Der Tod wartet von Agatha Christie

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1938 unter dem Titel Appointment with death, deutsche Ausgabe erstmals 1944 bei Scherz.
Ort & Zeit der Handlung: Israel, 1930 - 1949.
Folge 18 der Hercule-Poirot-Serie.

  • London: Collins, 1938 unter dem Titel Appointment with death. 252 Seiten.
  • Bern: Scherz, 1944. Übersetzt von Auguste Flesch von Bringen. 221 Seiten.
  • Bern: Scherz, 1953. Übersetzt von Auguste Flesch von Bringen. 191 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 1968. Übersetzt von Auguste Flesch von Bringen. 175 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 1984. Übersetzt von Ursula Gail. 188 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 1989 Rendezvous mit einer Leiche. Übersetzt von Ursula Gail. 188 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 1998 Rendezvous mit einer Leiche. Übersetzt von Ursula Gail. 188 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 1999. Übersetzt von Ursula-Maria Mössner. 250 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 2001. Übersetzt von Ursula-Maria Mössner. 250 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2003. Übersetzt von Ursual-Maria Mössner. ISBN: 3-596-50688-3. 250 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Scherz, 2004. Übersetzt von Ursula-Maria Mössner. 250 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2008. Übersetzt von Ursula-Maria Mössner. 250 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2009. Übersetzt von Ursula-Maria Mössner. 332 Seiten.
  • [Hörbuch] Marburg: Verl. und Studio für Hörbuchproduktionen, 2005. Gesprochen von Martin Maria Schwarz. ungekürzt. 6 CDs.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2005 Rendezvous mit einer Leiche. Gesprochen von Klaus Dittmann. gekürzt; aus dem Englischen von Tanja Handels. 3 CDs.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2007 Rendezvous mit einer Leiche. Gesprochen von Klaus Dittmann. gekürzt; aus dem Englischen von Tanja Handels. 3 CDs.

'Der Tod wartet' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Hercule Poirot macht Ferien – ausgerechnet am Toten Meer. Die alte Dame Boynton war die personifizierte Bosheit. Menschenkenner Poirot schliesst nicht aus, dass sie ermordet wurde. Ein dunkler Fall, aber erst ihre Vergangenheit lässt ihm die Haare zu Berge stehen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Mord in toter Wüstenstadt« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Der scheinbare Herztod einer alten, bösen Frau erweist sich als geschickter Mord; es bedarf des Meisterdetektivs Hercule Poirot, um eine bunte Schar von Verdächtigen zu vernehmen und dann eine unerwartete Lösung zu präsentieren … – In morgenländisch exotischer Kulisse aber strikt den klassischen Regeln des »Whodunit« gehorchend, löst Poirot seinen 18. Fall: zeitlos spannendes Krimi-Handwerk der Oberklasse.

»Du siehst doch ein, dass sie sterben muss?«

Diesen Satz vernimmt ausgerechnet der belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot während einer Reise durch das Heilige Land, als er das Fenster seines Hotelzimmers schließen will. Er amüsiert sich über diesen Zufall, denn noch ist ihm die Tragödie seiner Mitreisenden, der Familie Boynton, nicht bekannt: Die Geschwister Lennox, Raymond, Carol und Ginevra sowie Lennox´ Gattin Nadine unterliegen dem tyrannischen Regiment der sadistischen Mutter, deren Lebensinhalt es ist, ihre Familie zu brechen und zu knechten. Ginevra ist schon in den Wahnsinn abgedriftet, und Lennox folgt ihr rasch. Die herzkranke, fettleibige Greisin hält die Fäden straff in der Hand und diese fest auf der Geldbörse, denn solange sie lebt, hat nur Mrs. Boynton Zugriff auf das Familienvermögen.

Als sich die junge Ärztin Sarah King in Raymond verliebt, zieht sie den Zorn der Alten auf sich, die auch sonst die Menschen in ihrer Umgebung manipuliert oder vor die Köpfe stößt. Trotz ihres labilen Gesundheitszustandes besteht sie auf eine anstrengende Fahrt in die versunkene Felsenstadt Petra. Dort erliegt sie offenbar der Wüstenhitze. Allerdings gibt es Hinweise auf ein Verbrechen. Poirot wird gebeten, den Fall zu klären. Die Schar der Verdächtigen ist groß. Sämtliche Familienangehörige hassten Mrs. Boynton. Hat Sarah King Raymond dazu getrieben, seine Mutter umzubringen, die niemals eine Ehe gestattet hätte? Ist der berühmte Psychologe Dr. Théodore Gérard wirklich wegen einer Malaria-Attacke ins Lager zurückgekehrt, wo Mrs. Boynton zurückgeblieben war? Auch Mr. Copes, Lady Westholmes und Miss Pierces Alibis wackeln bei näherer Betrachtung. Wie es scheint, sind sie alle jetzt oder in der Vergangenheit mit dem bösen Weib aneinandergeraten.

Hercule Poirot steckt in einem Dilemma: Niemand weint Mrs. Boynton eine Träne nach, ihr Tod könnte problemlos zu den Akten gelegt werden. Doch Mord ist ein Delikt, das der Detektiv nicht dulden will. Andererseits wäre er nicht Poirot, fiele ihm nicht nur die Lösung, sondern auch eine Alternative ein …

Drama-Mord im Heiligen Land

Die 1920er Jahre waren für Agatha Christie höchst erfolgreich. Als Schriftstellerin hatte sie sich sehr erfolgreich durchgesetzt. Privat hatte sie herbe Schicksalsschläge hinnehmen müssen; u. a. war ihre Ehe zerbrochen. Um auf andere Gedanken zu kommen, beschloss Christie zu reisen. 1928 und 1930 hielt sie sich lange im Nahen Osten auf. Sie nahm an Ausgrabungen des Archäologen Leonard Woolley teil und lernte dessen Assistenten Max Mallowan kennen, den sie im September 1930 heiratete. In den folgenden Jahren begleitete Christie ihren Gatten mehrfach auf archäologischen Expeditionen durch den Irak und Syrien. Die dabei gewonnenen Kenntnisse über Land und Leute ließ sie in einige ihrer berühmtesten Kriminalromane einfließen.

Auch Der Tod wartet profitiert ungemein von diesem Lokalkolorit sowie von Christies kluger Entscheidung, es der Handlung jederzeit unterzuordnen. Transjordanien ist ein interessanter Schauplatz, den Christie jedoch mit eher groben Strichen skizziert: Der Tod wartet ist kein Reisebericht, sondern ein Kriminalroman. Die Kulissen beugen sich deshalb den Regeln des Genres – eine Disziplin, die leider nicht allzu viele derjenigen Autoren aufzubringen vermochten und vermögen, die ebenfalls Verbrechen an exotischen Orten thematisieren und sich dabei in der Beschreibung geografischer oder historischer Details verlieren.

Die souveräne Christie ist auf Faktenhuberei nicht angewiesen. Petra, die antike Felsenstadt, wird unter ihrer Feder in erster Linie zum ortskundig eingesetzten Tatort. Außerdem ist sie die bildstarke Variation des von innen verschlossenen Raumes, der die Aufklärung eines scheinbar perfekten Verbrechens eigentlich verhindert.

Das Böse als Krankheit

Viel interessanter findet Christie neben der obligatorischen Auflösung einer raffiniert realisierten Übeltat den psychologischen Hintergrund der Ereignisse. Der Tod wartet beginnt mit einer hundertseitigen »Einleitung«, die ohne Hercule Poirot auskommt und stattdessen das Drama einer hochgradig dysfunktionalen Familie schildert. Nicht nur die jüngeren Boytons, sondern auch die Menschen in ihrem Umfeld werden förmlich vergiftet von der systematisch manipulierenden Mutter.

Mit Mrs. Boyton – ein individualisierender Vorname wird nie erwähnt – ist Christie eine bemerkenswerte Figur gelungen: eine bis ins Mark bösartige Frau, die ihr Schicksal herausfordert. Über die Ursachen mag Christie nicht spekulieren; sie beschränkt sich auf die Tatsache, dass Mrs. Boyton heute ist, wie sie ist. In diesem Zusammenhang stellt Christie unangenehme Fragen ganz anderer Art: War dieser Mord womöglich gerechtfertigt? Haben der oder die Täter nicht genug erlitten? Mit welchem Recht mischt sich Poirot ein? Will er hier nur seinen Ruf als Meisterdetektiv durch einen weiteren Erfolg aufpolieren?

Psychologie spielt also eine große Rolle. Christie dürfte spätestens 1926 nach einem schweren Nervenzusammenbruch ihr Interesse für die noch junge Wissenschaft der Psychoanalyse entdeckt haben. Sigmund Freud und seine revolutionären Thesen wurden weltweit diskutiert. Die daraus resultierenden Erkenntnisse spiegelten sich auch in der Unterhaltungsliteratur wider. Poirot betont ausdrücklich, dass die Lösung dieses Falls nicht ausschließlich auf Fakten beruht. Indizienlücken muss er mit Rückschlüssen auf die Psyche der Verdächtigen und die darauf basierenden Handlungen schließen – für den klassischen Detektiv ein unsicheres Terrain, auf das sich ein Sherlock Holmes niemals begeben hätte.

Täuschung und Irrtum

In den 1930er Jahren war Agatha Christie längst zur professionellen Schriftstellerin gereift. Sie wusste genau, wie sie Spannung erzeugen, halten und in einem großen Finale steigern konnte. Ebenso eindrucksvoll ist die Ökonomie in der Anwendung der dafür erforderlichen Mittel. Auch in der neuen, ungekürzten deutschen Übersetzung hat Christie auf Seite 250 erzählt, was sie uns zu sagen hatte.

Dabei ist diese Geschichte auch ohne die psychologischen Implikationen verwickelt. Die Schar der Verdächtigen ist groß, alle haben sie ein Motiv und die Gelegenheit zum Mord gehabt. Rache, Wut, Verzweiflung, Liebe, Notwehr: Christie projiziert die gesamte Palette von Emotionen, die zum Tod der Mrs. Boynton geführt haben könnten, auf ihre Figuren. Dann steigert sie die Verwirrung, indem sie diese Gefühle und die daraus erwachsenden Handlungen miteinander verzahnt. Faktisch gibt es nicht EIN Motiv und EINEN Tathergang, sondern ein komplexes Geflecht zufälliger Ereignisse und absichtlicher Aktivitäten.

Hercule Poirot muss es Faden für Faden aufdröseln. Erst als ihm dies gelingt, ergibt seine bisher nicht in einen logischen Zusammenhang zu bringende Chronik der Ereignisse am Tag des Mordes plötzlich Sinn. Dabei spielt Christie jederzeit fair. Auf die Spur wird man ihr sehr wahrscheinlich trotzdem nicht kommen. Der Aha-Effekt stellt sich erst ein, wenn Poirot verdichtet, was die Autorin höchst geschickt angedeutet hatte, und vervollständigt die Zufriedenheit des Krimi-Lesers, der wieder einmal vorzüglich und intelligent unterhalten wurde.

Das Stück/der Film zum Buch

1944 schrieb Agatha Christie Appointment with Death für die Bühne um. Sie strich nicht nur Poirot, sondern änderte auch den Tatablauf erheblich. Am 29. Januar 1945 hob sich der Vorhang im »King’s Theatre« zu Glasgow. Im »Piccadilly Theatre« in London schloss er sich endgültig bereits im Mai Jahres nach nur 42 Aufführungen.

1988 führte ausgerechnet Michael Winner, der uns mit Filmklassikern wie Ein Mann sieht rot (Teil 1 bis 3) beschenkte, Regie in der Verfilmung von Appointment with Death (dt. Rendezvous mit einer Leiche). Doch Winner lieferte durchaus werkgetreues, allerdings altmodisches bis betuliches Krimi-Stück ab, das den Anschluss an die Agatha-Christie-Blockbuster der 1970er und 1980er Jahre suchte. Zum dritten Mal (nach Death on the Nile, 1978, dt. Tod auf dem Nil, und Evil under the Sun, 1982, dt. Das Böse unter der Sonne) schlüpfte Peter Ustinov in die Rolle des Hercule Poirot, und wie die genannten Filme war auch Appointment with Death bis in die Nebenrollen mit Stars des aktuellen (Carrie Fisher, David Soul) und des »alten« Hollywood-Kinos (Lauren Bacall, John Gielgud) besetzt. Von der Kritik höher eingeschätzt wird die TV-Fassung von 2008, die einmal mehr David Suchet in seiner Parade-Rolle als Hercule Poirot zeigt.

Michael Drewniok, März 2012

Ihre Meinung zu »Agatha Christie: Der Tod wartet«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Hercule Poirot zu »Agatha Christie: Der Tod wartet« 07.01.2015
Trotz seiner 250 Seiten (in der Fischer-Ausgabe) ist dieser Roman genial einfach. Über fast 100 Seiten ermittelt Poirot im Kreise einer großen Anzahl von Familienmitgliedern, die alle einen driftigen Grund haben, die alte Mrs. Boynton, ihre tyrannische Stiefmutter, umzubringen. Damit lenkt Dame Agatha in genialer Weise ihre Leser ab vom eigentlichen Motiv und dem eigentlichen Täter. Genial einfach - in diesem Sinne einer der besten Agatha-Christie-Romane.

Was ich mir in auch diesem Literaturforum nicht verkneifen kann: Dieser Roman wurde 1988 mit Peter Ustinov als Poirot verfilmt, nicht mehr ganz so beeindruckend wie "Tod auf dem Nil" oder "Das Böse unter der Sonne", aber treu den Vorgaben der Autorin. Zwanzig Jahre später entstand eine katastrophale Version, ausgerechnet mit David Suchet - nicht nur als Poirot, sondern auch als Mitproduzent. Vom Roman Agatha Christies blieb nichts mehr, außer ein paar wenigen Charakteren, die aber hohl und leer bleiben. Die Handlung wurde komplett veränderten, ebenso die Motive für die Tat. Das Opfer bleibt so unbedeutend, dass man sich fragt, warum es umgebracht wurde. Warum hat sich Suchet - der nach eigenen Worten von Anfang an eine große Verantwortung für die Umsetzung von Agatha Christies Werken bekundete, das angetan?
margana zu »Agatha Christie: Der Tod wartet« 02.10.2014
Ein wahrhafter Tyrann ist diese Frau in Person.Jeder in der Familie beugt sich aus Angst Ihrem Zorn. Doch plötzlich stirbt Sie und jeder hätte ein Motiv gehabt sie umzubringen. Hercule Poirot ermittelt und stellt heraus das man oft in der Vergangenheit nach dem Mörder suchen muss. Exzellent geschrieben. Dieses Buch ist besonderes gut geschrieben da es wie in vielen ihrer Bücher um die Raffinesse der Psychologie sich dreht und man selber seine kleinen grauen Zellen in Schwung bringt.
steffen zu »Agatha Christie: Der Tod wartet« 13.06.2013
Sagen wir mal so: der Roman ist wahrlich nicht schlecht, hinterlässt aber einen gewissen Beigeschmack.
Ich perönlich lege keinen Wert auf langschweifige Landschaftsbeschreibungen und philosophische Konversationen. Wer dies mag, kommt zumindest in der ersten Hälfte des Buchs voll auf seine Kosten. Ab der zweiten Hälfte schreitet der weltberühmte Detektiv Hercule Poirot dann auch mal persönlich ein. Die Ermittlungen sind allerdings nicht sonderlich spektakulär und das Grande Finale sagen wir mal auf 60 von 100 Agatha-Christie-Punkten. Dennoch liegt dem Roman eine inherente Spannung inne und es wird auch nie (kaum) zu langeweilig. Aber wer einen wirklich spannenden Krimi ala J.D.Carr erwartet, wird hier enttäuscht. Es ist mehr ein Reisebericht mit Mord. Von mir 70%.
Stefan83 zu »Agatha Christie: Der Tod wartet« 08.03.2013
Auch wenn er nicht denselben Bekanntheitsgrad wie „Mord im Orient-Express“ oder „Tod auf dem Nil“ in Anspruch nehmen darf - „Der Tod wartet“, der achtzehnte Band der Poirot-Reihe, gehört sicher zu den besten Fällen des kleinen belgischen Detektivs mit den grauen Zellen. Die beruflich erfolgreichen, aber privat auch schwierigen 20er Jahre (Tod der Mutter, Scheitern ihrer Ehe, daraus resultierender Nervenzusammenbruch) hinter sich gelassen, profitierte Agatha Christie im darauffolgenden Jahrzehnt von den Eindrücken ihrer vielen Reisen, welche sie besonders in den Nahen Osten unternahm, wo sie bei archäologischen Ausgrabungen auch ihren späteren Ehemann Max Mallowan kennenlernte. Von der Schönheit und Kultur der Länder Syrien, Jordanien, Irak und Iran beeinflusst, wurde die Gegend gleich mehrmals Schauplatz ihrer Romane, wobei es der „Queen of Crime“ stets gelang, Kulisse und Kriminalgeschichte stimmig zu verbinden. „Der Tod wartet“ ist hierbei ein perfektes Beispiel für Christies Prämisse, der Fantasie des Lesers freies Spiel zu lassen und die Umgebung mit möglichst wenigen Worten zu skizzieren. Das man trotzdem, auch knapp 75 Jahre nach der Veröffentlichung, die antike Felsenstadt Petra sowie das in diesem Fall sie umgebende Zeltlager quasi direkt vor Augen hat, zeugt von der großen Klasse der Autorin und ihrem beeindruckenden Talent für atmosphärisch-ausdrucksstarke Beschreibungen.

„Du siehst doch ein, dass sie sterben muss?“

Mit diesem Satz, den der auf der Reise durchs Heilige Land befindliche Hercule Poirot am Fenster seines Hotelzimmers vernimmt, beginnt das vorliegende Abenteuer des belgischen Detektivs, der sich anfangs noch wenig bei dem von ihm Gehörten denkt, bis der plötzliche Herztod von Mrs. Boynton, einem Mitglied seiner Reisegruppe, die Worte in einem anderen Licht erscheinen lässt. Die alte Dame war nicht nur das unangefochtene Oberhaupt ihrer Familie, sondern auch eine Zeit ihres Lebens von allen gehasste Tyrannin, der es eine sadistische Freude machte, ihre Mitmenschen bei jeder Gelegenheit vor den Kopf zu stoßen. Stets in dem Wissen mit der Kontrolle des Familienvermögens auch gleichzeitig die über ihre blutsverwandten „Untertanen“ inne zu haben. Nun hat die aufreibende und aufgrund der Wüstenhitze anstrengende Fahrt zur untergegangenen Felsenstadt Petra augenscheinlich ihren Tribut gefordert. Aber ist sie wirklich eines natürlichen Todes gestorben?

Hercule Poirot, der gebeten wird für Aufklärung zu sorgen, steht vor einem Dilemma. Die Schar der Verdächtigen ist ebenso bunt wie groß. Nicht nur hatten viele ein Motiv die verbitterte Greisin ins Jenseits zu befördern – ein jeder scheint ihr Ableben sogar zu begrüßen. Je mehr Gespräche Poirot führt, umso mehr wird ihm klar, dass alle Teilnehmer des Ausflugs irgendwann die scharfe Zunge von Mrs. Boynton spüren mussten. So scheint ihr Tod für die Allgemeinheit weniger ein Verbrechen als vielmehr ein Segen zu sein. Aber nicht für Poirot, bleibt für ihn Mord doch immer noch ein Verbrechen … und ein solches gehört selbstverständlich aufgeklärt.

Nicht nur an die grauen Zellen des belgischen Detektivs, sondern auch an diejenigen des Lesers, werden in diesem Fall höchste Anforderungen gestellt, da es von möglichen Tätern und Täterinnen in „Der Tod wartet“ nur so wimmelt und wirklich niemand einen Hehl aus seinem Hass auf die Verstorbene macht. Hercule Poirot eingeschlossen. Agatha Christie hat damit eine raffinierte Ausgangsposition geschaffen, welche die weiteren Ermittlungen immer wieder geschickt vernebelt, weil man sprichwörtlich den Wald vor Bäumen nicht mehr sieht. Dabei steht neben der „Wer hat es getan“-Frage diesmal auch noch eine andere in Raum: „Wer sollte es nicht getan haben?“ Ein jeder um Mrs. Boynton trauernde Mitreisende macht sich jedenfalls sogleich verdächtig, bekommt doch auch die augenscheinlich kleinste Nebenfigur hier noch sein Fett von ihr weg. Es ist diese Konstellation aus der „Der Tod wartet“ seine Spannung zieht bzw. seinen Reiz gewinnt. Alles kreist um Mrs. Boynton, die ihr näheres Umfeld mit Genuss vergiftet und förmlich um den Tod zu betteln scheint. Und zum ersten Mal in einen Poirot-Roman stellt man sich als Leser, wenn auch zögerlich, die Frage: Warum muss dieser Fall eigentlich überhaupt aufgeklärt werden?

Christie lässt uns lange in diesem moralischen Zwiespalt zappeln, während sie sich gleichzeitig den psychologischen Aspekten des Verbrechens widmet, aus welchen Poirot, dem klare Indizien schlichtweg fehlen, widerwillig Rückschlüsse ziehen muss, um den Täter am Ende überführen zu können. Dabei beherrscht die große Autorin dennoch die Kunst, genug Brösel zu streuen, um den Leser selbst den Weg zum Ziel finden zu lassen. Scheitern werden die meisten Hobby-Detektive dennoch: Versiert und geschickt wie ein Bühnemagier, nutzt Christie jede Ablenkung, so dass wir meist auf die falsche Hand gucken werden, obwohl in der anderen bereits die Lösung wartet.

Im Verbund mit der herrlich exotischen und stimmungsvollen Umgebung des Mordfalls macht dies „Der Tod wartet“ zur nahezu perfekten Unterhaltung für alle Freunde des klassischen Whodunits. Stilvoll, intelligent, überraschend – ein kleines, funkelndes Juwel im großen Diadem der „Queen of Crime“, dessen Lektüre mir große Freude bereitet hat.
Eric zu »Agatha Christie: Der Tod wartet« 15.01.2011
Erst mal kurz zum Inhalt:
Die junge Ärztin Dr. Sarah King, die sich gerade von ihrem Verlobten getrennt hat, gönnt sich nun eine Reise ins "Heilige Land". In Jerusalem erwacht ihr Interesse für die amerikanische Familie Boynton, die ebenfalls im Hotel "Solomon" weilt. Sie macht die Bekanntschaft des berühmten französischen Psychologen Dr. Theodore Gerard und erweckt auch sein Interesse für die Boyntons. Die alte Emily Boynton, eine ehemahlige Gefängniswärterin, beherrscht und tyrannisiert ihre drei Stiefkinder, ihre Tochter, ihre Schwiegertochter und die gesamte Reisegruppe. Sie schirmt die Familie vollständig von der Außenwelt ab und beobachtet mit sadistischer Genugtuung deren langsamen Zerfall. Während Raymond und Carol Boynton noch versuchen sich aufzulehnen, hat ihr älterer Bruder Lennox bereits alle Hoffnung aufgegeben und erduldet nur noch, auf das Ende wartend. Seine Frau Nadine ist die einzige, über die Mrs. Boynton keine Macht hat. Ihre leiblicheTochter Ginevra flüchtet sich in eine Traumwelt. Sie und Lennox werden psychisch immer labiler. Auch Jefferson Cope, ein alter Freund von Nadine, ist besorgt wegen der seltsamen Situation der Familie. Er schreibt dies jedoch übertriebener Liebe und Fürsorge zu, anstatt bewusster Böswilligkeit. Sarah verliebt sich in Raymond und versucht vergeblich, ihn und Carol aus den Klauen Mrs. Boyntons zu befreien. Dann beschließt sie die Boyntons zu vergessen und reist mit Dr. Gerard, der britischen Parlamentsabgeordneten Lady Westholme und Miss Amabel Pierce nach Petra. Als sie zwei Tage später ankommen, werden sie jedoch schon von Mrs. Boynton erwartet. Die Ereignisse überschlagen sich: Jefferson Cope macht Nadine einen unkonventionellen Heiratsantrag, Sarah und Raymond finden zueinander, Dr. Gerard erkrankt an Malaria, Mrs. Boynton wird plötzlich freundlicher und wenig später ermordet. Der für die Ermittlungen verantwortliche Offizier des britischen Protektorats Colonel Carbury zieht den belgischen Meisterdetektiv und Weltenbummler Hercule Poirot heran, der zufällig in Israel weilt. Der hat auch schon eine heiße Spur: Eines Nachts im Hotel "Solomon" hörte er Raymond Boynton zu Carol sagen: "Du siehst doch ein, dass sie sterben muss?" Während seinen Ermittlungen stößt er auf brisante Details, die das Opfer immer weniger und den/die Täter/in immer mehr sympatisch machen. Und obwohl er von allen Seiten bedränkt wird, die Ermittlungen einzustellen, besteht er darauf, den Mörder zu finden und verspricht Colonel Carbury ihn in min. 24h gefunden zur Strecke gebracht zu haben.

Dieser Roman bietet eine interessante und ungewöhnliche Ausgangssituation. Er basiert (vor allem am Anfang) hauptsächlich auf der Psychologie der handelnden Personen, welche von den beiden Ärzten eingehends erörtert wird. Auch interessant ist, dass Dr. Sarah King, die im ersten Teil noch die Hauptrolle spielt, im zweiten Teil immer mehr in den Hintergrund tritt. Teil 1 & 2 stellen sowieso einen krassen Gegenteil zueinander dar. Während im ersten Teil alle Verdächtigen eingehend beschrieben werden, enthält der zweite fast nur die klassischen Ermittlungen. Der eigentliche Mord passiert für Agatha-Christie-Verhältnisse relativ spät, was wie bei "Der Tod auf dem Nil" die Spannung jedoch nur noch erhöht. Richtig spannend wird es am Ende bei der wie immer von Poirot einberufenen Auflösungsrunde, die diesmal ziemlich ausführlich ausfällt und die Spannung noch mal auf das Maximum ansteigen lässt und schließlich mit einer einfach nur genialen Lösung endet. Außerdem ist sogar noch ein Happy End eingebaut. Super!

"Der Tod wartet" zählt für mich nicht nur zu den besten Poirot- oder Agatha Christie-Romanen, sondern auch zu den besten Büchern, die je geschrieben wurden! Hier hat Agatha Christie bewiesen, dass sie die wahre Queen of Crime ist.

Wer jedoch noch kein Agatha-Christe-Buch gelesen hat, muss aufpassen. Im Buch wird Bezug auf "Der Tod auf dem Nil", "Mit offenen Karten", "Mord im Orientexpress" und "Die Morde des Herrn ABC" genommen und teilweise wichtige Elemente der Auflösung verraten.

Auch dringend zu empfehlen sind u.a. das bereits oben genannte "Der Tod auf dem Nil" (das meiner Meinung beste Werk Christies), "Mord im Orientexpress", "Blausäure", "Der Ballspielende Hund", "Das unvollendete Bildnis", "Und dann gabs keines mehr", "Die Schattenhand", "Mord im Pfarrhaus", "Der Wachsblumenstrauß" ...und eigentlich alle anderen Werke Agatha Christies, der einzigen und wahren Queen of Crime!
almargo zu »Agatha Christie: Der Tod wartet« 06.08.2010
eine familie die keine mehr ist 2 doktoren di einem privat stunde in der psychologie halten 2 verliebte ein großartiger hercule poirot ob ruhe sanft oder der tod wartet gleiches buch . einen frau die alle tyranisiert am anfang liest man einen mord der verübt werden soll und hp lauscht was sich aber dann nur als wut zum ausdruck bringen wollte stellt sich ein echter mord dazwischen . doch jemadn hält sich im schatten . ein gutes buch das bis zur seite cool ist
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
tini zu »Agatha Christie: Der Tod wartet« 04.03.2010
Ich hab das Buch zufällig in die Hände bekommen. Es war ganz hinten im Bücherschrank meiner Eltern und ich wollte nur mal kurz reinlesen, aber es hat mich sofort "gefesselt" ;-), ich hätte nie gedacht, dass mir AC gefallen würde, aber ich war sehr wirklich begeistert und hab ihre durch dieses tolle Werk für mich entdeckt. Poirot ist mir sehr sympathisch, eine tolle Figur. Dem Mörder bin ich bis zum Schluß nicht auf die Spur gekommen und das Ende hält einige Überraschungen bereit. 87°!
Lylith zu »Agatha Christie: Der Tod wartet« 29.12.2009
Ein Fall der sich wirklich voll und ganz um das Lieblingsthema des belgischen Detektivs dreht: die Psychologie. Denn das Opfer war nicht nur das Oberhaupt sondern die uneingeschränkte tyrannische Beherrscherin der Familie. Mit annäherend hypnotischer Macht unterwirft sie ihre Stiefkinder und ihre Tochter ihrem Willen und das schon seit Jahren. Die Spuren dieser geistigen Misshandlung sind den Familienmitgliedern schon deutlich anzusehen. Von Apathie bis Verfolgungswahn bietet diese Familie eine wahre Fundgrube für einen Psychologen.
Doch wer brachte letztlich den Willen auf die alte Frau zu töten?
Ein Who-done-it, bei dem die schöne Kulisse der Stadt Petra respektvoll in den Hintergrund treten muss, um den vielen psychologischen Eigenheiten der Charaktäre das Rampenlicht zu überlassen.
Bazong zu »Agatha Christie: Der Tod wartet« 02.05.2009
Dieser Roman ist auch mit dem Titel "Rendezvous mit einer Leiche" bekannt. Es freut mich, als Sherlock Holmes Leser endlich mal einen Agatha Christie Krimi loben zu können. Die Reise führt in die Gegend Israel – Jordanien, insgesamt gut erzählt wie wir es von AC kennen. Am Ende gewinnt sogar ausnahmsweise mal das gute. AC verzichtet diesmal darauf die Geschichte kurz vor der Ziellinie in den Bereich des Schwachsinns zu zerren, so wie sie es sonst meistens tut.
Was bleibt ist ein ordentlicher und gut erzählter Krimi, mit nachvollziehbarer Logik.

Hier zeigt sich einmal mehr das die Qualität der Geschichten besser ist wenn AC einen ihrer Namen auftauchen lässt. Sehr empfehlenswert ...
Josy zu »Agatha Christie: Der Tod wartet« 16.07.2007
Ich schließe mich an mit Imanuel (Kommmenatr vom 18.6.07 dass die Charaktären gut beschrieben sind. Ich habe Angst bekommen von der Frau die dann umgebracht wurde.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 25.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Der Tod wartet

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: