Vom selben Blut von Åke Smedberg

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Blod av mitt blod, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden, 1990 - 2009.
Folge 3 der John-Nielsen-Serie.

  • Stockholm: Bonnier, 2005 unter dem Titel Blod av mitt blod. 281 Seiten.
  • München: Goldmann, 2007. Übersetzt von Christine Heinzius. ISBN: 978-3-442-46499-9. 281 Seiten.

'Vom selben Blut' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Alles beginnt mit einem alten Foto. Auf der Beerdigung seines alten Freundes Lasse Henning zeigt die Witwe dem Journalisten John Nielsen eine Aufnahme, auf der ihr Mann zusammen mit einer jungen Frau zu sehen ist. Gisela Henning bittet Nielsen herauszufinden, wer die Unbekannte ist und was sie mit Lasse verband. Doch niemand will diese Frau je gesehen haben. Schließlich erhält Nielsen einen Hinweis, der ihn auf die Spur eines schrecklichen Verbrechens führt ... 

Das meint Krimi-Couch.de: »Wenn solch ein Feuer ausbricht, bleiben Tote zurück« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

Ein junger Mann wird brutal ermordet, der Polizist Lasse Henning stirbt an einem Herzinfarkt. Seine Lebensgefährtin bittet den Journalisten John Nielsen eine junge Frau zu suchen, die auf einem Foto neben Henning – dem guten Freund und Mentor Nielsens – zu sehen ist. Die wichtigste Frage: Hat sie etwas mit den Unregelmäßigkeiten zu tun hat, die den letzten Lebensmonat Lasse Hennings bestimmten?

Derweil tasten sich die Gesetzeshüter um den besonnen Kommissar Rydalen und seine patenten Kollegen Sandra Mattsson und Leif Ahrén, durch eine Reihe unterschiedlicher Verdächtiger zum wahren Killer des jungen Mikael Bergmann vor. Natürlich kommt, was der aufmerksame Leser bereits ahnt: beide Fälle hängen eng zusammen. Doch wenn der schwer gebeutelte Nielsen und das hartnäckige Ermittlerteam aufeinandertreffen und einen mehrfachen Mörder dingfest machen, ist der Roman noch nicht zu Ende. Denn erst im Schlussakt gewinnt der Buchtitel an tieferer Bedeutung, findet seine Bestätigung und wird gleichzeitig ad absurdum geführt, denn tiefe Gefühle müssen nicht unbedingt etwas mit Blutsbanden zu tun haben.

Åke Smedberg hat mit Vom selben Blut einen ungewöhnlichen Thriller geschrieben. Zum einen erfordert die knappe, assoziative Prosa hohe Aufmerksamkeit vom Leser – vor allem zum leicht unübersichtlichen Beginn des Romans, der die Leserschaft unvermittelt mitten hinein in ein Geschehen wirft, das sich erst im weiteren Verlauf nachvollziehbar entschlüsseln lässt -, zum anderen gehorcht er nicht unbedingt einer konventionellen Krimistruktur. Dass zwei Parteien an unterschiedlichen Fronten ermitteln, ist so ungewöhnlich nicht; dass der Killer aber bereits knapp hundert Seiten vor Schluss entlarvt und verhaftet wird, schon eher. Das der Roman nach der Verhaftung noch einmal die Spannungsschraube anzieht und seinen eigentlichen Sog entwickelt, zeugt von Smedbergs schriftstellerischer Kompetenz und Klasse, die sein Buch sprachlich – auch in der Übersetzung – zu einem Highlight werden lassen.

Ein eher düster gestimmtes, wenig geschwätziges Figurenarsenal mit Hang zu Depressionen und dem Ausleben dunkler Untugenden, weist auf einen typischen skandinavischen Roman hin. Doch auch hier lockt Smedberg seine Leser auf eine falsche Fährte. Denn es sind keine nationalen Zipperlein, die John Nielsen und Co. quälen. Es sind die Sünden/ Fehler der Vergangenheit, die sich Pfade in die Gegenwart bahnen – bei Nielsen ständig präsent aufgrund seines, nach einem Unfall im geklauten Auto, amputierten Unterschenkels -, und die falschen Schlüsse, die aus fehlerhaft interpretierten, bzw. bewusst fehl geleiteten. Informationen entstehen.

Smedberg skizziert und seziert seine Protagonisten und ihren Umgang miteinander, unprätentiös und genau beobachtend. Seine Gelassenheit ist dabei nur eine Scheinbare. Es brodelt und brennt an allen Ecken und Enden. Wenn solch ein Feuer ausbricht, bleiben Tote zurück. Doch Smedberg weiß, dass das Leben natürlich weitergeht und liefert uns eine der schönsten Schlusspassagen 2007:

»Der matte Sonnenschein auf den Wellen und der blassblaue Himmel da oben. In all dem lag etwas Glück, dachte er. Und Versöhnung. Man konnte hier stehen, an nichts denken und sich einfach nur von allem durchdringen lassen. Und Glück empfinden.«

Was will man mehr?

Jochen König, Januar 2008

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TinT79 zu »Åke Smedberg: Vom selben Blut« 10.11.2010
Anfangs ist dieses Buch von den Personen her etwas unübersichtlich, wenn man sich jedoch einmal in die Story entführen lassen hat, wird man von der Spannung hier förmlich gefesselt.
Als unerfahrener Kriminalist sieht sich der Journalist John Nielsen plötzlich in mitten eines Wirrwarrs von Fäden die alle eine Person umspannen, die von seinem alten und jüngst verstorbenen Freund Lasse Henning. Die Witwe des Verstorbenen glaubt nicht an ein natürliches Ende ihres Mannes und gibt John Nielsen mit einem alten Foto eine Spur in die Hand, die ihn über viele Unwegsamkeiten zu einem grausamen Verbrechen führt.
Amouna zu »Åke Smedberg: Vom selben Blut« 24.10.2008
Pf - für mich ist das Buch vor allem durch Langatmigkeit und Namens-Wirrwarr gekennzeichnet. Zwar ist der Plot stimmig und hätte durchaus den Grundstock für einen spannenden Thriller darstellen können, leider hat dies der Autor aber nicht wirklich umgesetzt. Mir fiel es schwer, die einzelnen Personen zuzuordnen, ständig kamen neue Namen, die dann für noch mehr Unverständnis sorgten. Alles in allem für mich nur eine 50°-Wertung wert.
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