Zimmer Nr. 10 von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2005
unter dem Titel Rum nummer 10,
deutsche Ausgabe erstmals 2006
bei Hörbuch Hamburg.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Göteborg, 1990 - heute.
- Stockholm: Norstedt, 2005 unter dem Titel Rum nummer 10. 443 Seiten.
- : Hörbuch Hamburg, . Übersetzt von Angelika Kutsch. 447 Seiten.
- Berlin: Claasen, 2006. Übersetzt von Angelika Kutsch. 447 Seiten.
- [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2006. Gesprochen von Boris Aljinovic. Gekürzte Lesung. 5 CDs.
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In Kürze:
Nach über zwanzig Jahren im Polizeidienst hat Erik Winter eine Krise. Wohin führt sein Leben? Hat die Beziehung mit Angela eine Zukunft? Er ist entschlossen, eine Auszeit zu nehmen und alles zu überdenken. Doch dann geschieht ein Mord. In einem Göteborger Hotel wird eine junge Frau erhängt. Ihr Tod sieht wie ein Selbstmord aus, aber der Abschiedsbrief von Paula Ney enthält keinerlei Hinweise auf die Hintergründe der Tat. Wenig später findet man auch Paulas Mutter tot auf, und für Winter rückt ein Indiz in den Mittelpunkt der Ermittlungen: Beide Leichen haben eine weiß bemalte Hand.Winter erinnert sich an einen ungelösten Fall, der zwanzig Jahre zurückliegt. Die erfolglose Suche nach der vermißten Ellen Börge endete in genau jenem Hotelzimmer Nr. 10, in dem Paula Ney gefunden wurde. Als Erik Winter diesen alten Fall aufgreift, gerät er plötzlich selbst in das Visier des Mörders …
Über sechs Fälle hatte der Protagonist von Ake Edwardsons Kriminalromanen, Kommissar Erik Winter, fast ein Alleinstellungsmerkmal bei den skandinavischen Ermittlern: Er war jung, erfolgreich, gut aussehend und eben nicht tiefst betrübt. War. Denn mit Zimmer Nr. 10 hat auch Winter diese scheinbar so typische Charaktereigenschaft der Schweden eingeholt. Und strickt Edwardson – dafür ist er be- und anerkannt – wieder einmal einen höchst verworrenen Plot mit intensiven psychologischen Studien, so kann man Kommissar Winter eigentlich nur das wünschen, was er selbst am meisten herbeisehnt: eine Auszeit.
Knackpunkt in Fall Nr. 7 ist eine Frauenleiche in Zimmer Nr. 10. Besagter Raum ist mietbar in einem heruntergekommenen Hotel Göteborgs und war bereits Zentrum von Winters Ermittlungen. Vor achtzehn Jahren verschwand dort eine Frau spurlos. Verbleib ungeklärt. Bis heute. Und jetzt die erhängte Frau im selben Zimmer. Komisch nur: ihre Hand ist weiß angemalt. Ein Fingerzeig des Täters?
Edwardsons Stilspiele
Alles deutet auf einen langwierigen Fall. Keine Zeugen, keine Indizien. Und wie kaum anders zu erwarten liegt des Rätsels Lösung weit in der Vergangenheit. Genau so weit ist der Weg, den der Leser weitgehendst spannungslos hinter sich bringen muss, bevor sich die Ermittlungen tatsächlich auch darin äußern, dass sie den Leser fesseln. Über gut vierhundert Seiten ist Zimmer Nr. 10 eine anspruchsvolle wie auch ansprechende Lektüre. Nur als Krimi will sie lange Zeit nicht funktionieren.
Und sprachlich kompliziert ist sie dazu. Nicht nur, dass Edwardson ohne jeglichen Hinweis zwischen den Zeiten springt (und dazwischen liegen eben immerhin fast zwanzig Jahre), er bemüht auch wie schon in den vorangegangenen Romanen Phrasen, die beim ersten Mal kunstvoll, beim zweiten Mal künstlich und beim dritten, vierten, fünften und auch fünfzehnten Mal katastrophal wirken: »Nein. Ja. Nein. Ja«. Oder variiert: »Ja. Nein. Ja. Nein«. Ein wenig mehr Stringenz und Geradlinigkeit, ein bisschen mehr Klarheit – das alles täte Edwardsons Prosa durchaus gut.
Zum Ende kommt der Drive
Auch wenn Winter »wallandert« und Edwardson ausschweift, schlecht ist Zimmer Nr. 10 keinesfalls. Der Roman überzeugt fraglos durch die Schilderung komplexer menschlicher Beziehungen, einer äußerst trüben wie eindringlichen schwedischen Herbst-Atmosphäre und durch einen verwickelten Plot. Der, und da macht Edwardson richtig Spaß, zum Ende hin sogar mit ordentlich Drive aufgelöst wird.
Aber: Das ist alles nichts Neues mehr. Mit Winter-Romanen wie Der Himmel auf Erden oder auch Die Schattenfrau fährt der Fan skandinavischer Kriminalromane deutlich besser und erfrischter. Zimmer Nr. 10 ist der Krimi für dauerverregnete Sonntage, an dem eh keine positive Stimmung aufkommen will. Dann kann Edwardson seine Karten ausspielen und überzeugt als anspruchsvoller Erfinder von psychologisch dominierten Kriminalromanen. Da aber auch irgendwann mal wieder die Sonne scheinen wird, sollte sich der Schwede schnellstens um mehr Abwechslung in seiner Winter-Reihe kümmern. Bis dahin wünschen wir dem Kommissar einen angenehmen Aufenthalt in Spanien.
Lars Schafft, Dezember 2006
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| maberokus zu »Ake Edwardson: Zimmer Nr. 10« | 22.02.2010 |
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| tedesca zu »Ake Edwardson: Zimmer Nr. 10« | 11.12.2009 |
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| Heike zu »Ake Edwardson: Zimmer Nr. 10« | 30.01.2008 |
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