Segel aus Stein von Ake Edwardson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel Segel av sten, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Claasen.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 6 der Erik-Winter-Serie.

  • Stockholm: Norstedt, 2002 unter dem Titel Segel av sten. 463 Seiten.
  • München: Claasen, 2003. Übersetzt von Angelika Kutsch. 480 Seiten.
  • Berlin: List, 2005. Übersetzt von Angelika Kutsch. 510 Seiten.
  • Berlin: List, 2006. Übersetzt von Angelika Kutsch. ISBN: 978-3-548-60675-0. 528 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2008. Gesprochen von Boris Aljinovic. 6 CDs.

'Segel aus Stein' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Die schottischen Highlands, der Klang von Cool Jazz, ein verschwundener Mann und die dunklen Schatten der Vergangenheit: Mit seinem neuen Krimi um Kultkommissar Erik Winter erweist Åke Edwardson sich nicht nur als ein Meister der Spannung, sondern auch als ein Erzähler von großem Format. Der sinnlichste und musikalischste Edwardson, den es je gab!

Das meint Krimi-Couch.de: »Zwei Stories – eine überflüssig« 47°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Nach dem fulminanten Himmel auf Erden durfte man auf den neuen Krimi mit der Ermittlertruppe um Kommissar Erik Winter aus Göteborg gespannt sein: Gelingt es Ake Edwardson, Henning Mankell vom Thron der zeitgenössischen skandinavischen Krimi-Autoren zu verdrängen? Schafft Edwardson es, seine Figuren weiterzuentwickeln und dies mit einem spannenden Plot zu kombinieren? Wird man den Autor jetzt, mit dem sechsten Winter-Roman, ebenfalls in einem Atemzug mit Sjöwall / Wahlöö nennen? Nun, der Schwede bleibt seiner Linie treu. Und leider nur insofern, dass seine Krimi-Reihe auch weiterhin einer Achterbahnfahrt aus spannend geschriebenen Thrillern und langweiligen Marathon-Psychogrammen ähnelt. »Segel aus Stein« gehört leider zur letzteren Sorte.

Zwei Handlungsstränge führt Edwardson recht schnell ein: Zum einen verschwindet Axel Osvald, Vater von Johanna Osvald, einer »Verblichenen« unseres Kommissars, spurlos in den schottischen Highlands. Ein anonym an ihn addressierter Brief, der besagte, dass die Dinge nicht so sind, wie sie zu sein scheinen, genügte, um Hals über Kopf in den Norden der britischen Insel zu reisen. Diese Nachricht bezog sich vor allem auf den als ertrunken geglaubten Vater Osvalds, der – dessen ist man sich in Göteborg sicher – zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs zusammen mit der Mannschaft der »Marino« vor Island untergegangen ist. Zum anderen gehen Erik Winters Kollegen Aneta Djanali und Halders einer vermeintlichen Misshandlung nach, wo die Dinge eigentlich das zu sein scheinen, was sie vorgeben. Doch die potenziell Misshandelte ist für die Polizei nicht zu sprechen. Und so fehlt auch hier jeder rationale Ansatz für ein Verbrechen.

Genau deswegen herrscht auf den ersten der gut 500 Seiten von Segel aus Stein auch in jeder Hinsicht Flaute, um im maritimen Bild von »Segel aus Stein« zu bleiben. Djanali und Halders versuchen einem Verbrechen auf die Spur zu kommen, dass keiner gesehen haben will. Winter versucht ein Verbrechen aufzudecken, das wohlmöglich nie geschehen ist. Und das über 250 Seiten!

250 Seiten viel Geplänkel, 250 Seiten tiefe Einblicke in die Psyche von Aneta Djanali, die sich nach Afrika sehnt, obwohl die schwarze Polizistin in Schweden geboren ist. 250 Seiten Momentaufnahme der Gedankenwelt des jüngsten Kommissars Schweden, wie für diesen die Polizeiarbeit weniger wichtig und wie der Snob und Karrierist Erik Winter zum mehr oder minder spießigen Familienmenschen wird, der davon träumt, mit seiner Frau Angela und Töchterchen Elsa an der Küste ein Haus zu bauen.

Relevant ist das alles – und damit ist nichts vorweggenommen – für den weiteren Verlauf der Handlung nicht. Mag sein, dass dies die Grundsteine für weitere Romane dieser Serie darstellen und elementar für das Gesamtkonzept der Winter-Reihe sind – auf jedenfall sind diese 250 Seiten grottenlangweilig und selbst große Fans skandinavischer Kriminalliteratur und auch Anhänger Edwardsons kann kaum verübelt werden, bis dahin das Buch wegzulegen.

Schließlich, nach immerhin der Hälfte des Buches, geschieht doch noch etwas. Axel Osvald wird tot in den Bergen bei Loch Ness aufgefunden. Völlig entkleidet – aber auch hier lässt sich beim besten Willen kein Kriminalfall daraus machen: Spuren von Gewalt suchen die Ermittler an der Leiche vergebens. Da die Sachlage sich aber zum einen recht eigenartig gestaltet und Erik Winter die Chance nur allzu gern ergreift, seinen Freund und Kollegen Steve Macdonald, gebürtiger Schotte, an Ort und Stelle wiederzutreffen, machen sich die beiden auf, Licht ins Dunkel des Untergangs der »Marino« und damit des Verbleibs von John Osvald zu bringen …Sollte der schwedische Fischer gar noch am Leben sein?

Erst – und das ist beinahe unverzeihlich – gewinnt »Segel aus Stein« an Fahrt, als Erik Winter schottischen Boden betrifft. Das Tempo nimmt zu, die Reise durch ehemals belebte Fischerdörfer, durch die Highlands und vor allem durch die Geschichte ist endlich das, was man von Edwardson kennt: Spannende Unterhaltung und diesmal mit dem besonderen, da nicht-skandinavischem, Flair. Hätte der Roman doch direkt damit angefangen! Hätte Edwardson doch auf die Parallelhandlung mit der misshandelten Göteborgerin verzichtet. Hätte, wäre, wenn – hat er nicht und somit »Segel aus Stein« ganz gehörig in viel zu seichte Wasser gesteuert.

Es ist einfach ärgerlich, für 200 sehr gute Seiten Kriminalroman 300 völlig belanglose in Kauf nehmen zu müssen. Denn am Ende muss der ausdauernde Leser leider feststellen, dass das ganze Drumherum, die Parallelhandlung, die Psychogramme von Aneta Djanali, Halders und – völlig überflüssig! – Lars Bergenheim (einem weiteren aus der Ermittlertruppe), nichts, aber auch rein gar nichts mit dem Verschwinden Axel Osvalds zu tun hat. Da ist der Krimileser von heute mit ausgeklügelten Plots, wo wirklich jeder Faden zusammen läuft, einfach zu verwöhnt, um am Aufbau von »Segel aus Stein« Gefallen finden zu können.

Dazu kommt, dass Ake Edwardson das Einbinden von englischsprachigen Songtexten und Dialogen auf die Spitze treibt. Hier und da ein, zwei englische Sätze mögen den mordernen Anspruch des Autors unterstreichen – ganze Unterhaltungen unübersetzt zu lesen, ist schlichtweg nervig. Und wenn Zitate aus Evergreens aus Rock und Jazz das einzige sind, was den Gefühlszustand einer Person beschreiben kann, muss schon die Frage erlaubt sein, ob der Autor nicht in der Lage ist, Emotionen mit eigenen Worten wiederzugeben.

Unterm Strich bleibt eine der zwei Handungsstränge in Erinnerung, nämlich die Verfolgung eines Phantoms an der Küste Schottlands. Alles andere ist schnell vergessen, was letztendlich dazu führt, dass der Leser für seine Ausdauer zwar mit einem Happyend belohnt wird, dennoch aber arg unbefriedigt die »Segel aus Stein« in den Wind schießt. Ob der Vorgänger ein Ausrutscher nach oben und dieses Buch die wahre Fähigkeit Edwardsons beschreibt, einen guten Krimi abzuliefern oder ob »Segel aus Stein« nur ein misslungenes literarisches Experiment darstellt und Ake Edwardson mit dem sicherlich erscheinenenden Nachfolger zu bereits gezeigter Stärke zurückfindet, wird die Zukunft zeigen. »Segel aus Stein« ist zumindest ein Beleg dafür, wie ein an sich guter Schriftsteller mit einem viel zu aufgeblasenen Roman Schiffbruch erleiden kann.

Ihre Meinung zu »Ake Edwardson: Segel aus Stein«

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Ulimar zu »Ake Edwardson: Segel aus Stein« 12.12.2014
Chronologisch habe ich alle Winter-Krimis heruntergelesen; von Mal zu Mal wurde es langweiliger. Dieses Buch war der Tiefpunkt, diese ewigen englischen Songtexte, immer wieder überlegen: wer ist das noch, das Durcheinander der Handlungsstränge, die Hauptstränge, die nichts miteinander zu tun haben ... Das war wirklich keine Spitzenklasse. da lobe ich mir Hakan Nesser oder Adler-Olson.
Susanne zu »Ake Edwardson: Segel aus Stein« 03.10.2014
Ich kann mich nur anschließen. Ich habe schon einige Erik Winter Krimis gelesen.
Aber dieses Buch ist so was von langweilig!. Ich habe mich durch 500 Seiten gekämpft in der Hoffnung eine Handlung zu erkennen. Aber vieles in dem Buch ist so was von überflüssig. Vor allen Dingen diese vielen englischen Sätze. Total irritierend. Macht kein Spaß dieses Buch nochmals zu lesen
Pregartbauer zu »Ake Edwardson: Segel aus Stein« 13.11.2013
Ich (als bisheriger Fan von dem "Winter-Team") habe mich schon zum letzten Drittel des Buchs durchgekämpft. Durchhalten laßt mich die Hoffnung, dass in den folgenden Romanen auch auf diesen Bezug genommen wird, also etwas zum Verständnis fehlen würde wenn man die Tortur abbräche; man wird sehen.
Ansonsten kann ich den zumeist negativen Kommentaren weitestgehend folgen. Vor allem die Wiedergabe von Song-Texten ist äußerst öde und offebart (hoffentlich keine) Unfähigkeit des Autors zu eigenen Worten in der von ihm selbst geschaffenen Situation.
Als Einzelbuch hätte ich es schon in die ecke geworfen - als Teil einer "Serie" hallte ich es für unverzichtbar.
Stefan zu »Ake Edwardson: Segel aus Stein« 25.03.2012
Die Rezension trifft es genau. Ich habe das Buch gestern Abend beendet und war komplett enttäuscht. Es war das erste Buch, das ich von diesem Autor gelesen habe und es wird definitiv auch das letzte bleiben. In Erwartung einer großen Wende habe ich mich tapfer durch die 500 Seiten gequält, um dann doch enttäuscht zu werden. Ich habe nicht verstanden, was diese parallele Handlung mit Djanali/Halders sollte. Leider ist das Ende sehr vage und ohne wirkliche Lösung. Gleiches gilt aber auch für die "Haupt"handlung, denn auch hier ist die Lösung am Ende sehr konfus und ohne klarem Überblick, was überhaupt passiert ist. Sehr enttäuschend! Ich ärgere mich inzwischen, dass ich nicht bereits vorher Rezensionen zu diesem Buch gelesen habe. Allerdings war ich immer in großer Erwartung eines intelligent gemachten Top-Krimis und wollte mir die Spannung zu verderben. Schade.
Koanz zu »Ake Edwardson: Segel aus Stein« 15.09.2011
Gut, dass ich keine Kommentare über dieses
Buch gelesen habe. Hätte es mir nicht gekauft und dies wäre ein Verlust gewesen!
Habe es im Urlaub in vier Tagen durchgele-
sen. Jede Zeile war es wert. Die zwei Hand-
lungen konnte ich sehr gut auseinanderhal-
ten. Beide waren sehr spannend geschrieben. Alleine die Beschreibungen von
Edwardson, wie er den Himmel beschreibt,
ist große Poesie. Für mich überragend.
Nahezu an 100%.
Fenrir zu »Ake Edwardson: Segel aus Stein« 26.11.2010
Ich beziehe mich hier auf die gekürzte Lessung (HörbuchHamburg)von "Segel aus Stein". Hier wurde der 2. Erzahlstrang (Djenali) integral gestrichen. Wie ich den Rezensionen entnehme, ist das für einmal kein Verlust. Dennoch: Das Buch bleibt auch in der gekürzten Fassung eine Qual. Nicht enden wollende sinnleere Gespräche über Nichtigkeiten haben mich beinahe zum Wahnsinn getrieben. In den Rezensionen wird oft von Psychogrammen gesprochen. Ich halte die klischierten Trivialitäten aber eher für psychologisierte Schaumschlägerei. Dieses Buch empfehle ich als fieses Weihnachstgeschenk für unliebsame Verwandte.
g.werner zu »Ake Edwardson: Segel aus Stein« 06.11.2010
Mir gefallen die Bücher von Ake Edwardson grundsätzlich nicht. Diese unzähligen englischen Sätze, seine Einlassungen über Musik - auch in englischer Sprache - was soll das? Will er mit seinen Sprachkenntnissen prahlen? Mumpitz! Und" !Segel aus Stein" ist eine Zumutung.GÄHN!!0tter
Nicht alles, was an Krimis aus Skandinavien kommt, ist lesenswert. Bis jetzt ist Mankell unübertroffen.
g.werner zu »Ake Edwardson: Segel aus Stein« 06.11.2010
Mir gefallen die Bücher von Ake Edwardson grundsätzlich nicht. Diese unzähligen englischen Sätze, seine Einlassungen über Musik - auch in englischer Sprache - was soll das? Will er mit seinen Sprachkenntnissen prahlen? Mumpitz! Und" !Segel aus Stein" ist eine Zumutung.GÄHN!!0tter
Nicht alles, was an Krimis aus Skandinavien kommt, ist lesenswert. Bis jetzt ist Mankell unübertroffen.
Barbara Gloor zu »Ake Edwardson: Segel aus Stein« 10.01.2010
Gähn kann ich da nur sagen! Im Gegensatz zu Lars Schafft fand ich die Misshandlungsgeschichte, die Halders und Djanali aufdecken sollen noch am spannendsten. Es ist einfach jammerschade, wenn man eigentlich eine gute Story hätte, diese dann aber nicht ein bisschen spannender voran treiben kann. Genau genommen überhaupt nicht spannend! Hätte man das Buch um einen Drittel gekürzt, es wäre nichts verloren gegangen. Schade, nach "Himmel auf Erden" hatte ich wirklich Hoffnung, Edwardson würde es doch noch schaffen spannende, gute Krimmis zu schreiben. Dieser aber ist des Lesens nicht wert und man kann ihn getrost auslassen!
BZKKAI zu »Ake Edwardson: Segel aus Stein« 01.08.2009
Leider muss ich, auch als Fan des Kommissars Erik Winter, sagen, dass mich der Roman enttäuscht hat. Die zwei Handlungsstränge verwirren mehr als sie fesseln. Jede Geschichte an sich mag interessant sein, aber beide eignen sich aus meiner Sicht nicht, in einem Roman zu erscheinen.
Und wenn man erwartet, dass sich die Story überwiegend in Schottland abspielt, wird enttäuscht. Viel zu spät reisen Winter und sein Freund McDonald dorthin. Gerade dieser Teil hat mich interessiert.
Die Story von Aneta Djanali ist uninteressant und überflüssig. Schade

Von mir eine 50

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