Schwarzes Ballett in Château-Rouge von Achille F. Ngoye

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Ballet noir à Château-Rouge, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei zebu.
Ort & Zeit der Handlung: Paris, 1990 - 2009.

  • Paris: Gallimard, 2001 unter dem Titel Ballet noir à Château-Rouge. 241 Seiten.
  • Frankfurt am Main: zebu, 2004. Übersetzt von Katarina Grän & Ronald Voullie. ISBN: 3937663029. 240 Seiten.

'Schwarzes Ballett in Château-Rouge' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Das Paris der schwarz-afrikanischen Einwanderer, irgendwo zwischen den Metro-Stationen Clignancourt und Ch teau-Rouge, ist der Schauplatz dieses düsteren Kriminalromans. Einem Illegalen ist der Kauf von falschen Papieren schlecht bekommen, und Detektiv Kalogun soll den Fall untersuchen. Schnell verliert der Ermittler in dem labyrinthischen Viertel mit seinen Zuhältern, Dealern und Straßenhändlern die Übersicht. Kein Wunder: Kalogun ist gerade aus Afrika angekommen, er geht recht planlos an die Suche heran, verlässt sich auf seine Schutzgötter und den Zufall. So bleibt es nicht aus, dass die Dinge ziemlich schief laufen. Kalogun merkt, dass er es mit einem mächtigen Gegenspieler zu tun hat. »Das ist der Krieg«, sagt einer von Kaloguns Verbündeten – aber bis der Detektiv dies realisiert hat, findet er sich schon selbst in der Rolle des Gejagten wieder.

Das meint Krimi-Couch.de: »Gewalt direkt, Brutalität ungeschminkt – ein klassischer Noir« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Reuter

Djeli Diawara ist ein Bauarbeiter aus Mali und lebt in Paris. Er wurde reingelegt. Von einem Pariser Beamten, der ihm eine gefälschte Aufenthaltsgenehmigung verkauft hat. Er hat seine Frau und fünf Kinder in Afrika zurückgelassen, um in Paris Geld zu verdienen. Das schickt er nach Hause. Und jetzt dieses Schlamassel. Die Polizei beschlagnahmt seine falschen Papiere, und er taucht unter.

Eine inoffizielle, im Untergrund agierende afrikanische Unterstützungsgruppe nimmt sich seiner an. Sie möchte die Hintermänner der Fälschungen entlarven. Und Djeli Diawara finden. Der ist in Lebensgefahr, da er zuviel weiß.

So engagiert die Gruppe den Detektiven Kalogun, den sie auf Schleichwegen – mit einem gefälschten Visum – aus Afrika einschleust.

Kalogun hat eine schwierige Aufgabe vor sich, da er keinerlei Anhaltspunkte hat, wo er seine Nachforschungen beginnen soll. Und das in Château Rouge, dem dunklen Viertel der Farbigen und Schwarzen, im Sumpf der Prostitution, der Dealer, der Straßenhändler, des Kannibalismus.

Dazu hat Kalogun keine gültigen Papiere, er ist also in der gleichen Situation wie viele Einwanderer in dieser Gegend. Und die Polizei ist korrupt, die Schwarzen untereinander uneins, die arrivierten stehen gegen die illegalen.

Die Ermittlungen sind von Anfang an vom Pech verfolgt, obwohl sich Kalogun als findig und schlagkräftig erweist, mit dem richtigen Instinkt für Gefahr. Er gerät wiederholt in gefährliche Situationen, verfolgt aber bis zum Schluss unbeirrt seinen Weg. Am Ende kommt es zu einem rasanten Showdown à la Clint Eastwood, aber doch mit einem Schluss, der einem Roman Noir alle Ehre erweist.

»Im Jahr 3000 finden Archäologen bei Ausgrabungen in Paris auf der Suche nach den Grundlagen unserer Zivilisation 2500 Romans Noirs. Sie finden die gesamte Geschichte des letzten Jahrhunderts: Die Konsequenzen des Ersten und Zweiten Weltkrieges, die europäische Judenvernichtung, die Kolonialkriege in Vietnam, Algerien und anderswo, Rassismus, Antisemitismus etc.«

Diese Zukunftsvision stammt von Patrick Raynal, dem französischen Krimiautor und zudem auch Herausgeber der »Série Noir« im Gallimard-Verlag.

Liest man »Schwarzes Ballett in Château-Rouge« von Achille F. Ngoye, kann man dem uneingeschränkt zustimmen. Das ist ein klassischer Noir mit allen seinen wesentlichen Eigenschaften:

Ngoye schreibt in einem hohem Tempo. Da gibt es für den Leser keine Verschnaufpause. Er zeigt Gewalt direkt, Brutalität ungeschminkt. Seine unterdrückte Wut über Rassismus kommt immer wieder an die Oberfläche. Doch er geht auch in die Tiefe, zeigt die Probleme der farbigen Einwanderer untereinander mit messerscharfem Blick, auch nicht ohne eine gewisse Ironie.

Er malt schonungslos intensive Genrebilder aus dem Rotlichtmilieu mit kurzen Sätzen wie schnelle, dichte Peitschenhiebe.

Seine Sprache bewegt sich immer auf hohem Niveau, wenngleich sie naturgemäß oft deftig und den Situationen oder Menschen angepasst das jeweilige Milieu widerspiegelt. Hier ist auch auf die sehr gelungene Übersetzung aus dem Französischen von Katarina Grän und Ronald Voullié hinzuweisen.

Jean-Patrick Manchette schreibt:

»Ein guter Roman Noir ist ein gesellschaftskritischer Roman, der zwar Geschichten von Verbrechen erzählt, der aber zugleich versucht, die Gesellschaft an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit abzubilden.«

Der Noir bewegt sich zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Desillusion und Beklemmung. Er sucht die Wurzeln der jeweiligen gesellschaftlichen Krise in der Vergangenheit, in historischen Verbrechen. Daher gibt es kein Happy-End, es besteht lediglich die Hoffnung, das der Mensch oder der Leser die Zusammenhänge erkennt.

In all seiner Konsequenz, seiner Wut, seinem direkten Zug zur Gewalt, seiner ungeschönten Darstellung der gesellschaftlichen Realität, der glaubhaften Ausformung der Protagonisten ist hier Achille F. Ngoye ein äußerst spannender, tempo- und abwechslungsreicher Roman Noir gelungen, der mit Recht in die »Série Noir« des Gallimard – Verlages aufgenommen wurde.

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Jürgen zu »Achille F. Ngoye: Schwarzes Ballett in Château-Rouge« 21.07.2010
Ich muß dich gleich darauf hinweisen, Genosse Kalogun, daß deine Mission sehr heikel ist. Es ist gut möglich, daß deine Untersuchung zu spät kommt, aber wir müssen unseren Freund unbedingt finden. Sein Leben ist von der Schnelligkeit deines Handelns abhängig ...".
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Zum Inhalt: "Château-Rouge nennen die schwarzen Immigranten das labyrinthische Viertel im Norden von Paris, rund um den Dejean-Markt.
Detektiv Kalogun wurde von einer dubiosen Immigrantenorganisation angeheuert, Djeli Diawara, einen Arbeiter und Exilanten aus Mali, der in eine düstere Affäre um falsche Papiere verwickelt und plötzlich wie vom Erdboden verschwunden ist, zu finden. Die Spur führt Kalogun in die Gegend um die Metrostation Château-Rouge. Aber schnell verliert der Ermittler in dem unübersichtlichen Viertel mit seinen Zuhältern, Dealern und Straßenhändlern die Übersicht und schon bald fordern die Ermittlungen ein erstes Opfer.
Kalogun merkt, daß er es mit einem mächtigen Gegenspieler zu tun hat, denn hinter den Kulissen ziehen alte Kriegskameraden die Fäden und politische Seilschaften tragen ihre Fehden aus - aber bis der Detektiv dieses realisiert hat, findet er sich bereits selbst in der Rolle des Gejagten wieder...".
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Fazit: Der 1944 im ehemaligen Zaire geborene und seit 1982 in Paris lebende Autor und Journalist hat einen brillanten Roman geschrieben, dessen Spannung sich von der ersten Seite an durch die Dramaturgie kontinuierlich steigert.
Dichte Atmosphäre, psychologisch subtile, unaufdringliche Charakterstudien und unübertroffenes Lokalkolorit in Verbindung mit den Beschreibungen politischer und sozialer Verhältnisse zeichnen diesen Autor und seinen Roman aus -
Von daher kann die Empfehlung nur lauten: Kaufen & Lesen.
Anja S. zu »Achille F. Ngoye: Schwarzes Ballett in Château-Rouge« 28.04.2006
Dieser afro-franzoesische Noir hat viele Vorschusslorbeeren bekommen, unter anderem von Tobias Gohlis aus der "Zeit", daher ging ich mit recht hohen Erwartungen an dieses Buch heran.
Aber leider hat es mir nicht besonders gut gefallen. ja, es ist ein typischer Noir, aber besonders spannend ist er nicht. Am schlimmsten ist jedoch die Unuebersichtlichkeit der unendlich vielen autretenden Figuren, die zudem noch mit verschieden Namen bzw. Bezeichnungen eraehnt werden, so dass es echt schwer ist, den Ueberblick zu behalten.
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