Flavia de Luce - Mord ist kein Kinderspiel von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel The weed that strings the hangman´s bag , deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Penhaligon.
- New York: Delacorte Press, 2010 unter dem Titel The weed that strings the hangman´s bag . 364 Seiten.
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München: Penhaligon, 2010.
Übersetzt von Gerald Jung.
ISBN:
978-3-7645-3029-7. 352 Seiten. -
München: Blanvalet, 2011.
Übersetzt von Gerald Jung & Katharina Orgaß.
ISBN:
978-3-442-37825-8. 352 Seiten.
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[Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2010.
Gesprochen von Andrea Sawatzki.
ISBN:
3867426821. 6 CDs.
'Flavia de Luce - Mord ist kein Kinderspiel' ist erschienen als
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In Kürze:
Nie zuvor hat die junge Flavia de Luce einen so aufregenden Theaterabend erlebt: Der begnadete Puppenspieler Rupert Porson schlägt das Publikum in seinen Bann, und beim furiosen Finale gibt es neben Rauch und stiebenden Funken sogar eine echte Leiche! Die Polizei tappt zunächst im Dunkeln. Nur die brillante Hobbydetektivin Flavia bewahrt den Durchblick und findet heraus, dass jemand die elektrische Anlage der Bühne manipuliert hat. Und bald darauf erkennt sie, dass das ruchlose Verbrechen eng mit einem weiteren, seit mehreren Jahren ungeklärten Todesfall verwoben ist. Doch allmählich stellt sich die bange Frage, ob die neugierige Flavia ganz allein gegen den Strippenzieher in diesem mörderischen Marionettenspiel bestehen kann.
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Gerade als sich die 11jährige Flavia ihr eigenes Begräbnis nebst Grabreden und trauernder Verwandtschaft, die viel zu spät erkannte was sie an ihr hatte, ausmalt, wird sie durch eine schluchzende Frau aus ihren Träumen gerissen. Wie Flavia erfährt, handelt es sich bei dieser Frau um Nialla, die Assistentin des berühmen Puppenspielers Rupert Porson, der mit seinen Puppen das Publikum und mit seinen charmanten Avancen regelmäßig neue »Assistentinnen« in seinen Bann schlägt. Dieser berühmte Puppenspieler macht nun Station in Flavias Heimatdorf »Bishop’s Lacy« und begeistert die Zuschauer mit seiner Fassung des bekannten Märchens von »Jack und der Riesenbohne«. Unglücklicherweise entgeht dabei niemanden aus dem Dorf, dass die Marionette, die den »Jack« darstellt, die Züge eines Jungen trägt, der auf mysteriöse Weise vor einigen Jahren erhängt im Wald aufgefunden wurde. Schon erhebt sich das Gerücht, dass der Puppenspieler mit dem Teufel im Bunde steht, da wird dieses Gerede auf unvermittelte Art und Weise beendet: Denn sicherlich ließe der Teufel keinen der seinigen einfach ermorden….
Alan Bradley hat mit seiner Ermittlerin Flavia de Luce eine Figur geschaffen, die zwei Seelen in ihrer Brust vereint. Da ist zum einen die begabte Chemikerin, die sich regelmäßig daran erfreut, Gifte zusammenzubrauen, oder aus einem benutzten Taschentuch einen Schwangerschaftstest herzuleiten. Diese Flavia wird getrieben von ihrem immensen Wissensdurst, der sich auch durch Schlösser, Riegel oder den Widerstand ihrer Familie nicht bremsen lässt. Zum anderen lässt die Heldin jedoch nicht vergessen, dass sie ein 11jähriges Kind ist, das nach wie vor unter dem Tod der geliebten Mutter Harriet leidet. An dem Mädchen nagen daher bohrende Zweifel, ob die Mutter etwa wegen ihm freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Zu diesen schwarzen Gedanken trägt auch das kindlich-grausame Spiel der älteren Schwestern Ophelia und Daphne bei, die Flavia versichern, dass sie nur ein Findelkind sei, das nach Ablauf des Vertrages ins Waisenhaus zurück gebracht werden müsse. Altersentsprechend für ein Kind der Nachkriegszeit sind auch Flavias Kenntnisse der Biologie, muss sich doch auch eine Koryphäe der Chemie nicht in allen Naturwissenschaften bestens auskennen.
»Sag’ mal Dogger…« setzte ich an »Hast du schon mal Madame Bovary gelesen?«
»Das ist doch ein französischer Roman, oder?« fragte er.
»Flaubert.«
»Ach ja.«
»Was meint Flaubert«, fragte ich schließlich, »wenn er schreibt, das Madame Bovary sich Rodolphe hingab?«
»Damit meinte er« meine Doggers unversehens bereitwillig, »dass sie die allerbesten Freunde wurden. Richtig dicke Freunde.
«Ach so. Das habe ich mir schon gedacht»
Getrieben von ihrer unbändigen Neugier und dem Wunsch die Welt der Erwachsenen zu verstehen, beobachtet und analysiert die jugendliche Detektivin diverse Umstände, die ihren Mitbürgen in ihrem beschaulichen Heimatort nicht auffallen. So entgeht ihr nicht, dass sich einer ihrer Nachbarn durch den Anbau von Marihuana offensichtlich ein kleines Zubrot verdient, dass sich zwischen dem Puppenspieler Porson und seiner schwangeren Assistentin augenscheinlich gewalttätige Konflikte abspielen und überhaupt so mancher ihrer Nachbarn mehr weiß als er eigentlich zugibt. Hier wäre auch das einzige Manko des Buches zu nennen, dass Bradley jedem dieser Nachbarn, die sicherlich zu der skurilen Vielschichtigkeit des Dorfes beitragen, aber im Plot nicht unbedingt eine wichtige Rolle spielen, eine Plattform einräumt. So ermüden teilweise die detaillierten Beschreibungen der dörflichen Abläufe und die Vielzahl der Personen, die eigentlich alle ein Motiv hätten, den Puppenspieler, der offensichtlich viele menschliche Strippen zog, vom Diesseits ins Jenseits zu befördern. Der eigentliche Mord ereignet sich dabei auch erst auf Seite 149 und bis dahin braucht der Leser zwischen den Streitigkeiten im Haushalt de Luce und diversen Konflikten zwischen dem Puppenspieler und der Assistentin schon einen längeren Atem.
Hier lohnt sich aber das Durchhalten, denn nach diesem Mord legt die Geschichte deutlich an Tempo zu, was nicht zuletzt den liebevoll aufgebauten und beschriebenen – aber für diesmal für die Handlung wichtigen – Nebenfiguren geschuldet ist. So hat Bradley geschickt die verrückte Meg eingeführt, deren Augen und Ohren bei dem lange zurück liegenden Tod des erhängten Kindes nichts entgangen ist, die aber aufgrund ihres Geisteszustandes nur schwerlich eine brauchbare Zeugin darstellt. Der eigentliche Mord an dem Puppenspieler tritt im Rahmen dieser Handlung mehr und mehr in den Hintergrund, eröffnet sich doch im Zuge der Geschichte die wesentlich interessantere Frage, was es seinerzeit mit dem Tod des kleinen Robin Ingleby’s auf sich hatte. Hier ist es dem Autor auf spannende Weise gelungen, die beiden Todesfälle miteinander zu verknüpfen und letztendlich wieder die Frage von Schuld und Sühne aufzuwerfen.
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die Geschichte um Flavia de Luce und ihre teilweise anstrengende Familie ebenso wie das Spiel von «Jack und der Riesenbohne" im Land der Märchen anzusiedeln ist. Aber ein Märchen, das gut erzählt ist und einen spannenden Plot aufweist, kann ebenso begeistern, wie eine moderne und blutige Hetzjagd nach einem Serienkiller.
Sabine Bongenberg, Oktober 2010
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| benfi zu »Alan Bradley: Flavia de Luce - Mord ist kein Kinderspiel« | 14.03.2012 |
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| simsa zu »Alan Bradley: Flavia de Luce - Mord ist kein Kinderspiel« | 22.02.2012 |
| brigerbaerger zu »Alan Bradley: Flavia de Luce - Mord ist kein Kinderspiel« | 25.01.2012 |
| tedesca zu »Alan Bradley: Flavia de Luce - Mord ist kein Kinderspiel« | 22.02.2011 |
| Maria-Luise zu »Alan Bradley: Flavia de Luce - Mord ist kein Kinderspiel« | 21.01.2011 |


