Die Schattenfrau von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1998
unter dem Titel Rop fran langt avstand,
deutsche Ausgabe erstmals 2000
bei Claasen.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Göteborg, 1990 - heute.
Folge 2 der Erik-Winter-Serie.
- Stockholm: Norstedt, 1998 unter dem Titel Rop fran langt avstand. 527 Seiten.
-
München: Claasen, 2000.
Übersetzt von Wolfdietrich Müller.
ISBN:
3-546-00235-0. 527 Seiten. -
München: Ullstein, 2002.
Übersetzt von Wolfdietrich Müller.
ISBN:
3-548-60178-2. 527 Seiten. -
München: Ullstein, 2003.
Übersetzt von Wolfdietrich Müller.
ISBN:
3-548-25609-0. 527 Seiten. -
Berlin: Ullstein, 2004.
Übersetzt von Wolfdietrich Müller.
ISBN:
3-548-84025-6. 527 Seiten. -
Berlin: List, 2006.
Übersetzt von Wolfdietrich Müller.
ISBN:
978-3-548-60671-2. 544 Seiten. -
Berlin: Ullstein, 2008.
Übersetzt von Wolfdietrich Müller.
ISBN:
978-3-548-26839-2. 527 Seiten.
-
[Hörbuch] München: Ullstein, 2002.
Gesprochen von Manfred Zapatka.
Regie: Gabriele Kreis.
ISBN:
3-550-09046-3. 4 CDs.
'Die Schattenfrau' ist erschienen als
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In Kürze:
Die Leiche einer Frau ohne Namen. Spuren, die alle ins Nichts zu weisen scheinen. Die aufgeladene Atmosphäre eines heißen schwedischen Sommers. Und ein verängstigtes Mädchen, das sich in dem Versteck, in dem es gehalten wird, nach seiner Mutter sehnt. Kommissar Winter, dessen Vorliebe für guten Jazz und elegante Anzüge sich weit über Göteborg hinaus herumgesprochen haben, setzt sein ganzes psychologisches Feingefühl ein, um den Mörder – und das Mädchen – zu finden.
Ich lernte Erik Winter in einem Café am Kungsportsplatsen kennen. Er setzte sich zu mir an den Tisch und bestellt einen Café au lait. Meine Neugier war so groß, dass ich ihn ansprach, denn sein Erscheinungsbild hatte sich doch sehr verändert. Als ich ihn früher ein paarmal in der Stadt gesehen hatte, war er immer ausgezeichnet und korrekt gekleidet gewesen. Ich habe ihn nie anders als im Anzug gesehen und nun trug er Shorts und ein T-Shirt mit der Aufschrift »London Calling«. Es ist zwar brütend heiß hier in Göteborg, aber dieses neue Outfit paßt so gar nicht zu ihm. Außerdem hat er seine Haare wachsen lassen. Er gefällt mir ganz gut, dieser Kriminalkommissar. Allerdings scheint ihn etwas zu beschäftigen und er ist nicht mehr derselbe, seit er mit einem englischen Kollegen an einem Fall zusammengearbeitet hat.
Ich fragte ihn, wie es seiner Freundin Angela geht. »Arbeitet sie immer noch im Krankenhaus?« Er runzelte die Stirn und nickte. »Wir haben in letzter Zeit ein paar Schwierigkeiten in unserer Beziehung. Ich habe das Gefühl, sie setzt mir die Pistole auf die Brust mit ihrer Forderung zusammenzuziehen. Das wird mir alles zu eng. Außerdem macht mir mein Vater Gedanken. Er ist ja vor einiger Zeit mit meiner Mutter nach Marbella gezogen. Ich habe schon lange nicht mehr mit ihm gesprochen, ich will die Details unserer Schwierigkeiten auch nicht hier ausbreiten, aber meine Mutter möchte gerne, dass ich die beiden besuchen komme. Das kann ich nicht. Meine Schwester hat noch mehr Kontakt zu den beiden, ich sollte sie demnächst mal besuchen. Sie lebt noch in unserem Elternhaus und wird in den nächsten Tagen ihren 40. Geburtstag feiern.«
Ich wunderte mich, dass er mir so freimütig über sein Privatleben Auskunft gab, denn ansonsten war er doch als eine sehr verschlossene Person bekannt. Wahrscheinlich, weil sich bei mir sicher war, dass ich seine Geheimnisse nicht ausplaudern würde. Ich fragte ihn nach seiner Schwester. »Sie war doch mal mit einem recht zwielichtigen Typen verheiratet, oder?« »Ja, aber sie hat keinen Kontakt mehr zu ihm. Ich habe in letztens besucht, weil ich etwas aus ihm herauskriegen wollte. Er kennt sich im Milieu gut aus und hat auch viele Kontakte. Das wäre doch sehr hilfreich für meinen neuen Fall gewesen. Leider bin ich ein bißchen ausgerastet als ich bei ihm war, aber er bringt mich mit seinem Getue einfach zur Weißglut. Abgesehen davon habe ich ihm nicht abgenommen, dass er nichts über die Frau herauskriegen konnte.«
Das interessierte mich doch sehr, er hatte einen neuen Fall erwähnt. Wie sollte ich ihn dazu bringen, mir davon zu erzählen? Ich tastete mich vorsichtig vor. »Ist nicht vor ein paar Tagen die Leiche einer Frau auf einem Parkplatz gefunden worden?« Er schaute mich an. »Ihnen kann ich es ja sagen. Wir konnten sie leider bisher noch nicht identifizieren. Wenn wir nach 24 Stunden noch keinen Namen vorliegen haben, stehen die Chancen wirklich schlecht, dass wir den Fall aufklären. Ich habe sie Helene getauft, weil mich das Zeichen an dem Baum neben ihrer Leiche an ein H erinnert hat und mir der Name einfach in den Sinn kam. Sie wurde auch nicht vermißt gemeldet. Wie kann ein Mensch einfach verschwinden und niemand ist auf der Suche nach ihm? Tragischerweise hat sich bei der Obduktion herausgestellt, dass sie ein Kind geboren hat. Wir wissen allerdings nicht, wie alt dieses Kind ist, aber wir haben es bisher ebenfalls noch nicht gefunden. Da ist also ein kleines Kind ohne seine Mutter irgendwo da draußen und wir können nichts tun, außer die Spuren akribisch zu verfolgen. Zufällig wurde in der Nacht des Mordes eine Verkehrsüberwachung mit einer neuen Kamera ausprobiert und wir haben das Video. Vom Parkplatz ist um die mutmaßliche Tatzeit ein weißer Ford Escort mit Baujahr nach 1991 gefahren. Wissen Sie, wieviele weiße Ford Escorts es alleine hier in der Gegend gibt?«
Er schaute mich traurig an und erzählte weiter. »Meine Kollegen müssen jetzt die ganzen Besitzer abklappern und sie befragen, aber bisher ist nichts dabei herausgekommen. Außerdem ist meine Kollegin zusammengeschlagen worden, als sie außer Dienst auf einem Fest war. Sie ist schwarz, aber sie ist genauso Schwedin wie sie und ich. Wir hoffen, dass wir die Täter bald finden. Im Moment ist hier eine ziemliche Aufruhr. Haben Sie in der Zeitung gelesen, dass es eine Schießerei in der Stadt gegeben hat? Irgendwelche Motorad-Gangs sind dafür verantwortlich und ein Kollege von mir wurde verletzt.«
Erik Winter schien sich den Fall sehr zu Herzen zu nehmen. Plötzlich stellte er mir eine ganz andere Frage. »Haben Sie eigentlich schon mal von der Gruppe ‚The Clash‘ gehört? Bisher war ich ja reiner Jazz-Liebhaber, aber mein englischer Kollege hat mir eine CD geschickt, wovon ich jedoch bisher nur den ersten Titel gehört habe. Naja, ist ja auch egal. In meinem Leben haben sich Veränderungen ergeben.« Mit der Vehemenz dieser Aussage überraschte er mich. Ich war sehr froh, dass ich ihn im Café angesprochen hatte, da er eine sehr interessante Person ist, auch wenn ich jetzt nur ein wenig über ihn erfahren habe. Wir plauderten noch eine Weile über das Wetter und verabschiedeten uns dann herzlich, nicht ohne ein nächstes Treffen zu verabreden, da ich ihn sehr gerne wiedersehen würde.
Meinem Treffen mit dem sympathischen Kommissar ist eigentlich bezüglich des Falles nur noch wenig hinzuzufügen. Er und seine Kollegen haben den entscheidenden Hinweis von einer alten Frau aus einem Wohngebiet erhalten, die sich gewundert hatte, dass eine Mutter und ein kleines Mädchen nicht mehr auf den Spielplatz gekommen sind. Die tote Frau wird als Helene Andersen identifiziert. Was für eine Überraschung, dass Erik Winter mit seiner Namensgebung ins Schwarze getroffen hatte. Winter beschäftigt sich intensiv mit den Kinderzeichnungen, die er in der verlassenen Wohnung Helenes gefunden hat. Außerdem wird ein Zettel in einem Kinderkleid gefunden. Ist dies ein Hinweis, der mit dem Mord zusammenhängt?
Erik Winter kommt mir vor wie ein alter Bekannter, was vielleicht daran liegt, dass der Erzählstil von Edwardson dem Mankells ähnelt. Beide Autoren verpacken geschickt ihre Gesellschaftskritik und die Entwicklung der schwedischen Gesellschaft in ihren Geschichten. Die Hauptfiguren haben jedoch nur zwei Dinge miteinander gemeinsam: die Probleme in ihrem Privatleben und die Zeichen der Erschöpfung angesichts ihres Berufes. Erik Winter ist jünger als Wallander und trägt (meist) Designer-Anzüge. Noch mehr Aufschluß über seine Person erhält man sicherlich im ersten Band.
Effekthascherei wird in diesem Buch nicht betrieben: Edwardson kommt im Gegensatz zu anderen Autoren mit nur einer Leiche aus, deren Ermordung wir nicht beiwohnen (müssen). Viel wichtiger sind die Entwicklung der Personen und die Hintergründe der Geschichte. Die Sprache des Romans ist knapp und nicht blumig, dennoch kann sich der Autor auch einmal eine halbe Seite bei der Beschreibung eines Traumes oder der Landschaft aufhalten.
Åke Edwardson hat ein Gespür für Dramatik, denn bis zur Mitte des Buches plätschert die Geschichte dahin, bis dahin wechselt er auch immer wieder die Erzählebenen mittels kleiner Einschübe, verbleibt jedoch zu 95% bei seinem Protagonisten und dessen Sicht der Dinge. Es vergeht doch allerhand Zeit, bis die Ermittlungen richtig in Gang kommen. Seine Beschreibung kam mir zunächst sogar ein bißchen langweilig vor, aber dann kam in der Mitte des Buches der Knall. Ich begriff! Leider oder gottseidank nur soviel, dass jetzt die Spannung rapide zunimmt.
Fazit: 92° für Åke Edwardsons netten Kommissar, der sicherlich noch mehr kann, wir müssen ihn vielleicht auch erst noch näher kennenlernen (und ich bin schon gespannt darauf).
Das meinen andere:
»Eine fast schon zu langsame Elegie in Sepia« (Die Welt)
»Mit ´Die Schattenfrau´hat sich Ake Edwardson endgültig als einer der größten Kriminalautoren unseres Landes etabliert. Einfach meisterhaft.« (Motala Tidning)
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| Barbara Gloor zu »Åke Edwardson: Die Schattenfrau« | 14.05.2009 |
|---|---|
| BZKKAI zu »Åke Edwardson: Die Schattenfrau« | 27.02.2009 |
| Leo zu »Åke Edwardson: Die Schattenfrau« | 09.12.2008 |
| Marcel zu »Åke Edwardson: Die Schattenfrau« | 21.10.2008 |
| pescheg zu »Åke Edwardson: Die Schattenfrau« | 06.08.2008 |
| Antoschka zu »Åke Edwardson: Die Schattenfrau« | 29.01.2007 |
| wabu zu »Åke Edwardson: Die Schattenfrau« | 09.03.2006 |
| Karin zu »Åke Edwardson: Die Schattenfrau« | 05.03.2006 |
| pet zu »Åke Edwardson: Die Schattenfrau« | 30.12.2004 |
| Matthias zu »Åke Edwardson: Die Schattenfrau« | 17.12.2004 |
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