Der Stab des Dirigenten von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2011 bei Königshausen & Neumann.
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Würzburg: Königshausen & Neumann, 2011.
ISBN:
978-3826044823. 228 Seiten.
'Der Stab des Dirigenten' ist erschienen als
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In Kürze:
Ein grausamer Taktstocktyrann regiert mit strenger Hand über Orchester und Opernhaus. Besonders abgesehen hat er es auf den Solobratschisten, der alsbald von der Bildfläche verschwindet. Nun bleibt keine Note mehr auf der anderen, es kommt zu mysteriösen Anschlägen, eine weitere Person wird vermisst, und fern von hier entdeckt man eine durch rätselhafte Zeichen entstellte Leiche. Wie hängt das alles zusammen? Und wer sind die Fädenzieher? Das Phantom-der-Oper-Revival oder doch die berüchtigte Nebengeschäft-Mafia? Über allem aber schwebt der jahrelang gestaute Hass gepeinigter Orchestermusiker.
Das meint Krimi-Couch.de: »Ein selten unnötiger Roman«
Krimi-Rezension von Carsten Jaehner überspringen
In einem österreichischen Orchester, dem Viel Harmonischeren Distrikt-Orchester, kurz VHDO, regiert ein herrischer und bisweilen tyrannischer Dirigent über das Orchester. Das beste an Proben ist immer das Ende derselben, niemand mag den Chef, jeder wurde schon von ihm vor gesammeltem Orchester heruntergemacht, manche öfter, manche seltener. Zu dieser Zeit verschwindet ein besonders gedemütigter Bratschist spurlos, und auch auf andere Mitglieder des Orchesters werden Anschläge verübt. So wird beispielsweise der Cellist Bernard von einem Unbekannten gejagt, bis er sich im Instrumentenabstellraum verstecken kann. Als auch der Dirigent schließlich verschwindet, sind zwar alle froh, allerdings ruft es den Orchesterinspektor Fiese auf den Plan, der beginnt, die Zusammenhänge zu untersuchen.
Ein paar Wochen später wird auf Island eine Leiche in einem Lavafeld gefunden. Kommissar Illasson ermittelt und begibt sich auf die Suche nach Spuren. Diese führen ihn bis zur alten Edda, der Saga-Sammlung, und alten Runen. Große Verehrer und Kenner der Edda waren auch der frühere Bratschist des Orchester, und auch der Dirigent kannte sich damit gut aus. Zusammen hatten sie vor kurzem eine Konzertfahrt nach Island gemacht …
Plattitüden und Klischees am laufenden Band
Autor Adi Traar war selber viele Jahre Solooboist bei den Grazer Philharmonikern und kennt sich daher im Gefüge des Orchesters gut aus. Das merkt man auf jeder Seite des Buches, was sowohl Vor- als auch Nachteil ist. Dass es in jedem Orchester eine gewisse Hackordnung gibt, ist bekannt und auch erst einmal logisch. Was der Autor dem Leser allerdings zudem noch zumutet, ist für jeden Leser am Rande der Erträglichkeit.
Mit einem auf Dauer unerträglichen österreichisch-ironischen Humor, platt und langweilig, nervt der Autor den Leser schon auf der ersten Seite, und dies zieht sich durch bis auf die letzte der 228 Seiten. Selbst die Passagen in Island bleiben davon nicht verschont, und dies stellt jeden Leser, wenn er es denn überhaupt bis zur Hälfte des Buches schafft, ab der die Island-Sequenz beginnt, auf eine mehr als harte Probe.
Der Autor ergeht sich in durchweg in Plattitüden, Klischees und derben Herrenwitzen, immer unterstützt durch die »Orchestermatratze” in Form der Geigerin Babsi, bei der wohl sogar der Dirigent persönlich einmal landen durfte. Dass diese irgendwie in das Verschwinden der Kollegen verwickelt sein könnte, ergibt sich erst durch die Ermittlungen des Orchesterinspektors (hierzulande würde man Orchesterwart sagen), jedenfalls für den Leser.
Viele Fragen, deren Antworten den Leser nicht interessieren
Allerdings fragt man sich, warum denn ein Mann aus dem eigenen Hause ermittelt und nicht vielleicht die Polizei, die ja eigentlich für das Verschwinden von Personen zuständig sein sollte. Dies ist nur einer der vielen Fragen, die der Roman aufwirft. Eine davon dürfte tatsächlich sein, was der Autor dem Leser eigentlich sagen möchte.
Der Kriminalfall selber, wenn man ihn denn großzügig als solchen bezeichnen will, gerät durch die banalen und flachen Erzählungen und Unterhaltungen der Orchestermitglieder immer wieder in den Hintergrund, so dass man ihn teilweise sogar vergisst. Eine Aneinanderreihung verschiedenster Musikeranekdoten wird hier durch eine mehr als dürftige Handlung irgendwie in eine Reihe gebracht, aber das macht keinen Kriminalroman aus. «Ein Orchesterkrimi” steht großzügig auf dem Buchcover, und es ist definitiv mehr Orchester als Krimi, was der Leser des Romans aus dem Hause Königshausen & Neumann in den Händen hat.
Unnötige Zeitverschwendung
Die Sprache ist selbst für den geneigtesten Leser kaum zu ertragen, der Kriminalfall langweilig bis nicht vorhanden, und die Personenzeichnung dermaßen dürftig, dass es dem Leser fast unmenschliche Geduld abverlangt, dieses Buch überhaupt zu Ende zu lesen. Selbst Musiker, die sich in diesem Milieu vielleicht wiedererkennen, dürften diese Lektüre missbilligend aus der Hand legen. Nicht-Musiker werden den Großteil der Anspielungen nicht verstehen (es gibt auch keine Anmerkungen), und für Musiker, die sich auskennen, wird der Roman als Blödsinn angelesen in irgend einer Ecke landen.
Der Stab des Dirigenten ist ein peinlicher und unnötiger Roman, weder urkomisch (wie auf dem Cover großmundig versprochen) noch witzig, und noch nicht einmal (wie ebenfalls auf dem Cover versprochen) kontrovers. Wer einen schönen und spannenden Roman lesen möchte, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Für Nicht-Musiker unverständlich, für Musiker auch, aber aus einem anderen Grund. Die Lektüre dieses Romans verspricht unnötige Zeitverschwendung mit unwitzigen Anspielungen und indiskutabler Handlung. So kann der Rat nur lauten: Finger weg!
Carsten Jaehner, Juni 2011
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