Die Marionette von Alex Berg

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Droemer Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland, 2010 - heute.
Folge 2 der Valerie-Weymann-Serie.

  • München: Droemer Knaur, 2011. ISBN: 978-3-426-50899-2. 380 Seiten.

'Die Marionette' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Valerie Weymann soll einen deutschen Rüstungskonzern, der des illegalen Waffenhandels beschuldigt wird, aus den Schlagzeilen bringen. Kein Geringerer als BND-Agent Eric Mayer führt die offiziellen Untersuchungen von Regierungsseite. Auf ein Wiedersehen mit dem Agenten, der Valerie einst verhaften ließ, ist die toughe Anwältin nicht vorbereitet. Zur selben Zeit kehrt die junge Soldatin Katja Rittmer schwer traumatisiert von ihrem Einsatz in Afghanistan zurück. Ihr Konvoi war in einen Hinterhalt geraten, und ihre Kameraden wurden mit deutscher Munition erschossen. Wie konnte das passieren? Doch in der Heimat will niemand ihre brisanten Fragen beantworten. Ein unerträglicher Zustand, der Katja Rittmer in eine tickende Zeitbombe verwandelt und weitere Menschenleben kostet.

Das meint Krimi-Couch.de: »Tote Soldaten, korrupte Politiker  und skrupellose Manager« 92°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Eine Bundeswehr-Patrouille wird in Afghanistan von den Taliban zusammengeschossen, es gibt nur wenige Überlebende. Katja Rittmer, eine deutsche Elite-Soldatin, erkennt sofort das Projektil, das ihr ein Arzt aus der Schulter geholt hat. Es ist Munition aus deutscher Produktion. Weil sie wegen einer zu hohen Morphium-Dosis für einen Kameraden, dem sie das Sterben erleichtern wollte, vor Gericht gestellt werden soll, taucht sie nach ihrer Rückkehr nach Deutschland sofort unter. Rittmer will die Wahrheit über die Waffen- und Munitionslieferungen an die Taliban herausfinden – und ist beseelt vom Gedanken an Rache. Rechtsanwältin Valerie Weymann soll zur gleichen Zeit einen deutschen Rüstungskonzern, der für den illegalen Waffenhandel verantwortlich gemacht wird, juristisch beraten. Ihr Kanzlei-Partner hat sie um Hilfe gebeten, weil er über seine politischen Kanäle erfahren hat, dass BND-Agent Eric Mayer die Untersuchungen von der Regierungsseite aus leitet. Doch auf das Wiedersehen mit dem Top-Agenten, der sie einst verhaften ließ und ihr dann das Leben rettete, ist die clevere Anwältin nicht vorbereitet. Zur selben Zeit zeigt sich die schwer traumatisierte Katja Rittmer als lebende Zeitbombe. Bei ihrem Rache-Feldzug zieht sie eine Spur der Verwüstung durch Deutschland – und wird von den Geheimdiensten gnadenlos gejagt.

Nachdem Alex Berg bei ihrem Politthriller-Debüt Machtlos bereits ordentlich Gas gegeben hatte, schaltet sie in Die Marionette gewissermaßen einige Gänge hoch. Von Beginn an bietet die Autorin den Lesern solide Action und gut recherchierte Fakten – garniert mit ebenso gut konstruierten erzählerischen Elementen. Sie vermag von der ersten Seite an zu fesseln, und die hohe Authentizität der Geschichte führt dazu, dass man sich zuweilen bei der Lektüre des Politik-Teils einer gut gemachten Tageszeitung wähnt. Dabei vermeidet die Autorin zu Oberlehrer-hafte Faktenberge, sondern baut reale Entwicklungen aus der Politik vielmehr höchst geschickt und unaufdringlich in ihre Erzählung ein.

Die wichtigsten Protagonisten aus ihrem ersten Thriller – Valerie Weymann und Eric Mayer – spielen auch hier die Hauptrollen. Die differenzierten Charaktere werden weiter entwickelt und somit für den Leser immer vertrauter. Beide übernehmen phasenweise wieder die Rolle des einsamen Wolfs, finden sich dann aber unter dem Druck der Ereignisse erneut zum Team zusammen. Dass sie sich auch näher kommen, wirkt durchaus authentisch. Eine solche Geschichte ganz ohne das Element Liebe wäre wohl auch zu realitätsfern gewesen. Immerhin gelingt es der Autorin, diesen Aspekt der Handlung recht geschickt im Hintergrund zu halten. Neben diesem bereits bekannten Duo spielen die Soldatin Rittmer, der Vorstandsvorsitzende eines deutschen Konzerns sowie ein amerikanischer Senator wichtige Rollen. Alle wirken durchaus glaubwürdig, auch wenn manche Teilaspekte leicht klischeehaft daherkommen.

Trotz der gut gezeichneten Figuren ist bei diesem Buch der Plot der eigentlich Star. Der Afghanistan-Krieg wurde zwar in letzter Zeit von der Atom-Katastrophe in Japan und der Euro-Krise nachrichtlich überlagert, aber spätestens wenn es neue Todesfälle in den Reihen der Bundeswehr gibt, rückt diese militärische Katastrophe wieder in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Die Vorstellung, dass deutsche Soldaten auch mit deutschen Waffen erschossen werden, ist dabei keineswegs abwegig. In vielen Kriegen haben Deutschland und andere Länder beide Seiten beliefert. Nur der früheren Zurückhaltung der Deutschen beim militärischen Engagement im Ausland ist es zu verdanken, dass Bundeswehrsoldaten noch nicht mit deutschen Waffen beschossen wurden. Und illegale Lieferungen in Krisengebiete oder so genannte Schurkenstaaten hat es schon häufig genug gegeben – der Irak ist da nur ein Beispiel.

Das posttraumatische Belastungssyndrom der Soldatin ist im Grunde nur noch ein Sahnehäubchen obendrauf. Denn auch dieses Thema sickert immer mehr in die Öffentlichkeit, obwohl es gerne verdrängt wird. Die Probleme der deutsche Soldatinnen und Soldaten nach dem Ende ihres Kriegseinsatzes werden wohl erst mit zeitlicher Verzögerung ausreichend thematisiert werden. Nicht alle müssen gleich zum Killer werden, aber die menschlichen und familiären Dramen, die sich bereits jetzt tagtäglich ereignen, sind Thema genug. Alex Berg ist es auf jeden Fall gelungen, aus dem komplexen Stoff einen wirklich rasanten Thriller zu machen, den man kaum mehr aus der Hand legt. Stefanie Baumm schreibt passable Kriminalromane, aber mit der Thriller-Serie um Weymann und Meyer hat sie als Alex Berg ihre wahre Bestimmung als Autorin gefunden. Auf die nächste Fortsetzung kann man sich wirklich freuen.

Andreas Kurth, November 2011

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David Kugler zu »Alex Berg: Die Marionette« 22.07.2013
Thriller vor aktuellem politischem Hintergrund sind eigentlich nicht mein Fall. Dies gilt umso mehr, wenn es sich um einen Thriller mit dem internationalen Afghanistan-Einsatz als Kulisse handelt. Die Kunst bei Wahl einer derart realistischen Kulisse besteht in diesem Fall darin, auch den Plot so realistisch zu gestalten, dass der Leser am Ende des Buches denkt: „Ja, so könnte es tatsächlich sein!“

Was Frau Berg hier auftischt, ist allerdings starker Tobak, der mit der Realität wenig zu tun hat:

Sauer aufgestoßen ist mir bereits die Einleitung: Da wird im Prolog reißerisch auf das „posttraumatische Stress-Syndrom“ (PTSD) hingewiesen. An diesem sollen die deutschen Soldaten in Afghanistan leiden. PTSD der Soldaten würde angeblich in der Heimat nicht oder nur unzureichend behandelt und machten die Soldaten daheim zu "tickenden Zeitbomben". Hallo, geht’s auch ne Nummer kleiner?

Auch das weitere Setting der Story überzeugt mich nicht:

- Die angeblich posttraumatisch gestresste Soldatin Rittmer läuft daheim in Deutschland mit einer geladenen Pistole rum, mit der sie alle möglichen Leute, so auch den BND-Agenten Meyer bedroht. Klar, in Deutschland hat bekanntlich jeder eine Knarre im Schrank, insbesondere Soldaten, weil, sie haben ja dienstlich ständig Zugriff darauf. So offensichtlich die simple Logik der Autorin.

- Überhaupt die Soldatin Katja "Katja Rittmer": Diese soll angeblich Mitglied der Spezialtruppe KSK sein. Die KSK war jedoch bis in die jüngere Vergangenheit für Frauen tabu. Die ganze Biographie der „Katja Rittmer“ ist damit nicht glaubhaft und nimmt der Story weitere Glaubwürdigkeit.

- Ein korrupter amerikanischer Senator, der mit den Taliban gemeinsame Sache macht und ab und zu Wagenladungen mit Hilfslieferungen gegen gutes Geld verschwinden lässt. Der Verdacht, dass Politiker, die über das "Ob" von Kriegen (mit) entscheiden, an diesen verdienen, ist nicht neu. Das geschieht allerdings sicherlich nicht so plump, wie die Autorin dem Leser glauben machen will.

- Ein BND-Agent, der im Verdacht steht, eben diesen Senator ermordet zu haben. Ja klar, sehr realistisch.

- Apropos Verschieben von Hilfslieferungen: Dass im Zuge der internationalen Hilfe mal ein Sack Reis oder von mir aus auch mal ne ganze Wagenladung der UNO abhanden kommt, dürfte realistisch sein. Aber ein ganzer LKW mit Waffen und Munition?! Das kann nur glauben, wer auch glaubt, dass derartige Transporte völlig unbewacht durch die afghanische Landschaft zockeln.

- Ein Mitglied des Vorstands der angeblich wichtigsten deutschen Rüstungsschmiede stirbt bei einem Autounfall. Kurze Zeit später begeht der verantwortliche parlamentarische Staatssekretär Selbstmord. Natürlich gehen die deutschen Sicherheitskräfte davon aus, dass kein Zusammenhang zwischen den Todesfällen besteht. Warum? "Wir haben eindeutige Beweise, dass es sich bei dem Tod von Herrn Hagedorn um Selbstmord handelt!" *face palm*

- Das verstorbene Vorstandsmitglied lässt der Anwältin Valerie Weymann einen USB-Stick mit brisanten Informationen zukommen. Jeder normale Mensch hätte den Stick sofort den Sicherheitsbehörden übergeben. Nicht aber unsere Anwältin, die natürlich selbst ermitteln muss und dabei natürlich in tödliche Gefahr gerät. Wie abgedroschen ist das denn?

- Einzelne Spannungshöhepunkte, wie z. B. die Ermordung des Senators, werden in Rückblicken geschildert und damit komplett unspannend rübergebracht. Bewusstes Stilmittel der Autorin, um die Spannung zu killen oder handwerklicher Schnitzer beim Verfassen des Buches?

- Die Namen der Haupt- und Nebenprotagonisten: Katja Rittmer, Valerie Weymann, Eric Meyer, Staatssekretär Hagedorn, BND-Mann Wetzel etc. Hat die Autorin ein Telefonbuch bemüht, um den Cast zusammenzustellen? Ja, genau so heißt man in Deutschland. Aber die zutiefst bodenständigen Namen passen nicht zur reißerischen, hanebüchenen Geschichte, die die Autorin uns hier auftischt.

Mein Fazit: Die Autorin konstruiert hier vor dem realistischem Hintergrund des Afghanistan-Krieges ein völlig unglaubhaftes Setting, das eher zu einen amerikanischen Thriller gepaßt hätte, für das Deutschland als Kulisse jedoch eine Nummer zu klein ist. Da das Setting an den Haaren herbeigezogen ist, kommt auch die ganze Geschichte völlig unglaubwürdig rüber. Letzeres hat zur Folge, dass leider keine rechte Spannung aufkommen will.

Von mir gibt’s deshalb leider keine Empfehlung.
kianan zu »Alex Berg: Die Marionette« 27.12.2012
Dieser Thriller schließt an das erste Buch von Alex Berg alias Stefanie Baumm um die Protagonistin Valerie Weymann an. Neben ihr tauchen auch Protagonisten des ersten Buches wieder auf wie dem deutschen Geheimdienstagenten Eric Meyer, dem amerikanischen Geheimdienstagenten Don Martinez und ihrem langjährigen Mentor Dr. Meisenberg. Daher ist es empfehlenswert zunächst das erste Buch "Machtlos" zu lesen.

Auch in diesem zweitem Buch behandelt die Autorin ein sehr brisante Thema: dem angeblich zivilen - oder doch eher wirtschaftlich - motivierten Einsatz der deutschen Bundeswehr in Afghanistan und die Folgen der dorthin entsandten Soldaten.

Das Buch selber empfand ich als sehr spannend, obwohl ich nicht wirklich beurteilen kann, ob alle Situationen realistisch dargestellt wurden, z. B. ein Entkommen von Katja trotz großer Übermacht an Agenten.

Dennoch hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen und durch die Beschreibung über die "Ehrlichkeit" hinter der großen Politik überzeugt.

Daher - mit kleinen Abstrichen - ein aus meiner Sicht zeitkritischer, sehr spannender und empfehlenswerter Krimi.
Anja S. zu »Alex Berg: Die Marionette« 04.02.2012
Mir hatte schon das Vorläuferbuch "Machtlos" ausnehmend gut gefallen, und ich hatte sehr gespannt auf die Fortsetzung gewartet. Und ich wurde nicht enttäuscht!!!
Superspannend, hervorragend recherchiert, erschreckend aktuell, überzeugend gezeichnete Charaktere, einfach klasse!!!
Ich freue mich schon auf den dritten Band um die Reihe um Valerie Weymann.
mannibraun@freenet.de zu »Alex Berg: Die Marionette« 02.01.2012
"Machtlos"entpuppte sich schon als Voll- treffer, aber "Die Marionette" ist schlicht allererste Sahne ! Top-Politthriller, rasant, spannend, hochbrisant das Thema, er- schreckend die Aktualität! Stefani Baumm ist für mich zur Zeit eine der interessantesten Thrillerautorinnen, da stimmt alles: das Timing, der Plot, alle Charaktere sind liebevoll, aber mit Distanz, gezeichnet, stilistisch schreibt Baumm absolut sicher: knapp, sachlich, fast dokumentarisch.
"Machtlos" unbedingt vorher lesen, da sonst
kein Verständnis für die Spannungen unter den Hauptprotagonisten, es lohnt sich die Vorgeschichte zu lesen.
88 Punkte !
Katrin Eggert zu »Alex Berg: Die Marionette« 07.11.2011
Super spannend und hochaktuell! Ein Blick hinter die politischen Kulissen (manchmal war mir nicht klar, ob ich das wirklich wissen will - denn dann wird einem schlecht...) Leider habe ich mit dem zweiten Band angefangen - ich denke, man sollte mit dem ersten Band beginnen ("Machtlos"). So wird man die Entwicklung der Protagonisten eher verstehen. Trotzdem - unbedingt lesen!!!
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