An keinem anderen Ort von Alex Gray

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel Never somewhere else, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Diana.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Lorimer-&-Brightman-Serie.

  • Edinburgh: Canongate, 2002 unter dem Titel Never somewhere else. 271 Seiten.
  • München: Diana, 2006. Übersetzt von Edeltraud Weiser. ISBN: 978-3-453-35099-1. 271 Seiten.

'An keinem anderen Ort' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In Glasgow werden innerhalb weniger Wochen die Leichen von drei jungen Frauen gefunden. Alle wurden mit einer Fahrradkette stranguliert und skalpiert. Detective Chief Inspector William Lorimer ist überzeugt, einen Serienmörder zu jagen, kann aber zunächst keine Verbindung zwischen den Opfern herstellen. Bis eine weitere junge Frau tot aufgefunden wird. 

Das meint Krimi-Couch.de: »Keine Gefahr für Ian Rankin, aber viel Potential« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Detective Chief Inspector William Lorimer steht vor einer schweren Aufgabe, denn im St. Mungo’s Park von Glasgow wurde innerhalb von nur zwei Wochen bereits die dritte Leiche einer jungen Frau gefunden. Alle wurden mit einer Fahrradkette stranguliert und anschließend skalpiert, doch ansonsten scheint es zwischen den Opfern keine Gemeinsamkeiten zu geben. Da sein Team in dem Fall nicht weiter kommt, stimmt Lorimer höchst wiederwillig zu, den Profiler Solomon Brightman in die Ermittlungen einzubinden. Als der Übergriff auf eine weitere Frau misslingt, hat die Polizei eine erste konkrete Spur, denn der Tatverdächtige fuhr einen auffäligen alten Krankenwagen. Ein solcher Wagen war auch dem oft im St. Mungo’s Park übernachtenden Obdachlosen Valentine Carruthers aufgefallen, allerdings nahmen die Ermittler seine Aussage nicht allzu ernst.

Nur zögerlich finden Lorimer und Brightman zueinander und da es weiterhin kaum verwertbare Spuren gibt, entschließt sich die Polizei, den Fall in der TV-Sendung Crimewatch UK vorzustellen. Durch einen Trick gelingt es Lorimer sogar den Täter dazu zu bringen, nach der Sendung selber anzurufen. Die Suche konzentriert sich aber zunächst voll auf den Krankenwagen, der bereits wenig später gefunden wird, allerdings völlig ausgebrannt und mit einer weiteren Leiche versehen. Lorimer glaubt zunächst, der Täter habe sich selber gerichtet, doch der Tote ist Lorimer nur allzu bekannt und wie sich des Weiteren herausstellt, gehörte der Krankenwagen einem der Mordopfer …

Symphatisches Ermittlerteam, dass sich erst finden muss

Wenn Val McDermid eine Kollegin mit den Worten »Der neue Star unter den schottischen Krimiautoren« lobt, so darf man als Liebhaber britischer Kriminalromane gespannt sein, ob die so erstellte hohe Erwartungshaltung bestätigt wird. Um es vorwegzunehmen, Alex Gray ist (noch) keine Gefahr für Schottlands unumstrittene No. 1, Ian Rankin, doch lässt sie ihr Potential mit diesem durchaus gelungenem Debütroman bereits erahnen. Einiges ist zwar noch arg mainstreammäßig, aber da die Geschichte in sich stimmig wirkt, entsteht ein positiver Gesamteindruck, der Spaß auf mehr macht. Erfreulich also, dass es gegen Ende des Romans heißt: »Seine Arbeit war nur in diesem Fall zu Ende, denn es warteten neue Fälle auf ihn.«

Neue Fälle warten also schon auf DCI William Lorimer, einen Ermittler der »alten Schule«. Er setzt auf klassische Ermittlungsmethoden, die Befragungen auf der Straße und in den Kneipen und so verwundert es nicht, dass Lorimer keineswegs begeistert ist, dass unter dem Druck der Öffentlichkeit ihm nun ein Psychologe zur Seite gestellt wird. Ein Profiler soll es also richten, da seine bislang so bewährten Methoden offenbar nicht ausreichen. Drei Leichen binnen zwei Wochen, da müssen halt alle Register gezogen werden und so finden die beiden gegensätzlichen Charaktere Lorimer und Brightman mehr und mehr zusammen.

Detailliert und lebendig erzählt

Alex Gray erzählt ausführlich vom Polizeialltag und somit sucht man Actionsequenzen denn auch vergebens. Dabei ist gerade dieser ruhige Erzählstil ein großer Pluspunkt, angesichts einer Marktübersättigung durch immer blutrünstigere Werke. Hier nimmt man sich noch Zeit für die Ermittlungen, stellt zahlreiche (Rand-)Figuren vor und verzichtet auf Effekthascherei. Die Perspektive wechselt des Öfteren, wobei die Presse in Person von Martin Enderby von der »Gazette« nicht untätig bleibt, wenngleich man diesen Punkt etwas mehr hätte herausarbeiten dürfen. Mehr Druck, eine giftige Headline der »Gazette« und etwas mehr Stimmung aus der Bevölkerung hätten dem Plot gut getan.

Dennoch, trotz der zuvor genannten kleineren Schwachstellen, muss nochmals klargestellt werden, dass hier ein solider Roman vorliegt, dem zahlreiche Leser/innen zu wünschen sind. Allerdings könnte es Ihnen wie dem Rezensenten ergehen, der nämlich beim ersten Auftritt des Mörders schon eine Vorahnung hatte.

Jörg Kijanski, Januar 2008

Ihre Meinung zu »Alex Gray: An keinem anderen Ort«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Ihr Kommentar zu An keinem anderen Ort

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: