Das Haus an der Düne von Agatha Christie

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1932 unter dem Titel Peril at End House, deutsche Ausgabe erstmals 1933 bei Goldmann.
Folge 7 der Hercule-Poirot-Serie.

  • London: Collins, 1932 unter dem Titel Peril at End House. 252 Seiten.
  • Leipzig: Goldmann, 1933. Übersetzt von Otto Albrecht van Bebber. 264 Seiten.
  • München: Goldmann, 1951. Übersetzt von Otto Albrecht van Bebber. 219 Seiten.
  • München: Goldmann, 1956. Übersetzt von Otto Albrecht van Bebber. 186 Seiten.
  • München: Goldmann, 1972. Übersetzt von Otto Albrecht van Bebber. ISBN: 3-442-00098-X. 190 Seiten.
  • München: Goldmann, 1986. Übersetzt von Otto Albrecht van Bebber. ISBN: 3-442-06220-9. 190 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 1990. Übersetzt von Otto Albrecht van Bebber. ISBN: 3-502-55952-X. 191 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 1991. Übersetzt von Otto Albrecht van Bebber. ISBN: 3-502-51302-3. 191 Seiten.
  • München: Goldmann, 1997. Übersetzt von Otto Albrecht van Bebber. ISBN: 3-442-43954-X. 190 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 1999. Übersetzt von Monika Gripenberg. ISBN: 3-502-11116-2. 222 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 2001. Übersetzt von Monika Gripenberg. ISBN: 3-502-51768-1. 222 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2003. Übersetzt von Monika Gripenberg. ISBN: 3-596-50680-8. 222 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2008. Übersetzt von Monika Gripenberg. ISBN: 978-3-596-18215-2. 222 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2011. Übersetzt von Monika Gripenberg. ISBN: 978-3-596-51169-3. 224 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2003. Gesprochen von Wolf Frass. gekürzte Fassung von Kati Nicholl; aus dem Englischen von Tanja Handels. ISBN: 3899402472. 3 CDs.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2006. Gesprochen von Wolf Frass. gekürzte Fassung von Kati Nicholl; aus dem Englischen von Tanja Handels. ISBN: 3899407822. 3 CDs.
  • [Hörbuch] Marburg: Verl. und Studio für Hörbuchproduktionen, 2008. Gesprochen von Martin Maria Schwarz. ungekürzt. ISBN: 3896143859. 6 CDs.

'Das Haus an der Düne' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Eigentlich hat er sich als Kriminalist zurückgezogen, aber als in seinem Ruhestands-Urlaub unter seinen Augen ein Mordanschlag auf eine junge Frau verübt wird, fühlt sich Meisterdetektiv Hercule Poirot noch einmal herausgefordert. Mit seinem treuen Gefährten Hastings lädt er sich selbst in das Haus an der Düne ein, welches von einer fidelen Gesellschaft bewohnt wird. Darunter befindet sich ein kaltblütiger Mörder, der sein Glück erneut versuchen wird, sollte Poirot ihn durch geschicktes Ausholen der Anwesenden nicht vorher stellen können ... – Das uralte, unsterbliche »Wer ist der Mörder?”-Suchspiel findet dieses Mal an einem sonnigen Meeresstrand statt. Der Wettlauf mit dem genretypisch gut getarnten Übeltäter ist trotzdem klassisch spannend, wird aber von den gar zu penetranten Possen des eingebildeten Poirot künstlich dramatisiert: ein «nur” mittelmäßiger, aber immer noch lesbarer Roman der englischen "Queen of Crime”.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein pensionierter Kriminalist wird neugierig« 60°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Hercule Poirot, der große Kriminalist aus Belgien, hat sich aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen. So behauptet jedenfalls er selbst es, der zur Zeit mit seinem alten Freund Arthur Hastings, Wasserträger bei vielen früheren Abenteuern, einen Urlaub an der englischen Meeresküste von Cornwall verbringt. Dort lernen sie die Magdala Buckley (die sich aus leicht ersichtlichem Grund lieber »Nick” nennen lässt) kennen, welche mit einigen Familienangehörigen und Freunden in «End House”, ihrem Haus an der Düne, lebt.

Poirot erwacht aus seinem selbst suggeriertem Ruhestand, als aus dem Hinterhalt ein Schuss auf Nick abgefeuert wird. Intensives Nachforschen lässt ihn erkennen, dass binnen kurzer Zeit bereits drei weitere Anschläge auf die junge Frau verübt wurden! Das ist zuviel für den galanten Verbrecherjäger vom Kontinent. Er lädt sich selbst und Hastings in Nicks Haus ein, um dort hinter das Geheimnis der Mordversuche zu kommen. Denn Nick ist arm, der Besitz selbst mit Hypotheken belastet. Niemand kann durch ihren Tod gewinnen.

Poirot hat Pech – Pech für den Mörder!

Und doch gibt der Täter nicht auf. Er kann sogar den gewitzten Poirot austricksen. Während einer nächtlichen Party schlägt er erneut und dieses Mal erfolgreich zu. Freilich hat er nicht Nick, sondern irrtümlich deren Cousine Maggie Buckley erwischt. Während Nick zur eigenen Sicherheit in einer Nervenheilanstalt einquartiert wird, nimmt sich Poirot die Festgäste vor. Eines weiß er immerhin sicher: Der Täter oder die Täterin muss sich unter den Bewohnern des Dünen-Hauses befinden!

Ist es Commander Challenger, obwohl offensichtlich ein Ehrenmann und zudem heftig verliebt in Nick? Oder Frederica »Freddie” Rice, Nicks angeblich ergebene Freundin? Mr. Lazarus, der undurchsichtige Kunsthändler, ein sehr vertraut ist mit der angeblich verheirateten Freddie? Ellen, die gar zu treue Seele von End House, die dessen geheime Winkel besser kennt als die Familie? Cousin Charles Vyse, der Nick auch als Anwalt vertritt? Die Untermieter Bert und Milly Crofts aus Australien, die so schrecklich nett und neugierig sind? Und wo ist Nicks Mauser-Pistole geblieben, aus der mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit die tödliche Kugel auf die arme Maggie abgefeuert wurde?

Viele Herausforderungen für Hercule Poirot, der zudem entdecken muss, dass ihm der Mörder einen Zeitungsartikel hinlegt, der seine Ankunft in der Seefrische meldet. Ist dies etwa ein Fehdehandschuh, der ihm da hingeworfen wird? Mehr braucht es nicht, den reizbaren Belgier zurück ins «Große Spiel” zu bringen, was den Täter zunehmend nervös reagieren lässt …

Geheimnisvoller Mord ohne Schutz der Dunkelheit

Im siebten Roman um Hercule Poirot bleibt alles beim Alten, auch wenn die Kulissen womöglich zunächst verwirren: Ein lupenreiner »Whodunit” wird hier abgespult, d. h. es gilt unter den Mitgliedern einer fest umrissenen Gruppe einen (männlichen oder weiblichen) Mörder zu ermitteln. Dabei ist es praktisch, besagte Personen gut unter Kontrolle zu halten – in einem einsam gelegenen Haus an einer Düne beispielsweise.

Soweit ist alles in Ordnung. Das Klima stimmt jedoch nicht: Es ist weder kalt noch dunkel, es regnet nicht, es stehen keine finsteren Wälder ums Haus, aus dem sich lichtscheues Gesindel ein- und ausschleichen kann. Statt dessen scheint die Sonne auf einen flachen Strand: Das Böse müsste folglich gut sichtbar sein.

Agatha Christie spielt indessen nicht grundlos mit den Regeln des Genres, das sie berühmt, reich und adlig werden ließ. In einem gewissen Rahmen sind sogar dem Fan des wahrlich klassischen Kriminalromans – eine überaus konservative Gesellschaft – Veränderungen lieb. Christie, zum Zeitpunkt der Niederschrift von «Das Haus an der Düne” längst ein Profi, bindet sich quasi einen Schreibarm auf den Rücken. Sie legt Wert darauf ihrem Publikum zu verdeutlichen, dass es keine Geheimtüren und Tunnel im Haus am Strand gibt. Nachdem Hercule Poirot die Bewohner hier konzentriert hat, kann sich der Mörder (oder die Mörderin) nur noch unter ihnen befinden.

Die Leser wissen, doch sie begreifen nicht

Damit haben wir prinzipiell Gleichstand mit dem Detektiv erreicht. Tatsächlich müssen wir uns natürlich schon glücklich schätzen, wenn mir dem wackeren, aber notorisch begriffsstutzigen Colonel Hastings Schritt halten können. Poirot ist uns ständig mindestens einen Schritt voraus. Das muss er um der Fairness willen, doch obwohl uns die spätere Lady Agatha die Bausteine des Krimi-Puzzles durchaus aushändigt, achtet sie sorgfältig darauf, dass uns der Zusammenbau nicht schneller als ihr Detektiv gelingt.

Leider bedient sie sich dabei eines unfairen Tricks: Poirot, der uns Leser (bzw. Colonel Hastings, der als unser Vertreter fungiert), über den Stand seiner Nachforschungen in Kenntnis setzen sollte, hüllt sich penetrant in Schweigen. Anscheinend weiß er schon recht früh etwas, aber er begnügt sich damit, Hastings und uns mit vagen Andeutungen, düsteren Prophezeiungen oder leeren Versprechungen abzuspeisen. Das macht die Lektüre anstrengend und lässt sich nicht damit entschuldigen, dass Poirot halt ein eitler Zeitgenosse ist. Dieses Mal spreizt er sich ein wenig zu aufdringlich als kriminalistisch schillernder Pfau.

Vom dauerinkarnierenden Watson …

Wer so genial wie Hercule Poirot ist, der benötigt einfach einen normalsterblichen Zeitgenossen neben sich, der staunend dessen Taten beobachtet, kommentiert und vor allem die notwendigen Fragen stellt. Anders ausgedrückt: Jeder große Detektiv braucht seinen Watson. Hastings ist kein Arzt, aber ein alter Soldat, was hier und da nützlich ist, wenn grober körperlicher Einsatz erforderlich wird, den Denkmaschine Poirot nicht leisten kann.

Stellt sich die Frage, worauf sich Poirots Dankbarkeit in dieser Hinsicht gründet. Ständig ärgert und verspottet er den braven Hastings, der sich ebenso redlich wie vergeblich bemüht, die einander widersprechenden Indizien zu deuten. Poirot scheint den Verstand seines Freundes als leere Wand zu schätzen, an die er die Bälle diverser deduktiver Gedankenspiele prallen lässt; es ist wohl ersprießlicher, als mit sich selbst zu sprechen …

Aber die armen Damen erst!

Wobei Hastings wenigstens das Privileg eines eigenständigen Lebens zugebilligt wird. Das ist mehr, als die arme Nick Buckley für sich beanspruchen darf. Anfänglich tritt sie als unabhängige Frau auf, die auf sich allein gestellt den Schwierigkeiten des Alltags zu trotzen weiß. Sobald ihr zu dämmern beginnt, dass sie bedroht ist, bricht sie a) umgehend psychisch zusammen und gibt b) die Kontrolle über ihr Leben ab. Für die weitere Handlung ist sie erst einmal sekundär geworden. Hercule Poirot lagert sie in einer netten Privat-Klapsmühle zwischen.

Aber man unterschätze Lady Agatha nicht! Sie schafft es sogar den missbilligenden Kritiker des 21. Jahrhunderts aufs Glatteis zu führen. Die Frauen von End House sind letztlich doch nicht so einfach gestrickt wie man es zunächst glaubt – und glauben sollte. Überhaupt lüftet Poirot im Finale mehr als eine Maske. Das klappt mal mehr, mal weniger gut und vervollständigt den Eindruck eines Krimis, der gerade so eben die Kurve kriegt und nicht zu Agatha Christies Meisterwerken zählt.

»Das Haus an der Düne” – multimedial

Agatha Christie war durchaus nicht abgeneigt, ihr Schriftstellerhonorar durch weitere Zuwendungen aufzustocken. Theater und Radio, später Film und Fernsehen interessierten sich für ihre Romane und Geschichten. Sie schrieb selbst einige Stücke, aber «Das Haus an der Düne” wurde von Arnold Ridley und Bernard Merrivale adaptiert. Der Vorhang öffnete sich am 1. Mai 1940 – d. h. während des II. Weltkriegs – im Vaudeville Theatre zu London; der Schauspieler Francis L. Sullivan gab den Poirot

Ein halbes Jahrhundert später fand "Das Haus an der Düne” den Weg ins englische Fernsehen. LWT produzierte einen Spielfilm, in dem David Suchet die Hauptrolle spielte. Es schloss sich eine Reihe weiterer Poirot-Streifen an.

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margana zu »Agatha Christie: Das Haus an der Düne« 14.12.2012
Eine äusserst charmante dame auf die ein Anschlag verübt wird .
Hercule Poirot ist sofort zur Stelle u seine grauen Zellen tuen alles um den Fall in die sicheren Hände zu bekommen , denn hat wirklich ein Mörder seine Hände im Spiel oder hat Mrs einfach nur eine große Phantasie lesen sie es selber u kombinieren sie !

Ein Muss für jeden ac fan
Hercule zu »Agatha Christie: Das Haus an der Düne« 08.06.2012
Ich versuche jeden Poirot Krimi zu bewerten doch dieser bei diesem blieben mir beim lesen die Worte weg.
Das war wohl einer der besten Agatha Christie Krimis die ich je gelesen habe.
Alles gefiel mir gut der Titel hat mich gewundert als ich ihn gelesen habe dachte ich das, dass eine Schnulze ist doch man konnt ja sehen, dass eine Hercule Poirot Krimi im Inneren steht.
Der berühmte Belgische Detektiv Hercule Poirot ist im Ruhestand und denkt das ihn nichts wieder zum Detektiv spielen bewegen kann, doch dann trifft er die junge und schöne Miss Nick auf die schon drei Mordanschläge verübt wurden, und dann auf einmal wird dreist auf sie geschossen.Auf einer Scala von 1 bis 10 würde ich sagen es ist eine 10
almargo zu »Agatha Christie: Das Haus an der Düne« 17.01.2012
Das Haus an der Düne steht , finde ich zu den charackterlichsten Büchdern , die Hercule Poirot am auszeichenen .

Der ganze Roman ist stimmig , interessant u nie langweilig .

Hinzu kommt der herkömmliche stil der 30 Jahre der dem ganzen noch den Hut aufsetzt .

Auch das Ende ist höchtst lesen sie doch selbst .smile
Lara13 zu »Agatha Christie: Das Haus an der Düne« 18.08.2011
Das Haus an der Düne ist eines meiner Lieblings-Krimis. Ebenso wie Hercule Poirot mein Lieblings-Detektiv ist! Ein älterer Belgier, den man fälschlicherweise für einen französischen Friseur hält. Seine grauen Zellen sind fantastisch! Es gibt keinen Fall, den er nicht aufklären kann. Ein Muss für alle Krimi-Fans!
Bazong zu »Agatha Christie: Das Haus an der Düne« 24.04.2011
Ein AC Krimi mit Hercule Poirot. Der Roman ist empfehlenswert. Obwohl es bei dieser Geschichte auch um Drogen geht ist es kein so genannter Hardboiled Crime. Der Krimi ist genau richtig um am Strand im Liegestuhl gelesen zu werden. Das Teil ist sehr stimmungsvoll ... Besser als A.C.s Karibische Affäre.

Ach so noch etwas ... AC setzt in einer Anfangsszene wieder mal eine Handfeuerwaffe ein. Und wie wir alle wissen hat Agatha Christie keine Ahnung von Handfeuerwaffen ... Aber egal der Roman ist trotzdem Spitze.
von zu »Agatha Christie: Das Haus an der Düne« 12.03.2011
Als Hörbuch wirklich sehr schön zu hören und bleibt auch weiter spannend. Ich denke das es bessere gibt, aber 'Das Haus an der Düne' ist ein Muss um mal eine andere Facette von Christie kennenzulernen. Zudem überrascht sie einen doch immer wieder mit ihren außergewöhnlichen Werken, die jeden Leser ansprechen.
marry zu »Agatha Christie: Das Haus an der Düne« 06.09.2009
Am Anfang hat sich die Handlung etwas gezogen, da es ja nur die "versuchten Morde" gab, dennoch schafft es Christie die Spannung beizubehalten.Das Ende, wie immer überraschend und (für mich zumindest) völlig unvorhersehbar. Mir persönlich gefällt dieser Krimi, auch wenn es nicht unbedingt der beste von Christie ist.Allerdings verstehe ich, wie so oft, die Rolle von Hastings nicht. Ich finde nicht das er besonders schlau ist und gut kombinieren ist auch nicht seine Stärke. Ich glaube auch nicht, das er die Gedanken des Lesers widerspiegelt, die sind nämlich meistens SEHR primitiv.
Das heißt aber wiederrum nicht, das der Leser die Gedanken und Schlüsse von Poirot nachvollziehen kann, da er ja zu mal immer ein gewisses "Insider-Wissen" hat, das der Leser erst bei Auflösung erfährt.
Im Großen und Ganzen ein toller Krimi.
>Vergissmeinnicht zu »Agatha Christie: Das Haus an der Düne« 05.07.2009
Das Haus an der Düne ist meiner Meinung nach ein wirklich spannend geschriebener Krimi von Agatha Christie! Deshalb kann ich mich den negativen Behauptungen gar nicht anschließen!

Wieder einmal ist Hastings mit dabei in diesem Buch, aber so schlau wie Hercule Poirot ist er lange nicht. Ja, echt bewunderndswert wie man einen Fall nur durch Nachdenken lösen kann!

Allen Agatha-Christie-Krimi-Fans ist das Buch auf jeden Fall weiter zu empfehlen! Viele spannende Augenblicke, Morde und Verdächtige sind zu erwarten!
Stefan83 zu »Agatha Christie: Das Haus an der Düne« 12.01.2009
Nachdem Agatha Christie ihrem belgischen Detektiv vier Jahre Pause gegönnt hat (sie schrieb in den Jahren 1928 - 1932 u.a. am ersten Marple-Krimi "Mord im Pfarrhaus"), betritt Hercule Poirot in "Das Haus an der Düne" wieder die Bühne. Und die lange Zeit scheint Christie gut genutzt und den Wechsel von der Hobby zur Profischriftstellerin endgültig vollzogen zu haben.

Das zeigt sich nicht nur anhand der Tatsache, dass sie mittlerweile von ihrer Schriftstellerei leben kann, sondern wird auch in ihrem Schreibstil ersichtlich, der mit einer routinierten Leichtigkeit daherkommt, welche den ersten ihrer Werke noch gefehlt hat. Dabei schafft sie es trotz aller Routine wie kaum eine andere Krimiautorin stets für eine gewisse Abwechslung zu sorgen. Brach sie mit dem Ende von "Alibi" schon alle genretypischen Gesetze, weicht sie nun auch hier vom typischen "Whodunit"-Aufbau ab. Denn diesmal soll Poirot erstmal nicht herausfinden wer der Mörder ist, sondern einen noch nicht begangenen Mord verhindern. Die Story sei schnell angerissen:

Hercule Poirot, Meisterdetektiv im Ruhestand, und sein getreuer Freund Captain Hastings, der aus Argentinien zurückgekehrt ist und sich mal wieder mit der mangelnden Bescheidenheit des Ersteren herumplagen muss, genießen einen wohlverdienten Urlaub im südenglischen Küstenort St. Loo. Hier machen sie auf der sonnigen Terasse ihres Hotels die zufällige Bekanntschaft mit der jungen Nick Buckley, der Besitzerin des nahe gelegenen Hauses an der Düne mit dem Namen "End House". Man kommt ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass der jungen Dame, deren Sorgen- und Verantwortungslosigkeit Poirot missbilligt, in den letzten Tagen drei seltsame "Unfälle" passiert sind. Der belgische Detektiv wird misstrauisch und sieht seine Sorge bestätigt, als er im zurückgelassenen Hut von Miss Buckley ein Einschussloch vorfindet. Diese will von Poirots Befürchten zunächst nichts wissen, beugt sich dann aber seiner Hartnäckigkeit und holt sich auf seinen Rat hin eine vertrauensvolle Bekannte, ihre Cousine Maggie, ins Haus. Tags darauf, während eines abendlichen Feuerwerks, muss sich der Meisterdetektiv zum zweiten Mal in seiner Karriere eingestehen, das er versagt hat: Maggie wird, vom Mörder offensichtlich mit Nick Buckley verwechselt, erschossen im Garten von "End House" aufgefunden. Poirot macht sich große Vorwürfe und setzt alles dran um das Leben der jungen Dame zu schützen und den heiklen Fall schnellstmöglich aufzuklären.

Vorneweg: "Das Haus an der Düne" ist mit Sicherheit nicht Christies spannendstes Werk. Das liegt in erster Linie daran, dass es eine ganze Weile dauert bis überhaupt ein Mord begangen wird. Dennoch bleibt die Story durchgehend kurzweilig, was nicht nur an den gelungenen, oftmals sehr mysteriösen Figuren liegt, sondern auch am Spaß beim Miträtseln. Obwohl es eine fest umrissene Gruppe gibt, unter deren Mitgliedern sich mindestens ein Mörder befinden muss, tappt man lange Zeit im Dunkeln, verwirft man eine These nach der anderen. Um dann schließlich den komplexen Hintergrund der Tat zu verstehen, ist man dann wie so oft auf Poirots Hilfe angewiesen. Der belgische Detektiv lüftet im Finale mehr als eine Maske und sorgt damit für ungläubiges Staunen beim Leser.

Insgesamt ist "Das Haus an der Düne" ein kurzweiliger, klassischer "Whodunit", an dem Fans des Genres ohne Einschränkung ihre Freude haben werden.
7 von 9 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
CharlyDD zu »Agatha Christie: Das Haus an der Düne« 19.07.2008
"Das Haus an der Düne" gehört für mich zu den besten Christies. Das Buch wurde von ihr dem Autor Eden Philpotts gewidmet, welcher folgende Zeilen an Christie schrieb: "Sie haben ein großartiges Gefühl für Dialoge...Streichen Sie alle moralischen Hinweise aus ihren Novellen. Sie übertreiben es damit; und es gibt nichts Langweiligeres. Versuchen Sie es und lassen Sie Ihre Charaktere für sich sprechen, anstatt zu sagen, was sie hätten sagen sollen..."

Genau das ist ihr vorzüglich gelungen.

Poirot und sein Gefährte Hastings ermitteln wieder gemeinsam: In Ihrem neuesten Fall versuchen sie die sonderbaren Anschläge auf das Leben der bezaubernden, leicht verrückten Nick Buckley zu vereiteln und dem Täter auf die Schliche zu kommen. Und das alles natürlich in der gewohnt überheblichen Art des Hercule.

Brilliant gelöst (wie immer) mit einem nachdenklichen Zusatz am Ende.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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