Machtlos von Alex Berg

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Knaur Taschenbuchverlag.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg, 1990 - 2009.
Folge 1 der Valerie-Weymann-Serie.

  • München: Knaur Taschenbuchverlag, 2010. ISBN: 978-3-426-50649-3. 376 Seiten.

'Machtlos' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In Hamburg laufen die Vorbereitungen für den internationalen Krisengipfel auf Hochtouren. Erste Terrorwarnungen sind bereits bei den Geheimdiensten eingegangen. Zur selben Zeit wird die Anwältin Valerie Weymann am Flughafen verhaftet. In endlosen Verhören unterstellen ihr Agenten von BKA und CIA Kontakte zu Terrormitgliedern von al-Qaida. Die Anwältin ist fassungslos und verweigert die Aussage. Doch ihr juristisches Wissen nützt ihr nichts, als am Hamburger Hauptbahnhof eine Bombe explodiert. Der mutmaßliche Täter ist ein Bekannter von ihr. Noch in derselben Nacht wird Valerie in ein geheimes Gefängnis nach Osteuropa gebracht, und eine rasante Jagd auf Leben und Tod beginnt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Gefangen in der Hölle der Folterknechte« 80°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Die Hamburger Anwältin Valerie Weymann ist geschäftlich auf dem Weg nach London. An der letzten Sicherheits- und Passkontrolle des Hamburger Flughafens wird ihr Pass eingezogen und sie selbst verhaftet. Voller Zorn kann sie noch ihren Mann anrufen, dann wird auch das Handy einkassiert. Im Verhörraum wird sie nach ihrer syrischen Freundin Noor al-Almawi befragt, die seit zwei Wochen spurlos verschwunden ist. Valerie verweigert gegenüber den Männern, die offenbar Geheimdienstmitarbeiter sind, die Aussage – und muss die Nacht in einer Zelle verbringen. Ihr Mann Marc versucht herauszufinden, was Valerie vorgeworfen wird, und stößt dabei auf eine Mauer des Schweigens. Nach einigem Hin und Her bringt ein CIA-Mitarbeiter die junge Frau durch einen Trick in seine Gewalt und schafft sie in ein illegales Verhör-Camp der Amerikaner in Rumänien. Sie wird verdächtigt, eine terroristische Organisation zu unterstützen, und die CIA-Agenten sind entschlossen, mit allen Mitteln Informationen aus der Deutschen heraus zu pressen. Ihr Leidensweg nimmt ungeahnte Dimensionen an.

Machtlos ist kein typischer Actionthriller, sondern vielmehr ein hervorragend recherchierter und spannend aufgebauter Politthriller von geradezu erschreckender Aktualität. Im Zentrum der Handlung stehen die Rechtsanwältin Valerie Weymann und ihre Familie. In ihrer Heimatstadt Hamburg soll es einen Umweltgipfel geben, an dem Staatschefs aus aller Welt teilnehmen werden. Und die Autorin schildert die ausbrechende Paranoia der Sicherheitsdienste authentisch und nachvollziehbar. Als dann am Dammtorbahnhof ein Bombe explodiert, gewinnt die Handlung enorm an Dynamik.

Dabei ist man als Leser stets in der ersten Reihe dabei, erlebt den Alptraum und die Ohnmacht der jungen Rechtsanwältin mit, die nicht nur ihrer Freiheit, sondern schließlich auch ihrer Würde beraubt wird. Alex Berg – Stefanie Baumm – zeigt sich hier von einer völlig anderen Seite als in ihren Kriminalromanen, und jagt ihren Lesern so manchen kalten Schauer über den Rücken. Aber vor allem der politische Rahmen wird hervorragend geschildert, die Figuren in der Behörden-Hierarchie wirken absolut authentisch. Um den »roten Faden« des Buches zu verdeutlichen, hat die Autorin den drei Teilen des Romans jeweils einen Auszug aus der Charta der Menschenrechte vorangestellt. Und bei der Lektüre wird schnell deutlich, dass diese Charta vor allem nach dem 11. September 2001 von den verschiedenen Sicherheitsdiensten mehr als kräftig mit Füßen getreten wird.

Geradezu weltbekannt ist das Käfig-Lager in der Guantanamo Bay auf Kuba, aber daneben gibt es immer noch ein Netz weiterer Verhör-Lager der CIA, in denen auch gefoltert wird – jedenfalls im Roman. Wie groß der Realitätsbezug ist, mag sich jeder Leser selbst ausmalen – oder lieber auch nicht. Auf jeden Fall gelingt es der Autorin, die von Beginn an hohe Spannung noch enorm zu steigern. Dabei übertreibt sie die Folterszenen im Camp keineswegs, und verzichtet zugunsten der Glaubwürdigkeit auf allzu blutige Einzelheiten. Außerdem vermeidet sie langatmige Detailschilderungen von Landschaft oder Gebäuden, was dazu führt, dass der Leser geradezu gebannt der voran galoppierenden Handlung folgt. Wer die Zeit hat, liest das Buch vermutlich an einem Tag oder am Wochenende durch, denn das Schicksal von Valerie Weymann vermag ungemein zu fesseln.

Neben vielen überraschenden Wendung trägt zur Spannung auch die Entwicklung innerhalb der »Geheimdienst-Gemeinde« bei. Während zunächst alle zu den bösen Jungs zu gehören scheinen, differenziert sich das Bild schon bald, und sorgt für einige Überraschungen – für die Protagonistin, aber vor allem für den Leser. Wirklich anrührend sind bei alldem die Schilderungen der psychischen Lage in der Familie der jungen Rechtsanwältin. Ihr Mann muss mit den zwei süßen Töchtern allein und voller Zweifel und Ängste Weihnachten feiern – herzzerreißend. Das dynamische und ziemlich überraschende Finale sorgt dann für den krönenden Abschluss. Die Autorin hat bereits eine Fortsetzung mit einigen der Protagonisten angekündigt – darauf kann man sich nur freuen.

Andreas Kurth, März 2011

Ihre Meinung zu »Alex Berg: Machtlos«

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Horst Rubesch zu »Alex Berg: Machtlos« 07.04.2015
Leider hat die Autorin versucht, Elemente von Rosamunde Pilcher mit in den Stoff zu verweben. So wird aus kurzweiliger, nicht sehr anspruchsvolle Unterhaltung leider ein Geschreibsel, dass sich nur mit Mühe zu Ende lesen lässt. 40 %, zumindest für das Thema und dafür, daß keine Vampire enthalten sind.
kianan zu »Alex Berg: Machtlos« 10.04.2012
Das erste Buch um die Rechtsanwältin Valerie Weymann, das sich dem brisanten Thema illegale Methoden der amerikanischen Geheimdienste bei der Terrorbekämpfung versus Menschenrechte widmet. Und genauso wie im im ersten Buch von Simone Buchholz (die sich unter dem Pseudonym Alex Berg verbirgt) der Serie um Chas-Riley ist auch dieses Buch sehr gut zu lesen, jedoch auch wieder leider zu vorhersehbar. Daher ein wenig Prozentabzug. Ich werde von beiden Serien das zweite Buch lesen und entscheiden, ob ich bei den Serien und der Autorin bleibe.
manni zu »Alex Berg: Machtlos« 12.12.2011
Brandaktuell und spannend, unbedingt empfehlenswert. Die Autorin schreibt schnörkellos und ohne Gefühlsduselei.
Gegen Ende wird es leicht pathetisch, aber
es passt zur dramatischen Geschichte.
Die Story ließ mich nicht unberührt, wenn ich mir vorstelle ,wie schnell ein Mensch völlig unschuldig in die Klauen der Geheimdienste, Justiz, etc. geraten kann. Ich bin gespannt auf den Folgeroman "Die Marionette" und es gibt satte 80 Punkte !
Dreamteam2 zu »Alex Berg: Machtlos« 09.12.2011
Das Cover des Buches lässt nicht ansatzweise erahnen was alles in diesem Buch steckt. Alex Berg weiss offensichtlich wovon sie schreibt. Sehr spannender, realitätsnaher und detailliert recherchierter Politthriller mit sehr "echten" Protagonisten. So manches Mal läuft einem der Schauer über den Rücken bei der Erkenntnis wie nah sich die Geschichte an der Realität befinden könnte. Super!
Dieter Borries zu »Alex Berg: Machtlos« 01.09.2011
Bin zufällig an das Buch gekommen und konnte es nicht mehr aus der Hand legen...
Eine außerordentlich realistisch wirkende Fiktion, die Angst machen kann.
Was die "Dämlichkeit" der CIA angeht, die von einem Leser in dem Buch erkannt und bestritten wird, entsprang der Phantasie der Autorin. Ob die CIA wirklich klug oder dämlich war und ist -
nun darüber wird später einmal die Geschichte urteilen,
wenn sie z.B. den Irak-Krieg und seine Folgen bewertet. Was wie Dummheit aussieht, ist vielleicht Kalkül.Aber das Buch will ja wohl nicht die Wirklichkeit authentisch abbilden, es will seine Leser fesseln.
Und das tut es. Der Autorin ist m.E. ein toller Politkrimi gelungen, zu der man sie nur beglückwünschen kann.
Würde gerne Neues von Alex Berg lesen.
Anja S. zu »Alex Berg: Machtlos« 25.04.2011
Mir hat dieser Politthriller ganz ausnehmend gut gefallen. Die Autorin hat sorgfältig recherchiert und die "Dämlichkeiten" der CIA, die von dem Vorrezensenten bezweifelt werden, gut beschrieben. Es gibt genügend Fälle, in denen Unschuldige in die Fänge der CIA geraten sind, so wie zB die Deutschen Murat Kurnaz oder Khalid El-Masri, das Schicksal Valeries ist leider tatsächlich der Realität entsprechend. Das Buch ist sehr spannend geschrieben und gut zu lesen. Weiter so und mehr davon.
frankphilipp zu »Alex Berg: Machtlos« 04.12.2010
also ich kann da überhaupt nicht zustimmen. ich fand das buch grauenhaft schlecht. ok, die idee ist gut aber der schreibstil und diese ewig langen gefühlsduseleien haben in meinen augen groschenromanniveau.
ausserdem... so dämlich kann noch nicht einmal die cia sein.
wer was über deren machenschaften erfahren will, sollte tim weiners "geschichte der cia" lesen... die hat frau berg wohl auch bemüht und hätte es dabei belassen sollen.
mein fazit: überflüssig wie ein loch im kopf.
Krimi-Fan zu »Alex Berg: Machtlos« 15.09.2010
Diese Geschichte hat noch lange in mir nachgeklungen.
Eine Anwältin wird in Verbindung mit einem Terroranschlag gebracht und gerät unschuldig in die Fänge der Geheimdienste. Aus dem einfachen Grund, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort war. Es hätte auch jeden x-beliebigen anderen treffen können, und das macht die Sache so beängstigend. Aber auch, weil der Willkür die Machtlosigkeit gegenübersteht. Die der Protagonistin und aller, die ihr zu helfen versuchen.
Die Autorin erzählt rasant, packend und überzeugend. Die Charaktere sind nuancenreich und stimmig gezeichnet. Die Handlung lässt einen den Atem anhalten.
Es ist nicht leicht, den Roman aus der Hand zu legen. Während des Lesens, weil das Buch so spannend ist, und hinterher, weil es der Realität näher ist als der Fiktion.
Ein absolutes Muss für Freunde des anspruchsvollen Thrillers!
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