Geh aus, mein Herz von Ake Edwardson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1996 unter dem Titel Gå ut min själ, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei List.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 2 der Jonathan-Wide-Serie.

  • Göteborg: Tre böcker, 1996 unter dem Titel Gå ut min själ. 272 Seiten.
  • Berlin: List, 2004. Übersetzt von Angelika Kutsch. ISBN: 3-548-68064-X. 384 Seiten.
  • Berlin: List, 2005. Übersetzt von Angelika Kutsch. ISBN: 3-548-60592-3. 349 Seiten.

'Geh aus, mein Herz' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Jonathan Wide steht vor einem Rätsel: Nicht genug, dass innerhalb kurzer Zeit drei Leichen in Göteborg gefunden werden – nun stellt sich auch noch heraus, dass zwei der Ermordeten ehemalige Klassenkameraden des Privatdetektivs waren. Immer tiefer gräbet er sin seiner Vergangenheit, bis ihm mit Schrecken klar wird, was diese brutalen Verbrechen mit den unbeschwerten Spielen seiner Schulzeit zu tun haben. Denn schon Kinder können erschreckend grausam sein …

Das meint Krimi-Couch.de: »Unglaubwürdige Lösungsfindung und viele offenen Fragen« 56°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Bestialische Morde, melancholische Stimmung, Rassismus, brutale Neo-Nazis in Schweden, kindliche Grausamkeit, ein Alkoholiker als Protagonist – geballte negative Zutaten für einen düsteren Schweden-Krimi, der vor Pessimismus nur so strotzt.

Jonathan Wide, geschiedener Ex-Polizist, schlägt sich mehr schlecht als recht als Privatdetektiv durch. Keine zufriedenstellende Aufgabe für ihn, die hauptsächlich darin besteht, untreue Ehepartner zu beschatten. Nichts, was ihn geistig fordert. Kein Wunder deshalb, dass er mehr dem Alkohol zuspricht als es für ihn gut ist. Ausnahmsweise soll er mal eine verschwundene Ehefrau suchen.

Doch sein Auftrag ist beendet, bevor er richtig beginnt. Denn die gesuchte Dame wurde mittlerweile bereits ermordet aufgefunden. Augen, Ohren und Lippen wurden der Leiche abgeschnitten, anschließend wurde sie in eine Decke gehüllt. Zuständig für den Fall ist Wides ehemaliger Kollege Sten Ard. Da die Tote zufällig aus Wides Heimatort stammt, zieht Ard Wide zu den Ermittlungen hinzu. Kurze Zeit später wird eine zweite Leiche gefunden, ebenfalls auf die gleiche Art und Weise zugerichtet. Auch dieser Mann stammt aus dem Heimatort von Wide. Die beiden Toten gingen zwar nicht in die gleiche Schule, doch muß irgendwo in der Vergangenheit eine Verbindung existieren. Dann taucht ein Obdachloser auf, der im Schlaf von einem Unbekannten mit einer Decke zugedeckt wurde. Handelt es sich bei dem mysteriösen Wohltäter um den gesuchten Mörder?

Derweil hat sich Ards Kollegin Kajsa Lagergren mit tätlichen Angriffen von Neo-Nazis auf Geschäfte und Gaststätten von ausländischen Mitbürgern herumzuschlagen. Die beiden Stränge laufen über die gesamte Handlung hinweg parallel und man fragt sich, wo die Zusammenhänge sind.

Selten ist mir in Krimis eine unglaubwürdigere Idee zur Lösungsfindung begegnet. Da taucht irgendwann ein Gesicht vor Wides geistigem Auge auf. Ein Mann, den er irgendwo gesehen zu haben glaubt. Und dann sieht er ein Kinderbild, auf dem er diesen ihm unbekannten Mann wiederzuerkennen glaubt. Ich habe schon Probleme damit, Kinder- und Erwachsenenbilder von mir bekannten Personen richtig zuzuordnen, da erscheint mir dieses Szenario ziemlich an den Haaren herbeigezogen.

Nun, wie auch immer, über mehrmaliges richtiges Raten findet Wide schließlich den Täter. Doch wie man es von Edwardson zuweilen kennt, ist der Schluß ziemlich abrupt und es bleiben am Ende wieder viele Fragen offen. Motive werden nur angerissen, und um die nötigen Schlüsse zu ziehen muß man fast ein besserer Rätselrater sein als Edwardsons Protagonist.

Was ich beim Lesen oftmals als sehr störend empfunden habe, sind die langen Dialoge ohne Zwischensätze wie »sagte X« und ohne namentliche Ansprachen, so daß man gelegentlich gar nicht mehr weiß, wer nun gerade spricht und man dann den gesamten Dialog nochmals zurück verfolgen muß. Andererseits kann Edwardson jedoch gut die Gedanken seiner Charaktere vermitteln.

»Geh aus, mein Herz« ist als Krimi sehr schwach, zeigt aber übertrieben deutlich die Probleme eines Landes auf. Ob solch übertriebener Pessimismus notwendig ist, sei dahingestellt, zumindest bezieht Edwardson damit eindeutig Stellung.

Ihre Meinung zu »Ake Edwardson: Geh aus, mein Herz«

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Rolf Graudejus zu »Ake Edwardson: Geh aus, mein Herz« 10.08.2016
Mein erster 'Edwardson' war tatsächlich keine Meisterleistung. Sowohl P.K. als auch die meisten Vorredner haben recht: sperrig zu lesen, unglaubwürdige Lösungs-Findung, zu viel Füll-Material (Koch-Rezepte, Wegbeschreibungen und Nennungen von Strassennamen machen locker 50 Seiten aus), viel zu abruptes Ende. Insgesamt habe ich das Gefühl, der Autor hatte aus vertraglichen Gründen eine Deadline zu erfüllen und dann dieses Buch zusammengekleistert (egal, schwedische Krimis verkaufen sich immer).
Nicht empfehlenswert, ich lasse mich trotzdem nicht von weiteren 'Edwardsons' oder Schweden-Krimis abhalten. Besser gehts immer!
Carolina zu »Ake Edwardson: Geh aus, mein Herz« 20.06.2016
Ich bin drangeblieben und es hat sich nicht gelohnt!! Der Autor hat es nicht für notwendig gefunden zu sagen, WARUM der Täter gehandelt hat und was Schlimmes ihn eigentlich passiert ist. Der Schluss war so abrupt, dass ich mich vergewisserte, dass keine letzte Seite fehlte.

Eines ist sicher, nie mehr wieder ein Buch von diesem Autor!
carrie 33 zu »Ake Edwardson: Geh aus, mein Herz« 09.06.2013
BIS SEITE 150 bin ich drangeblieben---aber dann musste ich mich verabschieden---sehr zäher erzählstil des autors---es wird nie richtig spannend.glaubt man jetzt geht es los---verfängt es sich wieder in nebenstänge die als seitenfüller dienen aber nicht der geschichte---so kommt man nicht vorran---also bin ich raus---das war der erste und der letzte roman den ich von-- äke edwardson versucht habe zu lesen...aber wie es so ist andere haben einen anderen geschmack und denen gefällt dieser roman evertuell.
wild Chicken zu »Ake Edwardson: Geh aus, mein Herz« 14.08.2009
Tja, ich habe das Buch versucht zu lesen, musste es allerdings wieder zur Seite legen. Mir ist die Geschichte einfach zu wenig ausführlich geschrieben, gerade am Schluss. Er lässt mir zu viele Fragen offen.
Ich habe schon besseres aus Skandinavien gelesen. Ich denke, dass war auch mein letzes Buch von Ake Edwardson.
Markus zu »Ake Edwardson: Geh aus, mein Herz« 22.12.2008
Es bleiben zum Schluß tatsächlich viele Fragen offen, so dass der Eindruck entsteht, die Originalfassung sei länger gewesen und der Lektor habe gekürzt. Das Wiedererkennen einer Zufallsbegegnung auf einem Kinderfoto ist kriminalistisch fragwürdig.
Hervorzuheben ist aber der spannende Schreibstil und die genaue Zeichnung der Hauptfiguren.
dottie62 zu »Ake Edwardson: Geh aus, mein Herz« 27.06.2008
Der Thriller ging mir an die Nerven – nicht nur wegen der Brutalität, mit der die Opfer ums Leben kommen. Ake Edwardson lotet Seelenlagen aus, die der Täter, die der Ermittler; er zeigt auf, wie die Vergangenheit Spuren gegraben hat, wie sie einen Menschen beschädigen kann und von einem Moment zu andern das Handeln bestimmt.
Es war das erste Buch von Ake Edwardson, das ich gelesen habe, und es hat mich nicht so begeistert. Die Dialoge waren manchmal verwirrend, und die zwei Handlungsstränge werden erst am Schluss des Buches zusammengeführt.
Ein sehr düsterer Krimi, der nachdenklich macht.
frolleinvomamt zu »Ake Edwardson: Geh aus, mein Herz« 07.01.2008
Was mich ein bisschen gestört hat, waren die krampfigen Dialoge.
Was mich mehr gestört hat, war die schlechte Übersetzung; an einigen Stellen bin ich im Lesefluss aufgehalten worden, weil ich überlegt habe, was im Original wohl gestanden hat, denn in der Übersetzung war es schlicht unverständlich/unlogisch.
Insgesamt hat mir das Buch aber gut gefallen. Wide ist als Charakter durchkonzipiert, der Spannungsbogen wurde gut aufgebaut, und lose Enden habe ich nicht gefunden, außer eben dem skandinavischen Hang zum Pessimismus. (Dass die Neonazis am Ende nicht gefasst werden, ist kein Fehler des Buches, sondern ein Fehler der Realität.)
Niklas zu »Ake Edwardson: Geh aus, mein Herz« 31.12.2005
War mein erstes Edwardson-Buch und ich muss sagen,"Konkurrenz"(Spiegel) macht er Mankell nicht wirklich.Das Motiv und der Zusammenhang mit den rassistischen Anschlägen ist sehr an den Haaren herbeigezogen(da haben die Vorredner recht).Hinzu kommt viel Unnötiges(Kochrezepte etc.)und das Ende kommt zu plötzlich,Erklärungen hätten nicht geschadet.Entgegen allem Negativem gibts auch Positives:Wide(sympathisch) und Spannung(zumindest otegegen Ende).
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
kokoni zu »Ake Edwardson: Geh aus, mein Herz« 14.06.2005
Insgesamt bestimmt ein gutes Buch. Allerdings sind am Schluss zu viele Fragen offen und auch der Schluss selbst... na ja. Und leider ist die Welt in dieser Story zu pessimistisch, wenn auch in den Ansätzen richtig und nennenswert!
Jan zu »Ake Edwardson: Geh aus, mein Herz« 27.03.2005
Das zweite Buch mit Detektiv Jonathan Wide ist wirklich ein sehr gutes. Wunderbar aufgebaut und wieder toll beschriebene Details waren wieder die Markenzeichen...
Trotz allem: Auf Edwardson muß man sich einlassen, sonst funktioniert er nicht. Nachdem ich vor zwei Jahren angefangen habe ihn zu lesen, habe ich nun alle Krimis mit Genuß gelesen und wurde auch nie wirklich enttäuscht...
Freuie mich schon auf den neuen Erik Winter-Krimi "Winterland" im Oktober!

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