Machtlos von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2010 bei Knaur Taschenbuchverlag.
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München: Knaur Taschenbuchverlag, 2010.
ISBN:
978-3-426-50649-3. 376 Seiten.
'Machtlos' ist erschienen als
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In Kürze:
In Hamburg laufen die Vorbereitungen für den internationalen Krisengipfel auf Hochtouren. Erste Terrorwarnungen sind bereits bei den Geheimdiensten eingegangen. Zur selben Zeit wird die Anwältin Valerie Weymann am Flughafen verhaftet. In endlosen Verhören unterstellen ihr Agenten von BKA und CIA Kontakte zu Terrormitgliedern von al-Qaida. Die Anwältin ist fassungslos und verweigert die Aussage. Doch ihr juristisches Wissen nützt ihr nichts, als am Hamburger Hauptbahnhof eine Bombe explodiert. Der mutmaßliche Täter ist ein Bekannter von ihr. Noch in derselben Nacht wird Valerie in ein geheimes Gefängnis nach Osteuropa gebracht, und eine rasante Jagd auf Leben und Tod beginnt …
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Krimi-Rezension von Andreas Kurth überspringen
Die Hamburger Anwältin Valerie Weymann ist geschäftlich auf dem Weg nach London. An der letzten Sicherheits- und Passkontrolle des Hamburger Flughafens wird ihr Pass eingezogen und sie selbst verhaftet. Voller Zorn kann sie noch ihren Mann anrufen, dann wird auch das Handy einkassiert. Im Verhörraum wird sie nach ihrer syrischen Freundin Noor al-Almawi befragt, die seit zwei Wochen spurlos verschwunden ist. Valerie verweigert gegenüber den Männern, die offenbar Geheimdienstmitarbeiter sind, die Aussage – und muss die Nacht in einer Zelle verbringen. Ihr Mann Marc versucht herauszufinden, was Valerie vorgeworfen wird, und stößt dabei auf eine Mauer des Schweigens. Nach einigem Hin und Her bringt ein CIA-Mitarbeiter die junge Frau durch einen Trick in seine Gewalt und schafft sie in ein illegales Verhör-Camp der Amerikaner in Rumänien. Sie wird verdächtigt, eine terroristische Organisation zu unterstützen, und die CIA-Agenten sind entschlossen, mit allen Mitteln Informationen aus der Deutschen heraus zu pressen. Ihr Leidensweg nimmt ungeahnte Dimensionen an.
Machtlos ist kein typischer Actionthriller, sondern vielmehr ein hervorragend recherchierter und spannend aufgebauter Politthriller von geradezu erschreckender Aktualität. Im Zentrum der Handlung stehen die Rechtsanwältin Valerie Weymann und ihre Familie. In ihrer Heimatstadt Hamburg soll es einen Umweltgipfel geben, an dem Staatschefs aus aller Welt teilnehmen werden. Und die Autorin schildert die ausbrechende Paranoia der Sicherheitsdienste authentisch und nachvollziehbar. Als dann am Dammtorbahnhof ein Bombe explodiert, gewinnt die Handlung enorm an Dynamik.
Dabei ist man als Leser stets in der ersten Reihe dabei, erlebt den Alptraum und die Ohnmacht der jungen Rechtsanwältin mit, die nicht nur ihrer Freiheit, sondern schließlich auch ihrer Würde beraubt wird. Alex Berg – Stefanie Baumm – zeigt sich hier von einer völlig anderen Seite als in ihren Kriminalromanen, und jagt ihren Lesern so manchen kalten Schauer über den Rücken. Aber vor allem der politische Rahmen wird hervorragend geschildert, die Figuren in der Behörden-Hierarchie wirken absolut authentisch. Um den »roten Faden« des Buches zu verdeutlichen, hat die Autorin den drei Teilen des Romans jeweils einen Auszug aus der Charta der Menschenrechte vorangestellt. Und bei der Lektüre wird schnell deutlich, dass diese Charta vor allem nach dem 11. September 2001 von den verschiedenen Sicherheitsdiensten mehr als kräftig mit Füßen getreten wird.
Geradezu weltbekannt ist das Käfig-Lager in der Guantanamo Bay auf Kuba, aber daneben gibt es immer noch ein Netz weiterer Verhör-Lager der CIA, in denen auch gefoltert wird – jedenfalls im Roman. Wie groß der Realitätsbezug ist, mag sich jeder Leser selbst ausmalen – oder lieber auch nicht. Auf jeden Fall gelingt es der Autorin, die von Beginn an hohe Spannung noch enorm zu steigern. Dabei übertreibt sie die Folterszenen im Camp keineswegs, und verzichtet zugunsten der Glaubwürdigkeit auf allzu blutige Einzelheiten. Außerdem vermeidet sie langatmige Detailschilderungen von Landschaft oder Gebäuden, was dazu führt, dass der Leser geradezu gebannt der voran galoppierenden Handlung folgt. Wer die Zeit hat, liest das Buch vermutlich an einem Tag oder am Wochenende durch, denn das Schicksal von Valerie Weymann vermag ungemein zu fesseln.
Neben vielen überraschenden Wendung trägt zur Spannung auch die Entwicklung innerhalb der »Geheimdienst-Gemeinde« bei. Während zunächst alle zu den bösen Jungs zu gehören scheinen, differenziert sich das Bild schon bald, und sorgt für einige Überraschungen – für die Protagonistin, aber vor allem für den Leser. Wirklich anrührend sind bei alldem die Schilderungen der psychischen Lage in der Familie der jungen Rechtsanwältin. Ihr Mann muss mit den zwei süßen Töchtern allein und voller Zweifel und Ängste Weihnachten feiern – herzzerreißend. Das dynamische und ziemlich überraschende Finale sorgt dann für den krönenden Abschluss. Die Autorin hat bereits eine Fortsetzung mit einigen der Protagonisten angekündigt – darauf kann man sich nur freuen.
Andreas Kurth, März 2011
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