste zu verhindern, denn nicht nur Sophie selbst, auch ihr Sohn schwebt in höchster Gefahr. Dazu muss sie sich auf die Spielregeln der Widersacher einlassen und das Böse in sich selbst entdecken. Doch wie weit darf sie gehen, ohne die Kontrolle und den Glauben an das Gute zu verlieren?
Das meint Krimi-Couch.de: »Brutales Ringen um ein Drogenkartell«
Krimi-Rezension von Andreas Kurth überspringen
Hector Guzman liegt nach wie vor im Koma – an einem sicheren Ort und gut bewacht. Sein kriminelles Imperium wird unterdessen von mächtigen Konkurrenten attackiert. Die Krankenschwester Sophie Brinkmann, die im ersten Band der Trilogie in die Machenschaften ihres Freundes hinein gezogen wurde, wird jetzt von seinen Mitarbeitern mehr oder weniger gezwungen, die Fassade aufrecht zu erhalten. Sie hat praktisch keine Chance, sich aus dem immer enger werdenden Wirrwarr aus Verrat, Lügen und tödlicher Gewalt zu lösen.
Aber nicht nur die Konkurrenz, auch die Polizei ist Hector und seiner Organisation auf der Spur. Sophie Brinkmann versucht mit besten Kräften, nach tragfähigen Lösungen zu suchen, aber dann werden ein illegitimer Sohn von Hector und nahezu zeitgleich ihr eigener Sohn entführt. Bei den komplizierten Austausch-Prozeduren muss sie sich wider Willen auf die Spielregeln ihrer Gegner einlassen. Mehr als einmal stellt sich Sophie die Frage, wie weit sie dabei gehen darf, ohne die Kontrolle zu verlieren oder eine Grenze zu überschreiten, hinter die es kein Zurück mehr gibt. Völlig unübersichtlich wird es allerdings, als Hector aus dem Koma aufwacht.
Ein gut lesbarer und sehr unterhaltsamer Thriller
Alexander Söderberg ist sich beim zweiten Band seiner Trilogie um Sophie Brinkmann als Autor treu geblieben. Auch dieser Band ist bereits wie eine passende Drehbuch-Vorlage verfasst. Schnelle Umschnitte, rapide Orts- und Perspektiven-Wechsel, äußerst kurze Dialoge – Söderberg hat sein Handwerkszeug als Drehbuchautor offensichtlich gelernt.
Das wirkt zuweilen durchaus etwas verwirrend, aber ich habe damit überhaupt kein Problem, denn das macht diesen Thriller am Ende spannend, gut lesbar und sehr unterhaltsam. Die kurzen Handlungsabschnitte – von Kapiteln kann man kaum sprechen – sorgen schließlich dafür, dass der Spannungsbogen enorm hoch bleibt. Mancher Leser mag sich vielleicht daran stören, dass die Romane offenbar bereits auf eine Verfilmung ausgerichtet sind, aber darin sehe ich nun wirklich keinen Makel.
Protagonistin wird in einem Loyalitätskonflikt förmlich zerrissen
Söderberg bietet ein enorm großes Personaltableau auf, und vor allem für Leser, die den ersten Roman der Trilogie nicht kennen, kann das zuweilen irritierend sein. Hier wäre eine Personenverzeichnis am Ende des Buches eine wirklich gute Idee gewesen. Natürlich wäre es noch hilfreicher, zuerst Unbescholten zu lesen. Das würde das Verständnis ungemein erleichtern, aber es ist in meinen Augen nicht zwingen, Der andere Sohn ist auch so durchaus verständlich und die Geschichte nachvollziehbar.
Gut ist dagegen, dass nicht alle Protagonisten, unabhängig von ihrer Bedeutung, sofort einzuordnen sind. Dazu trägt die Rasanz des Plots einen großen Teil bei. Aber auch die Personen selbst sind teilweise undurchsichtig – bis ihre Rolle in der Geschichte verdeutlicht wird. Das gilt selbst für Sophie Brinkmann, die immens mit sich um eine klare Haltung ringt, und zuweilen den Leser mit unerwarteten Schritten überrascht. Sie wird vor allem in einem Loyalitätskonflikt förmlich zerrissen. Aber am Ende ist ihr das Schicksal ihres Sohnes wichtiger als alles andere – was wenig überraschend ist. Eine liebende Mutter kann wohl kaum eine andere Entscheidung treffen.
Sophie muss sich in einer Welt von Machos behaupten
Die Mitarbeiter von Hector Guzman, seine Konkurrenten in Deutschland und Kolumbien, und schließlich Hector selbst – sie alle verfolgen ihre ganz eigenen Ziele. Und machen es Sophie damit nicht leicht, ihren persönlichen Weg zu finden. Die Trilogie um diese ehemalige Krankenschwester herum aufzubauen, ist ein ziemlich ungewöhnliches Vorgehen. Nicht nur, dass sie sich in einer Welt von Machos behaupten muss, sondern vor allem ihre innere Zerrissenheit geben dem Leser viel Stoff zum Mitfiebern und Nachdenken.
Es ist kaum verwunderlich, dass Söderberg einige Handlungsfäden im Finale auflöst, aber dennoch mit einem offenen Ende den Leser bereits auf den dritten Band seiner geplanten Trilogie hinlenkt. Der dürfte ähnlich rasant werden – und bereits nach der Lektüre des zweiten Romans gibt es genug Fragen, die man als Leser noch beantwortet haben möchte. Man darf also einige Monate gespannt sein.
Andreas Kurth, September 2015
Ihre Meinung zu »Alexander Söderberg: Der zweite Sohn«
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

