Zimmer Nr. 10 von Ake Edwardson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Rum nummer 10, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Claasen.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 7 der Erik-Winter-Serie.

  • Stockholm: Norstedt, 2005 unter dem Titel Rum nummer 10. 443 Seiten.
  • Berlin: Claasen, 2006. Übersetzt von Angelika Kutsch. ISBN: 978-3-546-00295-0. 447 Seiten.
  • Berlin: List, 2007. Übersetzt von Angelika Kutsch. ISBN: 978-3-548-60761-0. 477 Seiten.
  • Berlin: List, 2011. Übersetzt von Angelika Kutsch. ISBN: 978-3-548-28396-8. 480 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2006. Gesprochen von Boris Aljinovic. Gekürzte Lesung. ISBN: 3899032772. 5 CDs.

'Zimmer Nr. 10' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Nach über zwanzig Jahren im Polizeidienst hat Erik Winter eine Krise. Wohin führt sein Leben? Hat die Beziehung mit Angela eine Zukunft? Er ist entschlossen, eine Auszeit zu nehmen und alles zu überdenken. Doch dann geschieht ein Mord. In einem Göteborger Hotel wird eine junge Frau erhängt. Ihr Tod sieht wie ein Selbstmord aus, aber der Abschiedsbrief von Paula Ney enthält keinerlei Hinweise auf die Hintergründe der Tat. Wenig später findet man auch Paulas Mutter tot auf, und für Winter rückt ein Indiz in den Mittelpunkt der Ermittlungen: Beide Leichen haben eine weiß bemalte Hand.Winter erinnert sich an einen ungelösten Fall, der zwanzig Jahre zurückliegt. Die erfolglose Suche nach der vermißten Ellen Börge endete in genau jenem Hotelzimmer Nr. 10, in dem Paula Ney gefunden wurde. Als Erik Winter diesen alten Fall aufgreift, gerät er plötzlich selbst in das Visier des Mörders …

Das meint Krimi-Couch.de: »Winter wallandert« 65°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Über sechs Fälle hatte der Protagonist von Ake Edwardsons Kriminalromanen, Kommissar Erik Winter, fast ein Alleinstellungsmerkmal bei den skandinavischen Ermittlern: Er war jung, erfolgreich, gut aussehend und eben nicht tiefst betrübt. War. Denn mit Zimmer Nr. 10 hat auch Winter diese scheinbar so typische Charaktereigenschaft der Schweden eingeholt. Und strickt Edwardson – dafür ist er be- und anerkannt – wieder einmal einen höchst verworrenen Plot mit intensiven psychologischen Studien, so kann man Kommissar Winter eigentlich nur das wünschen, was er selbst am meisten herbeisehnt: eine Auszeit.

Knackpunkt in Fall Nr. 7 ist eine Frauenleiche in Zimmer Nr. 10. Besagter Raum ist mietbar in einem heruntergekommenen Hotel Göteborgs und war bereits Zentrum von Winters Ermittlungen. Vor achtzehn Jahren verschwand dort eine Frau spurlos. Verbleib ungeklärt. Bis heute. Und jetzt die erhängte Frau im selben Zimmer. Komisch nur: ihre Hand ist weiß angemalt. Ein Fingerzeig des Täters?

Edwardsons Stilspiele

Alles deutet auf einen langwierigen Fall. Keine Zeugen, keine Indizien. Und wie kaum anders zu erwarten liegt des Rätsels Lösung weit in der Vergangenheit. Genau so weit ist der Weg, den der Leser weitgehendst spannungslos hinter sich bringen muss, bevor sich die Ermittlungen tatsächlich auch darin äußern, dass sie den Leser fesseln. Über gut vierhundert Seiten ist Zimmer Nr. 10 eine anspruchsvolle wie auch ansprechende Lektüre. Nur als Krimi will sie lange Zeit nicht funktionieren.

Und sprachlich kompliziert ist sie dazu. Nicht nur, dass Edwardson ohne jeglichen Hinweis zwischen den Zeiten springt (und dazwischen liegen eben immerhin fast zwanzig Jahre), er bemüht auch wie schon in den vorangegangenen Romanen Phrasen, die beim ersten Mal kunstvoll, beim zweiten Mal künstlich und beim dritten, vierten, fünften und auch fünfzehnten Mal katastrophal wirken: »Nein. Ja. Nein. Ja«. Oder variiert: »Ja. Nein. Ja. Nein«. Ein wenig mehr Stringenz und Geradlinigkeit, ein bisschen mehr Klarheit – das alles täte Edwardsons Prosa durchaus gut.

Zum Ende kommt der Drive 

Auch wenn Winter »wallandert« und Edwardson ausschweift, schlecht ist Zimmer Nr. 10 keinesfalls. Der Roman überzeugt fraglos durch die Schilderung komplexer menschlicher Beziehungen, einer äußerst trüben wie eindringlichen schwedischen Herbst-Atmosphäre und durch einen verwickelten Plot. Der, und da macht Edwardson richtig Spaß, zum Ende hin sogar mit ordentlich Drive aufgelöst wird.

Aber: Das ist alles nichts Neues mehr. Mit Winter-Romanen wie Der Himmel auf Erden oder auch Die Schattenfrau fährt der Fan skandinavischer Kriminalromane deutlich besser und erfrischter. Zimmer Nr. 10 ist der Krimi für dauerverregnete Sonntage, an dem eh keine positive Stimmung aufkommen will. Dann kann Edwardson seine Karten ausspielen und überzeugt als anspruchsvoller Erfinder von psychologisch dominierten Kriminalromanen. Da aber auch irgendwann mal wieder die Sonne scheinen wird, sollte sich der Schwede schnellstens um mehr Abwechslung in seiner Winter-Reihe kümmern. Bis dahin wünschen wir dem Kommissar einen angenehmen Aufenthalt in Spanien.

Lars Schafft, Dezember 2006

Ihre Meinung zu »Ake Edwardson: Zimmer Nr. 10«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

chrkri zu »Ake Edwardson: Zimmer Nr. 10« 18.12.2013
Schade um die verlorene Zeit, keineswegs empfehlenswert.
Ich habe keine Ahnung aus welchem Motiv die Morde geschahen noch interessiert es mich wirklich.
Das war mein erster Krimi von Edwardson und sicherlich mein letzter.
Der Jukebox Mann, kein Kriminalroman hat mir hingegen sehr gut gefalllen.
maberokus zu »Ake Edwardson: Zimmer Nr. 10« 22.02.2010
Sehr schwach. Leider kein bißchen spannend und durch unnötige Formulierungen, Nebenhandlungen usw. künstlich in die Länge gezogen.
So was langweiliges habe ich lange nicht mehr gelesen, ich musste mich echt bis zum Ende durchkämpfen.
Da dies mein erster Roman dieses Autors war, weiß ich nicht, ob ich mir nochmal eines von seinen "Werken" antue.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
tedesca zu »Ake Edwardson: Zimmer Nr. 10« 11.12.2009
Seit langem wieder einmal ein Krimi, der bis zum Schluss spannend ist, der einen immer wieder auf falsche Fährten führt, nur um eine flotte Wendung in die entgegengesetzte Richtung zu nehmen. Besonders gut gefällt mir Erik Winter mit seinen Ermittlungsmethoden. Umso enttäuschender fand ich dann den Schluss, in dem wieder einmal jedes Klischee bedient wird. Der Ermittler macht einen fatalen Fehler, und über den Mörder möchte ich mich an dieser Stelle nicht äußern.

Ein absoluter Bonus ist die Stimme von Boris Aljinovic, der den Figuren mit seiner charismatischen Stimme viel Profil und vielen Dialogen eine zusätzliche Spannung verleiht.

Alles in allem ein spannender Krimi, den ich Fans der düsteren skandinavischen Stimmung auf jeden Fall empfehlen kann.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Kasia zu »Ake Edwardson: Zimmer Nr. 10« 23.09.2009
Gerade habe ich ein paar Kommentare der anderen Leser zu Ake Edwardsons "Zimmer Nr. 10" gelesen und manchmal frage ich mich, wie es sein kann, dass gewisse Meinungen so sehr auseinander gehen? Aber: Jeder hat seinen eigenen Geschmack, jeder hat seine eigene Vorstellung, wie ein guter Krimi zu sein hat.
Für mich war "Zimmer Nr. 10" ein spannendes Buch, welches mich nicht losgelassen hat.
Morde, die irgenwie im Zusammenhang stehen, aber nicht offensichtlich sind.
Schritt für Schritt und detailliert erzählt und führt uns Edwardson durch die Geschichte.
Dabei begegnen wir auch Winter, als jungen Mann, voller Idealismus und unerfahren und dann dem 45jährigen Winter, der ausgebrannt ist und über eine Auszeit nachdenkt.
Edwarson erschafft eine beklemmende Atmosphäre im Buch.
Der Leser ist mittendrin im Geschehen und muss genauso langsam, wie die Ermittler, die das Tempo der Ermittlungen vorgeben, vorgehen, Erkenntnisse erlangen und die Lösung finden.
Edwardson gehört neben Nesser und Mankell zu meinen Lieblingsschriftstellern aus Schweden. Daher kann ich auch dieses Buch uneingeschränkt weiterempfehlen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
klein_my zu »Ake Edwardson: Zimmer Nr. 10« 10.05.2009
Ich bin erstaunt, dass einige Kommentare doch eher negativ ausgefallen sind...denn ich fand das buch alles in allem anspruchsvoll und gut geschrieben. mit offenen fragen bin ich eigentlich nicht zurück geblieben...und selbst wenn, ist es nicht manchmal das was ein buch auch ausmacht?

Also ich werde mir auch das neue buch von Edwardson kaufen, denn mit seinen büchern hab ich bisher keine schlechten erfahrungen gemacht...
KvR zu »Ake Edwardson: Zimmer Nr. 10« 11.05.2008
Die Mehrheit dieser Kommentare zeigt mir, dass Edwardson auf dem richtigen Weg ist, denn Krimi weg vom Trivialliteratur-Image hin zu anspruchsvoller Literatur zu führen. Solche dürfte es ruhig mehr geben.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
ST zu »Ake Edwardson: Zimmer Nr. 10« 22.04.2008
Muß ich die alten Winterbücher nochmal lesen? Ich fand sie richtig gut, meine ich mich zu erinnern. Dann las ich "Segel aus Stein" und fand es furchtbar. So schlecht, das ich keine Lust mehr auf Edwarson hatte. 5 Jahre später versuche ich es erneut und kaufe "Zimmer Nr.10" und wieder finde ich es schlecht. Waren die ersten Fälle wirklich besser? Ich weiß es nicht mehr.
Vielleicht hat sich auch mein Geschmack geändert. Ich mag es wenn mehr Wert auf die Story gelegt wird und nicht nur auf sprachliche Spielereien.
Toll wird ein Krimi nur wenn Sprache UND Story stimmt. Hier ist die Story langatmig, langweilig und wirr. Und die Sprache zu künstlich anspruchsvoll. Oder? Ja, Nein, Ja, Nein.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Nattel zu »Ake Edwardson: Zimmer Nr. 10« 11.04.2008
Auch ich habe mich tapfer durchkämpfen müssen. Ich kann mich da TinaBln nur anschließen. Zu viele offene Fragen. Warum die weiße Hand? ... würde ich noch wissen wollen.

"Zimmer 10" kommt bei weitem nicht an die Bücher ran, die ich vorher von A. E. gelesen habe. Dieses Buch ist anfangs einfach zu langatmig. Da wundert es nicht, wenn einige Leute das Buch nicht zu Ende gelesen haben.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
peter1.1 zu »Ake Edwardson: Zimmer Nr. 10« 17.03.2008
Seltene (und vielsagende) Einmütigkeit von "Rezensent" und Publikum: zu "anspruchsvoll", "zu kompliziert und mühsam zum Lesen" - und schlecht, weil nichts für Sonnenscheingemüter! Der Hinweis mit dem Verblöden lässt mich kurz zögern, aber dann sage ich mir: Kann ja auch sein, nicht das Buch verblödet den Leser, sondern der Leser ist zu blöd für das Buch??? Jedenfalls Dank für die Empfehlung! Wenn ich bis jetzt noch gezögert habe, den neuen Edwardson/Winter zu kaufen - nun bin ich entschlossen...
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
JaneM. zu »Ake Edwardson: Zimmer Nr. 10« 17.03.2008
Ein verwirrendes Buch, das ich nur wegen des schlechten Wetters ( und aufgrund eines gewissen Ehrgeizes)zuende gelesen habe. Die von Lars Schafft beschriebenen "ja.nein.Ja.nein" Phrasen haben bei mir eher Heiterkeit ausgelöst. Auch die Zeitsprünge zwischen den beiden Fällen sind erst gewöhnungsbedürftig- aber dann gehts. Aus meiner Sicht stimmen die "Proportionen" in "Zimmer Nr. 10" nicht. Die ersten ca. 250 Seiten sind zäh und man fragt sich, warum z.B. die nebensächliche Suche nach einem Koffer nicht solcher Ausführlichkeit beschrieben werden muss. Es werden Handlungsstränge so aufgebaut, dass es den Leser glauben macht, dass sie hinterher noch eine größere Rolle spielen-aber von wegen. Die Fäden laufen erst dann zusammen, wenn sowieso schon alles klar ist.
Das letzte Drittel des Buches gewinnt zwar an Spannung, läßt aber dann doch zu viele Unklarheiten offen. Unter anderem so "nebensächliche" Dinge wie ein triftiges Motiv.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 19.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Zimmer Nr. 10

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: